Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Marketing (Seite 1 von 3)

Marketeere des Journalismus

Wer Apple heißt, der muss sich um sein Marketing keine Gedanken mehr machen. Das übernimmt willig eine dienstbereite Presse:

„Star aus Cupertino: Was die Apple Watch wirklich kann.“
„Warum mit der Apple Watch eine neue Zeitrechnung begonnen hat.“
„Apple Watch: Tim Cook beschwört die alten Zeiten.“
„Apple Watch Event: Uhrsache und Wirkung.“
„Apple Watch ausprobiert: Revolution am Handgelenk.“
„Tim Cook erschafft mit Apple ein neues Ökosystem.“

Und so weiter, und so fort – klingelingeling, so geht mein Laden. Die armen Werbetexter, sie sind im Journalismus 2.0 der überflüssigste Berufsstand der Welt …

Autschreporter

Gescheitert an sich selbst‘ betitelt Christian Jakubetz seinen Artikel über die absehbare Bauchlandung der ‚Krautreporter‘. Ein wesentlicher Aspekt fehlt mir aber auch in diesem Text weiterhin:

Jeder, der einen Laden aufmacht, weiß, dass er etwas ins Schaufenster stellen muss, will er Kundschaft gewinnen. Die Krautreporter haben bei ihrer Vermarktung zwar für viel Medienrummel gesorgt, wie aber die tollen Artikel konkret und letztlich aussehen sollten, auf die der werte Leser bei ihnen hoffen dürfe, das erfuhr das Publikum an keinem Punkt. In der Realität kauft ja – vergleichsweise – auch niemand seinen neuen Mercedes, ohne zumindest schon ein Bild von ihm vor Augen zu haben. In der Regel braucht es sogar eine Probefahrt.

Ein, zwei Beispiele für diesen neuen, nie dagewesenen Journalismus also, wie er in der revolutionären Media-Factory kontinuierlich vom Band laufen sollte, die hätten vermutlich genügt, um den Zuspruch in die erforderliche Höhe zu treiben. So es solche Beispiele denn gegeben hätte. Bloß „Keine Werbung“ als einzige Unique Selling Proposition ins Fenster zu stellen, war da in meinen Augen arg dürftig. Mit NoScript und anderen Ad-Blockern lässt sich auch im etablierten Journalismus das Problem der Cookie-Schleudern bereits eliminatorisch lösen …

Kurzum: Ohne durchdachtes Marketing, ohne eine ‚Demo-Version‘ gewissermaßen, blieben die ‚Krautreporter‘ eine publizistische Wundertüte, und der Erfolg hielt sich bei dieser Katze-im-Sack-Strategie folgerichtig in Grenzen. Motto: ‚Kauft uns, dann werdet ihr schon sehen, was ihr davon habt‘.

Werber sagen leise Servus

Ein Freund ließ mir die jüngste Ausgabe des ‚Spiegel‘ da (Nr. 1 / 30.12.2013). Von der Seite 70 bis zur Seite 135 finden sich darin ganze neun Seiten an gedruckter Werbung. Bei diesen Anzeigen handelt es sich ausschließlich um Werbung für Produkte aus dem Hause ‚Spiegel‘, um Eigenanzeigen also. Anders ausgedrückt: Auf diesen 65 Seiten gibt es nicht eine einzige Seite ‚Paid Content‘.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da wurde nahezu jede dritte Seite im ‚Spiegel‘ von zahlenden Werbekunden gebucht.

Endlich ein einprägsamer Name

ASUS VivoTab Note 8 M80TA 8inch Windows-Tablet mit Wacom-Digitizer.“

Alles andere wäre ja auch Tempo, Mars, iPhone oder gar Walkman. Der Kunde soll sich ja sonst nix merken …

Top-Preise

Ob wohl jemals einem dieser Marketing-Hengste auffiel, dass er von ‚Höchstpreisen‘ redet, wo er dem werten Kunden ‚Top-Preise‘ verspricht?

Infizierte Werbung

Klar – der gestrenge Adblocker bereitet allen Verlagen großen Kummer. Denn damit können die allseits beliebten ‚User‘ ganz unbelästigt auf einem qualitätsjournalistischen Online-Angebot herumpflügen, ohne dass ihr Monitor ständig Blinkyblinky macht oder ‚Kauf mich!‘ schreit. Was wiederum ganz und gar nicht den Absichten der Koberer aus dem Genre der ‚Markenführung‘ entspricht. Jetzt aber entwickeln diese Adblocker noch einen gewaltigen sicherheits-technischen Zusatznutzen:

„Viren-Werbung auf Internetseiten.“

Vor infiziertem Marketing-Müll muss derzeit der Spiegel in eigener Sache warnen: Du rutscht bei solch infektiöser Werbung einmal mit der Maus dort ab, klickst auf ein harmloses Schöne-Neue-Welt-Banner – und schon hast du nicht nur die üblichen nervigen E-Mails aus dem Marketing im Postfach, sondern gleich die Pest an Bord: Einen Trojaner nämlich, der bei deinen Bankdaten gern auch mal mit hingucken möchte. Und weil es sich am Ende gar um ein Rootkit handelt, wirst du ihn auch nicht mehr los, ohne den ganzen Rechner platt zu machen. Wo aber ein Adblocker am Tor schon gnadenlos die Knute schwang, da ist begreiflicherweise auch nichts zu finden, um darauf überhaupt zu klicken.

