Stepan Banderas Nachfolgeorganisation, die ukrainische UPA, war nach dem Zweiten Weltkrieg Hand in Hand mit der Roten Armee und unter stalinistischem Befehl an der Vertreibung und Ermordung hunderttausender Polen im annektierten ehemaligen Ostpolen beteiligt – als williger Vollstreckungsgehilfe von Stalins sogenannter ‘Entpolonisierung’, bevor dann auch die UPA dran glauben musste. Was die Russen dort unten im Text also kritisieren, ist ihre eigene Sockenpuppe. Die Polen verhielten sich auf ihrem Gebiet gegenüber den Ukrainern übrigens um keinen Deut besser.

Kurzum, es ist eine ziemlich eklige Geschichte und absolut kein Ruhmesblatt, weder für die Ukrainer, noch für die Polen, noch für die Russen. Es ging um die ‘Ethnisierung’ vormals multiethnischer Gesellschaften, ob nun ‘Russifizierung’, ‘Ukrainisierung’ oder ‘Polonisierung’. Mit einem Wort: es ging allemal um Rassismus, in Moskau, in Warschau und in Kiew:

“Ein Fackelmarsch rechter Demonstranten in Kiew hat harsche Kritik aus Russland hervorgerufen. Der Gedenkmarsch zum 106. Geburtstag des umstrittenen Nationalisten Stepan Bandera zeige, dass sich die Ukraine “auf den Spuren der Nazis” bewege … Der Nationalist Bandera (1909-1959) ist im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine eine Reizfigur. Im Zweiten Weltkrieg hatte er einen von der Sowjetunion unabhängigen ukrainischen Staat ausgerufen. Viele der am jüngsten Umsturz in Kiew beteiligten Kämpfer sehen ihn als Vorbild.”

Man könnte allerdings auch sagen, diese Bandera-Anhänger bewegten sich “auf den Spuren Stalins” …

Wer zu dem Thema Lektüre sucht: Keith Lowe: Der wilde Kontinent. Europa in den Jahren der Anarchie 1943–1950.