If your memory serves you well ...

Schlagwort: Salafismus

Misik bringt’s auf den Punkt

Beide hängen eingebildeten Identitäten an: Hier die Dschihadisten-Identität, die sich eine Geschichte zusammenfantasiert, die bis zum Propheten und seinen Gefährten zurückreicht, da die christlich-europäischen Identitätsfreaks, die sich in die Türkenkriege zurückfantasieren; überhaupt die Vorstellung eindeutiger Identitäten; Antimodernismus und völlig geschlossene Weltbilder, die in einem regelrechten Tunnelblick enden. Sie sollten nicht gegeneinander demonstrieren, sondern miteinander.

Yep – wer hat sie denn schon nötig, diese Krücke der ‘Identität’? Ich müsste rätseln, fragte mich jemand nach meinem ‘deutschen Wesen’. Ich krieche in kein Backförmchen.

Robert Misik ist in meinen Augen einer jener Journalisten, die – wie alle guten unter ihnen – einst linksaußen begannen, ohne deshalb irgendwann unter dem Rock der Friede Springer zu landen. Er hielt Kurs, anders als viele andere im Gedenken an die näherrückende Altersvorsorge. Misik ist – mit einem Wort – das Gegenteil eines Renegaten. Natürlich wäre er seit Jahren ein Kandidat für den Ludwig-Börne-Preis, ein echter Tucholsky-Nachfolger, statt des kompromisslerischen Zwergwuchses, der ansonsten rituell mit den Medaillen der Publizistik behängt wird.

Was verwunderlich wäre …

Sollten die beiden Brüder lebendig überwältigt werden, dann würde mich das erstaunen. Da dürfte gelten: die letzte Kugel für mich, den Waffenträger. Obwohl ich ihnen eine Festnahme wünschen würde, allein schon, damit hinter den Kulissen das große Gedibber beginnt …

Das ist nun Quatsch, FAZ!

Muss man Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ nun doch als Vorwegnahme lesen?

Diese ziemlich haltlose ‘Vorwegnahme‘, die Houellebecq beschrieb, die wird gerade ‘nun‘ nicht mehr eintreten. Das Attentat der Islamisten war geradezu der Todesschuss für eine von manchen befürchtete Islamisierung Frankreichs. Diese blutrünstigen Trottel haben auf effektivste Weise ihren Gegnern in die Hände gearbeitet. Sie haben damit ihren Zielen und ihrer Religion einen wahren Bärendienst erwiesen.

Denkbar aber wäre jetzt eine Front-Nationalisierung Frankreichs, vielleicht mit elsässischen und bretonischen Bauerntrachten als letztem Modeschrei – nur echt mit Kopftuch übrigens.

Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, wie zwei obdachlose Kiffer an ‘Raketenwerfer’ kamen? Die wurden doch wohl kaum in einem Supermarkt in Donezk gekauft …

Klare Ansage

Wer von Saudi-Arabien nicht reden will, soll vom Salafismus schweigen. Im Umkehrschluss: Wer von den Muslimen jetzt ein Zeichen erwartet – wie wäre es, wenn sie die Hadsch in diesem Jahr mal ausfallen lassen würden? Auf den Aufschrei der Hotellerie und des Devotionalienhandels dort wäre ich gespannt …

Noch-nicht-mal-Restintelligenz

Ich gehe noch nicht mal so weit, zu sagen, dass jeder Terrorist ein Salafist ist.”

‘Noch nicht mal’ – das hat er tatsächlich gesagt, dieser falsifizierungsresistente Wolfgang Bosbach, aus einem vermutlich zutiefst von sich selbst überzeugtem Kleinhirn heraus. Aber wie kommt er in seiner gnädigen Herablassung bloß darauf? Obwohl er’s ja eigentlich ‘ruhig mal’ meint, fast sagen zu dürfen? Sagt mir jedenfalls mein Sinn für Satzsemantik. Hat’s etwa schon jemals Terroristen gegeben, denen der Islam am Mors vorbeiging? Etwa der Savanarola, der Ignaz von Loyola, ein Andreas Baader, Carlos, Ernst von Salomon, Graf von Stauffenberg, Che Guevara, Räuber Hotzenplotz – oder wie oder was? Das Problem der Runde war, dass dort zu viele gleichgeartete Hirne von unterschiedlicher Religionszugehörigkeit wilde Thesen in die publizistische Landschaft brabbeln durften.

Nebenbei: Dieser selbsternannte ‘Imam von Sachsen’ – fand ich jedenfalls – sah sehr unvorteilhaft gekleidet aus, wie ein deutscher Biedermann des späten 19. Jahrhunderts mitsamt Spießer-Nachtmütze, Professor-Unrat-Bart und weißem Nachthemd, frisch aus einem Spitzweg-Gemälde entsprungen …

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