If your memory serves you well ...

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So wird das nichts …

Grund für die Sparmaßnahmen sei die “laufende strategische Transformation” hin zu mehr multimedialen Inhalten, erklärte Vorstandschefin Julia Jäkel. “Wir verlieren an absoluten Zahlen und wir verlieren an Umsatz. Das ist in dieser Dimension für Gruner + Jahr wirklich neu.” Jäkel kündigte weitere Investitionen in das Digitalgeschäft und weitere Zukunftsprojekte an.”

Gut, da beim ‘Stern’ haben sich allzuviele Journalisten sicherlich in wohlversorgte Sesselpupser verwandelt. So weit, so einsichtig. Aber wie die Verlagsgranden sich das immer vorstellen: Da wollen sie ‘Zukunftsprojekte’ starten und immer mehr ‘Inhalte generieren’ auf einer ganz neuen technischen Basis, während sie gleichzeitig 400 Leute rausschmeißen? Ich finde das gaga. “Wenn du einen Erfolg erreichen willst, dann musst du erst einmal viel Geld in die Hand nehmen”, das ist doch eine probate Weisheit aus Opas Tagen. Sie müssten also in ihre Zukunft kräftig investieren, und den Shareholder-Value ein paar Jahre ruhig Shareholder-Value sein lassen. Mit einem Wort: Auch das geht absehbar mal wieder schief. Read my lips!

Was mich immer wundert, ist die Arroganz, mit welcher die Kollegen solches Geschehen dann kommentieren. So, als hätte ihr Medium die Klippe des Medienwandels längst umschifft. Hier Gabor Steingart vom ‘Handelsblatt’ in seinem Newsletter vom 28. August:

“Der Hamburger Zeitschriftenkonzern Gruner + Jahr (Stern, Brigitte, Geo) will jeden sechsten seiner insgesamt 2.400 Arbeitsplätze einsparen. Dennoch ist der Unmut der Belegschaft gegenüber G+J-Chefin Julia Jäkel unbegründet. Sie zieht nur einen Schlussstrich unter die verlorenen Jahre ihrer Vorgänger, die den Weg ins Digitale verschliefen und sich an die Papierwelt klammerten wie der Eisbär an die schmelzende Scholle.”

Zur Klarstellung: “Das Handelsblatt hat ebenso wie die meisten deutschen Tageszeitungen in den vergangenen Jahren an Auflage eingebüßt. Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 24,8 Prozent gesunken.” Und das, obwohl die Konkurrenz der ‘Financial Times’ vom Markt verschwand …

Der Stern probt die Gala

An diesem Donnerstag meldet Horizont die Ablösung von stern-Chefredakteur Dominik Wichmann – nach nur gut einem Jahr. Auch wenn noch nichts vollzogen ist, dürfte Wichmann auch nach MEEDIA-Infos seinen Job an Gala-Chef Christian Krug verlieren.”

Freuen wir uns also auf eine noch höhere Dosis von diesem famosen Piepel-Dschurrnalismus … the times they are a-changin. Früher habe ich das Blatt ab und zu ganz gern gelesen. Aktuelle Headlines klingen eher nach einer publizistischen Marshmallow-Fabrik:

“Der weinende Elefant Raju lächelt wieder,”
“Ich halte mich mit Sex und Solitär fit”
“Samsung zeigt seinen iPhone-6-Herausforderer”
“Die Spielerin – die Wahrheit über Veronica Ferres”

Oder auch: Auf neuen Wegen zum Leidmedium …

Eine Nach(zu)bereitung

Sie wollten sie doch bloß vorführen – und sind sehenden Auges Arm in Arm in den Shitstorm geritten. Dumm gelaufen, so könnte man jenes duftende Abenteuer unserer zwei Musketiere Markus Lanz und Hans-Ulrich Jörges beschreiben, während dieser unseligen Talkshow mit der Sahra Wagenknecht, wo kein Satz heil sein Ende erreichte. Damit könnte man diese Episode eigentlich auch schon unter ‘irrelevant’ abheften. Nun aber, wo der Herr in den Brunnen gefallen ist, muss natürlich der ‘Stern’ seinem Chefredakteur zu Hilfe eilen. Das ist dann doch noch mal ein Wörtchen wert …

Der Lutz Kinkel, dem jetzt redaktionsintern der Eimer mit der Tünche in die Hand gedrückt wurde, der versucht zunächst, die Täter- und Opferrolle zu vertauschen. Ein probates und vielfach bewährtes Mittel im Journalismus. Was für entsetzliche Mails hätten die Redaktion denn da erreicht: ‘Jörges sei ein “abgelehnter, gekränkter Liebhaber von Wagenknecht”, “unhöflich”, “ein grantiger alter Mann.” Nun ja, bis auf den Vorwurf der Liebhaberschaft, wo bekanntlich der Oskar Großschnäuz das Prä genießt, treffen solche Kennzeichnungen in meinen Augen doch einigermaßen zu.

