If your memory serves you well ...

Schlagwort: Kausalität

Zeit für den nächsten Hilfskonvoi

Irgendwer muss die Leichen der armen Kerle ja abholen, die dann ganz stiekum ‘auf geheiligter russischer Erde’, in Pskov oder so, ohne großes Trara verscharrt werden. Denn sie dürfen ja gar nicht da gewesen sein, wo sie den Tod fanden.

Ein schönes Beispiel für die alu-hütlerischen Denkbemühungen und für die Kausalitätsumkehr mit quietschenden Reifen bietet uns dieser Kommentator bei SpON. Die NATO erwägt bekanntlich, in Polen und den baltischen Staaten künftig mehr Präsenz zu zeigen, sagt zumindest Rasmussen:

“Das Vorhaben sei eine Reaktion auf die Ukraine-Krise, schreibt der Guardian.”

Also ERST die Ukraine-Krise und Russlands offensichtliches Engagement dort, DANN erst eine stärkere NATO-Präsenz in Polen usw. als Reaktion auf Putins invasorisches Säbelrasseln.

Unter einem Alu-Hut verkehrt sich aber prompt diese Kausalität, logisch gesehen einer der größten Fehler, die ein menschlicher Kopf überhaupt begehen kann, gewissermaßen ein Kurzschluss im Schaltkreis als Folge der Überlastung eines unterdimensionierten Gehirns, das für Logik gar nicht ausgelegt ist:

“Dann ist jetzt endlich raus worum es seit Anfang an gegangen ist – die NATO Osterweiterung unter Umgehung der existierenden Verträge.”

Also ERST gäbe es den natürlich geheimen NATO-Masterplan von dem niemand nichts weiß, außer diesem Meisterdenker, DANN erfolgte Putins absolut verständliche Invasion in der Ostukraine.

Ganz abgesehen davon, dass auch sonst so ziemlich alles sachlich falsch ist in dieser Wirrsal eines Economy-Gehirns: So wurden bspw. nirgends ‘Verträge umgangen’, die Zwei-plus-Vier-Verträge bezogen sich einzig und allein auf das Gebiet der ehemaligen DDR. Polen und die baltischen Staaten durften sich hingegen völkerrechtlich verbünden, mit wem sie wollten. Schließlich sind es souveräne Staaten. Zweitens haben all diese Staaten höchstselbst die Aufnahme in die NATO beantragt, aus einer historisch absolut begründeten Furcht vor ihrem russischen Nachbarn. Sie wurden also nicht in die NATO hineingezwungen – von den ‘Yankees’ oder wem auch immer. Und drittens fand diese ominöse ‘NATO-Osterweiterung’, die jetzt als große Novität unterm Alu-Hut ausgeschrien wird, längst schon statt. Derzeit geht es nur um eine stärkere militärische Präsenz auf bestehendem NATO-Gebiet, um eine Verschiebung von Truppenverbänden also. Die allerdings auch dringend geboten ist, angesichts der russisch-eurasischen Gelüste.

Noch was? Ach ja, hier hat sich ein klarer Kopf die Mühe gemacht, sein Hirn dem russisch gelenkten Mainstream-Journalismus 24 Stunden lang auszusetzen:

Dann folgt die richtige russische Abrechnung. Beitrag um Beitrag führen den Beweis, dass die Ukraine seit der Loslösung von Moskau alles falsch gemacht hat: Bevölkerung schrumpft, nur die Republik Moldau ist ärmer, zwei nutzlose Revolutionen, Oligarchen bestimmen alles, Schuldensumpf, Korruption, keine Meinungsfreiheit, um die Pressefreiheit ist es nur im Irak und in Afghanistan schlechter bestellt, Antisemitismus, eine zerfallende Armee und zu guter Letzt die absolute Unfähigkeit der neuen Regierung Poroschenko, einen souveränen Staat aufzubauen.”

Willkommen in Fantasia-Land! Klingt für mich fast nach einer Selbstbeschreibung … die Psychologen haben einen Fachausdruck dafür: Projektion. Dieser Kommentator bei reddit hat übrigens einen guten Vorschlag für Putins Kriegs-Operetten-Dramaturgie:

“Russia’s new anthem: ‘Oops, I did it again’.

Ab heute haben wir einen offenen Angriffskrieg Russlands, wenn sich die einhundert Panzer im Südosten bestätigen. Gestern sagte diese Pappnase noch: “Ich werde alles tun, um den Friedensprozess zum Erfolg zu bringen, wenn er beginnt.” Tscha, und jetzt hat er offensichtlich begonnen, falls die russischen Panzer rollen. Wo bliebe die sofortige Abberufung des deutschen Botschafters in Moskau, die Ausweisung des russischen Botschafters hier … und dann erst einmal Sendepause, bis Putin anklingelt und nicht ewig umgekehrt, während die Unterstützung für die Ukraine ins Rollen kommt? Was mit den Börsen ist? Gut, das ist für manche dann mal ein Schlag ins Portfolio. Meister Röhrich hatte eben doch recht: “Eeeeckhardt, die Russen sind da!” Manche drücken sich da sehr viel drastischer aus: “Scoundrels and scum are leading Russia. There are no other words.” Das liegt vielleicht daran, dass es ein Russe sagt …

Große Ökonomen

In meinem Buch nenne ich das den Nebel-Faktor. Je nebliger und kälter die Winter in einem Land sind, desto solider sind die Finanzen. Wenn man schon durch die Natur gezwungen ist, für harte Zeiten Vorsorge zu treffen, prägt das offenbar den Charakter eines Volkes.”
Thilo Sarrazin als Dichter Nebel

Genau, das Dolce far niente am sonnigen Mittelmeer hat nämlich schuld. Hat dagegen schon jemals jemand von einer Schuldenkrise in Grönland gehört? -…- Wie jetzt – Island?

Kausalitätsumkehr

Immer öfter schrappeln unsere Zahnwaltsgattinnen mit ihren ausladenden Nobelkarossen im Parkhaus am Nachbarn und seinem Nissan Micra. Natürlich, dies die Logik dieser seltsamen Species, seien daher nicht ihre Fahrkünste zu gering, nicht ihr SUFF zu groß, sondern bloß die Parklücke zu klein. So ungefähr steht’s derzeit in allen Auto-Motor-Sport-Rubriken zu lesen. Größere Parklücken seien nun mal der notwendige Preis des Fortschritts, keinesfalls aber seien Panzer ungeeignet für den modernen Straßenverkehr. Obwohl ein City-Verbot für Geländewagen genauso wirksam wäre, und auch den Micra des Nachbarn schonte – Outdoor müsste dann eben ‘outdoor’ bleiben. Ein Schild an jedem Parkhaus würde genügen. Aber ich sehe schon – wenn es mal Mode wird, mit dem Maishäcksler ins Büro zu fahren, weil man damit noch dümmer auffallen kann, dann müssen eben breitere Straßen her …

Die Kausalkette

Die Kausalkette – in der Rhetorik auch ‘Argument der Transitivität’ genannt – ist weniger logisch, als sie uns erscheint. Deshalb ist sie ja auch so beliebt. Formal geht es hierbei um die folgende Satzfigur:

Wenn A zu B wird, dann wird B zu C, woraufhin C zu D wird usw.

Da das aber arg mathematisch aussieht, was bekanntlich viele Leute abschreckt, stellen wir den Sachverhalt einfach mal lebensweltlich dar, an einem alten chinesischen Beispiel, wo man die logischen Dominosteine recht schön kippen sieht:

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