If your memory serves you well ...

Schlagwort: Maidan (Seite 2 von 2)

Unwörtler des Jahres

Nachdem NATO-EUSA mit einem faschistischen Mob die demokratisch legitimierte Regierung eines wichtigen Partners Russlands weggeputscht hat wäre es nur legitim, wenn die russische Armee in die mehrheitlich russischen Gebiete einmarschieren würde um die Bevölkerung vor Greueltaten zu schützen. Man stelle sich vor so etwas würde in einer ehemaligen englischen Kolonie passieren.”

Der Herr des Klingelns, der uns dieses schrub, nennt sich selbst ‘Unwort des Jahres’. Dieses Pseudo hat sich unser randalierender Anti-Imp, der beim Verbal-Klempnern in seinem schlichten Gemüt urplötzlich die ‘Legitimität’ entdeckte, allein schon wegen seines ‘NATO-EUSA’ redlich verdient. Aufforderungsgemäß versuchte ich mir probehalber vorzustellen, wie die Engländer in Australien einmarschieren – und was wohl die Folge wäre. Meine Phantasie kapitulierte, aber der versprengte Haufen dort nimmt wohl stärkeren Stoff, wo dann der Gummilöwe des Anti-Imperialismus in Treue fest an der Seite des Imperialismus stehen darf. Leute gibt’s …

Wiktor ohne Land

Nee, so geht das ja nun auch nicht: Wie soll der Janukowitsch denn seinen Rücktritt unterzeichnen, wenn er sich nur noch in Charkow oder Moskau herumtreibt?

Oops – korrigiert: Ich sehe gerade, der Präsident und seine ehrenwerte Famiglia ist möglicherweise in Fudschaira gelandet, also in den arabischen Emiraten (Flight Radar ist schon eine feine Sache). Vermutlich will er hoch vom Kamel aus regieren, die Milliarden im Arm und das Handy am Ohr … oha – und nun ist der Flieger auf dem Weg nach Charkow. Vermutlich hat er dort also nur ein paar Pretiosen ausgeladen, für den angenehmen Lebensabend.

Apropos: Dnjepropetrowsk – ist das nicht tief im Osten der Ukraine, dort wo – unseren allwissenden Medien zufolge – der Janukowitsch auf Händen durchs Volk getragen wird? Was stürzen die denn da die Lenin-Statuen, also die Symbole der russischen Besatzer? Naja – vermutlich alles ‘Hooligans’:

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Klasse-Idee: Mezhyhyria, der Palast, den sich Janukowitsch mit seinem kargen Präsidentengehalt vom Munde absparte, soll jetzt ein Museum der Korruption werden: “There is a suggestion to make it a Museum of Corruption.”

Nun – 13:40 Uhr OEZ – ist er zurückgetreten. Mehr Handlungsmöglichkeiten hatte er auch wohl nicht mehr: “WIKTOR JANUKOWYTSCH IST ZURÜCKGETRETEN. Die ihm nahe stehende Abgeordnete Haha Hermann widersprach der Information. Der Vertreter des Präsidenten im Parlament, Miroschnitschenko, bestätigte den Rücktritt.” Und zu blöd, Beweise zu vernichten, war er auch: “On his way out of Mezhyhyria this morning, President Viktor Yanukovych evidently tried to get rid of a lot of documents kept at the luxurious estate. Opposition leaders who are now in control of the mansion say they fished documents out of the Kyiv Sea that leads to the Dnipro River and are drying them in a hangar.”

Nun dementiert er alles wieder. Hat da jemand Druck gemacht? “In einem kurzen TV-Interview wies er alle Gerüchte, dass er zurücktreten werde, zurück.” Vermutlich denkt er ja, dass er triumphal nach Mezhyhyria zurückkehren könnte. Verblendung ist gar nicht der richtige Ausdruck …

Immerhin: Knapp 10.000 Zugriffe auf meine kleine Seite aus der Ukraine heraus, was immer das jetzt heißen mag … hoffentlich keine Titushkis.

An unsere KGB-Feldwebel

Also an die, die hier so brav und zynisch alle einschlägigen Foren mit ihrem Gebrabbel verfüllen: Es ist doch erstaunlich, dass das tapfere Volk der Ukraine, das – euch zufolge – in seiner überwältigenden Mehrheit den großen und weisen Führer Janukowitsch anhimmelt, dass diese Mehrheit in einer spontanen Aufwallung des Zorns solch ein paar ‘Faschisten’ und ‘Agenten des Westens’, alle nur bezahlt von der Konrad-Adenauer-Stiftung [sic!], nicht schon längst vom Maidan gefegt hat, wo doch diese schlappe Präsidentengarde und die sanftmütigen Titushki das schon nicht hinkriegen.

Hier übrigens ein ganz schröckliches Bild von diesen ‘Faschisten’ ( http://bit.ly/1m8MSTn ). Und dann noch ein Text für den ach so engagierten ‘Westen’, der ja immer so ‘besorgt’ ist:

What does it mean for the EU?

You are dealing with a bunch of murderers who seized power in Ukraine.

You cannot fight a system soaked through with Soviet-type corruption and kleptomania by only expressing concern and disgrace.

Sanctions on officials, their business sponsors and legislators responsible for violent crackdowns on mass protests in Ukraine are one of the measures you can take.

A failed state at your borders is a direct security threat for you.

