Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Kommentariat (Seite 1 von 3)

Oh, dies Kommentariat!

Und hören Sie auf von “rus. Truppen” zu phantasieren. Könnten Sie Russisch, würden Sie schnell erkennen, durch die Hunderte von Videos vom Donbass, wer die Separatisten sind und wie die Zivile Bevölkerung sie findet.

Genau – hier sehen wir auf einem solchen Video nämlich einige dieser ostukrainischen Minenarbeiter, wie sie ihre ärmlichen urrussischen Hütten gegen die Invasoren aus Kiew verteidigen und dabei nach jedem Schuss laut ‘Allahu akbar’ rufen. Deshalb, weil die Ostukraine ja bekanntlich ein urmuslimisches Land ist … und hier sehen wir eindeutig reguläre russische Marineinfanterie, wie sie sich an der Erstürmung des Flughafens versucht, und das russische Fernsehen überträgt so etwas auch noch zur besten Sendezeit. Aber wahrscheinlich hat die Kiewer Junta bloß nächtens armen Donezker Freiheitskämpfern diese verräterischen Abzeichen an deren Uniformen genäht. Andererseits, wie die ATO-Terroristen es im Dunkeln hinkriegten, den Faden in die Nadel zu kriegen, das bleibt mir ein Rätsel … anders ausgedrückt: Wer noch immer glaubt, dass dort keine regulären russischen Truppen kämpfen, der ist und bleibt ein Schaf – bestenfalls. Dazu passt ja auch das dann:

“Respected Russian human rights activist Elena Vasilieva has announced that 382 Russian soldiers have been killed in Ukraine during the last three days. … The activist said that, counting the most recent 382 deaths, the total loss on the Russian side is 6,242 killed.”

Der Donezker Presidente Pavel Gubarev wurde übrigens nicht ‘gekidnappt’, den haben sie verhaftet, weil er ‘Humanitarian Aid’ privatisiert haben soll. Das mag ja durchaus sein, das war bisher dort unter den Paten aber noch lange kein Verhaftungsgrund. Es scheint mir eher, man will ihn als Verantwortlichen der verheerenden Niederlage jetzt aus dem Verkehr ziehen. Tscha, ein russischer Verbündeter zu sein, das gleicht zunehmend einem Himmelfahrtskommando … denn faktisch ist es in Donezk so, dass dort der russische Bär gerade die separatistischen Gummibärchen frisst:

“Regarding Donetsk. Everything is all complicated. The unified forces of the Russian Airborne Troops are not clearing Donetsk, they have just … lost their way. At this time, they are orienting themselves to the locality. During the process of the paratroopers’ orientation, a spontaneous self-clearing is underway of Donetsk of the separatists’ forces. This information has been received from sources at the scene of the events. I will repeat it for those who don’t understand. Ukraine does not intend to violate the Minsk agreements. The separs are perishing on their own.”

Oha, Ironie-Alarm bei ablaufender Selbstsäuberung … auch Luhansks Presidente Plotnitsky bekommt gerade ‘Kattun’ von den eigenen Leuten:

“Heute morgen hat Plotnizky, der mit seinen „Heldentaten“ in Sachen der Vernichtung der Einsatzleiter bekannt ist, einen Befehl zur Säuberung des Swerdlower Garnisons der Kosakischen Nationalen Garde „Rom“ abgegeben. … Dieser Befehl zerstört die Abwehr der Luhansker Volksrepublik wegen der eigennützigen Ziele von Plotnizky selbst, und zwar: die Ausfuhr von Kohle und unkontrollierter Diebstahl humanitärer Hilfe aus Russland. … Man muss anmerken, dass die Städte, die unter einem permanenten Beschuss der Ukros stehen, wie auch die Verteidiger des Vaterlandes, die an der Front kämpfen, nichts aus der humanitären Hilfe bekommen, die nach Luhansk eingefahren wird. Es ist ein Gefühl, als ob sie einfach verschwindet, na – oder eben auf Ladentischen auftaucht. … Die Menschen werden sich nicht belügen und diejenigen anschwärzen lassen, die tatsächlich für die Freiheit der Menschen kämpfen, und nicht in Büros aussitzen, von einer grenzenlosen Macht schwärmend”.

