Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Vergleich (Seite 1 von 2)

Problematik von Vergleichen

Es geht um den geplanten Auftritt des großen Bruders Putin auf der Krim, also um die Siegesfeier auf dieser zurückgewonnenen Scholle ‘heiliger russischer Erde’. Ein Vergleichsweiser schreibt uns im Kommentar dazu folgendes:

“Tatsächlich? Worin besteht der Unterschied zum damaligen Bush-Auftritt ‘Mission accomplished’ auf einem Flugzeugträger im persischen Golf?”

Ob ihm tatsächlich nicht auffällt, dass er damit sein großes Vorbild ausgerechnet mit Schorsch Dabbeljuh Bush auf eine Stufe stellt?

Nebenbei: ‘Russia Today’ labelt jetzt ihre Ukraine-Berichterstattung mit ‘Heimatfront’ (via fefe). ‘Heim ins Reich’ ist da nicht mehr fern … und die Berichterstattung hat fast schon Querfront-Format – Jazenjuk muss deshalb ein Faschist sein, weil er ein Jude ist und dergleichen graukrauses Zeug mehr : ““Sex-Furien, Nazi-Erben, Pseudo-Ärzte: Die zehn dreistesten Lügen der Putin-Krieger.” Der ‘Focus’ bedient sich bei seiner Zusammenstellung übrigens klammheimlich bei ‘fakeorg’, also bei der ukrainischen Journalistenschule. Könnte er ja ruhig mal erwähnen …

Parallelen ziehen

Bei uns auf dem Dorf zogen in meiner Jugend die Zeugen Jehovas ungefähr zweimal im Jahr auf einen Hügel, um den Weltuntergang zu erwarten. Der kam dann nie. So alle 14 Tage wird uns derzeit von ‘Öchsperten’ ein Aktien-Crash vorhergesagt, vermutlich, weil sie auf Verkäufe spekulieren. Und so wie die Zeugen Jehovas trotz der ewigen Falsifikation ihrer Religion allzeit treu blieben, so bleiben auch diese falschen Propheten allemal weiterhin ‘Öchsperten’ für Kaffeesatz und Derivate …

“Laut dem Analysten Tom DeMark werden die US-Märkte ab dieser Woche fallen.”

Tscha, kräht der Hahn auf dem Mist … ich halte es lieber mit der Hormon-Regel des allgemeinen Wirtschaftsgeschehens: Überwiegt die Gier die Angst, steigen die Aktien, überwiegt die Angst die Gier, fallen sie. Und diese ‘Öchsperten’ sind dann, je nach Interessenlage, entweder Giermacher oder Angstmacher. ‘Analyst’ klingt natürlich besser …

Jetzt wird’s abstrus!

Bekanntlich – aber man möchte dies gar nicht wissen – haben zwei Frauen, die sich mehr oder minder berechtigt zu den Femen-Aktivistinnen zählen, es unternommen, mit einer strunzdummen Aktion sich selbst von jeder politischen Satisfaktionsfähigkeit zu verabschieden – wie einst die deutsche Flotte vor Scapa Flow: Arm in Arm posierten sie in Dresden im Vorfeld einer Nazi-Demo, eine von ihnen mit der Aufschrift ‘Thanks Bomber Harris’ unter ihren Milchdrüsen. Soweit, so gut, so ‘antideutsch’ und in jeder Hinsicht absolut massentauglich. Der brave Bürger denkt in der Folge über die Linken mal wieder, was er schon immer über ‘die Linken’ dachte …

Dann aber flog es auf, dass es sich bei dieser BILDungsaktion um Mitglieder der Piratenpartei handele, und zwar aus der klandestinen Abteilung ‘Antifa’, wo man bekanntlich keinen Wahnwitz scheut. Schon standen die Damen nicht nur halbnackig da. Don Alphonso, das zuständige publizistische Fegefeuer hauptstadtaffiner Nerds, nahm die anschließenden Schutzbehauptungen auseinander … bspw. hier und hier oder hier …

Die Debatte um #bombergate florierte in der Folge wie erwünscht, auch wenn man den Piraten danach keine große politische Zukunft mehr prophezeien mochte.

