If your memory serves you well ...

Schlagwort: NSA (Seite 1 von 2)

Der Phantasus

Dass Millionen Daten, um die es geht, aus Kriegsgebieten stammen sollen; dass die amerikanische Botschaft nicht das Spionagenest sein könnte, zu dem sie gemacht wird – wen kümmert es? … Viel aufregender ist es, wenn Phantasien wahr werden.”

Ja, ‘sollen’ und ‘könnte’ – dass es im Gegenteil der Herr Jasper von Altenbockum ist, welcher hier für die FAZ sich in Phantasien einer unverbrüchlichen transatlantischen Nibelungentreue ergeht, dass nur er raisonniert, wie die Welt wohl wäre, wenn man die Fakten mit Hilfe des Konjunktivs versuchsweise mal beiseite schiebt, dass weitere Millionen Daten eben nicht aus Kriegsgebieten stammen, sondern aus der allgemeinen Google-Cloud, dass ein ausbleibendes Dementi schließlich auch etwas besagt, all das fällt angesichts dieser Umkehrung der Verhältnisse kaum noch ins Gewicht. Rabulistik heißt das wohl, darin ist er ein Meister aus Deutschland.

Bisher ist es jedenfalls so, dass sich die Informationen Snowdens stets als belastbar erwiesen, dass also – hier hat Altenbockum auch mal recht – sich die unvorstellbarsten Phantasien tatsächlich zumeist als ‘wahr’ erwiesen haben. Während – von der NSA bis hin zu unserem gebenedeiten Innenminister Hape Friedrich – immer nur heiße Luft die Mikrofone umwaberte, sobald diese Figuren sich auf ihre semiprofessionelle Weise zu artikulieren wagten. Tage später war alles, was sie verkündeten, meist schon gar nicht mehr wahr.

Im übrigen ließe es sich doch sehr leicht klären, ob die amerikanische Botschaft nun ein ‘Spionagenest’ ist oder nicht. Der Botschafter müsste nur mal ein paar Journalisten in den vierten Stock führen. Natürlich keine von der Polit-Redaktion der FAZ, die vor lauter staatstragender Verblendung am Ende gar nicht mehr sehen könnten, was sie dort erblicken. Und wenn der Herr Botschafter eine solche Offenheit aus nationalem Eigeninteresse absehbar nicht erlauben wird, dann bleibt die Öffentlichkeit nun mal auf Indizien angewiesen. Wie will Herr von Altenbockum denn sonst einen Wahrheitsbeweis führen? Will er dort einmarschieren? Oder die ganze Diskussion nur möglichst schnell unter den Teppich kehren?

Göbeleien

Oha, dieser offene Brief deutscher Schriftsteller holt selbst bei der FAZ den Göbelpöbel aus seinen Löchern, obwohl es dort im Forum doch – verglichen mit der ‘Welt’ – zu normalen Zeiten halbwegs gesittet zugeht. Was mir wiederum zeigt, dass offenbar auch bei gestandenen Konservativen die Nerven blank liegen – und Intellektuelle doch noch etwas bewirken können, und sei’s nur den Herzinfarkt bei der einen oder anderen Knallcharge:

“Das hat uns nicht Merkel angehängt, sondern nach Brandt auch Schmidt und Schröder. Wer hat uns also verraten? Sozialdemokraten!”

“Dieses affektierte Aufregen ist doch bloß wieder eine inzinierte Kampagne, weil man als Opposition mit der Realität nicht argumentieren kann. Die sieht nämlich ganz übel aus bei Rotgrün.”

“Rot-Rot-Grünes Geschmiere. Wahlkampf. Diese Damen- und Herrschaften plädieren, wenn an der Macht, für die Abschaffung jeder Privatheit. Das haben sie so an sich, die Staatsgläubigen. Sie wollen den Staat nicht abschaffen, sondern nur selbst an die Tröge.”

Kurzum – Festival der Invektiven, und immer noch hat der ‘Vaterlandsverräter’ Willi Brandt schuld, wenn deren Klopapier alle ist. Nach Kultur klingt’s jedenfalls nicht gerade. Ich frage mich, wo’s solche haltlosen Weisheiten eigentlich zu kaufen gibt. Bei Tengelmann am Grabbeltisch? Solche Figuren haben Kompassfinger, die zeigen unbeirrbar Richtung Rotgrün: Wieso Pofalla? Der Trittin war’s doch!

Marschall Vorwärts

Wenn der BND-Chef in der Sitzung das Gegenteil der Berichterstattung behaupten sollte, “dann glaube ich dem Beamten und nicht den Pseudo-Enthüllungen irgendeines Magazins”, sagte Uhl. Es habe auch schließlich schon mal die Hitler-Tagebücher gegeben.”

Genau – alles Journalistenpack! Während bekanntlich die CDU in Hessen bspw. vor Jahren schon ‘brutalstmögliche Aufklärung’ in Sachen Steuerhinterziehungäh, ‘jüdischer Vermächtnisse’ betrieb. ‘CDU: Heute 100 % ehrlich, vormals 98 % …’. Ach so, der Schindler wäre in der FDP? Nun, da sind sie ja noch ehrlicher …

Was ich an unserer Journalistenzunft nicht verstehe: Täglich gibt’s für sie kübelweise Verachtung von dieser Regierung – sie aber sind merkeltreu wie ein preußischer Ulan …

Der Pofalla wieder …

Übermittelt worden seien an die USA nur zwei Datensätze, in denen es um einen bereits seit geraumer Zeit entführten Deutschen gehe.”

Zwei mickrige Datensätze nur? Was für eine Blendgranate – und andererseits klar: Millionen anderer Datensätze saugten sich unsere verbündeten Schnüffels höchstselbst aus dem Transatlantik-Kabel, durch das alles automatisch ‘übermittelt’ wird. Dafür brauchten sie tatsächlich keinen Briefträger namens Ronald Pofalla und auch keinen kleinen Dienstweg.

Dies war ein Beitrag aus der beliebten Reihe ‘Neuland: Wie Klein-Fritzchen sich die Welt vorstellt’.

« Ältere Beiträge

© 2020 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