If your memory serves you well ...

Schlagwort: Revolution

Ursachen der Revolution

After having ensured the justice system would never challenge his criminal dominion, Yanukovych and his allies set out to reorganize the remaining state institutions: the tax service was turned into an national extortion service, the national police became the regime’s goon squad, the National Bank of Ukraine the gang’s main money launderer, the customs service a smuggling ring, the national gas monopoly and finance ministry pumping endlessly money to the criminal empire, the national intelligence agency SBU an instrument to harass and spy on victims of the regime… the list goes on. No government entity remained untouched. From top to bottom, they all worked with only one goal: to enrich Yanukovych and his family.”

Janukowitsch hat also die Revolte gegen ihn förmlich herausgefordert. Gegen sein unersättliches Mafia-Imperium sind die Leute dann auf die Barrikaden gegangen. All das Gequatsche von ‘Faschisten’ ist hingegen Bullshit, das waren höchstens ‘Adabeis’, ein paar willkommene Sockenpuppen für ‘Russia Today’ und ‘Lifenews’ …

Derweil zeigen die tapferen Regulatoren Auflösungserscheinungen:

“Representatives of Ukrainian armed forces announced that supposedly some of the militia have left Lugansk and together with armored vehicles have headed toward the Russian border.”

Nun geht’s mal andersrum. Vermutlich wollen sie den Endkampf von der Wolfsschanze aus führen … Motto: ‘Ich wünschte es wäre Nacht, oder die Russen kämen’.

Vorrevolutionäre Situationen

Zu den drei hellsichtigen Denkern, die wesentliche Entwicklungstendenzen der Moderne prophetisch erkannten, gehört neben Karl Marx und Max Weber auch Alexis de Tocqueville. In seinem Buch ‘Der alte Staat und die Revolution’ findet sich die folgende Passage:

“Die Menschen sind nicht mehr durch Kasten, Klassen, Korporationen und Geschlechter miteinander verbunden und sind daher nur zu geneigt, sich bloß mit ihren besonderen Interessen zu beschäftigen, immer nur an sich selbst zu denken und sich in einen Indidualismus zurückzuziehen, in dem jede öffentliche Tugend erstickt wird. …

Da in einer derartigen Gesellschaft nichts feststeht, fühlt sich jeder, teils durch die Furcht herunterzukommen, teils durch den Drang, sich emporzubringen, in beständiger Aufregung, und weil das Geld, welches zugleich das Hauptmerkmal geworden ist, das die Menschen klassifiziert und in ihrem Rangunterschied bedingt, hier eine außerordentliche Beweglichkeit erlangt hat, indem es unaufhörlich aus einer Hand in die andere geht, die Lage der Individuen verändert, die Familien erhebt oder erniedrigt, so gibt es hier fast niemanden, der nicht genötigt wäre, verzweifelte und fortwährende Anstrengungen zu machen, um es sich zu sichern oder zu erwerben. Die Begierde, um jeden Preis reich zu werden,  die Neigung, Geschäfte zu machen, die Gewinnsucht, das Streben nach Wohlleben und sinnlichen Genüssen sind daher hier die üblichsten Leidenschaften. … Diese schwächenden Leidenschaften kommen [dem Bestehenden] zu Hilfe, sie lenken die Leidenschaft der Menschen von den öffentlichen Angelegenheiten ab, beschäftigen sie fern von denselben und lassen sie bei dem bloßen Gedanken an Revolutionen erzittern.”

Was uns hier so ‘heutig’ in den Ohren klingt, das ist keinesfalls die Beschreibung einer modernen Gesellschaft, wie sie aus der französischen Revolution erst erwachsen sollte. Alexis de Tocqueville beschreibt hier das ‘Ancien Régime’, eine ‘alte Gesellschaft’ also, die ihrem Untergang entgegentaumelt. Es ist ein Bericht über ‘vorrevolutionäre Zustände’, aus denen heraus die Revolution folgerichtig entspringen wird. Die Guillotine begann erst dann zu klappern, als die Menschen dieser allgemeinen Geldsucht überdrüssig wurden und gründlich mit der Selbstsucht eines grassierenden Individualismus und Egoismus aufräumten.

Bei allen Mustern, die demnach das Scharnier zwischen damaligen und die heutigen Gesellschaften zu bilden scheinen, bleibt für mich die Frage, worin denn der heutige ‘Despotismus’ besteht, der unsere Öffentlichkeit knechtet, die Gewinnsucht antreibt und die Gesellschaft zusehends zersetzt? Und ob wir am Ende erneut in ‘vorrevolutionären Zeiten’ leben, wo die Eliten zunehmend von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nichts mehr wissen wollen? Liest man gewisse Pamphlete der Jungen Liberalen, dann liegt der Gedanke nicht allzu fern …

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