Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Leistungsschutzrecht (Seite 1 von 2)

Wat nu, Herr Döpfner?

Experten zerpflücken das Leistungsschutzrecht.”

Auf das nächste Statement aus den Verlagsetagen bin ich richtig gespannt. Vielleicht: Man brauche das Leistungsschutzrecht schon deshalb, weil man das Urheberrecht endlich in der Pfeife rauchen möchte?

‘Pffft!’ macht das LSR

Die meisten in der VG Media organisierten Verlage wollen keine verkürzte Darstellung ihrer Links bei Google hinnehmen. Der Konzern lehnte zuvor eine Bitte um “Waffenruhe” ab.”

Um Alexis Sorbas zu variieren: Ich habe selten etwas so kreuzdämlich auf der Schnauze landen sehen, wie den Rohrkrepierer dieses Leistungsschutzrechts. Bis heute habe ich nicht verstanden, wie jemand überhaupt auf die abstruse Idee kommen konnte, dass Werbung zukünftig gefälligst vom Werber bezahlt werden möge. Der ‘Spiegel’ löhnt ja auch nichts an Daimler, wenn bei ihm eine doppelseitige Anzeige der Untertürkheimer erscheint … und dass dieser böse Google-Konzern soooo groß sei, das mag ja sein, aber es ist trotzdem kein Argument, ihm in die Tasche zu greifen.

Wo er recht hat …

Noch einmal zum Mitdenken: Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt. Man kann den Irrsinn kaum noch angemessen kommentieren.

Den Stefan Niggemeier verlinke ich ja nur noch, wenn’s nicht anders geht. Hier aber fasst er das Ergebnis des hochweisen Leistungsschutzrechtes sehr schön zusammen, welches die vereinte Verlegerschaft einst durch den Bundestag peitschte. Vor weit über einem Jahr schon habe ich diesen Verlagsgranden prophezeit, dass sie sich damit kein Geld ins Haus holen würden, bestenfalls eine blutige Nase. Et voilà … ‘Hands up! This is a Search-Engine-Robbery’ ist keine Strategie, sondern Slapstick. Ich bin bestimmt kein Freund von ‘Google’, aber wie sie dort die Verlage und deren Rechtsanwalts-Armada abrollen lassen, das hat schon was.

Was bleibt ihnen jetzt? Naja, das Zukreuzekriechen natürlich oder der rapide Bedeutungsverlust im großen Info-Nirwana …

Schnellmerker!

Ach Gott, nach dem Ausstieg der Springer’schen LSR-Löwen ist in der Zunft endlich die Debatte um die ‘Zukunft des Journalismus’ auch in den Leid-Medien voll entbrannt: “Elf Vorschläge für bessere Zeitungen”. Fünf Jahre, nachdem ich im Jahr 2008 diesen Text dort unten für die Schweizer ‘medienlese’ schrieb, lauten die Schlüsse heute übrigens immer noch sehr ähnlich. Wie wenig also hat sich seither geändert – wie Passagiere auf einem untergehenden Schiff klammern sie sich an ihren liebgewordenen Schreibtisch, fern am Horizont die Rente fest ins Auge gefasst.

Noch einmal: Der Journalismus ist jetzt ein dialogisches Verfahren, man redet mit den Lesern oder man hat nichts mehr zu sagen. Das Gelesenwerden entscheidet jetzt, nicht das Gedrucktwerden. Der ‘Autor’ ist gefragt, nicht der ‘Pflastertreter’, es gilt, seinen Maulwurfshaufen mit stilistischen Mitteln in einen ‘Olymp’ zu verwandeln: “Come down off your throne and leave your body alone. … But I’m near the end and I just ain’t got the time. And I’m wasted and I can’t find my way home.” (Blind Faith: Can’t find my way home). Wer will, darf sich bei der folgenden Lektüre damit die Ohren verwöhnen:

“Eins: Netzbewohner sind vor allem anderen Leser

Das klingt zunächst einmal banal. Es hat aber für die Rezeption von Texten im Netz durchaus Konsequenzen. Für Journalisten heißt das nämlich, dass sie im Web 2.0 primär an ihrer Kernkompetenz arbeiten müssen, wollen sie noch ein Publikum finden: am Schreibenkönnen also. Ihr Stil ist der erste qualitative Prüfstein, also ihr ‘schriftstellerisches Können’, erst an zweiter Stelle vielleicht Ethik oder Recherche. Denn ein guter Mensch, der recherchieren kann, produziert noch lange keinen lesenswerten Text.