Danach wird’s surreal. Denn an Wahrnehmungstörungen müssten all die Zuschauer gelitten haben, das Publikum sei nämlich dumm, in Wirklichkeit hätte diese Wagenknecht die ganze Zeit ihr unausgegorenes Zeug ungestört verkünden dürfen:

“Tatsächlich ging Wagenknecht nicht als Verliererin aus der Talkshow, im Gegenteil: Sie dominierte mehr als die Hälfte der Sendezeit und konnte sich und ihre politischen Botschaften so gut in Szene setzen, dass die anderen Gäste, darunter Schauspieler Moritz Bleibtreu, wegzunicken drohten.”

Ach wat? Am schönsten aber ist der folgende ‘Vorwurf’:

“Wagenknecht ist … ein Kommunikationsprofi, der sich weder einschüchtern noch aus der Fassung bringen lässt. Lanz hat in seiner Sendung immer wieder versucht, diese Panzerung zu knacken.”

Soso – die Wagenknecht wäre also ein ‘Kommunikationsprofi’? Das mag ja sein – aber was wären demgegenüber dann Markus Lanz und Hans-Ulrich Jörges? Etwa verschüchterte Bönhasen, die nach dem Peterchen-Prinzip auf ihre Posten gelangt sind?

Einen halbwegs zutreffenden Satz habe ich dann doch noch gefunden. Bei dem ausbrechenden Shitstorm handele es sich um “ein Gepöbel gegen das Gepöbel”. Dieser Satz muss der Redaktion wohl durchgerutscht sein …

Disclaimer: Ich habe die Petition übrigens auch unterzeichnet, in der kindischen Hoffnung, dass der Tiroler tatsächlich seinen Tirolerhut nehmen muss. Man wird ja wohl noch träumen dürfen …

Und jetzt auch noch das: “Die Talfahrt geht weiter: Nur noch 6,31 Millionen Zuschauern wollten “Wetten, dass ..?” sehen – damit fuhr Markus Lanz ein Allzeit-Tief ein.” Alles andere ist eher Folklore … aber da wird die Intendanz wirklich kribblig …

Irreführende Schlagzeilen

Steuerzahler soll nicht mehr für Banken bluten.”

Na, das ist doch mal eine gute Nachricht, denkt sich der arglose Leser. Vor allem so mitten im Wahlkampf. Ganz am Schluss des Artikels, sofern er’s überhaupt so weit schaffte, erfährt er dann, dass die Eigentümer, die Gläubiger und die Anleger zusammen nur einen Eigenanteil von sagenhaften acht Prozent zu erbringen haben. Und wer steht für den Rest mal wieder gerade? Genau! …

Die anderen sind übrigens nicht besser. Im ‘Spiegel’ erfährt man so rein gar nichts mehr von diesen acht Prozent:

“Aktionäre müssen Banken jetzt selber retten.”

Ach – is nich wahr …

Nuancen

Unsere treudeutsche ‘Wirtschaftswoche’ mag so etwas von ihrer FDP gar nicht glauben und greift grammatisch zum Putativ: “Der Bericht soll frisiert worden sein.”

Der FAZ ‘offenbart’ sich auch kein Handlungsbedarf – schon gar kein Skandal, ‘bloß wegen so’n büschen Redigieren’: “Vor der Veröffentlichung sind offenbar einige Sätze geändert worden.”

Der ‘Spiegel’ sieht dagegen überall nur noch Löcher im Käse: “Kritische Sätze fehlen, Hinweise auf unbequeme Fakten sind verschwunden

Das ‘Handelsblatt’ zieht sich auf rhetorische Fragen und auf Fiepsi Rösler zurück, und konstatiert einen erwünschten Wandel vom ‘Armutsbericht’ zum ‘Wohlstandsreport’: “Wurde der Armutsbericht der Bundesregierung geschönt? Nein, sagt Philipp Rösler.

