CSU-Ortsvorsitzender Altstadt, Stv. CSU-Kreisvorsitzender, TC Rot-Blau, KDStV Rupertia, Kolping-Jäger, Fischer und Musikant” – sowie Rechtsanwalt, das sollte ich wohl noch hinzufügen zu all der dokumentierten Herrlichkeit mit Wichs und Salamanderreiben, zum Jäger-Halali, der Blasmusik und dem pattexierten Parteiklüngel. Im seligen Bierdusel kommt es da schon mal zu Verwerfungen, die über den üblichen, akzeptierten und milieutypischen ‘Vorwurf einer Insolvenzverschleppung’ noch weit hinausreichen:

“So soll Fritz beim letzten „Weihnachtskommers“, „nachdem er sich zuvor offenbar bereits einige Stunden lang dem Alkoholkonsum hingegeben hat“, wie es im Protokoll heißt, einen „Fux“, also einen Nachwuchs-Bruder, aufgefordert haben, ihm Zigaretten zu holen. Als dieser die fünf Euro für den Automaten verlangte, soll ihm Fritz „ohne erkennbaren Grund mit der flachen Hand ins Gesicht“ geschlagen haben, so dass „dieser vor Schmerzen aufschrie“. Im Protokoll heißt es: „Der körperliche Angriff auf einen Bundesbruder stellte einen schweren Verstoß gegen die Prinzipien der Verbindung, insbesondere das Amicitia-Prinzip dar.“ Bei dieser Weihnachtsfeier, so die Vorwürfe, soll Fritz auch einen weiteren „Cartellbruder“ gewürgt haben.”

Zum CSU-Stadtratskandidaten langt’s trotz – oder wegen – solcher Raufszenen im oberen Promillebereich allemal. Das zählt dort zur Folklore. Wollte man jeden, der nach der zehnten Maß jedes Maß verliert, gleich diskreditieren – wo sollte das hinführen? Die Parteiprominenz lässt sich daher als Eskorte des weiteren Lebenswegs nicht lange bitten:

“Als am 30. November 2013 das „7Reasons“ im Südwesten von Regensburg offiziell seine Pforten öffnete, war von der Jungen Union so ziemlich alles gekommen, was Rang und Namen hatte. Selbst der Oberbürgermeister-Kandidat der CSU schaute vorbei, um seine Aufwartung zu machen. … Ein tolles Team sei es, das da an den Start gegangen sei. Und die Leute, die dabei im Hintergrund stünden, seien ihm als sehr integere Persönlichkeiten bekannt.”

Jaja – vermutlich gab’s ja Freibier unter Rupertingern. Und heute ist all diesen CSU-Jüngelchen der Staatsanwalt dicht auf den Fersen. Wie gesagt, die Mischung macht’s, nicht nur in derartigen Männerbünden unseres bajuwarischen Kulturlebens. Gastronomische Erfahrung ist da entbehrlich. Dabei wollte dort im Grunde, seinem Aussehen trotzend, nur ein dschunger Mann auf den kulturüblichen Wegen nach oben … und wer glaubt, solch appetitliche Verbandelungen wären der gedruckten Lokalpresse heute noch zu entnehmen, der irrt. Die muss weithin längst zum Jagen getragen werden. Die Aufklärung hat sich eher in den digitalen Raum verlagert.

Apropos – das Personal wechselt dort in diesen Milieus, die Muster aber wiederholen sich:

“Thomas Fürst ist 35 Jahre alt, Mitglied der katholischen Studentenverbindung “Rupertia” sowie der “Marianischen Männercongregation”. Er will hoch hinaus. Seit 2002 sitzt er im Regensburger Stadtrat, aber “von der Sacharbeit her hat er noch keine besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen”, sagt Fraktionschef Schlegl.”

‘Noch keine Aufmerksamkeit auf sich gezogen’ – das wäre doch fast schon eine Empfehlung dort im schwarzen Dunstkreis am Regensburger Dom. Jeder themenverlegene Romanschriftsteller stößt hier auf eine Bonanza: Hinterzimmer-Milieus, Katholen-Mief, exotische Schauplätze, Saufgelage, Polit-Intrigen … allenfalls ‘ein Guter’ müsste auf fiktionalem Weg installiert werden, ein Kommissar vielleicht oder ein Buchprüfer, da das Publikum ja immer einen ‘Helden’ will.

Ich bitte auch um die Beachtung der Kommentare bei regensburg-digital. Man gewinnt doch einiges an Einblick in die Funktionsweise der CSU-Spezerl-Wirtschaft … mitten im Kommunalwahlkampf.

Nachtrag: Und so kommt’s, wie’s kommen musste. Der OB kommt von den Sozzen. Und auch die CSU liegt bei der Listenwahl nur auf dem zweiten Platz.