Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Link

Linkereien

Alexander Grau schreibt uns, ‘die Deutschen’ – also ich und du und Müllers Kuh – wir alle würden die Demokratie doch aus den ganz falschen Gründen lieben. Dabei sei lange Zeit die Demokratie in Deutschland keine heilige Kuh, sondern ‘eher unpopulär‘ gewesen – mit dieser Behauptung fährt er dann ziemlich unvermittelt und bruchlogisch fort:

“Insbesondere in Deutschland waren Demokratie und alles Demokratische lange Zeit eher unpopulär. Dabei war das antidemokratische Ressentiment in Deutschland stets eng in ein weltanschauliches Netz aus Antikapitalismus und Zivilisationskritik eingewoben.”

Immerhin – dieses ‘eher unpopulär’ hinterlegt er freundlicherweise – weil unter Journalistens noch unüblich – mit einem veritablen Link. Folglich dachte ich, dort etwas Bedenkenswertes zum Thema ‘Führerstaat’, zum ‘autoritären Charakter’ oder auch zu den bösen ’68ern’ zu finden.

Weit gefehlt! Der angeführte Link führt uns zu einem Besinnungsartikel, der da titelt: ‘Brauchen wir die FDP noch?‘. Als ich sah, wie der Alexander Grau die demokratische Abwahl unserer Lobbyisten von der Zahnwaltothekerpartei so einfach mit einem Indiz für die Unpopularität der Demokratie in Deutschland gleichsetzt, fiel ich vor Lachen fast vom Hocker … und zeitlich gesehen müsste seit dem November 2013 in Deutschland eine geistige Wende von der ‘Unpopularität’ hin zur ‘Vergötterung’ der Demokratie stattgefunden haben. Das ging dann wohl an mir vorbei.

Fermentierte Grasnahrung

Eigentlich hatte ich den folgenden Text als einen Kommentar geschrieben, drüben in Ugugus Blog. Da der Beitrag mir aber recht gut gelungen ist, weil er viele Punkte meiner Klagelieder zusammenfasst über die Termitenplage, welche die Bewohner von Holzhausen befallen hat, sei er hier nochmals eingestellt. Es ist ja schließlich mein Text. Wer ihn schon kennt, soll diesen Beitrag schlicht überschlagen. Hier also meine Rede und die Gegenrede von André Marty:

Ich antwortete auf André Marty: “@ André: … Medien sind nicht geil – sondern die größte Sackgasse, in die ein junger Mensch derzeit hineinstolpern kann. Weil es zwar weiterhin ein Pendant zum werten Berichterstatter geben wird (vermute ich jetzt mal), wozu dann aber Medien gar nicht mehr zwingend erforderlich sind. Es geht auch ohne ‘Mittler’, denn nur die Information ist im Kern eine Ware, nicht das Portal oder der Titel auf dem bedruckten Papier, sei es ‘Spiegel’ oder ‘NZZ’ – allen Branding-Knallköpfen zum Trotz. Bleibt die Frage, wer bezahlt uns dann den Tanz der Tippfinger auf der Tastatur? Der gute Gott des Idealismus, der auch die Lilien auf dem Felde … ? Also, wer schützt zunächst einmal den Nachwuchs, indem er seine altmodischen Träume platzen lässt – von einer Medienwelt, die es längst nicht mehr gibt?

André said, on Juni 22, 2009 at 6:27:
@Chat Atkins: Falls dem so wäre, wie Sie bloggen, dann können sie uns sicher auch erklären, weshalb das Vernetzen des Netzes einfach nicht funktionieren will. Und Sie können mich ach’ so altmodischen bloggenden Journalisten sicherlich auch aus der Sackgasse führen in Sachen Medien als Teil des demokratischen Meinungsbildungsprozesses – und sagen Sie mir jetzt bitte nicht, die Bloggerei werde auch in Westeuropa schon bald, bald public opinion beeinflussen, gell. Denn Sie wissen zu gut, dass dem nicht so ist, zu recht oder unrecht.

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