Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Paradox (Seite 1 von 2)

Das Allmachts-Paradox

Weil’s mir altem Heiden gestern im Gespräch mit unserem zuständigen Pastor wieder einfiel, will ich auch euch dies bewährte Argument nicht vorenthalten. Es geht so:

“So mächtig ist unser Gott, dass er sogar einen Stein erschaffen kann, der so viel wiegt, dass Gott selbst ihn nicht mehr aufzuheben vermag.”

Es dauert ein bisschen, aber dann beginnt’s im Kopf zu klickern und zu klackern, während der Dogmenstaub rieselt …

Manche Suppe ess ich nicht!

Im Herbst werden deshalb nicht unbedingt mehr Menschen für die Liberalen abstimmen. Doch der Beschluss macht deutlich: Die Partei lebt.”

Rekapitulieren wir mal: Eine kleine Ego-Partei krebst seit Jahren an der Nachweisgrenze zwischen vier und bestenfalls fünf Prozent herum. Jetzt vergrätzt sie durch Mindestlohnbeschlüsse ihre allerletzten verbliebenen Stammwähler, was der Autor dort oben ja richtigerweise andeutet. Diese Beschlüsse wiederum sollen ihm zufolge der Beweis dafür sein, dass ‘die Partei lebt’? – Naja, ich denke dabei eher an ‘Kamikaze’ oder ‘Suizid’ … und ich hätte dabei auch noch die Logik auf meiner Seite. Gut, man wird sehen …

Keine Antwort ist auch eine

Es ist die Zeit der markigen Worte, seit die ‘Frankfurter Rundschau’ und die ‘Financial Times Deutschland’ vor Kap Hoorn gesunken sind. Alte Fahrensleute stellen sich in den Bug ihrer lecken Schiffe und bellen dem aufziehenden Sturm ins Gesicht. So geschieht’s auch in der NZZ, wo bekanntlich die Jungs mit den Excel-Tabellen jüngst ebenfalls die Brücke übernehmen mussten:

“Die Presse ist weiterhin ein gewichtiger Wirtschaftssektor, der milliardenschwere Einnahmen generiert. Sie steht aber zweifellos vor gewaltigen Herausforderungen. Weittragende Antworten hat sie noch nicht gefunden. Eine Debatte über den Untergang der Presse ist überflüssig; auch das Gedruckte hat eine Zukunft. Diskutieren muss man vielmehr darüber, wie es der Medienbranche langfristig gelingen kann, der Gesellschaft auf freiheitliche Weise Hintergrund-informationen bereitzustellen, die den Kriterien der Vielfalt, Relevanz und der Qualität genügen.”

Rainer Stadler ist es, Medienjournalist bei der NZZ, der hier in solchen Somnambulismus verfiel, und traumwandlerisch aus blanken Paradoxien Wolkenkuckucksheime baut: Antworten seien bisher zwar nicht gefunden, gerade deswegen aber sei jede Debatte überflüssig wie ein Kropf. Das Gedruckte habe nun mal eine Zukunft. Basta! Solange das Produkt nur ‘freiheitlich’ sei, also nicht etwa dem bösen Staat in die Hände falle – und die Papierfabriken sagen das auch. Ja, denn … gute Fahrt! Und allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!

Malte und der Schwarzfußiltis

Rede ich mit Gottesfürchtigen, versuche ich ihre Argumente zu verstehen, dann frage ich mich manchmal schon, was dieses wirre Zeug mir logisch nun beweisen soll. So geht’s mir heute mit Malte und seiner Säbelantilope – obwohl der Chef d’Opinion vom ‘Tagesspiegel’ doch eigentlich seinem Publikum nur verklugfideln möchte, warum man kleinen Jungs in unbetäubtem Zustand die Vorhaut abschneiden darf, und zwar, bevor sie alt genug sind, selbst über eine solche Onanierbremse zu entscheiden. Ferner, weshalb Gott und Brauchtum immer weit über aller Vernunft stehen müssen. Zu diesem Zweck nimmt Malte Lehming erst einmal Anlauf bis in die Steinzeit:

“Wirklich fehlen uns die Säbelantilope oder der Schwarzfußiltis nicht. Aber irgendwie fühlen wir uns ärmer ohne sie. Obwohl wir sie nicht brauchen, vermissen wir sie.”