Zwei: No Gatekeeping anymore

Das Internet hat keine Tore. Es gibt auch keine Marktplätze. Und es ist unendlich groß. Niemand muss irgendwo vorbeikommen. Es ist ein Pull-Medium, kein Push-Medium – um mich für Marketingleute mal verständlich auszudrücken. No matter how big you are – im Netz bist du nur noch ein kleiner Fliegenschiss unter vielen, da kannst du noch so laut bimmeln oder Coca Cola heißen. Du gehst nicht zu den Leuten. Wenn du Glück hast (und Können) kommen die Leute zu dir – sonst eben nicht. Dafür benötigst du vor allem gute Ware. ‘Mutabor’ – das gilt daher für allen Journalismus und alles Schreiben im Netz: Weg vom Gatekeeper, weg vom autoritären Journalisten und Welterklärer hin zum journalistischen Autor, der vor allem gut erzählen und auch unterhalten kann.

Drei: In einer Welt aus Mikromedien ist nichts groß

Ein, zwei großmediale Säulen mögen übrig bleiben. Das Netz benötigt kein zweites Google, und es benötigt ebensowenig ein zweites Spiegel Online. Dieses eine Portal wird wohl, vermute ich jedenfalls, als akzeptiertes Dokumentationszentrum der allgemeinen Großnachrichtenlage übrig bleiben – und daneben noch ‘tagesschau.de’ oder ein ‘Independent Medium’, vielleicht ‘Stefan Niggemeier’, etwas in der Art – oder ein deutsches ‘Techcrunch’ (wer macht es?). Das sind dann aber keine journalistischen Monumente mehr, zu denen der gemeine Netzbewohner aufschaut wie zu den Sternen. Sie hätten eine Funktion ähnlich der von Stripteasestangen in einer Nachtbar: Jedes Muttermal wird kommentiert. ‘Godlike’-Tollenwerfer und größenwahnsinnige Agenda-Setter dagegen werden von einem demokratisch gestimmten Publikum ausgelacht, denn wer will sich von einer Hupfdohle schon die Welt erklären lassen. Ein gewisses Bajazzotum ist also gefragt, eher Harald Schmidt als Wolf Schneider …

Vier: Das Internet ist glatt wie eine Billardkugel

Blank und eben, nirgends Hochgebirge. Höchstens Maulwurfshaufen kommen noch vor. Und diese Medienwelt wird sich weiter gnadenlos fragmentieren. Immer mehr Maulwurfshaufen. Es gibt keine medialen Schlachtschiffe mehr, um die gnädigerweise auch ein paar mikromediale Beiboote herumkreuzen dürfen, wie dies in der Diskussionen einige Old-Media-Leute zu erwarten schienen. Es gibt schon bald nur noch Beiboote. Selbst das ‘Special Interest’ zerfällt wiederum in zahllose Unterthemen. Leserscharen werden künftig eher nach Hunderten gezählt, nicht mehr nach Hunderttausenden, obwohl die Zahl der Leser in der Summe nicht abnimmt. Was das für die bisherigen Vertriebs- und Werbemodelle heißt? Ja, bin ich Nostradamus?

Fünf: Objektivität ist nicht 2.0

Im glattgeschmirgelten Bürokratenstil etablierter Printmedien klangen sogar abgeschriebene PR-Artikel ‘objektiv’. Objektivität gilt aber gerade deshalb nicht länger als ‘wahr’, sie wirkt auf Menschen einfach nur kalt oder zynisch. Das Web 2.0 ist aber ‘ein warmes Medium’. Ein Journalist im Web 2.0 muss wieder wissen, ‘wofür’ er schreibt, früher sagte man mal, er muss ‘mit Herzblut’ schreiben. Klingt kitschig, ich weiß.

Sechs: Vielfalt ersetzt heilige Einfalt

In der Welt der alten Medien konnte – cum grano salis – niemand mehr die Artikel aus der Süddeutschen, aus der FAZ, dem Tagespiegel, der Welt, oderoderoder auseinanderhalten. Ideologisch wie stilistisch war alles ‘ein Brei’ geworden. Der größte Unterschied war noch der Zeitungstitel. Hierin – in der großen Langeweile – liegt eine der Hauptursachen für die Flucht der Leser ins Netz. Wenn sie die Texte, die sie mögen, in den Zeitungen nicht mehr finden, dann schreiben sie sich die eben selber. Die Folge: Die Rückkehr der Person in den Text. Schreiber sind nicht mehr beliebig austauschbar. Ein Mikromedium lebt und stirbt mit seinem Autor. Auch darin unterscheidet es sich von einem Massenmedium.

