Manchmal entladen sich die Animositäten jener Journalisten, die ihren Schreibzoo durch das Netz bedroht sehen, in haltlosen Anwürfen gegen die Blogger, die ihnen bei ein wenig Recherche nicht unterlaufen wären. “Ich denke, Blogs können jemandem wirklich Schaden zufügen, … wenn sie gemein, brutal und vor allem anonym über Andere berichten“, mit diesen Worten zitiert die ‘Süddeutsche’ eine Frau, die von der Schmähkritik aus den Tiefen des Internet fast in den Selbstmord getrieben worden sei. Sagt jedenfalls die ‘Süddeutsche’. Ein wackerer Journalist dagegen, der kämpfe stets mit offenem Visier und mit seinem guten Namen für eine selbstverständlich gute Sache, und zwar ohne jeden Hauch von Ironie oder Polemik in seinem Text. Ein solcher Journalist würde sich daher auch nie ‘D’Artagnan’ oder so nennen, sondern immer nur Fritze Müller, so wie ihn der Geistliche einst ins Taufbecken tunkte. Das in etwa ist das frisch gefönte Selbstbild der Publizistik älteren Semesters in Deutschland. – – – Aber – mein Gott, was ist das bloß für ein Schmarren!

Um zunächst an diesem Selbstbild ein wenig herumzuschnetzeln: Der Publizist ‘Linke Poot’ hieß mit Klarnamen ‘Alfred Döblin’, ‘Hans Habe’ hieß nicht ‘Hans Habe’, ‘Hans Fallada’ hieß ‘Rudolf Dietzen’, ‘Theobald Tiger’ war weder ‘Kaspar Hauser’ noch ‘Peter Panter’, schon gar nicht ‘Ignaz Wrobel’, er hieß ‘Kurt Tucholsky’. Und die Schreiber in Deutschlands Sexpostillen, von ‘Heiß und Feucht’ bis hin zu ‘Haarige Lustgrotten’, die sind dort bestimmt nicht unter ihrem bürgerlichen Namen zu finden. Die Journalisten nennen das dann nur nicht ‘anonyme Hasskappen’ – wie im Falle der Blogger – , sie sprechen lieber von ‘Künstlernamen’, dort, wo es um den eigenen werten Berufsstand geht. Trotzdem sind auch diese biographischen Chamäleons aus Holzhausen allesamt zugleich waschechte Journalisten, und keine anonymen Schmadderer. Tausende Beispiele lassen sich anführen, wo der Journalist eben nicht der war, der seinen guten Namen auf dem Printmarkt spazieren trug. Trotzdem entstanden gute Artikel, denn die Qualität eines Textes ist nicht vom Namen des Verfassers abhängig, sondern nur vom Kopf. der ihn verfasste.

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