Der ‘Stern’ denkt an den Mann auf der Straße und verfällt ins Umgangssprachliche: “Gerechtigkeitslücke? Hamm wa nich. Jedenfalls entfiel ein entsprechender Satz im Armutsbericht der Bundesregierung.

Die ‘Süddeutsche’ zielt mit den echauffierten Sozialverbänden prompt auf die Falsche, denn die Schönfärber saßen bekanntlich im FDP-Wirtschaftsministerium, diesem Taka-Tuka-Land liberaler Utopisten: “Sozialverband warnt von der Leyen vor Zensur.”

Die ‘Welt’ hingegen weiß als einziges Qualitätsmedium von revolutionären Umtrieben zu berichten, die der weiße Ritter Fiepsi Rösler mit Fug bekämpft hätte: “Passagen, die den Eindruck von “sozialen Unruhen” erweckten, seien zu Recht gestrichen worden.

Die ‘Zeit’ ist eher etepetete und mag sich die Finger nicht schmutzig machen; sie zitiert vorwiegend Zitate anderer Leute: “Die Süddeutsche Zeitung zitiert den FDP-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der Bericht habe nicht “der Meinung der Bundesregierung” entsprochen.”

Nur auf ‘Twitter’ geht unter dem Hashtag #armutsbericht so volksnah zu, wie es unsere Realitätsverleugner in den Ministerien verdient haben.

So gemein ist eben nur das Internet – so fies ist nur der Medienwandel – und ‘abgehoben’ ist für das, was unsere Medien größtenteils schreiben, gar kein passender Ausdruck mehr. Aber gut, sie fahren dahin …

Blöde Headlines

In der Sportberichterstattung ist sie besonders häufig zu finden – die Plapperlapapp-Überschrift. Sie hofft von Geburt an darauf, dass niemand über sie nachdenkt. Zum Beispiel dieses schöne SpOn-Exemplar – vom Sportreporter mit heißem Herzen nach der Niederlage von Zwaytern München in die Tastatur gehämmert:

“Ein Trauma wird wahr.”

Beckmessern wir ein wenig an diesem kurzen Text herum: Medizinisch gesehen ist ein Trauma eine mentale Störung, die durch einen realen Schock ausgelöst wurde. Die Reihenfolge wäre demnach genau umgekehrt – erst schlägt die Realität wahrhaft zu, dann tritt sofort das Trauma ein. Ein Trauma vor dem Trigger aber gibt es niemals, auch die Bayern-Spieler hatten vor dem Spiel vielleicht die Hosen voll, aber nie im Leben ein Trauma im Kopf. Ein Trauma auslösen konnten erst die versemmelten Elfmeter – erst war ‘auf dem Platz’, dann war ‘Aua’ und ‘Trauma’. Was der Kollege Schreiberling gemeint haben dürfte, ist wohl so etwas: “Ein Albtraum wurde wahr“.

Nachtrag – Grenzwertig (und aus dem ‘Stern’) ist dieser Kitsch hier: “Ganz München trägt Trauer.” Ein vertrauenswürdiger Informant behauptet, dass er mindestens hundert Münchner in legerer Freizeitkleidung gesehen hat …

Logisch, Journalisten!

Einen weltanschaulich gefestigten Journalisten zerrt niemand von seinem ideologischen Hochsitz herunter. Und die Grundrechenarten lernt er auch nicht mehr:

“Rekordergebnis für die Grünen in Schleswig-Holstein. Trotzdem haben sie ein Problem: die Piraten.”

Aha! – Rekapitulieren wir doch mal: ‘Rekordergebnis’ also für die Grünen, Rekordergebnis auch für die Piraten, leichte Zugewinne für die SPD. Stimmenanteile verloren haben allein Union, FDP und Linke. Deshalb müssen – klaro und “trotzdem”! – die Grünen die Piraten fürchten. – – – Wer bellt denn da? – – – Adam Riese – kusch!