Tscha, auch ich heule jede Nacht wegen des Dahinscheidens der Schwarzfußiltisse mein Kopfkissen nass! Und wer täte das nicht? Wie und wo aber, das fragt sich der gespitzte Leser, wird ihm der Malte jetzt den Pfad der Parallelisierung weisen: Vermissen etwa auch kleine Jungs ihre Vorhaut, fühlen sie sich ärmer, obwohl sie sie nicht brauchen, ist diese Vorhaut der Schwarzfußiltis der Religionsgeschichte? Weit gefehlt! Der Malte apportiert statt des kognitiven Wildbrets nur ein waschechtes Paradoxon:

“Wenn Vielfalt ein Wert an sich ist, sind vielleicht auch menschliche kollektive Verschiedenheiten ein Wert an sich.”

Dieser Konditionalis will uns sagen: Wenn Vielfalt viel gut, dann Nichtvielfalt auch vielfältig gut. Oder: Wenn Mensch zehnfuffzich Stundenlohn, dann Radieschen auch zehnfuffzich Stundenlohn. Prompt faucht meine Logik wie eine Katze, die gebadet werden soll, weil in ihrer schlichten Welt die Kollektive eher für ‘Gleichmacherei’ zuständig sind, so wie dies unter gleichgeschalteten Taliban im schönen Afghanistan noch heute der Fall ist, so, wie einst auch beim Onkel Adolf in der Hitlerjugend, diesem Hort der ‘kollektiven Vielfalt’. Während nur die Achtung der persönlichen Entscheidung und der Individualität auch die Verschiedenheit zu respektieren pflegt.

Für Malte aber sind solche historische Erfahrungen eitler Wahn. Er erfindet sich seine ‘kollektive Verschiedenheit’, die sich dadurch auszeichnen soll, dass sie für alle Sektenmitglieder die gleiche Schniedelwutz-Gestaltung zum gleichen Zeitpunkt aus einfältigen Gründen der gleichförmigen Vielfalt einfordert. Vernunft und Semantik einerseits, Malte andererseits reden hier in verschiedenen Sprachen …

Wem so etwas einleuchtet, der darf auch ruhig doof sein, fährt Malte fort – wobei ich sogar sagen würde: Er muss doof sein! Nur drückt’s unser Rabulist ein wenig unverständlicher aus, sonst wären am Ende die Jünger des Unbeweisbaren noch beleidigt:

“[Kollektive Vielfalt] bedeutet, einen Pluralismus auch unverständiger Ausdrucksformen von Menschen anzustreben.”

Anzustreben, schreibt er, also aktiv darauf hinarbeiten. Nicht nur passiv wie ein Weiser in der Berghöhle die Blödheit der Menschen erdulden. Wenn also – so Maltes Logik – nach dem nächsten Schamanenfestival uns irgendeine Sekte die Anbetung des großen Blauhais empfiehlt, was jährlich die Opferung einiger altmedialer Chefredakteursgehirne erforderlich machen könnte, dann würde der Malte Lehming dies auch als Ausdruck ‘kollektiver Vielfalt’ preisen. Ein wenig Opferbereitschaft muss schließlich sein, allein um der kollektiven Vielfalt willen. Derweil dürfte ich in meiner ‘individuellen Einfalt’ weiter versauern …

Ergänzung – falls irgendwen meine Meinung in diesem heißlaufenden Brauchtumsstreit interessiert: Mit 18 Jahren soll jeder Mensch frei darüber entscheiden dürfen, ob er sich die Vorhaut abschneiden, die Brust vergrößern oder die Lippen aufspritzen lassen will – allerdings darf er dies nicht auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen tun. Vor Eintritt der Volljährigkeit aber haben Eltern, Rabbis, Mullahs und Ärzte ihre Finger vom Glied und vom Kind zu lassen …

Hirne, die sich winden

An ihren dämlichen historischen Vergleichen erkenne ich meine Schwätzer. Ich jedenfalls erinnere mich noch gut, welcher Druck einst auf Willy Brandt ausgeübt wurde wegen seiner neuen Ostpolitik, welche unsere publizistischen Sturmtruppen damals gut weimaranisch ‘Verzichtspolitik’ tauften. Das waren wenigstens noch ‘politische Stahlgewitter’, heute sitzt Familie Orakel am journalistischen Stammtisch und rätselt mit. Die Alarmtrompeter der frühen 70er Jahre bewohnten jedenfalls exakt jene Blättchen, die heute den gefühlsseligen und ahistorischen Bullshit eines Professor Unsinn von den schröcklichen Leiden der Angela Merkel drucken:

“Auf Merkel sei mehr Druck ausgeübt worden, als je zuvor ein deutscher Kanzler nach dem Krieg habe aushalten müssen.”

