If your memory serves you well ...

Schlagwort: Sprachgebrauch

Putin, der Staatenbauer

Vladimir Putin’s Crimean Anschluss which was intended among other things to highlight or promote divisions among Ukrainians about the status of their country has had exactly the opposite effect: It has boosted the share of supporters of independent statehood from 83 percent to 90 percent, the highest ever.”

Wie’s eben so ist: Wenn jenseits der Grenzen jemand randaliert, dann formt sich im Innern eine einige Nation … gut ist auch diese Stilfibel als Wegweiser zu einem korrekteren Sprachgebrauch:

“local pro-Russian militia’ = Russian mercenaries
‘rebels’ = Russian mercenaries
‘pro-Russian separatists’ = Russian mercenaries
‘local self-defense forces’ = Russian mercenaries
‘Ukrainian separatists’ = Russian mercenaries”

(der Text beschäftigt sich dann auch mit anderen Stilblüten unserer gebenedeiten Presse).

Diesen russischen Helikopter gab es vermutlich auch in Donezk auf dem Flohmarkt. Allerdings geht mir diese mittelalterliche Kosakensymbolik bei all den neu aufgestellten ukrainischen Freiwilligenbataillonen auch auf den Senkel. Gut, aber die Ukraine ist nun mal nicht Russland, sondern historisch Europas Kosakenstaat gewesen.

Oh Gott – die Desperados haben jetzt ja gar keinen Regierungschef mehr, der zieht plötzlich das Exil im Hinterland vor. Muss dort schlimmer stehen, als ich dachte:

“The self-proclaimed “people’s governor” of the so-called Donetsk People’s Republic (DNR) has fled to Russia, following his fellow terrorists. … Another DNR official, Tetyana Dvoriadkina, stated that she had heard of Gubarev’s departure but did not know where he went. “Gubarev really has left Donetsk. They said he went to Rostov,” she said.”

Aber, aber, liebe Berichterstatter – ‘geflohen’ ist der tapfere Mann sicherlich nicht, der hatte wohl nur ‘unaufschiebbare Termine’. Tscha, und am Asowschen Meer haben die russischen Panzer auch wieder den Rückwärtsgang eingelegt – zumindest diejenigen, die überhaupt noch fahren können. Schon aber rattern über Torez neue Tanks in die große Schrottmühle. Nachschub für die Stahlwerke in der Ostukraine, auch eine Form von Entwicklungshilfe … die Moral der russischen Truppen in diesem Krieg ist jedenfalls unglaublich hoch:

“Senior Lt. Mikhail Milenko, commander of the platoon, ran away from battle and went into hiding, leaving his subordinates behind. They decided to try to break out on their own but wound up surrounded soon afterward and were forced to surrender to the ATO forces.

Ich muss immer öfter an die Schlacht von Valmy denken … ganz erhellend sind auch die langen Verhörprotokolle mit den verhetzten russischen Armeeangehörigen, die jetzt in ukrainischer Gefangenschaft sitzen:

“Dear Russians, we are all fooled and brain-fucked. That’s what I have to say. It’s all different here in reality. Not like we are told on TV. That we, regular guys, who are told and who get it done … We go here like the cannon meat. Not knowing why and for what. That’s all…”

Pffft – angeblich stünden keine russischen Truppen auf ukrainischem Boden … lachhaft! Wie lange wollen die im Kreml ihre Märlein noch durchhalten?

Bin ich etwa ein Sexist?

Bei den ‘Ruhrbaronen’ geht es derzeit hoch her, wegen der An- und Abwesenheit der Frau Silvana Koch-Mehrin im EU-Parlament und wegen der Frage, ab wie vielen Wochenstunden in der Westerwelle-Logik sich ‘Leistung wieder lohnen’ darf und ob am Ende auch die Stunden auf dem Golfplatz und ähnliches Allotria dazuzuzählen seien. Ich führte einen allgemein menschlichen Glücksaspekt ein, für den niemand etwas kann, der aber sicherlich dazu beitrug, dass Frau Koch-Mehrin zum Medien-Darling wurde, weshalb sie dann bei Burda und anderswo den grünen Blättern ihren Baby-Bauch zeigen durfte – ich schrieb, nichts Böses ahnend:

Seht’s doch einfach mal ästhetisch-pragmatisch, unter Zuhilfenahme von ein wenig gesundem Menschenverstand und einschlägiger Lebenserfahrung: WER GUT AUSSIEHT, MUSS WENIGER ARBEITEN.

