If your memory serves you well ...

Schlagwort: Verlage (Seite 1 von 3)

‘Pffft!’ macht das LSR

Die meisten in der VG Media organisierten Verlage wollen keine verkürzte Darstellung ihrer Links bei Google hinnehmen. Der Konzern lehnte zuvor eine Bitte um “Waffenruhe” ab.”

Um Alexis Sorbas zu variieren: Ich habe selten etwas so kreuzdämlich auf der Schnauze landen sehen, wie den Rohrkrepierer dieses Leistungsschutzrechts. Bis heute habe ich nicht verstanden, wie jemand überhaupt auf die abstruse Idee kommen konnte, dass Werbung zukünftig gefälligst vom Werber bezahlt werden möge. Der ‘Spiegel’ löhnt ja auch nichts an Daimler, wenn bei ihm eine doppelseitige Anzeige der Untertürkheimer erscheint … und dass dieser böse Google-Konzern soooo groß sei, das mag ja sein, aber es ist trotzdem kein Argument, ihm in die Tasche zu greifen.

Wo er recht hat …

Noch einmal zum Mitdenken: Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.

Den Stefan Niggemeier verlinke ich ja nur noch, wenn’s nicht anders geht. Hier aber fasst er das Ergebnis des hochweisen Leistungsschutzrechtes sehr schön zusammen, welches die vereinte Verlegerschaft einst durch den Bundestag peitschte. Vor weit über einem Jahr schon habe ich diesen Verlagsgranden prophezeit, dass sie sich damit kein Geld ins Haus holen würden, bestenfalls eine blutige Nase. Et voilà … ‘Hands up! This is a Search-Engine-Robbery’ ist keine Strategie, sondern Slapstick. Ich bin bestimmt kein Freund von ‘Google’, aber wie sie dort die Verlage und deren Rechtsanwalts-Armada abrollen lassen, das hat schon was.

Was bleibt ihnen jetzt? Naja, das Zukreuzekriechen natürlich oder der rapide Bedeutungsverlust im großen Info-Nirwana …

Ein guter Rant

Amazon. Wähh bähh, Amazon. Der Feind. Offene Briefe schreiben, Amazon-Schilder verbrennen auf öffentlichen Plätzen, Texte über den Untergang des Kulturgutes Buch verfassen, weinen. Und weitermachen wie bisher. Wer ist das? Unsere Buchindustrie? Es gibt sicher Ausnahmen, die ich bewusst ignoriere – so macht man das in Zeitungen, um steile Thesen aufzustellen. Die These heute: Die Zukunft, vor der wir gewarnt wurden, ist da, die Buchbranche woanders.

Es ist eine zutreffende Buchhandelsbeschimpfung, die Sibylle Berg dort verfasst hat, obwohl sie natürlich auch keine Lösung parat hat. Von der ‘Liebe zum Buch’ ist in dem Metier kein Hauch mehr zu spüren. Die könnten auch Wurst verkaufen.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als ich ‘Unendlicher Spaß’ von David Foster Wallace erwerben wollte, natürlich gleich am Erscheinungstag 2009, wegen der Erstauflage. Also rief ich vorher bei Bremer Buchhändlern an, ob sie’s denn schon auf Lager hätten, damit ich nicht vergebens in der Landschaft herumjuckle. Anruf bei Thalia: “Unendlicher Spaß? Von wem soll das denn sein?” – “Moment, ich schau mal nach.” – “Boah, das hat ja mehr als 1500 Seiten.” – “Nee, so dicke Bücher führen wir nicht.” Geballte Kompetenz in Buchhändlergestalt. Ich verkniff mir jeden Kommentar, um ja nicht das arme Hascherl an seiner Berufswahl zweifeln zu machen. In der Buchhandlung bei der Universität habe ich das Buch dann bekommen … und ich frage mich seither, welche Ausbildung und Marktübersicht diese Buchverticker anderswo überhaupt noch haben. Oder fängt man die jetzt auf der Straße mit dem Lasso ein? Ob Amazon oder Hugendubel ist mir seither piepegal … und, liebe Leute im deutschen Verlagswesen und im Buchhandel, die Lösung ist doch ganz einfach: Ihr müsst (wieder) besser als Amazon sein! Vielleicht in einem ersten Schritt alle Leute mit BWL-Ausbildung rausschmeißen, alle, denen es egal ist, ob sie Rasenmäher oder Bücher ‘vermarkten’.

