Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Troll

Trolldenke

Natürlich muss am niedrigen Ölpreis und am Absturz des Rubel mal wieder Amerika schuld sein. Im Hirnkasten eines echten Trolls führen eben alle Wege nach Washington, ersatzweise zur Fed:

“Das hier ist hausgemacht, die Amis wollen Putin unbedingt aus dem Amt putschen, und die OPEC macht mit.”

Dass in diesen (Nicht-)Beschlüssen der Opec eine ganze Menge ‘Anti-Amerikanismus’ stecken könnte, käme einem echten Troll dagegen nie in den Sinn. Faktisch geht es der Opec-Vormacht Saudi-Arabien vor allem darum, einen neuen ‘Big Player’, immerhin den künftig größten Erdölproduzenten der Welt, nämlich die USA, vom Weltmarkt noch ein wenig fernzuhalten. Und zwar durch Preise, die alle Fracking-Methoden tief unter die Rentabilitätsschwelle drücken. Da läuft schlicht ein Unterbietungswettbewerb.

Russland aber ist in diesem ‘Big Game’ eher nur ein Kollateralschaden …

Hunting the Troll

Wer sich ein Bild vom Wesen des gemeinen Trolls machen will, dem sei diese extensive Spurensuche im ‘Interpreter’ empfohlen.

Neues vom Info-War

Der ‘Examiner’ hat die Liste blanker Lügen fortgesetzt, die russische Medien tagtäglich in die Welt blasen. Wahrscheinlich aber sind Russia Today und RIA Novosty ja nur ein paar verirrten ‘Enten’ aufgesessen – und es ist im Kern schon noch Journalismus, was sie dort betreiben:

“Russia’s aggressive information war, waged through its vast propaganda machine, continues to produce disinformation to justify its involvement in Ukraine. Deliberately false information and deceptive imagery is being disseminated in every available venue: from leading politicians and Russia’s infamous mainstream media, down to bloggers, useful idiots and hordes of paid trolls, who plague comment sections of articles about Ukraine, spreading vitriol, hatred and blatant lies.”

Jobbeschreibung dort: Muss lügen, wie gedruckt … aber die Falle schließt sich trotzdem unaufhaltsam und präsentiert uns schon bald einen ‘Kessel Bandidos’:

Trollkunde – ein Leitfaden

308px-TrollExpo

Beim überschäumenden Info-War in deutschsprachigen Foren fällt es manchmal nicht leicht, das Wahre von der Lüge zu unterscheiden. Hier einige Fingerzeige zur Trollkunde für Interessierte. Die Beispiele wurden alle dem eindeutig infizierten Thread eines einzigen Artikels im österreichischen ‘Standard’ entnommen:

1. USA everywhere: Auch wenn niemand je die ‘Nuland-Boys’ auf Kiewer Boden sah, predigen Sie deren Allgegenwart – vor allem aber, machen Sie diese Chimären für alle Untaten verantwortlich – und rühmen Sie stattdessen den unvergleichlichen Staatsmann Vladimir Putin: “Allerdings führen Russland/Putin die Nuland-Boys und ihre Herren nach wie vor am Halsband über die politische Weltbühne und die Wahrscheinlichkeit das auch Teile der Ostukraine verloren gehen, steigt mit jedem Tag des Kiewer Terrors.” Man fragt sich ja, weshalb der Putin sein geniales Spiel noch nicht längst gewonnen hat? Vermutlich sind daran auch wieder bloß die ‘Nuland-Boys’ schuld. Schon hätten Sie einen argumentativen Kreislauf erschaffen, wo sich die Katze immerfort in den Schwanz beißen darf …

2. Cui bono: Fahnden Sie immer nur nach dem Profit ‘des Westens’, auch wenn dies Hirnschmerz auslöst, und selbst noch dort, wo der Westen sich eindeutig ins eigene Fleisch schneidet: “Die USA provitiert doch extrem von explodierten Pipelines. Sie sind sogar die einzigen die was davon haben. Würd mich nicht wundern wenn diese Explosion von den USA verursacht wurde.” Wer übrigens in seiner Orthographie konsequent das ‘f’ durch ein ‘v’ ersetzt, gibt damit zugleich ein Indiz seiner geographischen Herkunft …

3. Medien-Mafia: Das ‘Argument’ darf niemals fehlen. Bezeichnen Sie alle Westmedien als korrupt und gelenkt, mit Ausnahme der Artikel, die Ihnen zufällig mal in den Kram passen (Krone-Schmalz o.ä.). Dass solche ‘Ausreißer’ Ihre Eingangsthese gleich mal widerlegen, darf Ihnen dabei nie auffallen. Verlinken Sie stattdessen lieber die ‘liveleaks’ oder ‘Russia Today’, jene Medien also, wo ‘fakeorg.com’ gar nicht mehr mit dem Auflisten von dümmlichen Fälschungen hinterkommt. Propaganda machen nämlich immer nur die anderen: “Wenn die Westmedien ihre Propaganda nicht derart schlecht machen würden, wenn einem die Voreingenommenheit und der Versuch, alle Leser zu manipulieren nicht derart massiv ins Auge springen würde, gäbe es nicht so viele empörte Leser, die sich diese Verlogenheit nicht mehr länger ertragen wollen. Warum gibt es denn einen solchen Sturm der Entrüstung? Weil man uns für blöder hält, als wir sind. Ein paar Leute mit “langsamem Intellekt” fallen allerdings darauf rein und geben dann lauter Plattitüden von sich. Yep – und als Schreiber selbigens dünken Sie sich turmhoch über andere erhaben, weil Sie über einen ‘schnellen Intellekt’ zu verfügen meinen – weshalb auch immer. Denn wahre Intellektuelle zeichnen sich in der Regel durch Gründlichkeit, Nachprüfbarkeit und Analyse aus, und nicht durch solch ein Pawlowsches Schnappischnappi. Aber das nur nebenbei …