Nach diesem Marketing-GAU dürfte jedenfalls die Akzeptanz von Online-Werbung nochmals erheblich sinken. Von Haftungsfragen gar nicht zu reden. Was wiederum die neuen Medien für die Absatzwirtschaft nicht lukrativer macht. Zugleich aber wird so der Adblocker – zumindest bei Chrome oder Firefox – auf deutschen Einzelplatzrechnern endgültig endemisch werden.

Kurzum: Werbung erscheint mir zunehmend als ein Konzept, das seine besten Tage sicherlich nicht mehr vor sich hat. Weil ein wahrer Kavalier fremden Leuten nicht ständig die Tür eintritt, oder dubiosen Gestalten passgenau die Nachschlüssel liefert …

Werbung ist für Doofe

Mein Ad-Blocker schützt mich relativ zuverlässig vor unerwünschter Handelsbebilderung, der Spamfilter sagt allen Ukrainern wie auch der Hongkong-Mafia, sie möchten bitte draußen bleiben. Kurzum, dieses Forschungsergebnis zum Netz-Marketing ist genauso, wie Klein-Kläuschen sich das immer schon gedacht hat.

Und komme mir jetzt keiner mit dem tränenreich barmenden Argument, dass ich diese Instrumente unbedingt wieder abschalten solle, damit sich die Netzaktivitäten des weltweiten Kommerzialismus endlich ‚rekapitalisieren‘ könnten. Niemand hindert euch schließlich daran, dieses Neuland einfach aufzugeben, und wieder ‚Print‘ zu buchen. Die Verleger würden es euch danken – die ‚kaufkräftigen gebildeten Schichten‘ euch verfluchen:

„Nutzer mit einem höheren Bildungsgrad bzw. Einkommen klicken weniger oft auf Werbeanzeigen als Nutzer mit einem eher geringen Einkommen bzw. Bildungsgrad.“

Übrigens – schöne Headline dort …

Web 2.0 an Marketing:

Gebt’s doch endlich auf!

Der FDP ins Stammbuch

Nur im Fantasialand des Marketing und der Public Relations kann man die Richtung wechseln, ohne dabei die Richtung zu wechseln.

Die große Missachtung

Über Fernsehausstrahlungen zu schreiben, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom reinen journalistischen Handwerkszeug absieht.

Na, wenn das der Niggemeier hört! Da häkeln wir uns doch gleich einmal ein paar Merksätze ähnlichen Kalibers:

Romane zu schreiben, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein imaginativen Handwerkszeug absieht.

Patienten zu operieren, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein chirurgischen Handwerkszeug absieht.

Gottes Wort zu verbreiten, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein theologischen Handwerkszeug absieht.

Ein Volk zu regieren, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein politischen Handwerkszeug absieht.

Ein Hochhaus zu bauen, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein architektonischen Handwerkszeug absieht.

Ein Bild zu malen, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man einmal vom rein künstlerischen Handwerkszeug absieht.

Und wie Dieter Petereit daher zu logikolieren, erfordert keinerlei fachliche Qualifikation, wenn man mal von einer intellektuellen Basisausstattung absieht. Per Exklusion (‚wenn man mal *vom Entscheidenden* absieht‚) beseitige ich zappzerapp das einzig valide Argument, indem ich es satzlogisch entwerte und randständig mache – und darf dann ungeprügelt die wildesten Sachen behaupten … zum Beispiel so etwas: „Smashing Apps hat 50 Photoshop-Webdesigns samt detaillierter Anleitungen aufgestöbert. Inspiration und Know-How-Gewinn sind garantiert.“ Klar, solche garantierten Wortschätze rieseln natürlich nicht jedermann aus der löchrigen Content-Tasche, wie einst dem Missionar die billigen Perlen am Negerstrand. Und der Schreiberling in der Texterhölle dort bei AOL, der hat doch selbst schuld, wenn ihm so etwas Gediegenes nicht gelingt. Mich jedenfalls döcht bis auf weiteres, Marketing und Public Relations seien ein höchst infantiles Tick-Trick-und-Track-Spiel – mit einem hohen zynischen Anteil.

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