Tscha, diese ‘Volksrepubliken’: Die alte Geschichte von dem idealistischen Aas und den vielen Schmeißfliegen, die sich dann davon nähren …

Komisch …

Sonst kommentieren unsere Sankt Petersburger Faktenbieger doch jeden Rülpser, der in einem Westmedium zum Thema Russland und Putin erscheint. Aber hierzu – Stand 13.12., 19.00 Uhr – nicht ein Wort:

“Russland am Abgrund – Rubelabsturz und Monsterinflation: Das letzte Gefecht der Bank of Russia.”

Dann muss es wohl wahr sein …

Bedauernder Nachtrag: Ich habe bei mir im Verdachtsordner einen Kommentar von Hans Wunder zu ‘nobody’ verschlafen, den ich allen – insbesondere hardy – hiermit zur Lektüre empfehle: “Jetzt verspüre ich doch das Bedürfnis, hierzu auch mal meinen Senf abzugeben. …”

Was kratzt es die Eiche …?

Ich weiß nicht, was im Kopf derjenigen vorgeht, die auch nach diesem Kommentar Jarchow als einen würdigen Diskutant finden würden. Was solche Menschen “verdeinen” ist nur über sie zu reden, nicht mit ihnen. Wie gesagt, es ist so, als wenn ein Jude dem SS-Wachmann erklären wollte, dass auch er ein Mensch ist.

Tscha – Grammatik putt. Das ist übrigens mein Text, der die Pseudo-Linken dort ausrasten ließ.

Mein Blödmann des Tages

Die Krim-Aktion war letztlich auch eine Folge von etwas – und zwar vom Flächenbrand durch den Nahen Osten, mit dem die USA ihre Stratgie der Destabilisierung von Regionen vorantreiben und die letztlich auf den Maidan führte.

Genau – und die Mondlandung war letztlich eine Folge des steigenden Meeresspiegels, mit dessen Hilfe die pösen USA die Menschen zum Opiumanbau in den Himalaja treiben, und das, obwohl es den Klimawandel ja eigentlich gar nicht gibt. Was ja gerade das Perfide daran ist …

Beim Inhalt mancher Köpfe wäre Kartoffelbrei noch ein viel zu beschönigender Ausdruck …

Boah, ej!

Telepolis veröffentlicht ein dickes Buch über angeblich staatsgelenkte Mainstream-Medien, sozusagen eine wahre Aluhut-Bibel. Darin gleich zwei Kapitel über die Bilderberger-Konferenzen, wo bekanntlich alles Übel dieser Welt ausgekaspert wird – aber nicht einmal fällt das Wort ‘Nashibots’:

“In den Foren der großen Online-Medien hagelt es Tag für Tag Kritik an den gebotenen Deutungsnarrativen der Leitartikler und Meinungsmacher.”

Wo’s hagelt, gibt’s meist auch Hagelmacher – oder? Von wem wurde eigentlich damals die ‘Konkret’ finanziert? Und das Publikum ist vermutlich blöd, es könnte ja die ‘Deutschen Wirtschafts Nachrichten’ (jetzt auch gedruckt) oder ‘Compact’ statt des ‘Spiegel’ oder der ‘FAZ’ kaufen. Das tut es aber nun mal erwiesenermaßen nicht.

Tscha, wohl alle doof, außer den einschlägigen Kommentatoren. Vermutlich ist es ja ähnlich wie auf den ‘Montagsdemos’, da schreien auch fünfzig Hanseln ‘Wir sind das Volk!’ – und sie glauben sogar daran … aber gut, der Ulf Poschardt meint ja auch, dass er mit seinen ollen Kamellen von der FDP-Resterampe noch irgendwelche relevanten Bevölkerungsschichten repräsentiere.

