Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Medienwandel (Seite 1 von 25)

Inside Info-War

The first thing Russian militias do when they take a town in East Ukraine is seize the television towers and switch them over to Kremlin channels. Soon after, the locals begin to rant about fascists in Kyiv and dark U.S. plots to purge Russian speakers from East Ukraine. It’s not just what they say but how they say it that is so disturbing: irrational spirals of paranoia, theories so elaborate and illogical one can’t possibly argue with them.”

Wer diesen Text liest, wird nicht dümmer … und wer sich all den Desinfo-Scheiß zu Gemüte führen will, wird hier fündig:

“Most freakish Russian lies about Ukraine now listed on Facebook.”

So leicht kriegt ihr mich nicht …

Der ‘hardy’ hat hier im Kommentar verkündet, dass er dem Jan Fleischhauer erstmals vollumfänglich recht gebe. Da hege ich große Zweifel – nur weil der Gegner ausnahmsweise mal der gleiche ist, heißt dies noch nicht, dass durch einen Schwarzen Kanal plötzlich das klare Wasser der Vernunft strömen würde. Hier Fleischhauers zentrale These:

“In Dresden können wir erkennen, wie eine Öffentlichkeit aussieht, die ihre Informationen nur noch aus obskuren Ecken im Netz bezieht.”

Erstens sehe ich dort bei Bifigaga (= Pegida) eine ganze Menge Leute herumlaufen, die schon Schwierigkeiten haben dürften, einen Computer überhaupt fachgerecht anzuschmeißen. Und zweitens kommen die dicksten Enten nach wie vor aus den gedruckten Medien, so wie beispielsweise der derzeit größte Aufreger, dass künftig in toitschen Weihnachtsmessen auch ein muslimisches Lied geträllert werden müsse. Der Hoax stammt nämlich aus der ‘Bild’, seit Jahrzehnten stets für die kleine Hetze am Morgen zuständig. Folglich stimmt der folgende Satz vom Jan Fleischhauer auch nicht, auch das ist nur ein Konstrukt:

“Bei Pegida zeigt der rechte Onlinebürger Gesicht, es ist der Aufmarsch der digital Erregten.”

Bei diesen Rechtserigierten dürfte immer noch die gedruckte Ware fürs große Aufschäumen zuständig sein. Ich nenne bloß mal den Ulfkotte oder den Sarrazin, deren Werke doch zu hunderttausenden ihre Abnehmer finden, und zwar gebunden und auf Papier. Weiter geht’s holterdipolter den Schwarzen Kanal hinab:

“Mit Menschen, die ihr Weltbild vor allem aus Blogs und Webseiten zusammenklauben, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen, wird es schwer, eine Ebene der Verständigung zu finden.”

Ach ja? Ist ‘RT deutsch’ neuerdings ein Samisdat-Medium, nur im Netz zu finden? Residieren die nicht vielmehr unweit vom Kanzleramt, in gepflegten Studios? Was ist ferner mit dem Gas-Gerd, was mit der Gabriele-Krone-Schnulz, was mit der ‘Anstalt’ des ZDF, was mit dem Ostausschuss der deutschen Wirtschaft, was mit diesem Aufruf der 60, was ist mit Eva Herman oder Konstantin Wecker – wären die alle nur in den Schmuddelecken der Blogs zu finden, oder greift nicht jeder Volontär eines Altmediums begierig zu solchen Statements, um für ein wenig Awareness zu sorgen?

Kurzum: Diese euphemistisch getauften ‘Wutbürger’ beziehen ihre Medienkritik noch immer und zuvörderst aus diesen Medien höchstselbst, weil letztere sich ständig selbst ins Knie schießen. Das Internet wäre dann nur ein Treibsatz, der die Verbreitung all des Quarks erheblich beschleunigt. Natürlich gibt es auch ‘Schmuddelecken’ im Netz – ‘Politically Incorrect’, ‘Telepolis’, ‘Hinter der Fichte’ oder die ‘Nachdenkseiten’ – aber man muss sich doch erst einmal an den eigenen Kopf fassen.

Wenn ich bspw. über die Ukraine-Krise etwas Fundiertes wissen will, dann begebe ich mich zu ‘reddit’, zum ‘Interpreter’ oder zu den ‘Voices of Ukraine’ – also direktemang ins Netz. Und sehr viel seltener zu den so genannten ‘Qualitätsmedien’, wo es redaktionell und ständig heute ‘Hü’ und morgen ‘Hott’ heißt, im dienstfertigen Bedürfnis, es möglichst allen recht zu machen. Solche Medien sind zum Selbstbedienungsladen jeder Ideologie geworden, auch derjenigen von der Pegida.

Was der Jan hier mal wieder betreibt, ist reine Bauernfängerei, ganz wie bei der Pegida auch. Er schimpft scheinbar auf Pegida – und meint das pöse Netz, den eigentlichen Feind der Altmedien. Und wenn’s das Netz nicht gäbe, dann gäbe es auch Pegida nicht. Ach, wie schön wäre Panama …

Auch wenn’s hier nicht ganz so besinnlich klang – allen Lesern des ‘Stilstandes’ wünsche ich ein schönes Weihnachtsfest.

