If your memory serves you well ...

Wollte da wer die FDP verbieten?

W“ir können einem Verbotsantrag nicht zustimmen”, sagte FDP-Chef Philipp Rösler am Montag in Berlin. “Dummheit kann man nicht verbieten.”

Stimmt, Dummbratzen – ob liberal, ob national – lassen sich höchstens abwählen; und dann wäre da ja noch die persilscheinige FDP-Herrenreiter-Tradition aus des seligen Erich Mendes Zeiten, von den heute noch zahlreichen schmissigen Burschenschaftlern in diesem Anzugträgerverein mit seinem industriellen Aufstiegsbewusstsein ganz zu schweigen*:

“Als „unerträglich“ bezeichnete es [der Frankfurter FDP-Vorsitzende] Stein, wie das linke Spektrum in einer Art „Pawlow’schem Reflex“ auf die Aktivitäten und Treffen der korporativ organisierten Studenten reagiere.”

Ja, da – in der Hauptstadt des Geldes – herrscht nämlich noch wahre Liberalität, da gehen Fuchs und DAX noch Hand in Hand. Anders ausgedrückt: Ohne die Gummimatte der NPD wäre rechts von der FDP nur noch die nackte Wand – wie leicht könnte man sich da weh tun …

*Wer’s nicht glaubt, gurgle mal mit ‘FDP’ und ‘Burschenschaft’. Aha-Erlebnisse sind garantiert: Distanzierungen, Rausschmisse, patriotische Reden … alles dabei, und die FDP immer auf dem Podium. Je jungliberaler, desto doller. Okay, ein paar versprengte Unionisten gibt’s manchmal auch, aber deutlich seltener: “Die FDP in Nordrhein-Westfalen will jenen ranghohen Burschenschafter ausschließen, der Dietrich Bonhoeffer … als “Landesverräter” bezeichnet hat.” Immerhin … der mochte dann aber auch nicht länger drauf warten, und ging von selbst.

8 Kommentare

  1. hardy

    ist wahrscheinlich eulen nach athen, aber das da kennst du, oder?

    31.12.2010, junge welt, otto köhler

    Die NSFDP

    Eine Studie, die sich mit der freudig ertragenen Nazi-Unterwanderung der nordrhein-westfälischen FDP beschäftigt, hat beim Spiegel Beklemmung hervorgerufen. Zu Recht

    ich hätte da auch einen link, aber … naja, lösch ihn einfach wieder, bevor du den kommentar freischaltest …

    *gelöscht, bring mich hier nicht in Teufels Küche …*

  2. Klaus Jarchow

    Du meinst den Naumann-Kreis – zur Zeit der ‘Gauleiter-FDP’? Die Geschichte ist bekannt, habe ich oben auch verlinkt. Die Nachkriegs-FDP war nicht nur in einigen wenigen Bundesländern ein Refugium für hochbelastete NS-Funktionäre, bestenfalls war’s in der Mende-Zeit eine Neuauflage von DVP und DNVP, also von ‘Hugenberg’ und ‘Stahlhelm’. Für die anderen, für die Naiven also, da gab’s den netten ‘Papa Heuss’ als wohlanständige Fassade, jemanden, den auch die Pastorstochter beruhigt wählen konnte. In NRW wollten sie damals sogar eine Art NS-Nachfolgeorganisation aus den Pseudo-Liberalen machen.

  3. hardy

    sorry, ich wollte dich tatsächlich nicht in die lüche bringen und hatte im hinterkopf, daß du “freischaltest” … und war dann ganz entsetzt über meine doofheit. mea culpa, never again.

    der artikel ist von otto köhler, den ich schon seit jahren wegen seiner hartnäckigkeit schätze (vor llem ein beiträge im früheren wdr politikum), und er ist an klarheit nicht mehr zu übertreffen.

    auch wenn wir immer so tun, als ob es diese “autobahn” unter uns nicht gäbe: wir fahren immer noch drüber und in viel mehr unangenehmen geschichten, als wir es wahr haben wollen, stecken wir immer noch knietief in diesem braunen sumpf.

    daß wir jetzt fast 70 jahre später mit dieser bizarren geschichte konfrontiert werden, sollte uns nicht überraschen. sie ist eher symptom.

  4. hardy

    sorry für die schreibfehler.

    das passiert (noch), wenn ich (auch) die linke benutze …

  5. stefanolix

    Das hat schon etwas: Die Ablehnung des NDP-Verbotsantrags mit Vorgängen in Verbindung zu bringen, die Jahrzehnte zurückliegen. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus konnte sich selbst die dezidiert antifaschistische DDR kein neues Volk schaffen und in der Volkskammer saßen zeitweise 20 Prozent ehemalige NSDAP-Mitglieder.

