If your memory serves you well ...

Schlagwort: Ursula von der Leyen

Der ‘Focus’ im Kuschelmodus

Trotz Kälte und vieler technischer Details will [Ursula von der Leyen] lernen, was nun ihre Aufgabe ist. Und ist dabei mehr Familienministerin. … Die neue Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums kümmert sich. … Sie strahlt die Männer in den beige-grünen Tarnflecken-Uniformen mit der unverwechselbaren Von-der-Leyen-Mine [sic!] an … Das wirkt. Viele der Soldaten schmelzen dahin …”

Schnulz, übernehmen Sie!

Uschis Kalendersprüche

Bei meiner Oma hingen sie noch an der Wand, die Abreißkalender aus dem Teppichladen oder dem Reformhaus: “Immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!”, hieß es dort beispielsweise trostreich. Fragen aber, was dann passiere, wenn das ominöse ‘Lichtlein’ zufällig doch mal nicht erscheinen sollte, die blieben außen vor. Solch pastoral-sinnfreien Trost, der uns unentwegt die Mär vom Hemd des Glücklichen herbetet, beherrscht auch unsere Sozialministerin, die Ursula von der Leyen, wahrhaft kongenial: “Auch aus einem Stein, der einem in den Weg gelegt wird, kann man etwas Schönes bauen.” Tscha, das möchte ich doch mal sehen, wie man sich aus einem Stein was Schönes baut!

Daherzuschwallen wie Ursula von der Leyen ist eigentlich ganz einfach. Man stelle sich einen Pastor aus der Provinz vor, der am Lager seiner Armen, Kranken und Todgeweihten außer wohlfeilen Worten auch nicht viel zu bieten hat – und sülze dann fröhlich los:

“Wenn wir uns den Kinobesuch schon nicht leisten können, so bietet uns doch der weite Himmel über uns ein ewig wechselndes Panorama aus Wolkenformationen.”

“Menschen, die keinen Hunger leiden, versäumen eine zutiefst existenzielle Lebenserfahrung, die ein Bedürftiger dagegen Tag für Tag machen darf.”

“Wer sagt, dass sein Alltag grau sei, der sieht nur das grüne Gras vor seinem Fenster nicht.”

“Was ist in der heutigen Zeit denn wichtiger? Sich mit Alkohol zu betäuben – oder im Kreis der Familie an seiner Herzensbildung zu arbeiten?”

Das Muster ist – glaube ich – jetzt klar geworden: Man nehme eine möglichst große Plattitüde, fasse sie in ein soziales Ponyhof-Bild, und vertraue dann getrost darauf, dass man inmitten der allgemeinen Kritiklosigkeit in der Medienlandschaft damit auch ungeprügelt durchkommt.  Wer will, soll’s selbst mal versuchen – und prompt so intelligent scheinen, wie unsere Sozialministerin auch …

Zustand des Lokaljournalismus

Frau Ursula von der Leyen, im Wahlkampf derzeit Merkels große Unbekannte, dank Internet-Sperrgesetz auch mit hohem ‘Miss-Erfolgs-Potenzial’, besucht also einen Kindergarten im Ostfriesischen, wie es hier zu bewundern ist. Für mich ist das Video-Dokument vor allem bezeichnend für den Zustand des Lokaljournalismus in diesem Land; es gibt hier längst eine journalistische Zweiklassengesellschaft: Ein überregionales Magazin, in diesem Falle also Spiegel TV, wird von der Ministerin persönlich und auch ziemlich undamenhaft laut des Saales verwiesen. Die journalistischen Kollegen von der Lokalpresse aber dürfen zu Füßen der Prominenz im Körbchen bleiben. Von Schoßhündchen im Provinzformat ist nichts Wahlgefährdendes oder auch nur Kritisches zu befürchten. Verlangte jemand von diesen Redaktions-Chihuahuas, mal gegen den Stachel der Etablierten zu löcken, würden die sich als erstes fragen, wie das denn wohl zu schreiben sei …

Die Sprachmoglerin

Jetzt kommt es tatsächlich so, wie es die Mehrheit der Netzbenutzer seit längerem befürchtete: Der Kampf gegen die Kinderpornographie sei nur eine Ouvertüre in ihrem Kampf gegen das Netz höchstselbst gewesen, das verkündet uns Ursula von der Leyen. Nun gehe es generell darum, dem großen “Chaos” im Internet endlich den Garaus zu machen. Offensichtlich ist sie – auch durch die Widerständigkeit des Netzes – zum ‘Wife with a Mission’ mutiert, ein Weib also, dessen ideologische Weltwahrnehmung mit der Realität, auch mit einer angeblich ‘virtuellen Realität’ im Netz, nicht mehr viel gemein hat.

Hier zunächst ungekürzt die entscheidende Passage aus dem Abendblatt-Interview, bevor wir uns dann die Dame ein wenig hermeneutisch zur Brust nehmen wollen. Frau von der Leyen im O-Ton:

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