Zumindest aber hätten unsere Teleponies doch hierzu mal etwas in ihrem dicken Buch sagen können, statt von ‘wahrer Volksmeinung’ daherzuwiehern und kreuzbrav ‘Russia Today’ aus der Hand zu fressen:

“Aus einem Strategiepapier der Sankt Petersburger “Agentur zur Analyse des Internets” geht hervor, wie die Wellen von Troll-Kommentaren auf Online-Plattformen funktionieren. Das russische Dokument wurde von einer Gruppe mit dem Namen “Anonymous International” veröffentlicht.

Die ‘Guten’ sind nie böse

Jedenfalls, wenn wir dem False-Flag-Geschrei unserer einschlägigen Foristen glauben – da kann einfach nicht sein, was nicht sein darf:

“Insurgents struck the convoy with a massive attack of mortars and Grads. The convoy was moving under white flags, but this did not save it from almost total destruction. Dozens of civilians, many of them children were killed.”

Und hasse nich gesehn – Zeugenaussagen hin, Zeugenaussagen her – schon muss es auch diesmal wieder die pöse ATO gewesen sein …

In Russland derweil dürfen die Bilder leerer Lebensmittelregale nicht länger gezeigt werden, weil die westlichen Sanktionen ja gar nicht wirken können – ihr wisst schon: wegen Russlands unermesslichem Reichtum und den riesigen Kolchosen, die jetzt dank der überlegenen russischen Wissenschaft alles Benötigte ganz schnell aus der Ackerkrume stampfen werden. Dumm nur, dass es den Google-Cache gibt:

“Ein Russen-Troll pisst mich mitten in der Nacht per Mail an und behauptet, nobody habe die Fotos von Елена Афанасьева manipuliert, denn auf Elenas Twitter-Account wären diese Bil­der nicht zu sehen. Oh ihr Armen im Geiste! Ich weiß, Elenas Fotos sind brisant, denn Elena ist Creativ Director beim rus­sischen Staats­fernsehen “1. Ka­nal“ und daher über jeden Zwei­fel pro­west­licher Pro­pa­gan­da erhaben.”

Ach so, eins noch, nach unbestätigten Meldungen wurde Khodokovsky, der Anführer des Vostok-Bataillons, von der ATO gefangen genommen, und wartet jetzt auf den Flug nach Den Haag (Nachtrag: War leider nur ein Namensvetter).

Selbst die stramm putintreue AfD hat jetzt der Spaltpilz befallen. Tscha, wer zuviel verirrte Schäfchen unter einen einzigen Alu-Hut bringen will, dem bleibt der Streit nicht erspart:

“AfD-Vize Alexander Gauland ist erbost über die Russlandpolitik von Bernd Lucke und weiteren EU-Abgeordneten. Diese stimmten gegen die Parteilinie für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Moskau.”

Was wird der Alexander Gauleiter jetzt machen? Die ‘einzig wahre AfD’ gründen? Diese rechten Populisten haben doch alle so etwas vorhersagbar Kukidenthaftes: Im jeweils neuesten Partei-Becherlein schäumt’s kurz mächtig auf – und dann herrscht wieder Stille ums Gebiss. Republikaner, Schill-Partei usw. Diese alte Koksnase, hörte ich im Vorbeigehen, fällt jetzt wohl im Dschungel-Camp den Leuten auf die Nerven. Sic transit gloria mundi …

Sonst noch was? Ach ja: “Moscow is liberated”.

