If your memory serves you well ...

Schlagwort: Schlichtheit

Was meinst du bloß mit ‘Stil’?

Soll jemand stilbewusst schreiben, dann ist das Ergebnis bei Wenigschreibern vorhersehbar: Die Texte wandeln sich – die Wörter werden gewählter, der Duktus gestelzter, der Tonfall gravitätischer, die Wortstellung verschrobener – und der Sinn drapiert sich in ein verbales Theaterkostüm. Der Text wird pathetisch und wirkt plötzlich ebenso ulkig, wie er zuvor langweilig war. Manierismus heißt dieses Stilmerkmal, das unter bestimmten Bedingungen einem Rilke erlaubt sein mag, nicht aber uns:

„Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt?“

Was aber noch nicht einmal einen großen Dichter unsterblich macht, das macht uns mit Sicherheit unsterblich lächerlich.

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Denkfutter

Und ich plage mich hier mit allerlei Arbeit, die geht so langsam … Und wenn sie nachher da ist, dann sagen die Leute: “Ach der – man versteht ja jedes Wort! Das schüttelt er so aus dem Ärmel.” Ein Kompliment – aber in Deutschland eines vierten Ranges. Neulich las ich: “… von einer bis zur Dunkelheit gesteigerten Fülle” … Das hab ich gern. Sehen Sie – Gewöll, Geschlinge, Nebel und Wolken, kurz: im Dunkeln ist gut Munkeln. Unsereiner aber hat es mit Mozart, und sie wollen Wagnern. Die Trompeten blasen so schön …”
Kurt Tucholsky

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