Ohne den geringsten Hauch von Ironie, ohne einen Hinweis auf Satire, allerdings auch ohne jeden empirischen Beleg fördert Nina Pauer in der ‘Zeit’ aus dem zutiefst zwischenmenschlichen Bereich Dinge zutage, die den arglosen Leser glatt glauben machen könnten, die selige Hippiezeit wäre kiffend und klampfend zurückgekehrt:

“Heute tragen die jungen Männer Bärte und spielen Gitarre. Sie sind lieb, melancholisch und sehr mit sich selbst beschäftigt.”

Folgen wir der Autorin, dann zählen Lindner, Guttenberg und andere hohlmantelige Erfolgsgeschosse auch schon wieder zum alten Eisen. Unsere ultrakompatibel gegelten Flutschstengel der jüngsten Vergangenheit, deren idealer Typus noch heute alle Modemagazine ziert, die wären längst zu Veteranentreffen aufgebrochen, um dort alte Kameraden aus dem Neoliberalismus zu treffen.

Im vordersten Schützengraben des Geschlechterkriegs wachen hingegen heute zarte Sensibelchen mit Blumen im Gewehr, die ständig jack-wolfskin-mäßig in die heile Welt der Natur zu flüchten trachten und abends beim Sonnenuntergang unentwegt ihrem Karma die großen Sinnfragen stellen – um so natürlich zur leichten Beute harter Flintenweiber zu werden. Eine andere Möglichkeit bestünde allerdings darin, dass hier eine Autorin individuelle Erfahrungen zum Allgemeingültigen aufgebrezelt hat. Man(n) weiß es einfach nicht …