Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Verleger (Seite 1 von 3)

Der Leser soll’s fressen …

Die eher links neigenden Käufer der “MZ” erhalten also künftig im Lokalen ein eisern konservatives Blatt wie die “WN”. Der Mantelteil dagegen kommt aus dem Ruhrgebiet.

Jawollja – eine einzige Tageszeitung für das gesamte Westfalen täte es doch schließlich auch. Was das erst für ‘Synergien’ gäbe! Alle BWLer auf den Teppichetagen dürften bei diesem Gedanken feuchte Augen bekommen. Anders ausgedrückt: Das ‘Zeitungssterben’ ist hausgemacht, es ist geradezu eine Spezialität deutscher Verleger.

Für den Zettelkasten (32)

Die Journalisten, die als Stimmführer anerkannten, sind die öffentlichen Beamten des Publikums, und versehen dessen Funktionen gerade so, wie die Beamten des Fürsten die ihrigen. Sowenig nun derjenige, der einen Paß braucht, weil er nicht ohne ihn nach Italien oder Griechenland gehen kann, durch die moralische Beschaffenheit des Polizei-Direktors, den er vielleicht lieber auf der Galeere sähe, abhalten lassen soll, sich um den Paß zu bewerben, so soll auch der Autor, Künstler oder wer es sei, sich nicht daran stoßen, daß der Funktionär der öffentlichen Meinung, bei dem sich jeder sein gestempeltes Urteil über Menschen und Dinge abholt, zufällig den Galgen oder Hals-Eisen und Brandmal verdient, sondern die Verantwortlichkeit dafür dem Patron anheimstellen.”
(Friedrich Hebbel, Tagebücher, 6243)

Ein Journalistenhasser?

Wenn die Leser wüssten, welche zum Teil widerlichen Figuren im Journalismus rumturnen und was für Taugenichtse solche Artikel schreiben, dann kämen bei ihnen einige Fragezeichen auf”, sagte Bollmann dem Schweizer Medienmagazin Persoenlich.com. Er fügte hinzu: “Selbst haben sie ihr Leben nicht im Griff, noch nie irgendwann, irgendwo für irgendetwas Verantwortung übernommen und erlauben sich, mit primitiven Artikeln über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennen und mit denen sie nie gesprochen haben.”

Ach, ih wo, das ist natürlich kein Journalistenhasser – dieser Mann mit den kernigen Ansichten kommt von der ‘Basler Zeitung’ und sollte Verlagsgeschäftsführer der WAZ werden. Und da muss das Gesocks vor den Monitoren doch schon mal wissen, welche Wertschätzung es künftig genießt.

Schade, dass irgendwer im letzten Moment noch die Notbremse zog. Denn den nachfolgenden Affenzirkus hätte ich mir wirklich gern angeschaut. Was aber Verleger motiviert, die denkbar ungeeignetsten Figuren ernsthaft für solche Führungspositionen in Erwägung zu ziehen, das lässt mich dann doch an diesem ehrenwerten Berufsstand zweifeln. Und wenn die Leser wüssten, ‘welche zum Teil widerlichen Figuren’ Verlegerhirne inspirieren können … ach, lassen wir das. Es geht doch immer um möglichst viel Zeilen für möglichst wenig Geld. Das Publikum wird’s schon fressen … denken sie, vernagelt wie sie sind.

Für den Zettelkasten (13)

Den Journalisten geht es deswegen so gut, weil keiner von ihnen sagt, wie schlecht es ihnen geht. … Es gibt keine arbeitslosen Journalisten, weil es im Journalismus den Begriff der Arbeitslosigkeit nicht gibt. Geht einer von ihnen seiner Anstellung verlustig, dann ist er kein Arbeitnehmer mehr, sondern ein Unternehmer. … Früher hießen die Verleger Palm, waren Buchhändler und wurden von Napoleon erschossen, heute heißen die Verleger Arbeitgeber.”
(P.E. Leiner, Die Weltbühne, 14. Januar 1930, 109 f)

Hirnflöten

In den Zeitungen finden sich deshalb noch Artikel, weil die geschätzten Konsumenten Blätter nur mit Anzeigen leider nicht goutieren.