Erlösungsrhetorik

Sie kommentieren sich um Kopf und Kragen – unsere journalistischen Adabeis, die nicht einsehen wollen, dass sie jahrelang auf falsche Pferdchen gewettet und dazu ein höchst seltsames Kraut geraucht haben. So kommt es zu wirren endzeitlichen Visionen, wo erst Angela Merkel untergehen muss, damit die Welt von weißen Rittern gerettet werden kann, von Rittern, die andere bisher nur als Pat und Patachon auf der Rechnung hatten. Ein leicht militaristischer Zungenschlag, der an die Bismarckzeit, an Churchill, an den ‘Bonker’ und sonst noch so mancherlei erinnert, kommt hinzu – kurzum: Es ‘wagnert’ in deutschen Kolumnen:

Mit Blut, Schweiß und Tränen können [Röttgen und Lindner] sich bewähren – für die Stunde Null von CDU und FDP. … So oder so haben sie die einmalige Chance, sich … in den Herzen der jeweiligen Basis festzuketten. Es geht nicht um das nächste Jahr. Es geht um das nächste Jahrzehnt. … [So könnte] die NRW-Wahl für CDU und FDP … als Menetekel für das Ende der Herrschaft Angela Merkels in die Geschichte eingehen. Gleichzeitig markiert sie nicht weniger als die Vorbereitung auf einen personellen Neuanfang nach dem Scheitern der bisherigen Koalition im Bund.”

Festgeschweißt in den Herzen der Basis darf also diese Rasselbande, Muttis Klügster und Möllemanns Bambi, mächtige Ketten türmend ihrer Anhängerschaft jahrzehntelang die Aorta verstopfen. Ein solches Sprachbild hängt dort in einem deutschen Qualitätsmedium an der Wand des Salons, wo es die Hausfrau vermutlich noch für Kunst ansieht.

Meinerseits, um mich dieser Wortgewalt umgehend anzuschließen, markiert dies publizistische Menetekel die überfällige Vorbereitung auf einen personellen Neuanfang im deutschen Journalismus nach dem Scheitern der bisherigen Koalition aus INSM-Sektierern und zunehmend bildgestörten Metaphernschändern.

Apropos – werden ihre Sprachbilder schief, zeigt sich, dass eine alternde Ideologie nicht mehr zur Wirklichkeit passt.

Realitätsenthoben

Im schönsten Rosamunde-Stil pilchern sich unsere Society-Journalisten zunächst etwas unausgegoren Schmalzgebackenes aus ihrem allzeit stets tiefbewegtem Hormonhaushalt: “Arnold Schwarzenegger und Maria Shriver: Trennung im Abendrot.” Und dann folgt für die wohlig angespitzte Zahnwaltsgattin auf einen solchen Tränendrüsen-Titel im folgenden Text nicht der kleinste Abglanz des versprochenen deppensymbolischen Sonnenuntergangs … Tatzenlutschen nennt sich so etwas wohl. Oder Publikumsvertreibung.

Jeremias Jörges

Seit einiger Zeit läuft in der ‘Süddeutschen Zeitung’ eine Serie zur Zukunft des Journalismus. Zuletzt stellte in diesem Rahmen der starke Mann des ‘Stern’, Hans-Ulrich Jörges, seine Sicht der Dinge klar. Nur leider nicht mir. Vieles finde ich sogar überaus fragwürdig. Mit dem üblichen großen Glaubensbekenntnis der medialen Orthodoxie beginnt erwartungsgemäß dieser Text:

“Journalismus bleibt unersetzlich – gerade in Zeiten der Leserreporter.”

Ein durch nichts begründetes Apriori steht also am Anfang des Textes – denn an die ‘Unersetzlichkeit’ des Journalismus glauben selbst die Verleger, betrachten wir bloß ihr faktisches Handeln, nur noch an hohen Festtagen. Auf den Redaktionsetagen regiert längst ein anderer Geist, der alles durch ‘billig und viel’ ersetzbar glaubt. Jörges’ Mantra ist schlicht ein Glaubensbekenntnis, vielleicht auch eine These, wobei zu hoffen ist, dass er uns im folgenden Text einige Argumente für seine Zuversicht liefern wird. Auch die “Zeiten des Leserreporters”, in die Jörges uns hier zurückversetzt, diese ‘Golden Days of Dreams and Roses’, die waren doch eher eine Schnapsidee der Vereinigten Verlegerschaft, als diese von immer noch billigerem Content träumte, wozu ein printmedial aufgeguseltes Bild-Zeitungs-Publikum mit seinen Handy-Kameras druckbare Resultate für ‘fast umsonst’ in die Redaktionsstuben liefern sollte. Von Leserreportern als publizistischer Idee ist heute nirgends mehr die Rede, der Praktikant – vormals ‘Volontär’ – hat ihre Aufgaben längst mit übernommen.

