If your memory serves you well ...

Schlagwort: New York Times

Headlines der Ahnungslosen

Auch über den Redaktionsfußboden der ‘New York Times’ kullern nicht immer nur Perlen der Aufklärung. So fand sich dort dieser Artikel zum Mord an der Studentin aus Neu Delhi, ein Text, den Springers ‘Welt’ dann übernahm, und zwar unter dieser Überschrift:

“Eva necken” – Aggressionen überschüssiger Männer

Abgesehen von Verniedlichung, die in dieser Headline mitklingt, haut schon die Kernthese dieser Zeile neben die Fakten. Sie lautet verkürzt: Gibt es in einer Gesellschaft sehr viel mehr Männer als Frauen, können jene – Gesetz von Angebot und Nachfrage! – ihren Schniedelwutz nicht mehr regelmäßig ‘wegstecken’. Deshalb kommt es regelhaft zu vermehrter Gewalt gegen Frauen.

Historisch gesehen, ist diese simplifizierte Vorstellung schlichter Bullshit. Demnach herrschen entweder in jeder Nachkriegszeit besonders frauenfreundliche Verhältnisse, weil in jedem Krieg mehr Männer als Frauen sterben. Dank eines gigantischen Frauenüberschusses müsste bspw. dann die Zeit der ‘Bratkartoffelverhältnisse’ in den 50er Jahren unter Adenauer als Blütezeit des Feminismus wie auch der Galanterie gelten. Pustekuchen! Selten wurden die Frauen derart herumgeschubst – siehe Alfred Tetzlaff – weil die verbliebenen Männer es ja gar nicht nötig hatten …

Gegenprobe: Da Frauen zu Friedenszeiten wesentlich früher sterben als Männer, vor allem im Kindbett – die sieben Frauen Heinrichs des Vierten sind ja nur zum Teil durch royale Mordlust zu erklären – deshalb wäre es wegen des Männerüberschusses vermehrt in Friedenszeiten zu brutalen Massenvergewaltigungen gekommen. Auch das ist Bullshit!

Das Ausmaß an Aggression gegen Frauen korreliert ganz einfach nicht mit der Zahl potentiell verfügbarer Partner des einen oder anderen Geschlechts. Das Argument taugt höchstens für Statistiker – aber nicht fürs Leben. Die Aggression ist von anderen Faktoren abhängig.

Vor allem aber ist der Mensch nicht so sexgeil, wie Freud es sich noch dachte. Das ganze Mittelalter und die frühe Neuzeit – beides waren Zeiten einer höchst wirksamen Geburtenkontrolle, und zwar nicht durch den  Todeszug der Pest oder weil wundertätige Weiber einen probaten Abtreibungssud brauen konnten. Die Leute – das erschließt sich uns u.a. durch die Kirchenbücher mit ihren Kirchenstrafen – hatten wohl ganz einfach gar keinen Sex.

Wenn also nachgeborene Söhne und Töchter, die wegen des Hoferhalts nichts erben sollten, sich mal vergaßen und miteinander poppten, dann galt das den ländlichen Gesellschaften jener Zeit als Skandal – und darüber hinaus verwendeten sie dabei meist auch noch “widernatürliche” Verfahren wie den Analverkehr oder den Interruptus, Praktiken ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Auch die meisten Knechte und Mägde, davon dürfen wir ausgehen, ließen – wenn überhaupt – nur die Handorgel kreisen.

Dieses Muster brachen dann erst die Fürsten mit ihrer ‘Peuplierungspolitik’ auf, vor allem aber ist der Siegeszug der kapitalistischen ‘Heimindustrien’ verantwortlich, als es auf einmal ‘ökonomisch rational’ wurde, früh zu heiraten und viele Kinder zu haben, weil die schon im frühesten Lebensalter am Unterhalt des ‘ganzen Hauses’ mitspinnen konnten. Damals – in den ländlichen Unterschichten – entstand die berüchtigte ‘Kinderarbeit’. Pestalozzi war davon die rationalisierte und industrialisierte bürgerliche Variante.

Wenn also in Indien eine ‘Kultur der Gewalt’ gegen Frauen herrscht, dann dürfen wir Fug und Recht davon ausgehen, dass dies auch etwas mit ‘Kultur’ etwas zu tun hat, also mit der ‘Religion’, mit ‘Bollywood’, mit der ‘Frauenverachtung’, mit den Texten in den Zeitungen dort, und auch mit der erst jüngst vergangenen ‘Witwenverbrennung’, aber nicht mit irgendwelchen urzeitlichen ‘Trieben’, die in den Menschen schlummern würden. So etwas exkulpiert nur die Täter.

Unabhängiger Journalismus

There is no such thing, at this date of the world’s history, as an independent press. You know it and I know it. There is not one of you who dares to write your honest opinions, and if you did, you know beforehand that it would never appear in print.

I am paid weekly for keeping my honest opinion out of the paper I am connected with. Others of you are paid similar salaries for similar things, and any of you who would be so foolish as to write honest opinions would be out on the streets looking for another job. If I allowed my honest opinions to appear in one issue of my paper, before twenty-four hours my occupation would be gone.

The business of the journalists is to destroy the truth, to lie outright, to pervert, to vilify, to fawn at the feet of mammon, and to sell his country and his race for his daily bread. You know it and I know it, and what folly is this toasting an independent press?

We are the tools and vassals of rich men behind the scenes. We are the jumping jacks, they pull the strings and we dance. Our talents, our possibilities and our lives are all the property of other men. We are intellectual prostitutes.”

John Swinton, Editor ‘New York Times’ & ‘New York Sun’

Heute kommt hinzu, dass unsere ‘rich men’ ein solch überaus praktisches Werkzeug nicht einmal mehr zu schätzen wissen – und stattdessen glauben, sie könnten ihren Bedarf mit Public Relations decken. Nun, wir werden sehen, was ihnen ihre Ignoranz einträgt …

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