If you think the best way-out is to leave the solution of the crisis to Russia – you are deeply mistaken. Its appetite does not stop at the Polish-Ukrainian border.

Euromaidan’s fate will have serious international repercussions. It’s not only about Ukraine. It’s about you, the EU, and your ability to defend values the Union stands for. Or at least used to.

To me, like for the majority of Ukraine’s protesters, it seems quite ironic and paradoxical, that non-EU citizens have to remind the EU of this.”

Die Gegenseite ist weniger konstruktiv (aus dem ‘bürgerlichen’ Zeit-Kommentariat gefischt, nur einer von zahllosen ähnlichen Kommentaren):

“Die Ukraine sollte sich ein Beispiel an China nehmen……einmal hart durchgreifen, Ziel erreicht. Nach wie vor wird China vom Westen hofiert. Und Zeit sich die Zeit und andere totzuschlagen, haben die Leute dort auch nicht.”

Tscha – und schon wäre wohl wieder alles ‘gut’. Hauptsache, die Straßenbahn fährt … und im Falle eines Falles wird der Livestream einfach mal wieder abgeschaltet, weil die GEMA bei der Musik im Hintergrund eine ‘Verletzung deutschen Urheberrechts’ vermutet.

Winterschlussverkauf

Es ist als sollten solche Anklagen klar machen, dass, nachdem die Assoziation der Ukraine mit der Europäischen Gemeinschaft „aufgeschoben“ wurde, die neuen Herren eingetroffen sind, um das Ruder zu übernehmen. Und die ukrainischen Behörden, von der Polizei und den Gerichten bis zum Parlament und dem Präsidenten, kollaborieren mit ihnen oder tun so, als bemerkten sie nichts.”

Ihr sollte den Artikel ganz lesen, auch wegen der unsäglichen Diskussion um einen ‘aktivistischen Journalismus’. Da ist er zu finden … und prompt klingt’s ganz anders als bei unseren Flanellmännchen.

Ein altes Lied

Vor dem Schlachten quiekt das Schwein. Die dollsten Parolen kamen bei uns auch erst 1945 aus dem Führerbunker* …

“Stoppt den Staatsstreich”, fordert die Regierungspartei – und beschimpft die Demonstranten als “Terroristen und Extremisten”. Auch vor einem Vergleich zu Nazi-Deutschland schreckt sie nicht zurück.

Verwunderlich ist es immer wieder, was deutsche Reporter bei ihren Erkundungen verwundert:

“Hier herrscht doch schon längst der Ausnahmezustand”, sagte der Mann, der sich Sascha aus Odessa nennt und anders als die Mehrheit der Protestierenden in Kiew akzentfreies Russisch spricht.

Wie sollte es anders sein? “Odessa gehört zu den ukrainischen Gebieten, in denen Russisch auch traditionell die dominierende Sprache ist. Im offiziellen Zensus aus dem Jahr 2001 gaben 65 Prozent der Einwohner Russisch als Muttersprache an.” Ansonsten – wird eine revolutionäre Bewegung zu lange hingehalten, radikalisiert sie sich. Auch das ist ein altes Lied.

* Ich denke da an das sog. ‘Hitler-Testament’, wonach das toitsche Volk, weil es nicht fähig war, den Führer zum Sieg zu führen, auch zurecht jetzt untergehen solle.

Die Angst des Bürgers

Im Zeit-Kommentariat findet sich die folgende Einlassung eines Menschen, der sich ‘einfacher Bürger’ nennt:

“Entweder die Demonstranten gehen nun langsam mal wieder nach Hause – oder das ganze artet in eine Revolution aus.”

‘Ausartung’ – öhem! Ein wahrhaft politischer Kopf, der Mann! Sobald er Eisenstangen, Molotow-Cocktails und Vermummung sieht, da sprengt’s seinem tief empfundenen Ordnungsbedürfnis gleich mal die Restintelligenz weg. Was meint er eigentlich, was er die ganze Zeit im TV dort zu sehen bekommt? Und jedesmal ist es doch dann nur noch die Frage, ob die Revolution siegt, oder aber die Konterrevolution der Oligarchen. Wobei zu sagen wäre, dass der Janukowitsch die Suppe schon selbst angerichtet hat, die er jetzt kellenweise auslöffeln muss … Wäre es eigentlich besser, ihn als ‘Last man standing’ oder als ‘Johann ohne Land’ zu bezeichnen?

Apropos: Wer ist denn da vermummt? Gute Informationen zur Lage in der Ukraine gibt’s übrigens hier: http://ukraineanalysis.wordpress.com/

Die Besorgten

Wir sind zutiefst besorgt über die Gewalt heute auf den Straßen von Kiew …”, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Caitlin Hayden. … Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) äußerte sich ebenfalls besorgt über die Lage in der Ukraine.”

Oha, oha, die ‘besorgen’ es den regierenden Kleptokraten in Kiew jetzt aber gründlich. Ich erinnere mal an das gute alte Mittel eines ‘diplomatischen Affronts’: Europäische und amerikanische Botschafter abziehen, Wirtschaftsbeziehungen einfrieren, alle Verhandlungen aussetzen, Exporte stoppen. Eventuell auch gleich Sotschi boykottieren – das wäre ein Abwasch. Ich sei wohl wahnsinnig? Nun ja, das sehe ich umgekehrt.

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