If your memory serves you well ...

Wie werde ich Putin-Groupie?

Hier ein leichtverständlicher Rhetorik-Leitfaden, um sich erfolgreich unter Gleichgesinnten in deutschsprachigen Foren tummeln zu dürfen (alle Beispiele aus dem ‘Standard’ – im ‘Spiegel’ oder in der ‘Zeit’ geht’s nicht anders zu):

1. Dislozierung: Wenn Ihnen die ‘US-Imperialisten’ mit kaum bezweifelbaren Quellen zu sehr zusetzen, verkrümeln Sie sich umstandslos in andere Regionen und andere Zeiten – ‘Kosovo’ oder ‘Guantanamo’ gröhlen genügt meist schon, und die Vergangenheit darf gern auch einen noch längeren Bart tragen: USA haben “Beweise” Haben sie? Sind die “Beweise” von gleicher Qualität wie jene die “bewiesen”, dass nordvietnamesische Streitkräfte amerikanische Schiffe angriffen? Sehen Sie, das alles mag zwar jetzt fünfzig Jahre her sein, aber der Beweis kann nun aus ukrainischen Quellen stammen, so lange er will. Sie haben sich stattdessen wunschgemäß in die USA verbissen und einen unwiderleglichen Instant-Gegenbeweis aus Ihrer historischen Mottenkiste gekramt, der zwar mit dem Thema nicht das Geringste zu tun hat, trotzdem müssen Sie sich in Ihrer Lego-Welt um Beweise nie wieder Gedanken machen. Die Lüge liegt nun mal im amerikanischen Nationalcharakter, also – das schließen Sie messerscharf – muss alles andere wahr sein …

2. Unilateralität: Oligarchen, Faschisten und Knutenlecker hat es hinfort natürlich nur noch auf ukrainischer Seite zu geben. Verkünden Sie das stets mit dem selbstgewissen Brustton eines völlig Verblendeten, und nehmen Sie auf die Stimmigkeit Ihrer Metaphern keinerlei Rücksicht: Die militärpolitischen Beweise der US – Infiltrationspolitik werden immer langweiliger. Ihre jetzt hochgezüchtete Oligarchenbande in Kiew wird sich noch als böser Bumerang erweisen. Und die Beteiligung der ostukrainischen und russischen Oligarchie am Tohuwabohu dort verschweigen Sie damit ganz nonchalant. Es kommt eben immer darauf an, wessen Oligarch jemand ist …

3. Präjudizien: Stellen Sie Ihre Vorurteile über ganze Völker offen zur Schau, nenne Sie diese ruhig ‘Vernunft’, und verknüpfen Sie Ihr mangelndes historisches Wissen damit möglichst überzeugungstreu: Kein vernünftiger Mensch würde den US-Amerikanern auch nur die Uhrzeit glauben. Was mich an eine Frage erinnert, wegen der Nixon einmal als Präsident verhindert werden konnte: “Würden Sie diesem Mann einen Gebrauchtwagen abkaufen? Tscha, wer erinnert sich schon noch daran, dass Nixon eben nicht durch eine solche Frage ‘verhindert’ wurde, sondern durch ganz andere Dinge – Sie aber haben es erfolgreich geschafft, dass in einem Ostukraine-Thread bloß nicht über die Ostukraine geredet werden darf …

4. Blindstellen: Erwähnen Sie den russischen Präsidenten nie, auch nicht konkrete Ereignisse in der Ukraine, benutzen Sie immer den großen Highway nach Washington: Lügen und Täuschungen ziehen durch die Politik der USA wie ein roter Faden. Der jetzige, der kultivierte “nice guy”, der Sozialarbeiter ist auch eine Täuschung und eine Enttäuschung. Warum bitte sollten die jetzt mit dem Lügen aufhören? Sehen Sie, eigentlich ging es ja um das Geschehen in der Ostukraine und um Putins Rolle dabei. Sie aber haben – als dienstbereites Cleverle, das Sie sind – wie ein Frettchen immer nur die Amis zu fassen. Schon winkt Ihnen am Horizont der Putin-Orden am Bande …

5. Fixierung: So wenige es auch sein mögen, das ‘Volk’ sind immer nur die, die Ihnen in den Kram passen. Merken Sie sich das: Bilder sagen mehr als ganze Kommentare: – Stop USA Terrorism – The USA and the EU hands off from Ukraine!!! Das steht auf den Transparenten der Demonstranten. Was hingegen auf jenen Bildern zu sehen war, die jetzt eine Beteiligung russischer Soldaten belegen, das sei Ihnen dagegen ‘pffft!’ Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, auch wenn es Ihrer Eingangsthese fundamental widerspricht. Das fällt den Mitgliedern Ihres Rudels nie im Leben auf – und alle anderen sind eh nur Faschistenknechte …

Ich hoffe mit meiner kleinen Hilfestellung zu einer noch lebhafteren und fundierteren Diskussion in den einschlägigen Foren beigetragen zu haben. Also ‘Beine breit!’ – und denkt an Russland.

1 Kommentar

  1. Herr Karl

    Es muss wunderschön sein, dieses Wir-Gefühl, wenn zusammen und mit weit aufgerissenen Augen gegen die FED, gegen den Drohnen-Obama, gegen die Chemtrails, gegen den US-Imperialismus und gegen die gleichgeschalteten Medien geschimpft wird. Und kein Wort über Putin. Und wenn doch, dann nur das, was die Wagenknecht und die Le Pen über Putin vorsagte…

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