Selbstüberschätzung

An dem Punkt habe ich dann aufgehört, Gabor Steingarts Traktat noch weiter zu lesen, weil er gleich mal von falschen Voraussetzungen ausgeht. Und stimmt vorn die Prämisse nicht, dann kann hinten auch nichts Zutreffendes folgen. Tsss … als würden im Netz nur ‘Verlagsprodukte’ herumstehen:

“Von den vielen Millionen deutschen Dokumenten, die das Google-Archiv auf seinen Servern bereithält, stammt kein einziger Text von einem Google-Mitarbeiter, sondern alles, was da an Artikeln begeistert, polarisiert, langweilt oder einfach nur informiert, ist von den Autoren deutscher Verlage in deutscher Sprache erstellt worden.”

Donnerwetter, ‘alles’ – was für ein Alleinvertretungsanspruch! Die Sache mit den ‘deutschen Autoren’ mag für den deutschsprachigen Teil des Netzes ja noch halbwegs stimmen. Aber gleich allen Autoren zu unterstellen, sie würden nur für konfektionierte Ware aus deutschen Verlagen sorgen, das erscheint mir als These doch arg abenteuerlich und durch keinerlei Fakten gedeckt. Meine Einschätzung lautet anders: Nur der geringere Teil der Inhalte im Netz stammt heutzutage noch aus dem altehrwürdigen Verlagsbereich.

Zumindest für den ‘Stilstand’ darf ich schon mal feststellen, dass hier nicht ein einziger Text als ‘Paid Content’ auf dem gepflegten Rasen eines gebenedeiten Verlagsgeländes heranwuchs …

And the Beat goes on …

Oha – lauter Medien mit ‘Sanierungsbedarf’. Da dürften aber viele abgeWAZte Journalisten bald neu auf den eh schon überfüllten Markt für Freie und Prekäre drängen. Und jetzt alle im Chor: Es ist nicht das Internet, es sind eure Verleger …

“Springer-Verlag verkauft “Hamburger Abendblatt”, “Berliner Morgenpost”, “Hörzu”.”

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“Charleston was once the rage
History has turned the page …
And the beat goes on, the beat goes on
Drums keep pounding a rhythm to the brain …”

Keine Panik!

Deutschlands Verleger sind gar nicht so schlimm, wie dies manche befürchten. Allerkleinste Textausschnitte dürfen weiterhin gratis kopiert werden, wie zum Beispiel derjenige unterhalb dieses Textblocks, der uns zugleich die verlegerseits akzeptierte Maximallänge eines solchen geduldeten Textraubs (auch ‘Mini-Snippet’ genannt) andeutet. Zugleich möchte ich mich für diese Generosität bei Keeses ‘Welt’ recht herzlich und mit einem tiefen Diener bedanken. Allerdings – jede darüber hinausgehende Verwendung eines zweiten oder gar dritten Buchstabens aus dem Alphabet könnte nach dem neuen Gesetz schon lizenzpflichtig und damit auch abmahnfähig sein. Bereits die Ergänzung einer schlichten Buchstabenkombination wie ‘…oof‘ mit Hilfe eines vierten Buchstabens aus dem angewandten Verlags-ABC könnte dann vollends eine geistige Lizenz verletzen, die vor allem deutschen Verlegern recht eigentümlich zusteht:

“D”

Ach so – deswegen!

