If your memory serves you well ...

Schlagwort: Wahl

Lawmakers

The Regional Election Commissioner] told … that the commission’s refusal to register many political forces, including those linked to separatist leaders, showed its “impartiality.” “If we had allowed them to participate (in the elections) we would have violated the law,” he said. “We couldn’t do that.”

Es gibt ein ‘Law’ von irgendwo … ohne das hätte das einer Wahl ja wenigstens halbwegs ähnlich gesehen. Ich vermute mal, dass die Ergebnisse eine Stunde vor Schließung der Wahllokale bekannt gegeben werden. Anschließendes Shoot-Out inbegriffen …

Ganz interessanter zweistündiger Livestream hier: “The Menace of Unreality: Combatting Russian Disinformation in the 21st Century”. Die armen ‘Nashibots’ müssen heute Schwerstarbeit leisten …

Hier eine Szene von der ‘Wahl’. Motto: ‘Ej, zoich mir erstma doin’n Wahlzettel, Oida! Muscha sehn, obbu den auch korrekt aussefüllt hoast.’ Gespenstisch …

Ich denke mal, zwei, drei Tage brauchen sie jetzt, um sich zu konsolidieren und um historische Ansprüche auf ‘ur-donbassische Gebiete’ anzumelden. Dann – so um den 5. oder 6. November herum – heißt es: Auf nach Mariupol! Anders ergibt das alles keinen Sinn.

Nachtrag: Wie vorhergesagt: “Noch während der Auszählung der Stimmzettel wurde für die selbst ernannte “Volksrepublik Donezk” Alexander Sachartschenko als “Republikchef” bestätigt, in der benachbarten und ebenfalls nicht anerkannten “Volksrepublik Lugansk” gewann der “Amtsinhaber” Igor Plotnizki.” Naja, was soll man auch wählen, wenn man keine Wahl hat? Kim Jong Un soll schon ein Glückwunsch-Telegramm geschickt haben. Einzig die ‘Kyiv Post’ versuchte für ein bisschen Spannung zu sorgen: “The campaign billboards in this city [= Donezk] suggested a tight race between Aleksandr Zakharchenko and Aleksandr Zakharchenko.”

Bilder von den Wahlen

Simon Ostrovski von ‘Vice’ hat eine weitere Folge von ‘Russian Roulette’ ins Netz gestellt, diesmal zum Ablauf der Wahlen im Osten der Ukraine. Recht beeindruckend …

Noch was? Ach ja, “the situation is sad”, sagt Alexandr Zakharchenko, befragt nach den Shoot-Outs am OK-Corral der Regulatorentruppen untereinander. Die andere Seite ist darüber natürlich nicht ‘sad’, sondern eher ‘happy’: “The separatists are fighting among themselves, and this is obvious, we see it all the time, their shootings. We have a so-called ceasefire with them, with some of them. Some do not follow the conditions of this ceasefire, as there are many gangs here, various groups.” Separatisten-Motto: ‘Zehn kleine Banditengangs, die taten sich abscheuen, die eine schoss die andere tot, da waren’s nur noch neun. Neun kleine Banditengangs, die waren schwer verkracht. Die eine geriet in’n Hinterhalt, da waren’s nur noch acht. Acht kleine Banditengangs, die wähnten sich durchtrieben, auszogen sie auf Beutetour, da waren’s nur noch sieben. Sieben kleine Banditengangs …’ usw. Immerhin aber sorgen sie dort vor den Schnapsläden für ‘Ordnung’, auf ihre Art. Mein Respekt gebührt diesen gelbgekleideten Frauen, die sich den besoffenen Untieren in den Weg stellten …

Was tun gegen einen potentiellen Aggressor, der im Grunde noch immer Marschall Shuikovs Doktrin des massiven Panzereinsatzes folgt? Nun, “the past two years has seen the Baltic states of Estonia, Latvia and Lithuania buying up large amounts of anti-tank weapons and ammunition.” Eingesetzt, würden sie dann den Altmetall-Markt in die Knie zwingen. Vielleicht sollten wir jetzt auch etliche dieser reinen Abwehrwaffen an die Ukraine liefern, früher oder später tun wir das sowieso … da braut sich aktuell nämlich einiges zusammen.

Was vergessen? Vielleicht das: “The rouble opened sharply weaker on Thursday, hitting a new all-time low.” Och, dabei hat doch die russische Zentralbank gerade ein paar Milliarden Dollar ihrer sagenhaften Schätze zur Stützung von Putins wankender Währung im Finanzmarkt versenkt. Ich nehme noch Wetten an zur Frage, was wohl eher kommt: Putins glorreiche Annexion von Novosomalia – oder die große Hungersnot in Russland …

Nun ja, und die blöden Ukrainer wollen derweil das Minsker Abkommen einfach nicht so weitherzig auslegen, wie es die Bandidos tun:

“We are holding talks on Mariupol, they don’t want [this] peacefully. If it doesn’t work peacefully, then we’ll use force,” Prime Minister Alexander Zakharchenko told constituents Thursday.