Sieben: Abschied von gesellschaftlichen Lenkungsfunktionen

Massenmedien hatten durchaus auch eine politische Aufgabe: Sie sollten die Masse formieren durchs Informieren, Leitideen ‘implementieren’ und die Einstellungen der Menschen bewahren oder ändern. Was aus der Defunktionalisierung dieser Aufgabe durch Fragmentierung folgt, ist auch mir nicht klar. Jeder erfährt zwar noch immer quantitativ gleich viel, aber alle erfahren etwas anderes. Niemand gibt mehr – soziologisch gesehen – eine ‘Agenda’ vor. Wird das nun eine ‘führungslose’ oder eine ‘selbstorganisierende Gesellschaft’? In gewisser Weise stellt die Antwort auf diese Frage die These von der ‘Schwarmintelligenz’ auf die Probe.

Am meisten umgehauen hat es mich dann, dass die ‘Süddeutsche’, stets etwas wacher als andere, mit einem dieser verhassten ‘Aggregatoren’, mit ‘rivva’ nämlich, eine Partnerschaft abgeschlossen hat. Das dürfte ‘rivva’ helfen, wenn irgendein Verrückter es wagen sollte, das fabulöse Leistungsschutzrecht dieser Ab-Springer und Burdadas tatsächlich mal anzuwenden, Damit aber ist wohl kaum zu rechnen:

RivvaSZ


Vergleichen für Anfänger

Verlage ohne Leistungsschutzrecht sind wie Lasagne ohne Pferdefleisch.

Der Heilige Christoffel

Unser Schutzpatron der Public Relations und aller medialen Schwerenot, der Christoph Keese also, äußert sich höchst grenzwertig, was sein Verhältnis zur Faktizität betrifft:

“Wir blicken in eine düstere Zukunft. So sieht es aus, wenn Netzmonopolisten Politik machen. Mal eben die Homepage zu benutzen, um Stimmung für die eigene Sache anzufachen – das würden sich die Verlage niemals leisten. Wenn sie es täten, würde ein Sturm der Empörung über sie hereinbrechen.”

Jau, nüümaals nüü nüch! So, als sei nicht aus allen Speigatten der sogenannten Qualitätsmedien eine Gülleflut an Einseitigkeit, soweit es das ominöse Leistungsschutzrecht betraf, über uns, ein zunehmend angeekeltes Publikum, hereingebrochen. Und, bitte schön, wo sollte ein nachfolgender ‘Sturm der Empörung’ denn entstehen, wenn das Altmedienkartell über andere Meinungen gar nicht mehr berichtet, sondern in eigener Sache die Omertá praktiziert?

Gut – im Netz wird schon noch manches zurechtgerückt, aber es sind eben längst nicht alle im Netz daheim. Und die düstere Zukunft, in die Christoph Keese zu blicken meint, die sieht doch nur von der Brücke der Springer-Medien so düster aus, wo man statt der Frontscheiben Rückspiegel eingebaut hat …

C’est la guerre!

Jürg Altwegg, der Genfer Frankreich-Korrespondent der FAZ, hat einen selten skurrilen Text über den Krieg der Solche gegen die Die-Da geschrieben. Solche sind natürlich die vereinigten Verleger und die Die-Da wären wiederum die Verantwortlichen bei Google.

Der Hintergrund: Mit dem ‘Droit Voisin’ möchte die französische Regierung, die sich immer noch vom Bündnis mit den alten Medien politische Transfer-Gewinne erhofft, ein Pendant schaffen zum deutschen Leistungsschutzrecht. Google soll deshalb eine Pressesteuer löhnen, weil diese große Suchmaschine die Leser bekanntlich an die nahrhafte Krippe des ‘Qualitätsjournalismus’ führt. Aus dem vertraulichen Briefwechsel zwischen Politmaschinerie und Suchmaschinerie petzte jetzt jemand den Medien etwas: Google – sagt Google – wolle die Verlage schlicht nicht länger verlinken, falls es jemals zu einer Strafsteuer für Leserlotsendienste käme. Die Verleger nannten das ebenso prompt, wie auch kurzsichtig eine “Kriegserklärung” – also das, was schlicht nur eine Modifikation der Geschäftsbedingungen wäre.

Jürg Altwegg, ein treuer Eckhardt seiner Herrn, greift in der Folge zu einem Argument, das im Kern nur entgleistes Denken ist, noch dazu in eine völlig kranke Metapher gewickelt. Zu diesem Zweck erweitert er das altbekannte und längst rundgelutschte Taxifahrer-Bild des Konfliktes:

Völlig absurd sei es, die Suchmaschine an den Kosten zu beteiligen: „Das ist so grotesk wie die Vorstellung, dass ein Taxifahrer, der seinen Kunden in ein Restaurant fährt, dem Wirt dafür etwas bezahlen soll.“ Doch Google ist kein Gratistaxi – sondern ein Schwarz- und Trittbrettfahrer.