Verrutschte Maßstäbe

Tamedia zählt zu den großen Medienhäusern der Schweiz. Dort will man jetzt 34 Mio. Fränkli einsparen. Und warum? Nun, ganz einfach:

“Die Gewinnmarge (Ebit) war auf 13,6 Prozent gesunken.”

Bei solchen Renditen gucken nämlich auch Schweizer Verleger sorgenvoll, weil sie um ihren Wohlstand bangen. 34 Mio. – das wiederum entspräche dann ungefähr 560 Redakteurstellen, jede von mir pauschal und brutto zu 5.000 sfr. Monatslohn gerechnet. Würde aber morgen irgendwo eine randständige Bank – sagen wir in Malta, Luxemburg oder Slowenien – ihren Kunden wieder eine Gewinnmarge von immerhin sechs Prozent anzubieten wagen, dann zeterten sie dort in allen Leitartikeln erneut über einen ‘aufgeblähten Bankensektor‘ …

Merke: Dasselbe ist noch lange nicht das Gleiche …

Vergleichen für Anfänger

Verlage ohne Leistungsschutzrecht sind wie Lasagne ohne Pferdefleisch.

Verlegerqualifikationen 2012:

Etienne Jornod ist seit 17 Jahren Präsident des Verwaltungsrats der Galenica-Gruppe. Galenica ist weltweit führend im Bereich der medikamentösen Behandlung von Eisenmangel, betreibt in der Schweiz die grösste Apothekenkette und ist der führende Pharmalogistiker. … Jornod ist zudem Mitglied der Verwaltungsräte von Alliance Boots und der Vaudoise-Versicherung, welchen er weiterhin angehören wird.”

It’s a long way from Siegfried Jacobsohn: Ob Hähnchenmäster, Viagra-Verticker oder Zeitungsmacher, heutzutage wird alles über die gleiche Benchmark gejagt: “NZZ ist schweizweit führend in der publizistischen Behandlung von Zustimmungsmangel, betreibt in der Schweiz die größte Artikeltheke und ist der führende Meinungslogistiker” …

Gute Frage – nächste Frage!

Glaubt man in den Verlagen ernsthaft, den Nutzern oder Google würde ernsthaft etwas fehlen, gäbe es ihre Inhalte in den riesigen Weiten des Netzes nicht mehr? Und glaubt man womöglich noch, die Nutzer würden dann in Scharen mit reumütig gesenkten Häuptern zu den Verlagen zurückkehren, Abbitte leisten und brav die rückständigen Euros auf den Tisch legen?”

Hier muss wohl so etwas wirken, wie die Marienverehrung im Katholizismus. Tagsüber, unter freiem Himmel, glauben nur abergläubische Köhlerskinder noch an die Jungfrauengeburt. Wabert aber dann der Weihrauch, lockt der sinnfreie Singsang der Liturgie, betritt der Mensch eine Kirche oder eine Verlegertagung …

Liebe Verleger!

Wenn euer grandioses ‘Leistungsschutzrecht’ jetzt auf eine bloße Suchmaschinensteuer hinauslaufen soll, wie es der zweite Referentenentwurf uns dies jetzt verklamüsert, dann frage ich mich, ob ihr auch bedacht habt, dass jede Steuer zwingend in den allgemeinen Staatshaushalt einfließen muss, ohne dabei an einen bestimmten Verwendungszweck gekoppelt zu sein. So darf der Ertrag der Kfz-Steuer nicht strikt an den Straßenbau gebunden sein, und die Hundesteuer nicht ans Häufchenentfernen. Ebenso wenig wird der Ertrag einer Suchmaschinensteuer in die Bilanz privater Verleger in Deutschland einfließen können.

Hattet ihr euch das wirklich so gedacht?

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