    Menschen entfernen sich oft von radikalen und extremistischen Positionen und entwickeln sich zu Demokraten: Es saßen beispielsweise in der rot-grünen Koalition Minister mit einer dezidiert linksextremistischen oder linksradikalen Vergangenheit am Kabinettstisch.

    Es kommt doch auf die Argumente und die Politik von heute an. Gegen die NPD kann man mit Schaufensterpolitik nichts ausrichten. Der erste gescheiterte Antrag auf NPD-Verbot hat die Rechtsradikalen in der Tat nicht geschwächt, sondern ihnen Zulauf und Wählerstimmen beschert.

    In der Folgezeit haben sie sich in der Politik überall selbst demontiert und lächerlich gemacht. In den Umfragen und bei Wahlen ging es wieder abwärts. Zur Zeit würden sie nirgends über fünf Prozent kommen. Und nun soll ein neuer Verbotsantrag die Lösung sein? Da finde ich die Aussage »Dummheit kann man nicht verbieten« gar nicht so falsch.

  6. Klaus Jarchow

    @stefanolix: Es ist unübersehbar, dass insbesondere der Nachwuchs in der FDP sich deutlich nach steuerbord entwickelt hat. Sobald in den Burschenschaften irgendein Jungnickel etwas Ungehöriges blökt, kannst du fast sicher sein, dass kurz darauf ein ‘auch Mitglied bei den Jungen Liberalen’ im Text folgt. Die Generation der Baum, Leutheusser-Schnarrenberger usw., die gelten denen dort längst als Fossilien, dort orientiert man sich eher an den Erfolgen von FPÖ, Le Pen, Blocher, Romney usw., und man wandelt als ‘neue Elite’ wieder strikt auf Erich Mendes Spuren. Daran ist ja auch nichts Verwunderliches, denn historisch waren die Liberalen die meiste Zeit stramm rechts, von Bismarcks Nationalliberalen bis hin zur DVP in der Weimarer Republik.

    Rechts ist heute übrigens nicht ‘Führerstaat’ und ‘Odinsrunen’, wie in der NPD, diese Krawallsynapsen gelten auch denen als Dumpfbacken, die zwar tendenziell richtig liegen, aber den Gong nicht gehört haben; das ‘moderne Rechts’ ist völkisch-heimatverbunden resp. ‘ethnopluralistisch’, wie sie selber das nennen, es ist islamophob statt platterdings antisemitisch, es ist ‘elitär’ und ‘herrenmenschlerisch’, statt ‘gleichmacherisch’ und ‘sozialistisch’, so wie sie jede Form von Gerechtigkeitsdiskurs taufen. Man könnte auch sagen: Da dünken sich Dummköpfe über den Pöbel weit erhaben, trotz ihres unverändert pöbelhaften Denkens. Ihre Elite definiert sich übers Portfolio, nicht über das Denkvermögen. Zumeist sind es die typischen Söhne von wohlsituierten ‘Eislauf-Muttis’ … ‘Ölprinzen’ in meinem Sprachgebrauch. Und es geht dort ‘männerbündlerisch’ zu, Frauen sind dort eher eine Rarität – aus welchen Gründen auch immer (s. George-Kreis).

    Und da schließt sich für mich der Ring: Dieser ‘Naumann-Kreis’, der damals von den ‘britischen Besatzern’ und eben nicht von der FDP aufgedeckt werden musste, der verstand sich selbst ja auch primär als ‘Elite’, und eben nicht als Klüngelrunde von ‘Schreibtischtätern’ und ‘Kriegsverbrechern’. Die Liberalen mussten damals zum Parteiausschluss getragen werden. Mit solchen Selbstreinigungskräften liegt es bei der FDP immer noch im Argen. Gurgel mal mit ‘Torsten Lemmer’ …

  7. stefanolix

    Übrigens sind auch Landespolitiker der Grünen gegen den NPD-Verbotsantrag. Interessanterweise mit den selben Argumenten, die die FDP auch bringt:

    http://www.antje-hermenau.de/aktuell/meldungen/ansicht/598/sachsens-gruene-fraktion-begruesst-beschluss-des-bundeskabinetts-keinen-eigenen-npd-verbotsantrag-z/

  8. Klaus Jarchow

    So etwas kommt vor: Das katholische Zentrum war damals ja auch für das Ermächtigungsgesetz, ohne dass die Zentrumspolitiker deshalb Nazis waren …

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