Öhem – versuchsweise habe ich mal versucht, diesen Altweggschen Nachsatz in das Reich der Vernunft zu überführen: Google, dieses metaphorische Taxi in die Rotlichtbezirke der Internet-Galaxie, wäre schon deshalb selbst ein Schwarzfahrer, weil es ja nicht dafür bezahlt, dass es 24 Stunden am Tag Passagiere befördern muss. Aus dem Taxifahrer würde in Altweggs Märchenwelt gewissermaßen ein Beruf, für dessen Ausübung der Fahrer noch Geld mitzubringen hat. Dies verdaut, soll der arme Chauffeur des Gefährts angeblich auch noch draußen auf dem Trittbrett stehen, wo ich mich dann frage, wie gelenkig ein Kerl wohl sein muss, der dann noch Bremse und Gaspedal betätigt. Vielleicht aber fahren in Altweggs Comic-Welt ja auch die Fahrgäste das Taxi, während der Fahrer auf dem Trittbrett bloß die frische Luft genießt. An diesem Punkt jedenfalls habe ich den bildlichen Nachvollzug der Altweggschen Vexiersätze eingestellt, weil’s mir doch arg wirr im Kopf wurde.

Weiter im Text: Es folgt eine schlichte Koinzidenz, die der Herausgeber des ‘Nouvel Observateur’ seinem staunenden Publikum als Sensation und als schlagenden Beweis verkündete, dass nämlich Google ‘die Maske fallen gelassen’ habe, weil im gleichen Zeitraum, wo Google eine Milliarde Euro mehr Umsatz gemacht habe, der Umsatz französischer Zeitungen gleichfalls um eine Milliarde zurückgegangen sei. Diesen Schwachfug zitiert Altwegg prompt zustimmend, ja, er macht ihn sogar zu seiner Headline. Was zwar schmissig wirkt, den Schreiber aber leider in einen Konfusius verwandelt.

Ebenso gut könnte ich bspw. dahertexten, dass im gleichen Zeitraum, wo aus den Cola-Automaten an Norddeutschlands Schulen 10.000 Liter weniger Coca abgerufen worden seien, die Milchproduktion niedersächsischer Kühe um 10.000 Liter zugenommen hätte. So etwas ist ‘Bullshitten für Anfänger’. Erich Däniken goes media – zwei zufällig gleiche Zahlen … und schon sieht der Gläubige einen Beweis.

Fern der Realität ist auch das belgische Beispiel, das Altwegg in der Folge anführt. Als Google dort vor einiger Zeit die Presseverleger tatsächlich von den Suchanfragen aussperrte, kroch die vereinigte Verlegerschaft aus dem Reich der Sahnetrüffel drei Tage später schon zu Kreuze. Liest man aber Altweggs Text, könnte ein unbedarfter Leser glatt vermuten, die belgischen Verleger hätten damals einen grandiosen Sieg über Google gefeiert. Kurzum – bei Altwegg geht’s so wahrheitsgemäß zu wie in einem Pressehauptquartier während des Ersten Weltkriegs.

In der Realität war es doch eher so, dass ‘Copiepresse’, der belgische Verlegerverband, ohne Wenn und Aber und weitere Geldforderungen dem verhassten Google zähneknirschend die Erlaubnis erteilte, wieder alle gebenedeiten Presseprodukte zu verlinken. Denn ohne Google waren die Verluste größer als mit der Suchmaschine. Gut – aber diese Form der interessierten Darstellung macht schließlich den Unterschied zwischen Realität und Qualitätsjournalismus vorwiegend aus …

“But today, Google said it has gotten permission from Copiepresse to add its sites back to Google search results, and so it has.”

Der einzig ‘ehrliche Weg’ sieht übrigens so aus, wie es die brasilianischen Verleger jetzt vorexerzieren. Sie melden sich einfach beim Google-Roboter ab, schon wird ihr Angebot nicht mehr ‘ausgebeutet’. Das Dumme ist nur – es könnte sich dabei herausstellen, dass das Publikum des ‘Qualitätsjournalismus’ nicht mehr bedarf, wohl aber der Qualitätsjournalismus eines Publikums. Was dann?

“In Brasilien haben sich 154 Zeitungen aus der Nachrichtenseite des Internet-Konzerns Google zurückgezogen.”