Jetzt aber hat der mspro – aka Michael ‘Post Privacy’ Seemann – nicht diese beiden Kamikaze-Politidarstellerinnen als ursächlich für den PR-Gau ausgemacht – er greift stattdessen den ‘Problembären’ Don Alphonso an, also den Boten statt der Botschaft. Eine “ideologische Säuberung” will er als Folge von Don Alphonsos Denunziationen in der Piratenpartei ausgemacht haben (schön wär’s ja, wenn’s so wär’ …) und der arme Stefanolix, dem davon bestimmt nie etwas schwante, muss plötzlich als Don Alphonsos “eigener Kettenhund” figurieren, und das, obwohl er dem Don doch prompt in der Sache widersprochen hatte.

Holt euch also genügend Popcorn und verfolgt das wildwogende Treiben all der bunten Quietscheentchen im lauwarmen Pool des Hauptstadtgetriebes. Denn dieser herz- und hirnerweichende Anne-Roman scheint mir noch nicht zu Ende zu sein, nicht nach diesem Uppercut …

Falls jemanden meine Meinung dazu interessiert: Die Antifa in ihrem derzeitigen Zustand ist in der Politik so etwas wie der Holzwurm im Gebälk …

Unwörtler des Jahres

Nachdem NATO-EUSA mit einem faschistischen Mob die demokratisch legitimierte Regierung eines wichtigen Partners Russlands weggeputscht hat wäre es nur legitim, wenn die russische Armee in die mehrheitlich russischen Gebiete einmarschieren würde um die Bevölkerung vor Greueltaten zu schützen. Man stelle sich vor so etwas würde in einer ehemaligen englischen Kolonie passieren.”

Der Herr des Klingelns, der uns dieses schrub, nennt sich selbst ‘Unwort des Jahres’. Dieses Pseudo hat sich unser randalierender Anti-Imp, der beim Verbal-Klempnern in seinem schlichten Gemüt urplötzlich die ‘Legitimität’ entdeckte, allein schon wegen seines ‘NATO-EUSA’ redlich verdient. Aufforderungsgemäß versuchte ich mir probehalber vorzustellen, wie die Engländer in Australien einmarschieren – und was wohl die Folge wäre. Meine Phantasie kapitulierte, aber der versprengte Haufen dort nimmt wohl stärkeren Stoff, wo dann der Gummilöwe des Anti-Imperialismus in Treue fest an der Seite des Imperialismus stehen darf. Leute gibt’s …

Ein Vergleichsweiser

The letter, which was published by the WSJ earlier this week, begins: “Writing from the epicenter of progressive thought, San Francisco, I would call attention to the parallels of fascist Nazi Germany to its war on its “one percent,” namely its Jews, to the progressive war on the American one percent, namely the “rich.”

Oh Gott, hat ihm niemand die Steuern gesenkt? Und wer bastelt denn da in ‘God’s own country’ schon wieder an KZs? Jedenfalls wissen wir nach dieser Parallelführung jetzt, dass der Reichtum unserer Milliardäre nur selten mit Intelligenz Hand in Hand zu gehen pflegt. Vermutlich behindert Intelligenz sogar den ‘Erfolg im Wettbewerb’ … apropos, wer glaubt, dass der Mann ein Einzelfall sei, irrt:

“Der New Yorker Milliardär Steve Schwarzman verglich angepeilte Steuererhöhungen der Obama-Administration für das oberste eine Prozent mit Hitlers Einmarsch in Polen 1939.”

Noch schlimmer, Handelsblatt!

Zahlten alle Griechen ehrlich Steuern, hätte das Land kein Finanzproblem.”

Hinzu kommt: ‘Zahlten alle Deutschen ehrlich Steuern, hätte selbst Deutschland gar kein Schuldenproblem mehr’. Was wiederum gegen eure Nationalüberheblichkeit spricht – es gibt nämlich kein Griechenproblem, sondern nur ein ebenso transnationales wie hayekverseuchtes Bourgeoisieproblem.

Lesers Mund

Wenn Richard David Precht der Richard Clayderman der Politologie ist, … ist dann Jan Fleischhauer der Hansi Hinterseer des Journalismus?”