Debattenkultur

Es ist ein überfälliger Artikel, den der Dirk von Gehlen über den Umgang mit den Threads in der SZ geschrieben hat. Auf der einen Seite finden sich dort die Journalisten, ‘zu fein’, sich mit all der “Schleppscheiße” auseinanderzusetzen, die sie durch ihr Schreiben doch erst produziert haben, auf der anderen Seite gibt es den ‘Debattentod’ durch die Mühseligen und Beladenen, welcher durch die neuerdings weit geöffneten Kanäle sein oftmals wirres Meinen und Murren massenhaft verbreiten darf. Wo also Figuren an der Grenze zum Pathologischen mit hochrotem Kopf all ihre aufgestaute Mühsal ins Kommentarfeld rülpsen. Hinzu kommt neuerdings dann noch – Putin sei Dank! – die Schar der organisierten Info-Warrior. Werthaltige Anteile eines endlich eingetretenen Dialogs gehen dabei oft in der Masse dieser Wirrsal unter:

Es ist ein Abgrund, in den deutsche Medien im Sommer 2014 blicken, wenn sie auf ihre Leserkommentare schauen: antisemitische Äußerungen in öffentlich-rechtlichen Call-in-Sendungen, rassistische Reaktionen auf der Facebook-Seite der Bild-Zeitung nach deren “Nie wieder Judenhass”-Aufruf und üble Beschimpfungen als Reaktion auf den Putin-Titel vom Spiegel.

Absolut zuzustimmen ist Dirk von Gehlen darin, dass dies aber keine alleinige Folge der neuen Medienstruktur ist, sondern vor allem die absehbare Folge eines neuerdings eingerissenen Rudel-Journalismus, der allemal den schrägsten Vögeln – von Thilo Sarrazin bis Eva Herman – einen Resonanzboden gab und gibt. Das hat die Schleusen geöffnet, seither existiert keinerlei Vernunft-TÜV mehr. Ist die These eines Promis oder Semi-Promis geeignet, Aufmerksamkeit und Auflage zu generieren, wird sie auch schon gedruckt, egal, ob sie sich mit den Fakten deckt oder nicht. Und alle Zu-Kurz-Gekommenen jubeln dann, weil’s endlich und mal wieder einen ‘Tabubruch’ gibt.

Diese angeblichen ‘Tabus’ – “endlich sagt es mal einer!” – sind aber zumeist gar keine ‘Verbote’, sondern in der Regel Fakten, auf die sich eine Gesellschaft geeinigt hat, es geht schlicht um den ‘gesellschaftlichen Konsens’. Bei der Auschwitz-Leugnung mag diese Festung noch einigermaßen fest stehen, bei der Stereotypisierung ‘des Juden’ wurden die Mauern aber bspw. längst geschleift – siehe die Kommentare zum Gaza-Konflikt in vielen Medien.

Die Grenzen des Sagbaren liegen also immer dort, wo – Achtung, Buh-Wort! – die ‘westlichen Werte’ tangiert sind: Demokratie, Gesetzlichkeit, Gleichberechtigung, Rechtsstaat, Antirassismus usw. Von solchen Bastionen aus muss ein rigides Kommentarmanagement handeln. Schließlich sind die Kommentarspalten auch Teil der Zeitung, die Redaktion darf hier schlicht ihr Hausrecht ausüben. Es sind eben keine öffentlichen Bedürfnisanstalten, wo jeder hineinstrullern darf, den die Blase zwickt. Kommt dann noch der gezielte Einsatz politischer ‘Spin-Doktoren’ hinzu, wie im Falle der Nashibot-Invasion während der Ukraine-Krise, dann wird dieses rigide Verfahren um so dringlicher.

Wer also die positiven Effekte einer öffentlichen Diskussion schützen will, der muss wie ein guter Bauer seinen Stall täglich ausmisten – und sich mit den verbliebenen vernunftgemäßen Einwänden und Ergänzungen dann persönlich und argumentativ auseinandersetzen. Daran führt heute kein Weg mehr vorbei. Es gälte also einerseits, die Putin-Trolle und Alu-Hütler des Hauses zu verweisen – sollen sie sich ‘hinter der Fichte’ austauschen, wo eh ‘alles Schall und Rauch’ ist – und andererseits muss der Schreiber sich in die ‘Niederungen’ der Threads höchstpersönlich hinabbegeben. Die Artikel eines Journalisten enden nicht mehr mit der Veröffentlichung, sie fangen da erst an …

Info-War over?