Falscher Alarm

Da hat sich also ein RTL-Reporter unter die Pegidas begeben, um an O-Ton und Statements zu kommen (Vorgang hier). Unnötigerweise, wie ich hinzufügen möchte, denn “diese Bio-Deutschen” halten sich ja keineswegs an die verabredete Omertá, sondern sie reden sich selbst in einem wahren Bekennerdrang um Kopf und Kragen. Wem der Deetz voll Grütze steckt, dem geht eben das Maul über …

Dieser Reporter radebrechte dann gleichfalls anti-islamisches Zeug in dieses Panorama-Mikrofon hinein, vorgeblich, um seine völlig unnötige Tarnung aufrecht zu erhalten, wobei er inhaltlich das Klischee vom vermuteten Pegida-Brabbel bediente. Womit er ja auch keineswegs daneben lag. Denn die anderen, die ‘echten’ Panorama-Statements, die niemand bisher bestreitet, die kamen noch viel wirrer und bösartiger daher. Das geäußerte Klischee entsprach also vollumfänglich der Realität.

Große Aufregung seither im Medien-Stadl. Darf der das? Darf er Kollegen täuschen? Ferner dürfen sich alle Pegida-Hanseln seitdem gnadenlos missverstanden fühlen: Man könne doch mal wieder sehen, zu welchen Gestapo-Methoden der verruchte Mainstream-Journalismus greife, um wahre Volksbewegungen zu diskreditieren. Liebe Käsglocken-Deutsche, so etwas hat der Journalismus gar nicht nötig. Es gibt genügend unbestrittene Äußerungen aus eurer Mitte, die zeigen, welch Geistes Kind ihr seid. Wobei mir allenfalls das Wort ‘Geistes Kind’ ein wenig hoch gegriffen scheint …

Der Journalismus aber hätte besser daran getan, den Vorfall gar nicht erst an die große Glocke zu hängen, weil jeder dieser Wirrköpfe jetzt einen untauglichen Beweis in Händen schwenkt, um das neuartige Lied von den bösen Medien zu singen. Kurzum: Da hat der Journalismus mal wieder ein echtes Eigentor geschossen.

Und dem RTL-Menschen sei gesagt, dass es genügt hätte, ein Russia-Today-Mikro in die Hand zu nehmen, so wie es die ‘heute-show’ tat, um jede Menge aufgeguseltes Gestammel im O-Ton einzufangen. Gelenkte Staatsmedien à la russe verwandeln jeden Pegida-Mitläufer in eine Quasselstrippe. Schlecht imitierte Wallraff-Methoden waren also in dieser Situation ‘goar nüch nödich’.

75 Lügen in 30 Minuten

Dieses Video eines Neuseeländers macht es für jeden gutwilligen Zuschauer unmöglich zu glauben, dass russische Staatsmedien etwas anderes als zynismusbetriebene Lügenschleudern seien.

Die jüngste Tartarenmeldung kommt übrigens von der ‘ARD Russlands’, von Rossiya 1:

“The founder of an anti-Ukrainian liberation movement claimed on the mainstream channel’s prime-time Sunday show that troops fighting militants in east Ukraine were ‘bathing in babies blood’.”

Vermutlich deshalb, weil solch ein Bad sie ‘kugelfest’ machen soll …

Das Gürkchen macht sich derweil gerade bei Putin beliebt:

“Girkin: Come spring and the population of the devastated Donbass will hate Putin.”

Medialer Mainstream 1.0

Auf den Begriff des ‘medialen Mainstreams’ bin ich gestern ganz zufällig bei Hunter S. Thompson gestoßen (‘Die Rolling Stone Jahre’). Damals meinte sein Widerstand gegen das Objektivitätsideal der bürgerlichen Zeitungen noch etwas anderes, als ebenso erwünschte wie blanke Lügen von glattgeschleckten Betthasen mittels ‘Russia Today’ in pseudo-journalistischer Sprache verbreiten zu lassen – so wie heute. Hunter S. Thompson’s Kampf richtete sich gegen jenen “Haufen hirnverkrusteter Arschgeigen”, der bräsig und dienstleistungsbereit in den Redaktionen etablierter Zeitungen saß. Einige Beispiele:

Hauptstadt-Journalismus (HJ): “Dem Kandidaten Nixon werden gute Chancen eingeräumt, die kommenden Präsidentschaftwahlen zu gewinnen.”
Gonzo-Journalismus (GJ): “Und so blieb nur noch Nixon übrig; dieser aufgeblasene, künstliche kleine Furz, der demnächst unser Präsident sein würde”.