Jaja, dieser Crime Minister … warum schlägt er nicht einfach eine Volksabstimmung vor, mit Wahlbeobachtern und allem Pipapo?

Demokratien immer lupenreiner

Es sind kaum noch Spuren vordemokratischer Zustände zu entdecken – und wenn, dann nur durch aufwändige Fahndungsmaßnahmen auf anatolischen Müllkippen:

Im ganzen Land tauchen verbrannte oder auf den Müll geworfene Stimmzettel mit Stimmen für Oppositionsparteien auf. Zudem wurden schon am Wahltag säckeweise für die AKP vorgestempelte Stimmzettel entdeckt, was einen systematischen Wahlbetrug ungeahnten Ausmaßes vermuten lässt.”

Und an den Stromausfällen haben “Katzen [schuld], die in wichtige Stromverteiler eingedrungen sind und Kurzschlüsse verursacht haben”. Ha, marks Müs! Ausgerechnet am Abend vor Erdogans großer Wahlparty rotten sich überall anarchistische Stubentiger zusammen, um kollektiv Selbstmord zu begehen! Das aber wird ihnen der ‘Vater der modernden Türkei’ bestimmt nicht durchgehen lassen. Gegen türkische Katzen hilft eben nur ein ganz harter Hund, der jetzt mit eisernem Besen die Pflöcke des Fortschritts auf demokratischem Wege einschlägt … oder so.

Die große Lähmung

Allgegenwärtig scheint die Lethargie der Deutschen vor der Wahl. Ob nun Intellektuelle oder aber ein Ulf Poschardt, sämtliche Eingeweideschauer flüchten sich wahlweise in Kritik an Merkels ‘asymmetrischer Demobilisierung’ oder in hanebüchene psychologische Deutungen:

“Deutschlands Intelligenz ist narzisstisch gekränkt.”

Klar, Ulf, wer im Glashaus sitzt … aber gut, lassen wir das. Das Phänomen wäre eigentlich ganz einfach zu erklären. Keines der angebotenen Politikmodelle – ob nun eine schwarzgelbe Fortsetzung des politischen Elends oder aber ein rotgrüner ‘Beglückungsstaat’ – keines der großen ideologischen Modelle, die nach Ansicht der Strategen diesen Wahlkampf bestimmen sollen, kann die Wähler in der Masse magnetisieren und auf Linie bringen. Weil beides entweder längst unrealistisch scheint oder aber eine gesellschaftliche Katastrophe wäre.

Die Bürger wünschen sich schlicht nach der Wahl eine große Koalition. Das zeigen alle Umfragen. Es wäre also sehr wohl eine Wechselstimmung da: Zurück zum Bewährten, zu dem, was man bei der letzten Wahl noch so schnöde verschmähte, zurück in jene gute, alte Zeit, als die beiden bewährten Kaltblüter den Karren zogen:

“Die Deutschen wollen eine Große Koalition.”

Weil diese Alternative aber nirgends ernsthaft kommuniziert wird, deshalb ist die Lähmung so groß. Deshalb entwickelt der Wahlkampf keinen ‘Drive’. Es wird – nicht nur in den Medien – so getan, als sei rotgrün weiterhin irgendwie eine realistische Möglichkeit, oder aber als sei eine Fortsetzung von Schwarzgelb für die Mehrheit irgendwie wünschenswert. Die Tigerenten-Koalition wollen faktisch nur noch 17 Prozent der Deutschen weiterregieren sehen, bei Rotgrün sieht es übrigens haargenau so aus. Die Journalisten beteiligen sich damit an einer publikumsfernen Geisterdebatte.

Die politische Aufgabe der Publizistik – als Dienstleister einer Mehrheit im Publikum – bestünde unter diesen Umständen doch eher darin, den Weg zu dieser gewünschten großen Koalition aufzuzeigen. Da die Union ohnehin jenseits von Gut und Böse in Muttis kuscheligem Umfragehoch treibt, hieße dies: Entweder die FDP unter die immer noch unverdienten fünf Prozent zu schreiben, bzw. die SPD emporzujazzen, oder aber einer kleineren Partei über diese fünf Prozent zu helfen. Wahlweise also den Piraten – oder von mir aus auch der AfD. Sollen sie doch ein paar Jahre Diäten kassieren! Weil nämlich mit einer sechsten Partei im Parlament jede schwarzgelbe Mehrheit sofort die arithmetische Plausibilität verliert.

Ein solcher Wahlausgang, der dann auch den Wünschen des Souveräns entspräche, der wird aber nirgends thematisiert. Stattdessen wird eine faktenenthobene Geisterdebatte geführt, befeuert natürlich auch von schwarzgelben Spin-Doktoren: Rotgrüner Umverteilungsstaat gegen schwarzgelbe Froihoit. Bei der Richtungslosigkeit der Publizistik, bei diesem Verlust jeder Peilung, besteht allerdings die große Gefahr, dass wir diese Froihoit tatsächlich weiterhin bekommen könnten. Und dann? Oops – wrong country?

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