If your memory serves you well ...

Schlagwort: Qualitätsjournalismus (Seite 1 von 9)

Einäugigkeit

Dieser professorale Vollhonk schafft es doch tatsächlich, spaltenlang die westlichen Medien zu kritisieren, ohne die russischen Medien auch nur einmal zu erwähnen:

“Die westlichen Medien haben den Konflikt verschärft, Journalisten haben für die eine oder andere Seite Partei ergriffen. Beides erscheint mir nicht im Sinne des Qualitätsjournalismus.”

Ach, der QJ mal wieder! Ein Wesen, das jeder Verleger gern beschwört, und das kein Leser je sah. Vielleicht ist aber auch dieser ominöse ‘Qualitätsjournalismus’ derzeit bei ‘Russia Today’ untergekrochen … wer weiß das schon? Da macht man sich schließlich die dollsten Stories noch selber … und der Interviewer dort, der müsste auch noch mal einen Grundkurs besuchen.

Hier gibt es übrigens das bravouröse Transskript einer Krisensitzung direkt aus dem Abenteurer-Hauptquartier. So etwas ist investigativer Journalismus! Seither wissen wir, die Bandidos gehen sich dort gerade selbst an die Gurgel, diese ‘ehrenwerten Familien’ werden demnächst wohl ausschießen, wer recht hat:

“You said — or rather it was said about you, by bastards — that your goal is Rostov. So you must refute that,” he insists as they turn their backs and leave. Otherwise “you are disrupting your supply. Disrupting!”

Oops! Rostov? Liegt das nicht in Russland? Und diese ‘supply-chain’ käme also – selbst eingestanden – direkt aus der russischen Föderation? Und die Art, wie der Interviewer dort im Video drei Kalaschnikows um sich drapiert, entspricht vermutlich auch eher dem Grimm’schen Ideal eines ‘objektiven Qualitätsjournalismus’. Moment, jetzt verstehe ich’s – darum geht’s, um viel größere Ziele, es geht um den bevorstehenden ‘Maidan’ in Moskau, angeführt von Kapitänleutnant Strelkov:

“If Akhmetov manages to go on supporting the situation of rivalry of regiments of the militia, the situation will remain a zero-sum game, but with a worsening situation. Under such a scenario by autumn, Strelkov’s people and those detachments who have joined him will be forced to leave Donbass and take Rostov under control in order to make it a base for the Russian uprising.”

Freiheitskämpfer - ganz familiär

Freiheitskämpfer – ganz familiär

Im Kreml haben sie jedenfalls die Hosen voll, sie haben Angst vor einem Kapp-Putsch in Russland, und Commander Strullkov wird deshalb gerade kräftigst demontiert, wie zum Beispiel von diesem populären Putin-Supporter:

“Girkin is fighting not for Russia there, but for himself. Or for the DPR, or the LDPR, or who the heck knows — for something, but not for Russia in any way. And for me, Russia is more primary than Donbass; in general I believe that Donbass is not our Russian Crimea, and under no circumstances does Russia need this crap at all, and we are not at all obliged to fight there at all. Why should we fight, please explain to me? For what reason should we put our soldiers there? For the ambitions, I’m sorry, of Girkin? For Ukrainian Russians, the borders are always open — come as you please, there are practically entire state programs to help refugees from there, and even without any programs we will always help our own. But Girkin does not seem to be one of ours. Russia has a leader, he is the Commander-in-Chief, it is the president of the country, Vladimir Putin. And no Girkin can show him or provoke him into a decision with his small-town problems. Russia is greater than the Donbass and much more important, in fact for all Russian Federation people without exception.”

Solche spannenden Entwicklungen lassen sich mit etwas gutem Willen ganz leicht recherchieren. Und was lesen wir davon in den ach so ‘russophoben Mainstream-Medien’? – Eben …

Ein Journalistenhasser?

Wenn die Leser wüssten, welche zum Teil widerlichen Figuren im Journalismus rumturnen und was für Taugenichtse solche Artikel schreiben, dann kämen bei ihnen einige Fragezeichen auf”, sagte Bollmann dem Schweizer Medienmagazin Persoenlich.com. Er fügte hinzu: “Selbst haben sie ihr Leben nicht im Griff, noch nie irgendwann, irgendwo für irgendetwas Verantwortung übernommen und erlauben sich, mit primitiven Artikeln über Menschen zu urteilen, die sie nicht kennen und mit denen sie nie gesprochen haben.”

Ach, ih wo, das ist natürlich kein Journalistenhasser – dieser Mann mit den kernigen Ansichten kommt von der ‘Basler Zeitung’ und sollte Verlagsgeschäftsführer der WAZ werden. Und da muss das Gesocks vor den Monitoren doch schon mal wissen, welche Wertschätzung es künftig genießt.