Kaum liest man eine Headline über die Gesprächsbereitschaft der ebenso zerstrittenen wie auch arg dezimierten ‘Separatisten’, da wird es in den Foren schon merklich ruhiger. Wie hier im ‘Standard’, wo ein ‘Ukraine-Beitrag’ sonst unter 300 Kommentaren nie abging:

“Prorussische Separatisten verkünden Waffenruhe.”

Tscha, das war natürlich immer nur die empörte österreichische Bevölkerung, auf die der Putin doch so gar keinen Einfluss hat, die dort plötzlich abgeschaltet wurde. Nur ein, zwei ‘Verspätetete’ krakeelen da jetzt noch in den Gängen herum. Wie drücken sich zwei der anderen Kommentatoren dort sarkastisch aus:

“So schön ruhig hier im Forum. Das ist ein gutes Zeichen.” … Antwort: “Die sind alle bei der Krisensitzung in der russischen Botschaft. Morgen gibt es hohen Besuch aus der Zentrale.”

Es mag aber auch sein, dass es nach dem 27. Juni, wo über weitere Sanktionen entschieden wird, gleich wieder los geht. Aber wenn sogar die ‘Junge Welt’ jetzt so etwas schreibt:

“Ihnen gegenüber machte Putin deutlich, daß die Übernahme durch »Mütterchen Rußland« keine Option ist. … Es gehe darum, daß die Bewohner des Südostens der Ukraine sich als untrennbarer Teil jenes Landes fühlen könnten.”

Nanu – ‘jenes Landes’ dort also … das hieße mit anderen Worten doch: Tschüß, Novorossija.

Nachtrag: Zu früh gefreut. Nach dem Abschuss des ukrainischen Transporthubschraubers wurden die Nashibots jetzt wieder von der Kette gelassen. Obwohl die ‘Separatisten’ doch höchstselbst die Verantwortung für den Abschuss übernommen haben, heißt es völlig beweisbefreit, die ‘faschistischen Maidan-Schützen’ hätten in Wirklichkeit die Maschine vom Himmel geholt, dieser Transporthubschrauber wäre faktisch doch ein Kampfhubschrauber gewesen, der mindestens Fassbomben zur Bekämpfung der Zivilbevölkerung transportiert hätte, und natürlich trüge an allem sowieso immer nur die EUSA die Schuld … mehr Bullshit in einer Minute, als man fressen mag – die pösen Regierungstruppen würden da sogar “mit Napalm in Wohngebiete reinballern”. Mein Ratschlag: Tut es euch nicht an.

Anti-Nashibot-Vorschlag

Er richtet sich an die Redaktionen der Leserforen in Deutschlands Medien: Statt die Beiträge nach dem Datum des Eintreffens zu listen, könnte man doch einfach den ‘Vernunftgehalt’ zum Maßstab der Reihenfolge nehmen. Führt also ein Beitrag zusätzliche Informationen für den Leser an? Genügt seine Argumentation intellektuellen Mindeststandards? Ist ein Posting von ‘bloßem Gemöhre’ weit genug entfernt? – Solche Qualitätskriterien würden dafür sorgen, dass eindeutige Gaga-Beiträge, ‘Whataboutism’, Themenverfehlungen, Nashibot-Spam und tausendfach Wiedergekäutes erst am Ende des Threads erscheinen könnten, dort, wohin sich niemand mehr durchklickt. Das wäre dann keine Zensur, wohl aber ein redaktioneller Eingriff. Alternativ könnte man auch separat eine ‘vernunftbefreite Zone’ einrichten, gekennzeichnet vielleicht mit einem WC-Symbol, für jene Leser, denen es vor nichts graut …

