If your memory serves you well ...

Schlagwort: Mitt Romney

Die Aporie

Eine Aporie ist ein unlösbares Dilemma. Kein Weg, kein Steg führt mehr aus dem Problem heraus. Wählen wir als Beispiel einfach mal diesen Mitt Romney, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten mit dem Hang zum Fettnapf. Seit Wochen löchern ihn die Medien, er möge doch bitte seine Steuerunterlagen endlich freigeben, so wie es in den USA mit seinem ‘Freedom of Information Act’ für jedermann guter Brauch sei. Das Publikum könne selber dann gucken, ob er nicht vielleicht sein Arbeitszimmer daheim zu groß vermessen habe. Die wenigsten aber wussten, dass diese Forderung den armen Kerl in eine waschechte Aporie hineinjagen würde. Denn wie soll ein gehetzter Kandidat etwas veröffentlichen, was es gar nicht gibt:

“Bain Investor Told Me That Mitt Romney ‘Didn’t Pay Any Taxes For 10 Years’.”

Tscha, bumm, aua, Aporie … dann ist er jetzt ja wohl fein raus! Aus dem kürzesten Präsidentschaftsrennen aller Zeiten, meine ich.

via: Fefe …

Mit einer Unze Denunze …

Man könnte jetzt meinen”, “Es scheint so”, “Das wirkt wie”, “Auf den ersten Blick” … im journalistischen Sprachgebrauch gibt es eine Fülle von Möglichkeiten, Sachverhalte, die einem nicht in den Kram passen, durch einen kleinen ‘Vorreiter’ unterschwellig zu bestreiten, ohne sie ausdrücklich und argumentativ demontieren zu müssen. Der Schreiber stellt den Leser gleich anfangs in die erwünschte Positur zum Sachverhalt.

Dass bspw. die USA ein Gerechtigkeitsproblem haben, wäre faktisch kaum zu bestreiten, ziehen wir uns die harten volkswirtschaftlichen Daten über Einkommensentwicklung, Steuerlast etc. aus der Schublade. Allerdings passt solche Faktizität manchmal nicht zum politischen Programm, wie in diesem Fall beim ‘Cicero’. “Was tun?”, sprach schon Lenin, ein Autor, der in diesem Fall Christoph von Marschall heißt. Unser Schreiber greift zum kurrenten Kleingeld jedes Stilisten, und zieht sich eine altbewährte Denunze aus der Tasche:

“Mitt Romneys Steuererklärung wirkt wie der Beweis, dass Amerika ein Gerechtigkeitsproblem hat.”

Was hat er gesagt? Es ‘wirke’ nur so, hat er gesagt. In Wahrheit zwinkert er dem ideologisch gleich gepolten Leser aus besseren Kreisen Anderes, ja Gegenteiliges behauptend zu. Dabei lautet doch der Satz, formuliere ich ihn objektiv auch nur halbwegs tragfähig: “Mitt Romneys Steuererklärung liefert den Beweis, dass Amerika ein Gerechtigkeitsproblem hat.

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