Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Nachricht

Keine Nachricht wert?

Meanwhile, Igor Bezler, a Russian Special Services officer, and commander of the terrorist bands in Donbas announced today that he had killed all of the fighters of the pro-Ukrainian “Donbas” volunteer brigade that he had taken prisoner this morning.”

Jaja, diese ‘westlichen Mainstream-Medien’ … entscheidend ist das, was nicht in der Zeitung steht, sagt Tucholsky. Wer sich noch Illusionen macht, welche Figuren sich dort als ‘ostukrainisches Volk’ inszenieren, der möge ich diese Aufstellung von ‘Biographien’ ansehen:

“Russian mercenaries in the Donbas.”*

Es dürfte ihnen bald ähnlich gehen, wie den deutschen Freikorps damals im Baltikum. Viel Spaß der russischen Innenpolitik mit solchen getürmten Figuren … und so kann man eine ‘Bankrobbery’ natürlich auch nennen, zumindest wenn man für die ‘Junge Welt’ schreibt, wo der Robin-Hood-Gedanke noch nicht völlig vom Winde verweht wurde:

“Den Aufständischen scheint unterdessen allmählich das Geld auszugehen. Der selbsternannte Regierungschef der »Volksrepublik Donezk«, Denis Puschilin, sagte gegenüber RIA Nowosti, es könne zu Verzögerungen bei der Auszahlung der Renten und sonstiger Sozialleistungen kommen. … Vermutlich im Zusammenhang mit dieser Geldnot konfiszierten die Aufständischen am Donnerstag etwa ein Dutzend Geldtransportfahrzeuge der »Privatbank«

Hallo, Jungs, der Inhalt jener Geldtransporter, den ihr euch da unter den Nagel gerissen habt, waren das nicht die Renten, bei deren Auszahlung es begreiflicherweise jetzt zu ‘Verzögerungen’ kommt? Und vermutlich werdet ihr den Inhalt auf Heller und Pfennig doch ganz bestimmt an diese armen Rentner auszahlen – oder?

*Aha, werden unsere gepolten Kommentatoren nun gleich wieder losblöken, das ist doch eine Seite aus Winnipeg, aus Kanada also, und Kanada grenzt doch an die USA, und da gibt es bekanntlich den CIA – da kann man’s doch mal wieder sehen!

Die Medialkonservativen

Interessant sind für mich vor allem jene Blogs, die mich zum Widerspruch reizen. Je haarsträubender, desto besser. Im Rahmen der blogger.de-Community zählt dazu der Verfasser von ‘Klartext’, der sich als Ex-Readers-Digest-Redakteur höchstselbst und dankenswerterweise in das Getümmel der Blogosphäre gestürzt hat. Dieser Markus Reiter veröffentlichte zuletzt unter dem Titel ‘Dumm 3.0’ ein voluminöses Buch, in dem er die ‘Social Media’ als veritable Kulturbedrohung inszeniert. Ich will mich hier gar nicht auf diesen Text kaprizieren, sondern auf seine Blog-Artikel, also auf seine ganz persönlichen Beiträge zum ‘Dumm 3.0’.

Zunächst einmal ist der Herr Reiter in höchst antiquierten Vorstellungen befangen, darin, dass es überhaupt eine Trennung zwischen ‘Nachricht’ und ‘Meinung’ gäbe beispielsweise:

“Viele Blogger scheinen ja zu glauben, Journalisten machen im Prinzip das selbe wie sie – herumsitzen und vor sich hinmeinen. Wenn sie ihren Job ernst nehmen, sollten Journalisten aber vor allem recherchieren und Fakten prüfen. Qualitätsnachrichten heranschaffen also, auf deren Grundlage sich dann der Einzelne seine Meinung bilden kann.”

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Was ist eine Information?

Das Wesen der journalistischen Nachricht glossierte Kurt Tucholsky im Jahr 1924, als er für die ‘Weltbühne’ ein Buch von Siegfried Bryk besprach (GA VI, 411 ff). Nehmen wir an, sagt Tucholsky, ein Bankier träume eines Nachts ganz intensiv von einer Goldmine. Mit der Geschichte von diesem Traum ginge er am nächsten Tag auf eine Redaktion – und er würde dort ein paar Scheinchen auf den Tisch des Hauses legen.

Dass er Geld gegeben hat, das sei dann ganz und gar keine journalistische Nachricht, sagt Tucholsky. Auch nicht, dass er das alles nur geträumt habe. Aber die Existenz der Goldmine, das sei eine waschechte journalistische Information … das wird gedruckt.

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