Schade, dass irgendwer im letzten Moment noch die Notbremse zog. Denn den nachfolgenden Affenzirkus hätte ich mir wirklich gern angeschaut. Was aber Verleger motiviert, die denkbar ungeeignetsten Figuren ernsthaft für solche Führungspositionen in Erwägung zu ziehen, das lässt mich dann doch an diesem ehrenwerten Berufsstand zweifeln. Und wenn die Leser wüssten, ‘welche zum Teil widerlichen Figuren’ Verlegerhirne inspirieren können … ach, lassen wir das. Es geht doch immer um möglichst viel Zeilen für möglichst wenig Geld. Das Publikum wird’s schon fressen … denken sie, vernagelt wie sie sind.

Pay to troll?

In England verdächtigen sie ganz grundlos viele überaus ‘ehrliche Kommentatoren’, die doch nur mal ihre Meinung sagen wollen – eine Meinung, die dann allerdings immer haargenau so klingt, wie diejenige vieler anderer Kommentatoren ähnlichen Kalibers auch. Der ‘Guardian’ zeigt mit dem nackten Redaktionsfinger jetzt auf das, was in seinen und anderen Kommentarspalten derzeit orchestriert abzulaufen pflegt. Hierzulande wird noch nicht einmal ein solcher Verdacht redaktionell benannt, hier gilt weiterhin der größte Bullshit als glasklare ‘Volksmeinung’:

“One complaint came to the readers’ editor’s office on 6 March. “In the past weeks I have become incredibly frustrated and disillusioned by your inability to effectively police the waves of Nashibot trolls who’ve been relentlessly posting pro-Putin propaganda in the comments on Ukraine v Russia coverage.”

Der ‘Guardian’ stimmt dem Leser zu. Das Phänomen folgt offensichtlich einem Modell, das in Moskau bereits über Jahre ausgiebig erprobt wurde:

“Luke Harding, the Guardian’s highly experienced former Moscow correspondent, who was expelled in 2011, is in no doubt about the nature of the campaign and how damaging it is to debate in the threads. From Ukraine, he said: “It’s a well-attested phenomenon in Russia.”

Klar ist jedenfalls, dass diese konzertierte Aktion dann immer nur in einer Richtung verläuft:

“Trolling covers a multitude of sins but a particularly nasty strain has emerged in the midst of the armed conflict in Ukraine, which infests comment threads on the Guardian and elsewhere, despite the best efforts of moderators. Readers and reporters alike are concerned that these are from those paid to troll, and to denigrate in abusive terms anyone criticising Russia or President Vladimir Putin.”

Nicht vergessen dürfen wir allerdings diejenigen, die hochgestimmt und irregeleitet in dieses Propagandageblöke auch noch freiwillig und unbezahlt einstimmen … der ‘Guardian’ gibt allerdings im Text auch einige Hinweise darauf, wie solchen Blockflöten das Mundloch zu stopfen wäre. Man könnte bspw. damit beginnen, alles Unbewiesene und Aus-der-Luft-Gegriffene einer intensiven Wischmopp-Behandlung zu unterziehen, und zwar bevor es gepostet wird. Das ist viel Arbeit und verursacht Kosten, ich weiß, aber es gibt ja auch genügend Journalisten auf dem freien Arbeitsmarkt, die händeringend einen Job in Zeiten des Web 2.0 suchen. Und ein zivilisiertes ‘Qualitätskommentariat’ wäre ja auch eine USP bei der fortdauernden Suche nach diesem ominösen ‘Qualitätsjournalismus’ …

Farbenblinde Reporter

Bei manchen PR-Gefälligkeiten in der lokalen Berichterstattung fragt man sich ja, ob diese Journalisten überhaupt durchdenken, was sie da schreiben:

“Mit viel Herzblut haben wir uns engagiert”, versicherte Vera Milus. Weiß-Blau war dementsprechend die dominierende Farbe.

Tschaja – ‘dementsprechend’ auch der weitere Text. Als ganz abgelutschtes Schmankerl glänzt in einer Nebenrolle natürlich auch wieder “viel Liebe zum Detail“, ein Aspekt, den jener Artikel dann eher vermissen lässt. Eine besonders dienstfertige Reportermumie, die sich dort ächzend und erwartungsgemäß auf die klapprige Kleinkunstbühne des Blättchens zu quälen hat …

RechenkünstlerInnnen

Sie sitzen nicht nur bei der Bild, auch der seriöse Deutschlandfunk hat uns dort längst einiges zu bieten:

“Im vergangenen Jahr haben 250.000 Deutsche rund 20 Milliarden Euro für Bilder und Filme mit nackten Kindern ausgegeben.”