In Redaktion und Verlag ihres Kernprodukts “Augsburger Allgemeine” will [die Mediengruppe Pressedruck] bis 2015 insgesamt 37 Stellen abbauen. … Ihr Kernunternehmen Presse-Druck- und Verlags GmbH hat bei einem Umsatz von 155 Mio Euro einen Jahresüberschuss von 19,3 Mio Euro erzielt.

Alles klar, das eingebrachte Kapital verzinste sich nur noch mit schlappen acht Prozent. Schuld ist also der Verfall der Renditen. 20 Prozent Umsatzrendite wären im Verlagswesen viel eher zielführend, das dürfen opferungswillige Investoren mit Fug erwarten, nur dann verdoppelt sich das Kapital alle dreieinhalb Jahre …

Mit ein wenig Content im Kopf …

So sehen die gefürchteten Snippets aus. Wir erfahren, dass Obama das letzte TV-Duell schon irgendwie gewonnen hat, dass aber ein aalglatter Romney ihm auch in keinem Punkt widersprach, und ansonsten nur prae-staatsmännisch das Hohelied vom ‘Frieden, Frieden, Frieden’ tirilierte. Aber halt – letztere Details erfahren wir nur, wenn wir schon ein wenig weiter geklickt haben, hin zu den angeschlossenen Deutungshäusern, also in das Reich der Redaktionen. In den Snippets stand dagegen 1161-mal so ziemlich das gleiche – Obama hat irgendwie schon gewonnen. Punkt.

Ein solches Infofitti, eine solche Allerweltsfloskelei, die 1161-mal bei anderen ebenso steht, die sehen Deutschlands Verleger also als ‘the Great Bankrobbery‘, weshalb zur Prophylaxe jetzt ein Leistungsschutzgesetz her muss, eine Google-Steuer, und noch so allerlei. Denn der Leser würde doch schon gar nicht mehr weiterlesen, wenn ihn ein solches Snippet bereits gesättigt hat. Geht’s noch?

Ursächlich für den kritischen Mentalzustand in unseren Verlagshäusern ist in meinen Augen die Content-Krankheit: Sie denken dort traditionell, dass also die Information vor allem aus dem Wer und Was bestünde, weshalb es ja auch weitgehend egal sei, wer dort bei ihnen daheim am Newsdesk vor sich hin klimpere. Das ‘Wie’ einer Information hingegen sei absolut zu vernachlässigen. Sie sehen einfach nicht, dass sie sich alle doch allenfalls noch durch dieses ominöse ‘Wie’ unterscheiden.

Ein deutscher Verleger, contentgläubig wie er ist, könnte also bspw. meinen, dass sich der Inhalt des ‘Huckleberry Finn’ erschöpfen ließe durch die google-gemäße Content-Sentenz: “Ein Junge und ein Neger fahren auf einem Floß den Mississippi hinab“. Schon müsste er – puuh! – den Mark Twain doch gar nicht mehr selber lesen.

Der wahre Kern der Information hingegen besteht immer aus dem, was auch jetzt im Falle Obamas über den Content hinausreicht. Das steht eben nicht mehr in irgendwelchen Snippets von Google. Dass also die Schlangenmenschen bei der ‘Welt’ unter den üblichen neoliberal-klippschuldialektischen Verrenkungen jetzt schreiben, dass Romney irgendwie trotzdem schon eigentlich gegen Obama gewonnen hätte, weil er ja noch nicht verloren hat. Während der Spiegel hanussenmäßig und von einer Position weit in der Zukunft her höhnt, dass Obama dieser Sieg doch gar nichts mehr nützen wird, wie es alle wahrhaft weisen Experten längst wissen. Und darauf einen Mascolo! Wohingegen der ‘Stern’ Siegesfanfaren für Obama bläst, ohne Wenn und Aber, absolut Partei und sans phrase.

Das also ist es, was die Information vom Content unterscheidet – und den einen Verlag vom anderen. Und diese Information ist von Google keineswegs bedroht, allenfalls der tausendfach abgeleierte Dutzend-Content – Google zeigt uns bloß die Bananenschale, aber nicht die nahrhafte Banane …

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