If your memory serves you well ...

Schlagwort: Schweiz

Liebe Schweizer!

Ich kann zwar verstehen, dass eure Wirtschaft die Entscheidung der SNB kritisiert. Aber die Lösung besteht doch nicht darin, dem teuren Wechselkurs-Regiment der Staatsbank nachzutrauern. Ihr müsstet vielmehr jetzt dafür sorgen, dass eure harte Währung ‘weicher’ wird. Konkret hieße das: ‘Soziale Wohltaten’ verteilen, Schulden machen, Großprojekte stemmen, einen transparenten Finanzmarkt schaffen, Vermögen stärker besteuern etc., all das, was die sogenannten ‘Investoren’, die doch stets nur ‘in sich’ investieren, Hals über Kopf reißaus nehmen lässt. Mit dem Strafzoll auf Franken-Einlagen seid ihr ja schon einen ersten kleinen Schritt auf diesem Weg gegangen:

“Am deutlichsten fällt die Kritik in der Schweizer Wirtschaft aus. Bei einem starken Frankenkurs lassen sich ihre Produkte schwerer in der Euro-Zone verkaufen – deshalb hatte die SNB den Mindestkurs 2011 eingeführt.”

Auch für die Traumtänzer der AfD hält die Aufgabe des Schweizer Wechselkurses eine Lehre bereit. Durch den festen Umtauschkurs war die Schweiz seit Jahren schon ein Quasi-Mitglied der europäischen Währungsunion. Nun könnt ihr ‘live’ studieren, was passiert, wenn ein exportabhängiges Land aus dieser Euro-Zone austritt, und dann endlich mal eure Schlüsse daraus ziehen …

Blochers Blökvieh trötzelt

Die Absage an die Personenfreizügigkeit mit Kroatien hat für die Schweiz erste Folgen: Die EU sistiert die Verhandlung über «Horizon 2020».”

Und in den Kommentaren beim Bergvölklein geht es hoch her – zumeist fern aller Fakten und Zahlen. Dass der andere Hund auch beißen kann, das hätten sie nicht gedacht. Isolationismus als Bauchgefühl: Wir nabeln uns einfach ab – und dann geht es dem Baby gleich viel besser. Und die EU wird irgendwie dann schon auf Knien angekrochen kommen.

Dieser Populismus von rechts ist schon eine selten dämliche Veranstaltung. Schade nur, dass ich – je länger, je mehr – dabei zu einem Kritiker der direkten Demokratie werde, zumindest solange parallel die milliardenschweren Propagandamaschinen medial auf das Volk eintrommeln, die diesen Menschen das Himmelreich auf Erden versprechen, sofern man ihnen ihren Blödsinn nur glaubt. Die Geschichte kennt keinen Rückwärtsgang, es gibt kein Taxi zurück in die ‘gute, alte Zeit’. Auf dem Zeitstrahl der gesellschaftlichen Entwicklung geht es immer nur vorwärts – und zwar so oder so. Die Schweizer wollten es so …

Liebe UNHCR

Liebe Weltgesundheitsorganisation, liebes Weltwirtschaftsforum, liebe Ärzte ohne Grenzen, liebes Intergovernmental Panel on Climate Change, liebes Internationales Rotes Kreuz, liebe Europäische Rundfunkunion, liebes CERN, lieber Christlicher Studenten-Weltbund, liebes IOC … wenn die Schweiz euch Ausländern jetzt das Leben schwer macht, wir hier in Rethem an der Aller hätten massig Platz für ansiedlungswillige Organisationen und deren vielfach assoziierte Zuwanderer.

Eine gewisse Schadenfreude überkommt mich allerdings beim Anblick unserer Medien, die jetzt schwer an jenem Fraß würgen müssen, den sie jahrelang unbeschwert verkündet haben.

Landeier

Festzuhalten bleibt, dass die Schweizer nur in den sogenannten ‘Landkantonen’ mehrheitlich gegen die ‘Zuwanderung’ gestimmt haben, also dort, wo kaum Zuwanderer zu finden sind. Es erinnert mich ein wenig an unser Neufünfland: Auch dort gibt es die wenigsten Ausländer, dafür aber die höchste Fremdenfeindlichkeit …

Wenn die Schweizer sich jetzt aber nicht weiter an EU-weiten Ausschreibungen beteiligen wollen und auch nicht am freien Warenverkehr – sollen sie doch: Des Volkes Wille ist sein Himmelreich, selbst wenn dieser Himmel der Hölle ähneln könnte. Richtig lustig ist dieser Kommentarist hier:

“Die Schweiz ist ein kleines Land, zuviel Auslaender im Land wird zu mehr soziale Problemen fuehren, wegen der vielen Sprachen und verschiedenen Kultur der Einwanderer.”

Jaja, die vielen Sprachen, die jetzt die tief verwurzelte Monolingualität des Vielvölkerstaates Schweiz bedrohen. Dumm sagt man ja nicht mehr – ich sag’s deshalb einfach mal so: Er muss wohl sehr jung sein …

Zu viel Logik verdirbt das Spiel

Die Schweizer unterscheiden bekanntlich zwischen lässlicher “Steuerhinterziehung” und kriminellem “Steuerbetrug”. Vereinfacht gesagt, kommt es zur “Steuerhinterziehung” immer dann, wenn Ausländer ihren Fiskus betrügen, aber ihr hinterzogenes Geld brav bei Schweizer Banken hinterlegen. Zum “Steuerbetrug” kommt es hingegen dann, wenn Eidgenossen den Schweizer Fiskus behumpen. Dieser Vergleich ist natürlich nur ein Scherz …

Trotzdem – ein Schweizer Gericht hat jetzt die Verhandlungen zwischen den USA und der Schweiz erfolgreich torpediert, um das klandestine Geschäftsmodell der Schwarzgeld-Bankster in Bern und Zürich auf dem Weg über die Justiz zu retten, weil die windelweiche Schweizer Politik im Würgegriff internationaler Raubritter schon etwas kurzatmig wurde. Und zwar geschah dies mit folgender Begründung:

“Es könne zwar auf ein betrügerisches Verhalten der Credit-Suisse-Mitarbeiter geschlossen werden. Die Kunden hätten sich aber höchstens der Steuerhinterziehung schuldig gemacht.”

Prompt kratzt sich meine Logik mit dem Huf am Kopf und fragt sich, woher Schweizer Richter das nun wieder wissen wollen? Haben sie etwa das heilige Steuergeheimnis gebrochen, um höchstselbst Einblick in die fraglichen Vorgänge zu nehmen? Oder gehen sie ganz selbstverständlich davon aus, dass es sich nur um eine lässliche ‘Steuerhinterziehung’ handeln könne, dort, wo Ausländer am großen Spiel um Bonds und Moneten partizipieren? Dann wäre das alles doch kein Scherz …

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