Tscha, Großkonflikte unter Germaniens Meisterdenkern! Der Hansi Hinterseer ist mir vergleichsweise zu harmlos gewählt. Troubadix oder Sméagol träfen es schon eher. Aber sei’s drum – es ist ja nicht mein Text. Wer selbst in der Gummizelle sitzt, soll jedenfalls nie derart mit Bumerangs schmeißen.

Hier noch etwas zur duften Biographie des gemeinen Kanalarbeiters: “Wenn Sméagol sichtbar ist, wird er von seinen Verwandten gemieden und herumgestoßen, wofür er sich wiederum mit Hilfe der Kolumne rächt. Da er nach einiger Zeit nur noch Brabbel- und Gluckslaute von sich gibt, nennen ihn alle bald Gollum und verwünschen ihn.”

Gleichfalls notiert.

Der Journalismus wird ganz von unten neu aufgebaut werden müssen – wie die Biobauern sich in der Welt industriellen Landwirtschaft durchgesetzt haben und sogar davon leben können.”

Ein guter Vergleich. Den anschwellenden Industrieton aus der großen Massenblatthaltung mit ihren notorisch überdosierten Ideologiehormonen mag ja niemand mehr hören. Das ist nur Lady-Gaga-Publizistik – deren Strategen denken auch, es ginge um die Klamotten, und nicht um Musik …

Lauter Gläubige!

Journalisten und Reporter – glaubt zumindest der Laie – seien allesamt Zyniker und Agnostiker, die nichts Übernatürliches gelten lassen, sondern nur von den nüchternen Ergebnissen ihrer knallharten Recherche berichten. Alles Quatsch! Es handelt sich durch die Bank um mystisch veranlagte Verbal-Ministranten, die von daktylisch-göttlichen Eingriffen ins allgemeine Weltgeschehen überzeugt sind:

“Pkw-Fahrer stürzt drei Meter in die Tiefe – wie durch ein Wunder blieb er unverletzt.”

“Es sind der Bruder, der wie durch ein Wunder unverletzt blieb, der Remchinger Heinz Buschmann, 65, Rentner, und ein Nachbar von ihm.”

“In Schwaben verursacht ein 69-jähriger Falschfahrer auf der A 7 zwei Unfälle – wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt.”

“Durch das Zusammenhelfen der Leute im Dorf und in einem Bus, der wie durch ein Wunder gerade vorbei fuhr.”

“Die vier Besatzungsmitglieder und ein geretteter Schwimmer blieben dabei wie durch ein Wunder fast unverletzt.”

“Wie durch ein Wunder wurde bei dem Großbrand niemand verletzt.”

“In einem Fall passierte wie durch ein Wunder nichts.”

“Wie durch ein Wunder wurde der Vollblüter nicht schwer verletzt, sondern kam mit einem Schock und einigen Prellungen davon.

Wie durch ein Wunder fand ich dann auch zwei Unfallberichte, die Reporters Lieblingsfloskel nicht enthielten …

Vergleichswaise

Dass sich lautes Revolutionsgeschrei und konservative Wertvorstellungen nicht grundsätzlich ausschließen, hat schon der Sozialphilosoph Theodor W. Adorno bewiesen. Als die Studenten des 68er-Vordenkers begannen, seine Ideen reichlich unzivilisiert auf die Straße zu tragen, stand der Frankfurter angewidert daneben und musste erkennen, dass auf schöne Worte manchmal hässliche Taten folgen.”

Das alles findet sich im ‘Stern’ unter der Headline “Aufstand der anonymen Spießer“, wo’s ein Niels Kruse wagemutig unternimmt, den ‘Barfüßler’ von der Piratenpartei zu verteidigen. Ich versuch’ uns mal diesen komparativen Eingangssatz aufzudröseln: Der Adorno von damals wäre damit gewissermaßen der Ponader von heute mit seinen ‘konservativen Wertvorstellungen’ (samt der ‘Maus Frederick’). Und diejenigen, die mit dessen sanft mahnenden Jesusworten jetzt ‘reichlich unzivilisiert’ bloß revoluzzenden Schindluder treiben, das wären die gleichen ‘anonymen Spießer’ wie diese krakeelenden 68er Studenten dunnemals. Ähem, aha, soso … man lernt ja nicht aus.

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