Die folgende (durchaus zutreffende) Lagebeschreibung verpackt Jörges unerfindlicherweise in rhetorische Fragen, dort, wo er die Gründe für die schwindende Macht des Journalismus aufzählt. Wovor sollte der Journalist also Angst haben:

“Vor der Werbewirtschaft, die Anzeigen abzieht und anders – auch anderswo – nach Aufmerksamkeit fischt? Vor Verlegern, die beim Grenzgang zwischen Modernisieren und Zerstören die Balance, Maß und Ziel verlieren? Vor Heuschrecken, die sich renditehungrig in Medien verflogen haben, dort alles kahl fressen – und dann verhungern? Vor dem Internet schließlich, das alles an Information zu bieten scheint, was der Mensch zum Denken braucht – und das kostenlos, rund um die Uhr und teils in Echtzeit, live? Ist Journalismus also ein verlorener, ein aussterbender Beruf – hoffnungslos überholt wie der Kohlenschaufler auf der Elektrolok?”

Fasste ein Feld-Wald-und Wiesen-Journalist die Gründe für seine Angst vor der Zukunft mal zusammen, so würde er all diese Fragen mit ‘Ja!’ beantworten. Wie eine gelenkige Katze beißt sich Jörges Text im Folgenden selbst in den Schwanz: Durch eine vorangestellte Captatio benevolentiae – ja, alles ist ja wirklich so schlimm wie beschrieben, “aber trotzdem” – tröstet er uns dann erneut mit dem großen Glaubenssatz vom Anfang des Textes:

Ja, natürlich ist unsere Gewerbe unter Druck. So stark wie noch nie zuvor. Zu Resignation oder Kapitulation aber gibt es keinen Anlass. Denn Journalismus ist und bleibt unersetzlich – auch wenn sich sein Kosmos in Organisation und Technik revolutionär verändert, auch verändern muss.

So gewunden und redundant möchte ich auch mal argumentieren – nur erheben meine Logik und meine Vernunft zumeist Einwände und hauen mir die Tippfinger blau. Jörges kommt in der Folge auf die vorgeblichen Aufgaben des Journalismus zu sprechen, eine Liste, wie aus dem Lehrbuch:

“Informationen zu erschließen, zu filtern, zu erklären, zu ordnen und zu interpretieren – das geht nicht ohne Redakteure, ohne Rechercheure, ohne Reporter, ohne News Anchor, ohne Kommentatoren.”

Ja, wenn’s doch so wäre! Ich erinnere nur an den Fall der überaus harmlosen Schweinegrippe, wo uns nahezu alle Medien unter Einschluss des ‘Stern’ und vor den darob erstaunten Augen der Bevölkerung eine mediale Riesensau durchs Dorf trieben, als stünde Gevatter Tod mit seiner Hippe schon vor der Tür. Mit Fug darf ich vermuten, dass hier – statt zu ‘erschließen’, zu ‘filtern’, zu ‘ordnen’ und zu ‘interpretieren’ – schlicht die PR-Texte interessierter Pharma-Unternehmen von atemlosen und informationsgehetzten Redakteuren als lautere Wahrheit verkündet wurden. Auf solche ‘Informationen’ können Bevölkerung wie Staat allerdings verzichten – uns ginge es besser! Zumindest wäre mehr Geld in der Kasse. Auf weitere Beispiele eines geradezu desinformierenden ‘Qualitätsjournalismus’ hat Albrecht Müller hier jüngst hingewiesen.

Jörges beschreibt also einen Zustand, der gar nicht existiert. Der real existierende Journalismus widerspricht seiner Zustandsbeschreibung nahezu Tag für Tag. Er steht in der Regel konträr zu verkündeten Idealen – einige wenige ehrenhafte Gegenbeispiele bestätigen dies nur. Kurzum: Es sind eben nicht nur die Verleger mit ihren Herzen aus Excel-Tabellen, es sind auch die Journalisten selbst, die sich in ihre Lage hineingeschrieben haben. Einen publizistischen Bedarf muss man wecken, nicht vergraulen, sonst fliehen die verbliebenen Leser in Scharen.

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