Teilweise ließe sich eine solche Redigierarbeit sicherlich auch automatisieren, mit Tags wie ‘habe mein Abo gekündigt’, ‘Kiewer Faschisten-Junta’, ‘westliche Mainstream-Presse’, ‘EUSA’ und anderen einschlägigen Indizien dafür, dass hier bei jemandem der Sparren schon recht locker sitzt … so etwas käme dann gleich ins ‘WC’:

“Deutschland hat noch immer noch keine Friedensvertrag [klassische rechte Konspirationsthese u. dazu Thema verfehlt] mit den 4 Siegermächten des wegen ist merkel und ko [das ist doch alles eine Soße da in der Politik] den usa ausgeliefert [anti-amerikanische Verschwörungstheorie, zugl. whataboutism] und wenn mann putins berater mal an hört was er das sagt [hört, hört!] ist es nicht auszuschließen das da etwas ware dran sein würd [nix Genaues weiß man aber nicht, grassierende Konjunktivitis] die sache mit der ukraine es ist etwas übertrieben aber in grunde auch verständlich [tscha, schlussendlich versandet dann alles in blanker Wirrsal,  die wohl nur ihm noch verständlich bleibt].”

Vodka mag bei diesem exemplarischen Beitrag allerdings auch im Spiel gewesen sein …

UNO auch bloß ‘Faschisten’?

Uno-Beobachter warfen den Separatisten die Tötung von Zivilisten, Folter und weitere Verletzungen der Menschenrechte vor.”

Schlimme Vorwürfe! Ist jetzt die UNO etwa auch ein Teil der ‘westlichen Medienmafia’ geworden? Oder in ihrer Dämlichkeit von den ‘EUSA’ gelenkt? Stehen auch sie im Dienst der Kiewer ‘Faschisten-Junta’? Ich gehe gleich mal in das zugehörige Forum, um mich über die neuesten Entwicklungen auf dem Jahrmarkt der Desinformation schlau zu machen … ah, ja, da haben wir’s ja, es ist dies alles zusammen, und noch zwei Kellen wirres Zeug obendrauf. Alles ‘Faschisten’ also – außer Pappi. Hier also die wirkliche Wahrheit, die immer hinter der Wahrheit zu liegen hat:

“Die USA giessen weiter Öl ins Feuer, Sanktionen werden so oder so gemacht, man sucht und konstruiert nur noch einen halbwegs “offensichtlichen” Grund. Die europäischen Bürger glauben dem sowieso nicht mehr, für die amerikanischen Dödels reicht es allemal. … Und die Ukraine soll endlich aufhören, Öl ins Feuer zu giessen!”

Aha, die Ukraine und die USA strullern da also ständig ihr Öl ins Feuer, was diese Zivilisten dann quasi naturgemäß in die Folterkeller der Separatisten treibt. Und die Europäer und die USA – die ‘amerikanischen Dödels’ sowieso – die sind richtig heiß auf Sanktionen, weshalb sie in dem Punkt ja seit Monaten zum Jagen getragen werden müssen. Gut, dass wir unsere ideologischen Lenkwaffen von der Kommentatorenfront haben, die ballern wirklich aus allen Rohren, vor allem aus denen am Unterleib …

Als ‘europäischer Bürger’ mag ich die intellektuellen Zumutungen unserer Foristen aber auch nicht so recht glauben. Woran soll ich mich bloß noch orientieren? Und wie lässt sich das hier erklären – ist das schon der ‘investigative Journalismus 2.0’?

“It took the ‘journalists’ from Russia Today exactly 10 minutes to be on the site of the pipeline explosion, in an unremarkable area, deep in the Poltava Oblast. As they say, they drove around, stopped briefly, and lo and behold, there it was”.

Der Leiter dieses allzeit bereiten Reporterteams soll übrigens Rainer Zufallowitsch heißen … interessieren würde mich es manchmal schon, ob unser Journalistenverband die Jungs und Deerns von Russia Today noch als ‘Kollegen’ bezeichnet?

« Ältere Beiträge

© 2019 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