HJ: “Die Gegner des Sheriffs luden die Journalisten zu einer Pressekonferenz ein.”
GJ: “Zum Teufel, die einzige Weise, wie wir diese Hundesöhne dazu bekommen konnten, uns zuzuhören, ist, drüben in West Hollywood oder sonst an einem anderen scheiß Ort irgend ‘ne schnieke Hotellobby zu mieten – wo die sich dann wohlfühlen können – und dort unsere Pressekonferenz abzuhalten. Mit gratis Kaffee und Häppchen für die Presse. Aber auch dann noch kommt die Hälfte der Arschgesichter nicht, weil wir ihnen keinen Schnaps umsonst kredenzen.”

HJ: “Der anerkannte Drogen-Experte Professor Bloomquist wies auf die Flashback-Problematik bei Konsumenten hin.”
GJ: “Dr. Bloomquists Buch ist ein Kompendium staatlich geprüfter Affenscheiße. Bloomquist schreibt wie jemand, der mal Tim Leary in der Uni-Mensa getroffen hat und für alle Drinks bezahlen durfte.”

Tscha, die beiden verfeindeten Gruppen verwendeten damals auch zwei unterschiedliche Sprachen. Das klang dann doch irgendwie anders als bspw. heutzutage Ken ‘As Catch Can’ Jebsen, als der Alfkotte oder jemand von den anderen Media-Mainstream-Gegnern dieser vom ersten Tag an abgetakelten Generation, die, statt des Wortes als Waffe, die Lüge und das Verschweigen als Waffen zu nutzen gelernt haben – und das in exakt der gleichen Sprache wie ihr angeblicher Gegner. Was damals ein Klarstellen war, ist heute ein Übertölpeln: Man hüllt die dollsten Behauptungen in die Sprache eines vorgeblich ‘objektiven Journalismus’.

Der Leser soll’s fressen …

Die eher links neigenden Käufer der “MZ” erhalten also künftig im Lokalen ein eisern konservatives Blatt wie die “WN”. Der Mantelteil dagegen kommt aus dem Ruhrgebiet.

Jawollja – eine einzige Tageszeitung für das gesamte Westfalen täte es doch schließlich auch. Was das erst für ‘Synergien’ gäbe! Alle BWLer auf den Teppichetagen dürften bei diesem Gedanken feuchte Augen bekommen. Anders ausgedrückt: Das ‘Zeitungssterben’ ist hausgemacht, es ist geradezu eine Spezialität deutscher Verleger.

Das spart viel Geld

Brigitte” entlässt alle schreibenden Redakteure.”

Im Journalismus fest angestellt sein wollen? Pffft – so weit kommt’s noch! Was erlauben sich Schreiberlinge! Wohl nur Rosinen im Kopp! Wer im bunten Anzeigenumfeld den Grauwert produziert, der wird auch wie Grauwert behandelt. Das Schreiben ist schließlich keine Kunst – und ihre Abwesenheit bemerkt folglich keiner. Siehe Auflagenentwicklung …

‘Pffft!’ macht das LSR

Die meisten in der VG Media organisierten Verlage wollen keine verkürzte Darstellung ihrer Links bei Google hinnehmen. Der Konzern lehnte zuvor eine Bitte um “Waffenruhe” ab.”

Um Alexis Sorbas zu variieren: Ich habe selten etwas so kreuzdämlich auf der Schnauze landen sehen, wie den Rohrkrepierer dieses Leistungsschutzrechts. Bis heute habe ich nicht verstanden, wie jemand überhaupt auf die abstruse Idee kommen konnte, dass Werbung zukünftig gefälligst vom Werber bezahlt werden möge. Der ‘Spiegel’ löhnt ja auch nichts an Daimler, wenn bei ihm eine doppelseitige Anzeige der Untertürkheimer erscheint … und dass dieser böse Google-Konzern soooo groß sei, das mag ja sein, aber es ist trotzdem kein Argument, ihm in die Tasche zu greifen.

Wo er recht hat …

Noch einmal zum Mitdenken: Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.

Den Stefan Niggemeier verlinke ich ja nur noch, wenn’s nicht anders geht. Hier aber fasst er das Ergebnis des hochweisen Leistungsschutzrechtes sehr schön zusammen, welches die vereinte Verlegerschaft einst durch den Bundestag peitschte. Vor weit über einem Jahr schon habe ich diesen Verlagsgranden prophezeit, dass sie sich damit kein Geld ins Haus holen würden, bestenfalls eine blutige Nase. Et voilà … ‘Hands up! This is a Search-Engine-Robbery’ ist keine Strategie, sondern Slapstick. Ich bin bestimmt kein Freund von ‘Google’, aber wie sie dort die Verlage und deren Rechtsanwalts-Armada abrollen lassen, das hat schon was.

Was bleibt ihnen jetzt? Naja, das Zukreuzekriechen natürlich oder der rapide Bedeutungsverlust im großen Info-Nirwana …

Happy Headlining

Mehrheit der Lokführer stimmen Streiks zu.”

Oder: Das vergessene Deutsch – Was die Mehrheit der Journalisten auf Journalistenschulen nicht mehr lernt.

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