If your memory serves you well ...

Schlagwort: Maidan (Seite 1 von 2)

Ursachen der Revolution

After having ensured the justice system would never challenge his criminal dominion, Yanukovych and his allies set out to reorganize the remaining state institutions: the tax service was turned into an national extortion service, the national police became the regime’s goon squad, the National Bank of Ukraine the gang’s main money launderer, the customs service a smuggling ring, the national gas monopoly and finance ministry pumping endlessly money to the criminal empire, the national intelligence agency SBU an instrument to harass and spy on victims of the regime… the list goes on. No government entity remained untouched. From top to bottom, they all worked with only one goal: to enrich Yanukovych and his family.”

Janukowitsch hat also die Revolte gegen ihn förmlich herausgefordert. Gegen sein unersättliches Mafia-Imperium sind die Leute dann auf die Barrikaden gegangen. All das Gequatsche von ‘Faschisten’ ist hingegen Bullshit, das waren höchstens ‘Adabeis’, ein paar willkommene Sockenpuppen für ‘Russia Today’ und ‘Lifenews’ …

Derweil zeigen die tapferen Regulatoren Auflösungserscheinungen:

“Representatives of Ukrainian armed forces announced that supposedly some of the militia have left Lugansk and together with armored vehicles have headed toward the Russian border.”

Nun geht’s mal andersrum. Vermutlich wollen sie den Endkampf von der Wolfsschanze aus führen … Motto: ‘Ich wünschte es wäre Nacht, oder die Russen kämen’.

Volksrepublik?

Die Arbeiter haben sie – scheint’s – schon mal nicht an Bord:

“Nikolaj Wolynko, einst Bergmann und jetzt Führer einer Bergleute-Gewerkschaft, kommentiert: „Aus irgendeinem Grunde werden jetzt alle Anhänger der Ukraine als „Banderowzy“ beschimpft. Wenn das gleichgesetzt wird, dann werde ich mich eben auch als Banderowjez bezeichnen. Darauf bin ich stolz. Auch darauf, dass auf dem Maidan in Kiew das Volk Gestalt angenommen hat. Nicht die Bevölkerung, sondern das denkende Volk. Jetzt müssen auch wir uns hier als Volk formieren und aufhören, einfach nur ein Territorium zu bevölkern.“

Bezeichnend, dass die größten Oligarchen – wie dieser Bizzinissman aus dem schönen Dnjeprpetrowsk – schon zu Drohungen greifen müssen, um ihre Mit-Kleptokraten daran zu hindern, von Bord zu gehen. Auch diese Front scheint zu wanken:

“If you want to keep your business and have influence, within the framework of law and a democratic process, on the life of our people, you have to make agreements with people and its representatives, but not with representatives of the unlawful Kyiv authorities,” Tsariov wrote.

Tscha, dumm nur, dass seine Provinzschauspieler auf den Barrikaden dort auch gar nicht ‘repräsentativ’ sind … und die Frage, wo die ‘Faschisten’ zu suchen sind, wird auch immer dubioser:

“Der Vorfall hatte sich am Dienstag vor einer Synagoge in der ostukrainischen Stadt Donezk ereignet. Laut israelischen und amerikanischen Medienberichten hatten drei maskierte Männer vor der Synagoge Flugblätter verteilt, auf denen die Juden aufgerufen wurden, sich bei den Behörden der selbsternannten Republik registrieren zu lassen. Andernfalls würden sie deportiert und ihr Besitz konfisziert. Die Flugblätter waren mit dem Symbol der selbsterklärten separatistischen Republik Donezk und der russischen Flagge gekennzeichnet.”

Derweil ‘gleiwitzt’ es schon aller Orten – und die Zahlen tanzen Ringelreihen:

“Der staatliche russische Sender Rossija 24 sprach von fünf Toten. … Ein Reporter sah an der Kontrollstelle zwei Leichen, eine mit Schusswunden im Kopf. Einer der Toten trug demnach Kampfmontur, der andere Zivilkleidung. Die Polizei untersuche den Fall vor Ort. Das ukrainische Innenministerium berichtete von einem Toten.”

Ich nehme mal an, der Sender Rossija 24 war als einziger wirklich vor Ort, dieser Reporter war bestimmt ein CIA-Agent, und die Regierung in Kiew hat sowieso keine Ahnung … eigentlich fehlt bei dieser ‘Beweissicherung’ nur noch der Blackwater-Mitgliedsausweis und die Dinner-Karte von Barack Obama:

“Russia’s RIA Novosti and Life News blamed the far-right nationalist group Right Sector for instigating the gun battle. In a video report, Life News showed what it said was the body of one man killed during the shootout next to weapons, ammunition and gear left behind by Right Sector members at the scene. It also showed crisp U.S. $100 bills, uncreased printed satellite images of Slovyansk from Google Maps and a business card of Right Sector leader and presidential candidate Dmitro Yarosh that it said had been left by the “attackers.”