Nachtrag: Den Vogel schießen jetzt die schrägen Vögel vom ‘Focus’ ab. Nur weil Google einigen Zeitungsverlegern – es sind ja keineswegs alle – nicht prompt zu Willen ist, weil Google also diesen Möchtegern-Loddels einen angeblichen Liebeslohn nicht herausrücken will, deshalb soll sich diese Suchmaschine gleich mit “Staaten” angelegt haben. Ich glaube ja, diese Schreiberlinge wervechseln da was, ‘parteitragend’ ist noch nicht ‘staatstragend’, ein Verlagsgebäude ist bis auf weiteres kein Reichstag, und Politiker sind keine Schutzgeldeintreiber:

“Dreiste Drohungen: Google legt sich mit Staaten an”

Nachtrag 2: Hier haut jemand noch viel genüsslicher – und auch eher fachlich-sachlich statt sprachlich – auf diese gequirlte Sahne aus dem Hause FAZ. Oder dem Altwegg zwischen die Löffel, ganz wie man’s sehen will:

“Noch einmal: Die schamlosen Unverschämtheiten von Publikationen wie der FAZ beim Thema Presseleistungsschutzrecht zeigen, dass die kommerziellen Massenmedien eher schlecht als recht als Basis für eine tatsächliche demokratische Meinungsbildung geeignet sind, die alle Partikularinteressen einer Gesellschaft deren Bedeutungen entsprechend einbezieht.”

Ergänzend hier der Versuch einer Aufklärung: Die gerügte ‘Schamlosigkeit’ solcher Massenmedien rührt m.E. aus alter Gewohnheit her: Diese Schlachtschiffe konnten lange so schamlos und unverfroren agieren, weil sie mangels anderer Kanäle stets ‘unwidersprochen’ oder ‘unter sich’ blieben. Dieses meinungsmonopolistische Idyll ist dahin, die Landschaft hat sich geändert – und weil sie’s nicht wahrhaben möchten, wirken sie zunehmend verhaltensauffällig.

Großes Kino!

Stefan Niggemeier dröselt die Lobbyarbeit deutscher Verlage für ihr fälschlicherweise so benanntes ‘Leistungsschutzrecht’ detailliert wie in einem Drehbuch auf. Unter anderem erfahren wir dort, “wie die Verlage ihre ‘Definitionsmacht’ nutzten, den Kampfbegriff ‘Qualitätsjournalismus’ zu platzieren und ihn “auch unter Rückgriff auf das gesellschaftliche Leitbild (…) der Pressefreiheit als Totschlagargument rechtfertigten”. “Das pekuniäre Partikularinteresse ›Schutzbegehren‹ wurde unter dem Titel ›Qualitätsjournalismus‹ zum Gemeinwohl stilisiert.” Kurzum – ein wahrer Krimi voll mit Mietmäulern, irreführenden Behauptungen, Lügen und Verdrehungen. Spin-Doctors live at work … und die dämliche Politik fällt auf das Gesülze mal wieder rein.

*Lesebefehl*

Gute Frage – nächste Frage!

Glaubt man in den Verlagen ernsthaft, den Nutzern oder Google würde ernsthaft etwas fehlen, gäbe es ihre Inhalte in den riesigen Weiten des Netzes nicht mehr? Und glaubt man womöglich noch, die Nutzer würden dann in Scharen mit reumütig gesenkten Häuptern zu den Verlagen zurückkehren, Abbitte leisten und brav die rückständigen Euros auf den Tisch legen?”

Hier muss wohl so etwas wirken, wie die Marienverehrung im Katholizismus. Tagsüber, unter freiem Himmel, glauben nur abergläubische Köhlerskinder noch an die Jungfrauengeburt. Wabert aber dann der Weihrauch, lockt der sinnfreie Singsang der Liturgie, betritt der Mensch eine Kirche oder eine Verlegertagung …

Liebe Verleger!

Wenn euer grandioses ‘Leistungsschutzrecht’ jetzt auf eine bloße Suchmaschinensteuer hinauslaufen soll, wie es der zweite Referentenentwurf uns dies jetzt verklamüsert, dann frage ich mich, ob ihr auch bedacht habt, dass jede Steuer zwingend in den allgemeinen Staatshaushalt einfließen muss, ohne dabei an einen bestimmten Verwendungszweck gekoppelt zu sein. So darf der Ertrag der Kfz-Steuer nicht strikt an den Straßenbau gebunden sein, und die Hundesteuer nicht ans Häufchenentfernen. Ebenso wenig wird der Ertrag einer Suchmaschinensteuer in die Bilanz privater Verleger in Deutschland einfließen können.

Hattet ihr euch das wirklich so gedacht?

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