Rechnen wir mal nach: 20.000.000.000 geteilt durch 250.000 macht 80.000 Euro je Nase. Also weit mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Jahreseinkommens – nur für derartige Onaniervorlagen. Das muss man sich erst einmal leisten können, will uns Frau Ines Pohl wohl sagen. Dank des Deutschlandfunks und des grassierenden Qualitätsjournalismus wissen wir jetzt, dass die Pädophilie ein Reichenproblem sein muss, angesiedelt hoch oben an der Spitze der Gesellschaft …

via: Fefe

Aufscheuchen

Neue Stromtrassen sollen zu Massenenteignungen führen.”

Ha – der Sozialismus marschiert! Davon jedenfalls schreibt uns der ‘Focus’ in seinem jüngsten Oeuvre. Wer in dem Text dann nach einem Beleg für diese wahrhaft kühne Headline sucht, der findet darin einzig und allein diesen Satz:

“Enteignungen sind damit gegen eine Entschädigung in Geld möglich.”

Und zwar seit eh und je … eine wahrhaft umfassende Recherche! Sie erinnert mich an die Damenmode auf den Derby-Wochenenden in Baden-Baden, wo auch ein ganz kleiner Kopf einen riesigen Hut balancieren muss. Nun ja, es ist halt Wahlkampf dort in Bayern, wo sich der Sankt-Horschtl ganz allein gegen die vermaledeiten Netzausbaupläne stemmt …

Hallo, Herr Döpfner!

Laut Hausmitteilung ist der Matthias Matussek – selbstverfreilich ‘auf eigenen Wunsch’ – aus der Spiegel-Redaktion ausgeschieden. Wäre das nicht ein echtes Schnäppchen, um den Stall bewährter Kräfte bei der ‘Welt’ zu komplettieren? Ich meine: Matthias Matussek (jüngstkatholisch), Alan Posener (vormals KPD-AO), Thomas Schmid (vormals SDS), Andrea Seibel (vormals taz), Henryk M. Broder (vormals Sankt-Pauli-Nachrichten), wie übrigens auch Ihre jüngste Akquisition, der Stefan Aust – das passt doch. Das gäbe auch eine tolle Mannschaft, die ihre Geschmeidigkeit am eigenen Leibe schon zweifelsfrei bewiesen hat. Die würden in meinen Augen die anspruchsvollsten Wünsche einer exklusiven Kundschaft gedankenschwer bedienen …

Nachtrag: Inzwischen hat mit jemand gesteckt, dass der Matthes doch längst in Springers Hayek-Chor angekomen sei … tscha, man kann ja nicht alles wissen.

Logik adé!

Die Denkbemühungen im deutschen Qualitätsjournalismus werden immer aberwitziger. Vermutlich hat der Verfasser selbigens sich hoffnungslos in den Wortbedeutungen verheddert, so dass er in seinem Dusel zwischen ‘Regulierung’ und ‘Regel’ einen klitzekleinen Unterschied sah, dort, wo faktisch keiner ist. In nur zwei Sätzen zauberte der Carsten Brönstrup uns erstaunten Lesern so eine rasante argumentative Kehrtwendung aus der duldsamen Tastatur:

“Die große Koalition reguliert zu stark. Und nicht der Neoliberalismus an sich produziert Krisen, sondern eine Politik, die nicht die nötigen Regeln setzt.”

Wir halten also fest, die GroKo reguliert zu stark, weil sie nicht genügend reguliert. Der Neoliberalismus ‘an sich’, dieses arme Tier, das kann aber nichts dafür. Danke, ‘Tagesspiegel’, das habe ich noch gar nicht gewusst. Bitte ein Aspirin … und vielleicht sollte der ideologietreue Herr aus den Untiefen des Wirtschaftsjournalismus künftig schreiben: ‘Der Neoliberalismus ist gut, schon deshalb, weil er nicht gut ist’. Dann versteht es jeder – selbst ein Psychiater. Und der Bundespräsident freut sich auch …

Wahr ist, was die Polizei sagt!

Am Abend des 28.12.2013 hatten wir ein Konzert in der Großen Freiheit 36 zusammen mit zwei Schwestern (14 und 15 Jahre) besucht und waren anschließend noch etwas essen.”

Wie können es diese Augenzeugen wagen, einer mehrfach korrigierten polizeilichen Pressemitteilung zu widersprechen? Was erlauben sich Pöbel – äh, Strunz! Ein deutscher Polizist wüsste doch gar nicht, wie das mit dem Lügen ginge. Wo sogar der Thomas Hirschbiegel von der ‘Hamburger Morgenpost’ nach tiefgreifenden Recherchen schrieb, dass “die Davidwache Ziel einer in Deutschland nie dagewesenen Attacke wurde”. Jawollja, der Marsch auf die Feldherrnhalle war ein Dreck dagegen! Der rasende MoPo-Reporter war übrigens schon mal auf seine innigen Polizei- und Halbweltkontakte hereingefallen, und kassierte prompt wegen “übler Nachrede” erstinstanzlich eine saftige Geldstrafe. Mit dem ‘Schlauwerden’ ist das ja so ‘ne Sache … und mit der Glaubwürdigkeit auch.

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