Mein Gott, was muss der Rechte Sektor doof sein, dass er solche ‘Fundstücke’ mit sich rumschleppt … hoffentlich entpuppt sich einer der Leichname nicht auch noch als derjenige Leo Trotzkis. Dicke Stapel von Visitenkarten will ‘Life News’ jetzt dort im Handschuhfach eines völlig ausgebrannten Autos gefunden haben – nur schade, dass sie uns die Namen, die darauf stehen, nicht auch mitteilen. Nun ja, vermutlich vom Feuer exakt an den entscheidenden Stellen beschädigt. Gut ist dieser besonnene Kommentar zum üblich nachfolgenden Forumssturm der Russovielen dort in der FAZ:

“Es ist vielleicht ein Wettbewerb? Wer 10000 mal „Maidan Faschisten Putschisten“ im Forum schreibt, bekommt eine goldene Balalaika?”

Derweil verdichten sich die Hinweise, dass tatsächlich eine russische Vorhut längst in der Ostukraine agiert – da wird es wohl nicht mehr lange bis zum Einmarsch dauern:

“Some of the men photographed in Ukraine have been identified in other photos clearly taken among Russian troops in other settings.”

Juden ergreifen das Wort

Shekhovtsov, selbst russischsprachiger Ukrainer, deutete gar an, es könne sich bei dem Rechten Sektor um ein vom Janukowitsch-Regime gefördertes und von prorussischen Provokateuren durchsetztes “Projekt” handeln, das dazu diene, die ukrainische Demokratiebewegung zu diskreditieren. Was zunächst wie eine sehr gewagte These klingt, gewinnt an Plausibilität, wenn man sich vor Augen führt, dass es in der Ukraine auch prorussische faschistische Formationen gibt, die, so Shekhovtsov, eigentlich “derselben Subkultur” angehören wie die ukrainischen – mit undurchsichtigen Durchdringungen.”

Man fördert demnach ideologisch höchst erwünschte antisemitische Kräfte bewusst durch ‘vierte Kolonnen’, um mittels solcher Counter-Insurgency die eigenen Absichten voranzutreiben – oha, wenn schon Verschwörungstheorien, dann bitte plausible wie diese. Vermutlich ist all das aber zu raffiniert für unser übliches Blödel- und Brachial-Kommentariat … den Hinweis auf einen neuen “romantischen Militarismus” als vereinigendes Band vormals scheinbar unvereinbarer Bestrebungen fand ich übrigens richtig erhellend. Die ‘reinigende Kraft’ eines universalen Aufstands von unten, das ist wohl das, was sie jenseits aller Ideologie und Vernunft zusammenführt.

Gerade, weil das zum Teil Faschisten sind, traue ich solchen Faschisten auch zu, dass sie für Putin arbeiten – um es mal klar zu sagen. Die Bandera-Bewegung war ja auch am Kriegsende ein militanter Bestandteil des sowjetischen Partisanenkampfes. So etwas darf man heute in Russland nicht laut sagen, ich weiß …

Immer diese NATO-Propaganda!

Security Service of Ukraine (SBU) Chief Valentyn Nalyvaichenko has said that an anti-terrorist operation announced by the former leadership of the country in February 2014 was in fact the organization of mass killings of people during protests in central Kyiv, and that SBU places all the blame for what was happening onto then President Viktor Yanukovych.”

Wer will, darf natürlich auch dem Wladimir ‘Tarzanowitsch’ Putin und der Linkszeitung glauben, wonach sich auf dem Maidan lauter ‘Faschisten’ gegenseitig erschossen, um den Faschismus zu befördern …

Nachtrag: Die Hinweise verdichten sich, dass tatsächlich ‘ausländische Agenten’ unter den Mördern waren, allerdings kamen die aus Moskau:

“Russia’s Defense Ministry and Federal Security Service took part in the conspiracy to kill more than 100 EuroMaidan demonstrators, Ukraine’s top security official, Valentyn Nalyvaichenko, alleged on April 3.”

Hat einen gewissen Charme

Zumindest könnte man diese Methode mal probehalber anwenden, denn der Mann weiß, wie die Eliten ‘ticken’. Alles, was Putin schwächt, ohne das gemeine Volk zu treffen, ist in meinen Augen eine gute Wahl. Und der neue Zar hätte prompt die eigenen Großkopferten an den Hacken. Was wollen die EU und die USA sonst machen? Etwa Russland vom ‘European Song Contest’ ausschließen?

“Sie müssen gezielt die russische Elite treffen, deren Konten einfrieren und deren Reisefreiheit einschränken. Viele der oberen vielleicht 300 Russen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten an dem Land bereichert. Gleichzeitig ist ihr Misstrauen gegenüber dem eigenen Land so groß, dass sie ihr Geld in den Westen, etwa in die Schweiz oder nach London, gebracht haben. Anders als im Kalten Krieg können sie die Elite also heute direkt treffen. Und wenn Sie dann noch die Einreise nach Sardinien oder an die Coté d’Azur verbieten, haben sie das Land innerhalb von zwei Wochen am Boden.”