4. Whataboutism: Wenn Ihnen ein Faktum nicht in den Kram passt, zum Beispiel die Anwesenheit russischer Truppen auf ukrainischem Territorium, zeigen Sie getrost und prompt mit dem Finger auf andere: Die einzigen die weltweit immer andere Staaten bekriegen, besetzen, destabilisieren und zerstören sind die USA. Dicht gefolgt von ihren europäischen Pudeln.” Bestreitet dann jemand solch kühne Behauptungen amerikanischer Singularität, dann verweisen Sie bspw. auf die Landung in der Schweinebucht … oder etwas ähnlich möglichst weit Entferntes: “Also haben die US Soldaten in Deutschland in Japan und Südkorea nichts zu sagen und die Waffen die sie tragen sind aus Plastik, die Atomwaffen der USA in Deutschland sind auch nur geduldet so eine Art politisches Asyl für USA-Waffen?” Schon sonnen Sie sich argumentativ siegreich im schönen Seoul …

5. Elefantisierung: Blasen Sie jede Pipi-Summe zu einem Staatshaushalt auf, mindestens – denn da könne man doch mal sehen: Neue EU-Hilfe für die Ukraine: 500.000 € Zur Verwendung OHNE NACHWEIS!!! … Wenn EU-Staaten eine Förderung bekommen, müssen sie die Verwendung nachweisen und alles zur Gänze zurückzahlen. Und hier wird so viel Geld einfach VERSCHLEUDERT.” Für diese Summe gäbe es zwar faktisch noch nicht einmal einen Schützenpanzer, der dann die ‘wehrlose Bevölkerung’ in der Ostukraine ‘massakrieren’ könnte – aber egal. Verbinden Sie Ihre Übertreibung gekonnt mit dem üblichen Neidkomplex des kleinen Mannes: ‘Denen wird der Zucker nur so in den Mors geblasen … und ich?’ Vergessen Sie die Brüllbalken und die Großschreibung ganzer Wörter nicht, die Ihrer Empörung recht anschaulich Ausdruck verleihen …

6. Faschisierung: Streichen Sie die Figuren, die Ihnen nicht in den Kram passen, stets tiefbraun an, während Sie von dem faschistischen Hintergrund Ihrer eigenen Helden dezent schweigen: “Seltsam, es werden mannigfaltige Links zu Ostukrainern gepostet, die geflüchtet sind und sich bitterlich über die Kiewer Faschisten beschweren. Wieso hat von euch nicht einer mal wenigstens 2-3 Links zu Zivilisten die sich über die bösen Separatisten beschweren? Und bitte Ostukrainer Zivilisten keine wolfsangelmarschierenden Maidanstürmer.” Apropos – den ‘Maidan stürmen’, das wollten meines Wissens damals ganz andere, und ‘Wolfsangelmarschieren’, wie soll das gehen? Aber gut … sprachlich und denktechnisch müssen Sie ja keine Leuchte sein, Wutschnauben genügt völlig.

Seht ihr, liebe Kinder, und an solchen Kennzeichen erkennt ihr dann den waschechten Troll, wie er selbstgewiss durch alle Foren randaliert, um jede Diskussion und jedes Gespräch zu unterbinden. Und natürlich an der langen Nase, wie dort oben im Bild zu sehen …

Bild: Immanuel Giel, wikimedia / gemeinfrei

Der Fischmarkt duftet

Professionelle Marktbeobachter wissen genau, wo ihre dahinschwindenen Kunden zu finden wären. Es nützt ihnen nur wenig. Die erwünschten jungen und kaufkräftigen Zielgruppen, die lesen kaum mehr Zeitungen, sie schauen immer weniger fern. Und das werbedurchblökte Formatradio – ob privat oder öffentlich-rechtlich – gilt in manchen Kreisen längst als ‚Nervmedium‘ schlechthin. In ihrem Alltag, der sich im Internet abspielt, wird die Werbung, wo immer dies möglich ist, mit Ad-Blockern, mit Spam-Filtern und anderen hilfreichen Instrumenten als bloß noch lästig ausgeblendet und eliminiert. Der autonome Verbraucher der Generation 2.0 will von dem Gedudel und Geplärre hochgestemmter Superlative immer weniger wissen – und zugleich besitzt die Werbung in der neuen Medienwelt nicht mehr die alte ‚Macht der Unvermeidlichkeit‘, sie vermag der Aufmerksamkeit des Konsumenten nicht mehr den Fuß in die Tür zu stellen.

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