Dessenthalben kam dann prompt die Katharina Borchert wutentbrannt dahergeschritten, die WAZ-Online-Chefin, zuständig unter anderem für den westfälischen Blogberitt namens ‘Der Westen’. Meiner Person schenkte sie deftig-kräftig aus dem Güllefass aus, obwohl ich Gülle gar nicht mag. Jedenfalls ließ mich ihre Einlassung ein wenig ratlos zurück:

@Klaus Jarchow: Wie schade, dass solche Diskussionen nie besonders lange sachlich geführt werden können, ohne dass jemand um die Ecke kommt und die arg verstaubte Sexismuskiste wieder aufreisst. Ebenso ekelhaft wie langweilig.

Wir lernen daraus, dass wer ‘wer’ sagt, auch schon eindeutig Frauen gemeint haben muss. Denn der Sexismus, der lauert bekanntlich überall, fast wie einst der Kommunismus, und wenn er schon nicht im Wortsinn steckt, dann hat ihn die gewitzte Frau doch in der Nase. Ich antwortete der Katharina übrigens Folgendes – die Antwort steht bislang noch aus:

Was hat denn das mit Sexismus zu tun, Katharina, wenn ich meine Aussage absolut geschlechtsneutral und allgemeingültig formuliere? Gibt’s etwa keine schönen Männer mehr auf dieser Welt? Glaube mir, die Gelfrisur, die sich neuerdings Bundeswirtschaftsminister nennen soll, die habe ich längst auch auf dem Kieker. Ich habe nämlich generell etwas gegen Leute, die den Weg zur Arbeit zum Laufsteg machen und elastisch tun. Punkt.

In einem höheren Sinn ist mein Satz sogar nicht nur Satire auf eine ausgewiesene FDP-Poseurin, sondern er ist dazu noch völlig richtig: Schöne Menschen – cum grano salis – haben es leichter, sie müssen sich folglich weniger anstrengen, um das im Leben zu bekommen, was sie wollen, und sie bleiben deshalb bis zu ihrem unausweichlichen Ende zumeist auch dümmer als der Durchschnitt, denn sie haben es ja nicht nötig, durch innere Werte zu glänzen. Zumindest ist mir noch kein schöner Nobelpreisträger über den Weg gelaufen …

Dass ich das mit dem Guttenberg nicht nur so aus Daffke sagte, zeigt übrigens diese Schreibprobe, wo ich – kein bisschen sexistisch – den Text einer Frau über den grünen Klee lobte. Da hört sich dann Sexismus doch wohl auf – oder war das jetzt schon wieder ‘sexistisch’?

Nicht aufs Maul verfallen …

Neulich abends spielten wir mal wieder Doppelkopf. Unsere Nachbarin war auch dabei. Hier ein Auszug aus dem Wortprotokoll:

Wir also los – bis zu diesem Outlet da – weißt, da draußen? – Lloyd Schuhe in Sulingen – ej, da war was los, alles voller Leute da, vor allem Vertreter, die suchten da möglichst vorab schon ausgelatschte Treter – höhö! – wir also kommen da an, war echt schwierig mit Parkplatz, nech — hast du auch Karlchen mitgezählt? Ja? — wir denn also rein, und da schnackt gleich so’ne Verkäuferin meinen Tim von der Seite an, so von hinten umme Ecke — Überhaupt wie steht’s? Führ’ ich noch? — Will bloß gucken, sagt Tim also zu der Ollen, war so’n älteres Semester, Bluse, Faltenrock, er wollt wirklich bloß gucken, aber die macht Service total, kam wohl gerade vom Lehrgang oder so, jedenfalls …

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