Ganz lustig auch das: Die NPD, unser toitsches Fähnlein in Odins Afterwind, sieht sich in Osteuropa nicht länger an der Seite der ‘Svoboda’, sie steht jetzt stramm an der Seite Putins …

“Eine bemerkenswerte Position, hatte die NPD doch vor nicht einmal einem Jahr noch selbst eine Delegation aus der Ukraine in Dresden empfangen. Die NPD stellt sich damit … gegen die bisherige Linie der NPD.”

Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort … ach, auch stramme Nationalisten haben es schwer. Ständig dieses ‘Kompanie, kehrt!’.

Apropos – wovon träumt der Mann eigentlich nachts? Gestörte Wahrnehmung kann man das ja schon gar nicht mehr nennen:

‘Gestürzter Präsident: “Wenn es die Umstände zulassen, kehre ich nach Kiew zurück.”

Auf solche ‘Umstände’ kann er lange warten … er gleicht eher einem ‘Dead Man Walking’. Das Schönste aber ist, dass endlich Putins ‘fünfte Kolonne’ in den Foren auch mal Kontra bekommt, zumindest steht’s – Stand heute – in etwa unentschieden. Dieses Dichtspammen aller erreichbaren Threads mit den dämlichsten Behauptungen – von Blackwater in Simferopol bis zu den Hunderten brennender orthodoxer Kirchen – war ja kaum noch zu ertragen … you can fool some people some time, but not all the people all the time.

Putschen – eine Anleitung

Wen es interessiert, was im Krim-Parlament bei der ominösen Abstimmung hinter verschlossenen Türen tatsächlich vorging – hier wird seine Wissbegierde bedient:

“The elected representatives who showed up were stripped and had their cell phones confiscated. No journalists were allowed in. Behind closed doors – while armed soliders were watching – they sacked the government, announced a referendum on independence from Ukraine and elected Sergey Aksyonov to be prime minister. In the elections in 2010, Aksyonov’s party, Russian Unity, won only 4 per cent of the votes and 3 of the 100 seats in the assembly. Rules require that at least 51 representatives be present in order to hold a qualified vote. The new goverment says 61 members of parliament took part. Aftenposten’s research shows, however, that only 36 were present.”

Wer sind denn nun die Nazis? Die russische Vorgehensweise erinnert mich, je länger, je mehr, an den Stalinismus … aber mindestens. Auch anderswo dünkt sich eine Minderheit die Mehrheit zu sein:

“In der Donbass-Metropole Donezk ging es am Sonntag eine Spur friedlicher zu. Auf dem Lenin-Platz sind am Mittag dieses eiskalten Tages rund 2000 Freunde Russlands zusammengekommen, meist ärmlich gekleidete Leute, nicht viele Junge, eher wenig Frauen. Doch die Stimmung ist schlecht. Man hatte mehr Beteiligung erwartet. Fäuste ballen sich, es wird geflucht und gestossen, und Schlägertrupps in schwarzen Windjacken machen sich auf die Suche.”

Sie fahnden wohl nach der fehlenden Unterstützung …

Schneller als das Militär erlaubt

Gestern ist morgen, und heute war gestern – die Zeitachse windet sich wie ein Spaghetti im Disco-Fieber. Man könnte aber auch sagen, dass alles ‘nach Plan’ verläuft. Jedenfalls waren die Stimmzettel schon gedruckt, als das Parlament auf der Krim noch gar keine Volksabstimmung beschlossen hatte. Aber das ist ja auch praktisch, die Abgeordneten konnten dann ihre Meinung gleich vom Blatt ablesen …

Zum Thema auch das: “Voters in Ukraine’s Russian-occupied Crimea who vote in the March 16 referendum have two choices – join Russia immediately or declare independence and then join Russia.” Anders ausgedrückt: Möchtest du lieber schimmliges Brot oder Brot mit Schimmel?

Das ewige Russland

Wozu das Ende Russlands noch bedauern!’ Diese lieben Gedanken unserer Klugen sind bereits durch ganz Europa geflattert, besonders mit Hilfe der europäischen Korrespondenten, die schwarmweis zu uns kommen, um uns an Ort und Stelle zu studieren, uns mit ihren europäischen Äuglein zu durchschauen und unsere Kräfte mit ihrem europäischen Zentimetermaß zu messen. … Sie begreifen es nicht und wissen es nicht, daß, wenn wir wollen, uns alle Juden der Welt zusammengenommen nicht werden besiegen können, nicht die Millionen ihres Goldes, nicht die Millionen ihrer Armeen. … Sie werden auf eine neue, ihnen noch vollkommen unbekannte Kraft stoßen, auf die Kraft, deren Wurzeln in der Natur des unabsehbaren Russenlandes und in der Natur des allvereinenden russischen Geistes liegen. … Nein, wir brauchen Krieg und Siege! Mit Krieg und Siegen wird das neue Wort kommen und wird das lebendige Leben beginnen und nicht das ertötende Geschwätz von früher sich fortsetzen.”
Fjodor M. Dostojewski: Politische Schriften

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