Nur deswegen nämlich habe seine Prinzessin der Herzen diesen großen ökonomischen ‘Fail’ angerichtet. Sie hätte die Europäische Kommission sonst wohl nicht lebend verlassen. Bitte ein Taschentuch, mir kommen die Tränen …

Apropos – anderswo greifen die Wirtschaftsredaktionen zum Paradox, diesem ‘Fisherman’s Friend’ argumentverlegener Autoren, um ihren kleinen Merkel-Devotionalienhandel über die nächste Wahl zu retten: “Merkel ist klug eingeknickt.” – – – Genau – und der Selbstmörder neulich hat ‘erfolgreich’ Russisch Roulette gespielt …

Logisch, Journalisten!

Einen weltanschaulich gefestigten Journalisten zerrt niemand von seinem ideologischen Hochsitz herunter. Und die Grundrechenarten lernt er auch nicht mehr:

“Rekordergebnis für die Grünen in Schleswig-Holstein. Trotzdem haben sie ein Problem: die Piraten.”

Aha! – Rekapitulieren wir doch mal: ‘Rekordergebnis’ also für die Grünen, Rekordergebnis auch für die Piraten, leichte Zugewinne für die SPD. Stimmenanteile verloren haben allein Union, FDP und Linke. Deshalb müssen – klaro und “trotzdem”! – die Grünen die Piraten fürchten. – – – Wer bellt denn da? – – – Adam Riese – kusch!

Halbseitig reden

Drei Qualitäten, die jeder Personaler an Bewerbern sucht – aber nie darüber spricht” – mit dieser grammatisch leicht fragwürdigen Headline eröffnet die ‘Karrierebibel’ derzeit ihren Blog. Im Text folgen dann drei höchst geheime Ingredenzien namens ‘Integrität’, ‘Sympathie’ und ‘Courage’. Näheres möge jeder an Ort und Stelle selbst nachlesen.

Was mich frappiert, ist das übliche Paradox hierarchischen Denkens, die unausgesprochene Differenz zwischen denen ‘drinnen’ und denen (noch) ‘draußen’: Jeder Personaler suche demnach angeblich etwas, was er selbst noch nicht einmal im Ansatz und schon gar nicht vom Charakter her erfüllen darf. Solange er bspw. “nie darüber spricht”, erfüllt er weder die beschriebenen Kriterien der ‘Integrität’, noch diejenigen der ‘Courage’, und ‘sympathischer’ macht ihn sein doppeltes Spiel auch nicht gerade.

Der ganze Text ist mal wieder restlos schizophren – ein typischer Fall für das halbseitige Denken unserer Lebenshelfer in der ‘Personalberatung’. Für die Machtlosen gelten demnach andere Regeln als für die etablierten Machthaber hoch oben auf der Karriereleiter. Es mag ja sein, dass solche Regeln im Berufsalltag und bei der Personalauswahl höchst hinderlich wären – aber warum verlangen Personaler diese Eigenschaften dann angeblich von Bewerbern, die gleich ihnen im Unternehmen später auch Karriere machen und ebenfalls gottgleich werden sollen?

Naja, vielleicht kommt ja noch mal ein Text zu jenen Qualitäten, die ein Bewerber von einem Personaler erwartet …

Staatskitt

Kaum lügt die Bild-Zeitung mal nicht, gerät die Republik aus den Fugen.

Lustiges Headline-Klempnern

Sieg der Piraten ist in Wahrheit ein Sieg der FDP.”

Warum Ihre Miezekatze in Wahrheit ein Mäuschen ist.

Das Essen, das eher ein Trinken war.

Ihre Frau liebt Sie nicht, sie ist nur schwul.

Auch die Hölle ist ein Zeichen der himmlischen Liebe.

In Wirklichkeit ist der Fisch der Vogel des Meeres.

Islamhasser lesen den Koran nur verkehrt herum.

Das Blau des Sommerhimmels ist eigentlich ein Grün.

Wenn es Gott nicht gäbe, weshalb stünde er dann in der Bibel?

Eigentlich gewann Hitler den Zweiten Weltkrieg.

In Wahrheit bringt uns die Sprache der Wahrheit kein Stück näher.

GAU und GNU

Mir stieß schon immer auf, dass der ‘Größte anzunehmende Unfall’, der GAU, nochmals hypersuperlativisch zum Super-GAU gesteigert werden kann, was wiederum die geschundene Grammatik lauthals jammern lässt. Letzteres wäre immer dann der Fall, wenn radioaktives Material aus dem Reaktorgefäß plötzlich ungeschützt unter freiem Himmel lodert, was laut Risikoanalyse gar nicht möglich schien. Wenn also schon der ‘Größte Anzunehmende Unfall’ derjenige ist, der zuvor als technisch eben noch ‘beherrschbar’ galt, dann schlage ich vor, für die Steigerung dieser Situation, wie sie jetzt in Japan eingetreten ist, den Ausdruck GNU zu verwenden, den ‘Größten Nichtanzunehmenden Unfall’ …

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