If your memory serves you well ...

Schlagwort: Präposition

Präpositional-Lotterie

Ein ebenso lustiges wie dankenswertes Sammelsurium durch den Peter Köhler zu Stilblüten von mit deutschen Journalisten, wenn sie über dem richtigen präpositionalen Anschluss heimwerkern:

“Zumal dort vermutlich das Sprachbewusstsein manches Reporters zu Hause ist. Anders als jener Schüler, der laut taz „auf Prüfungen lernte“ und „neben dem Pauken auf die Abschlussprüfungen“ bereits arbeiten ging, verzichten diverse Medienschaffende anscheinend darauf, für ihren Beruf zu lernen.”

Heißt das nicht ‘über ihren Beruf’? Jedenfalls – der unvermeidliche Qualitätsjournalismus marschiert auch abseits der Gleise der Grammatik …

Voll mit über, aber so was von …

Kommunikation über sichere Netzwerke ist also ein Muss in einer Zeit, in der die Medien voll sind von Berichten über Viren, Würmer oder Hacker-Angriffen.”

“In einer Zeit, in der die Medien voll sind von Berichten über gegenseitiges Unverständnis, Selbstmordattentate und Schmähreden, diskriminierende Filme oder Karikaturen, tut ein Buch von Not, das sachlich und konstruktiv die andere Seite der Medaille darstellt.”

Ich würde sogar sagen, dass diese grammatischen Schwundformen typisch sind für eine Zeit, wo alle Spalten voll sind von Berichten solcher Menschen, die irgendwie mit Medien rummachen, ohne von der Sprache die geringste Ahnung zu haben.

Lustiges Präpositionenraten

Es handelt sich hierbei um eine der leichtesten Übungen im Old-School-Journalismus, das quillt ihnen so mühelos aus der Tastatur wie eingeseifter Aal – nach dem Motto: Und fällt mir nicht die rechte ein, dann hau’ ich eben alle rein (via Jakblog):

Seit Donnerstagabend gab es in ganz Niederbayern zum Teil heftige und ausdauernde Schneefälle, die zu Neuschneemengen bis zu über 30 Zentimeter führten. Für Niederbayern lag am Donnerstagabend, 9. Dezember, vom Deutschen Wetterdienst eine Unwetterwarnung über starkem Schneefall für Teile Niederbayerns vor.

Tscha – Präpositionen pflastern ihren Weg, und in all dem Hier- und Dann- und Dort-Gesumm steht das werte Publikum verwirrt und dumm im Text herum. In dieser kurzen Meldung ist übrigens nicht nur das sinnfreie Herumtapsen im Meer der Orts-, Zeit-, Richtungs- und Mengenbestimmungen zu bewundern, viele weitere Stilblüten verströmen dort ihren verlockenden Duft. In ‘Normalsprache’ klänge es übrigens ungefähr so: “Seit dem Donnerstagabend schneit es ausdauernd und heftig in Teilen Niederbayerns. Ganz so, wie es die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes prophezeit hat. Stellenweise liegt der Neuschnee schon mehr als 30 Zentimeter hoch …” usw. Aber einen echten Journalisten holt niemand vom Bürokratiehengst seiner Verlautbarungssprache, auch wenn der arme Zossen schon auf allen Beinen lahmt.

Bis zu

Diese kleine Präpositionalkonstruktion ‘bis zu’, die lässt mich als Konsumenten unwillkürlich zusammenzucken: “In Heilbronn sollen noch im Laufe des Jahres 2009 bis zu 50.000 Haushalte Zugang zu hochmodernem Breitband-Internetanschluss bekommen. Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s sind dabei möglich“. Vielleicht bin ich aber – aufgrund der vielen Brandblasen an meinen Fingern – auch einfach nur zu und zu misstrauisch gegenüber dem allgegenwärtigen Vertretervokabular …

Präpositionen oder Vor-Stellungen

Es ist eine kleine, verhältnismäßig unbeachtete Wortart. Präpositionen – “auf”, “unter”, “während”, “hin und her”, “in”, “bei”, “nach” usw. – stellen klar, in welchem zeitlichen, räumlichen oder kausalen Verhältnis die Bestandteile des Satzgefüges zueinander stehen. Sie tragen also – trotz ihrer Unscheinbarkeit – wesentlich zur Klarheit und Verständlichkeit unserer Sätze bei.

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