Stilstand

If your memory serves you well ...

Vomitieren dank Broder

In Springers ‘Welt’ darf der große Pichelsteiner seine Schmierenkomödien von der gigantischen Muslimgefahr und dem Migrantenkahlfraß immer mal wieder aufführen. “Nordeuropa arbeitet – und muss für den Süden zahlen” lautet das neueste Machwerk. Beim Einstieg ins Lead nimmt Henryk M. Broder sogar einen Satz lang auf diese Headline noch Bezug:

“Südeuropas Kaffeehauskultur ist lustiger als die Disziplin des Nordens.”

Nun ja, da Kultur, hie Disziplin – der Textkomödiant gibt seinem Affen gleich anfangs Zucker, dem ungebildeten deutschen Kleinbürger also. Das Vorurteil von den faulen ‘Ithakern’ und den schwer arbeitenden Deutschen wird hintergründig reaktiviert, bevor Broder dann auf den Sozialetat einschlägt. Historisch – um mal ein paar Fakten ins Feld zu führen – war es übrigens so, dass die Südländer nie eine nennenswerte ‘Kaffeehauskultur’ besaßen.

Diese Kultur fand in Wien, in Berlin, in London oder in Paris statt – und sie schuf die sogenannte Bohème, ein europäisch-akademisches Lumpenproletariat aus dem hohen Norden, das sich allerdings nicht übermäßig durch eine gesunde Arbeitssucht auszeichnete. Von nördlicher ‘Disziplin’ ist auch in den mehr als 600 Kommentaren nichts zu spüren, die unter Broders Erguss, vermutlich spirituosenbefeuert, alle Gänge des Kommentardecks meterhoch mit Gülle füllen. Sei’s drum – der Herr von der Achse des Guten verzeichnet die Welt halt gern, und streicht zum Dank solchen Lohn ein.

Wer aber denkt, der rasende Henryk würde themenbezogen an einem kulturellen Graben zwischen Südländern und Nordländern schachten, der sieht sich getäuscht. Haste nicht gesehen – schon steckt der dubiöse Herr knietief in der Innenpolitik, also gar nicht mehr im mediterranen Raum, sondern fern des Einstiegs hier bei uns an der Nordsee. Die Eurokrise mutiert ihm unter der Hand zu einem Migrantenproblem, und Deutschland wäre demnach das Land, wo Milch und Honig fließen, wo sich der unkultivierte Eingeborene aus Timbuktu an der “Wundertüte des Sozialstaats” laben darf, um seine Kaffeehausrechnungen zu bezahlen. Weshalb das Bundesverfassungsgericht ja auch justamäng die Sozialhilfe für Asylbewerber aus Gründen der Menschenwürde aufzustocken anordnete. Aus solchem Unverstand folgt also der Untergang des Euro-Raums – und das ganze Elaborat endet in einer kruden Parallelisierung:

“Die Geschichte wiederholt sich, diesmal in einem viel größeren Maßstab. Erst hieß es, die Einwanderung würde die Aufnahmeländer “bereichern”, nun heißt es, die Kollektivierung der Schulden würde den Geberländern zugute kommen. Man müsse nur “mehr Europa wagen!”

Schon klar – wer sich von Flöhen umzingelt wähnt, muss sich ständig kratzen. Aber selbst wenn’s es bei einer Hirnflöte wie Henryk M. Broder sinnlos scheint – er klackert solches Geschreibsel schließlich bewusst in die Tastatur – hier nochmals einige Fakten zum Mitschreiben für ‘Bewunderer’: Die Iren laborieren an den Schulden von Banken, nicht an ihrem Sozialetat; die Spanier waren bekanntlich Immobilienhaien in die Hände gefallen, und nicht den Kaffeewirten; die Griechen arbeiten noch heute mehr als die Deutschen, sofern sie durchs ewige Sparen inzwischen nicht arbeitslos wurden; in Italien werden die Migranten’ erheblich schlimmer behandelt als in Broders ach so vorbildlichem Dänemark, trotzdem wächst ihre Zahl; die Deutschen überweisen die ominöse ‘Griechenlandhilfe’ gar nicht an Griechenland, sondern an britische, französische und nicht zuletzt an deutsche Banken, wodurch wiederum die Verschuldung steigt und steigt …

Mit dem Dolce far niente in Kaffeehäusern und mit mangelnder Arbeitsmoral aber hat das alles rein gar nichts zu tun … und wenn Broder schon Marx zitiert und den “Reichtum geronnene Arbeit” nennt, dann möchte er auch erwähnen, dass es sich zumeist um ‘die Arbeit anderer’ handelt.

Wer Vernunft hat und den Broder liest, der möchte oft Max Liebermann zitieren

1 Kommentar

  1. ahh … gefunden. Von dem ist das also 🙂

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