If your memory serves you well ...

Schlagwort: Jens Berger

Der Fluch der bösen Tat

Der Spiegelfechter-Blog hatte vor einigen Wochen noch Feed-Zahlen von etwa 18.000, mittlerweile sind es um die 3.000. Die Leser wenden sich von Berger ab, weil der massiv nach rechts abgerutscht ist. Dazu diese unflätigen Umgangsformen. Zurück bleiben Pöbler und Verschwörungstheoretiker. Mich freut das nicht, im Gegenteil. Berger und Müller sind gerade dabei, zwei einmal anerkannte linke Informationsquellen, auch meine, zu ruinieren. Warum sie das tun, dazu müsste man wohl einen Psychologen befragen.

Yep, über rechts und links will ich hier nicht streiten, aber sie schreiben neuerdings jede Aufklärung in Grund und Boden. Die Sache mit den Klarnamen dort ist blanke Denunziatitis – und die Anzeige hat der Jens Berger sich dafür gründlich verdient. Was ihn umtreibt? Bin ich Hellseher? Gut, bei mir gäbe es nicht viel aufzudecken, weil ich unter meinem Klarnamen so schreibe, wie ich nun mal schreibe, und auch, weil ich einen Arsch in der Hose habe. Wenn hier verranntes Gesindel aufkreuzen sollte, dann hätte ich einen Hund. Falls das nicht reicht, hat die Polizei was zu ermitteln. Aber wer nicht unter Klarnamen texten will, den sollte man auch respektieren.

Jens Bergers Navi ist kaputt

Die Montagsdemos haben ja in der Tat ihre Probleme, sich glaubhaft von rechter Unterwanderung zu distanzieren. Sie sind aber links. Das ist ja eigentlich auch logisch – wie sollte eine rechte Bewegung von rechts unterwandert werden?”

Bester Jens, auch wenn sich auf deinen Montagsdemos die Rechten nur so tummeln und mit den dort versemmelten Alu-Hüten Ringelreihen tanzen, so wären diese Weltuntergangsmännchen doch trotzdem und entgegen allem Augenschein links, und zwar bloß, weil du das sagst? Selbst wenn deiner Logik der intellektuelle Nachvollzug vermutlich schwer fällt, Rechte haben allerdings schon Rechte unterwandert. Es ist schon fast gesetzmäßig, diese Figuren versuchen sich regelhaft an alles ranzuhängen, was halbwegs Erfolg verspricht: So haben bspw. zu Erich Mendes Zeiten ehemalige Nationalsozialisten damals die dortige NRW-FDP fast hopps genommen. Oder versuchte nicht jüngst der Mike Mohring die AfD in der Union salonfähig zu machen? Und finden nicht in der AfD die obskursten Gestalten von rechtsaußen Ämter und Pfründen, obwohl doch Bernd, das Brot, ständig beteuert, die AfD wäre eine ‘Partei der Mitte’? Was bleibt also von deiner Argumentation? Genau, Konfetti …

Auch ein netter Text zum Thema übrigens – es erfreut mich doch immer, wenn ich noch ein paar Vernunftbegabte treffe:

“Dieses Jahr habe ich die Niveaunochtieferpunkterfahrung bereits zweimal gemacht. Zuerst im Frühjahr mit den Montagsmahnwachen – der vermutlich dümmsten Bewegung seit ´45. Aber auch da finden sich Epigonen. Und nun der lustige kremlfinanzierte TV-Sender RT deutsch.”

Putin-Versteher?

Eigentlich ein blöder Sammelbegriff, weil die so titulierten Leute möglicherweise vieles beherrschen, nur ‘verstehen’ tun sie Putin keinesfalls … oder allenfalls miss.

Alte Bande werden derweil zerschnitten, wie diejenigen von ‘Kritik und Kunst’ zu jenen hier: “Inzwischen aber scheinen Nachdenkseiten und Spiegelfechter vom Teufel geritten.” Ischa auch verständlich, da wo Backbord auf einmal steuerbords liegen soll: Du mußt versteh’n! Aus Eins mach Zehn, Und Zwei laß geh’n, Und Drei mach gleich, So bist Du reich. Verlier die Vier! Aus Fünf und Sechs, So sagt die Hex’, Mach Sieben und Acht, So ist’s vollbracht: Und Neun ist Eins, Und Zehn ist keins. Das ist das Hexen-Einmaleins!

Lesenswert zum Thema auch dieser Text (bin ich jetzt erst drüber gestolpert): “Albrecht Müller: vom Querdenker zum Querfrontler.”

Etüde in faustdickem Lob

Immer nur Alpha-Journalisten zu meucheln, wird schnell langweilig. Deshalb habe ich mir für mein Buch über das ‘Schreiben in Zeiten des Web 2.0’ auch mal den einen oder anderen Alpha-Blogger gegönnt, um künftige Stilprinzipien zu verdeutlichen. Hier mein Text über den ‘Spiegelfechter’, den ich seit Jahren regelmäßig lese:

” … Ein überaus hoffnungsfrohes Bild ist es, das Jens Berger vom Internet entwirft – mit seiner Hilfe könnten wir jene politischen ‘Spiegelfechter’ entlarven, die in den Massenmedien dem Publikum ständig ein moralisches Theaterstück vorspielen, während doch hinter diesen Kulissen wahre Bubenstücke zur Aufführung gelangen:

„[Im Internet entsteht] die Gegenöffentlichkeit, die ohne beruflich davon abhängig zu sein, ohne auf Werbekunden Rücksicht nehmen zu müssen und ohne Parteifreunde und Old-Boys Networks zu schonen, der Wahrheit ein Stück näher kommen kann.“[1]

Diesem Zweck dient sein Weblog. Wie skeptisch man auch immer diese absolute Wahrheitsforderung betrachten mag, der ‚Spiegelfechter‘ versucht nach Kräften, diesen Anspruch  zu erfüllen. Seine Schaubühne hat sich zum wohl einflussreichsten Polit-Blog in Deutschland entwickelt – und zugleich zeigt sich, wie sehr das parallele massenmediale Narrativ doch längst zu einem einheitlichen ‚Mainstream‘ zusammengeflossen ist, dort reicht eine Ansicht längst für alle aus. Der ‚Spiegelfechter‘ aber ist vor allem eins, er ist anders. Hier finden wir Zusammenhänge aufgedröselt und dazu jene Geschichten erzählt, von denen wir in einer Zeitung zu lesen nicht mehr zu hoffen wagen dürfen.

Natürlich ist der ‚Spiegelfechter‘ politisch irgendwie schon links – aber links in einem Sinne, der dem Netz entspricht, der also nur wenig mit doktrinärem Sozialismus, mit Gewerkschaftsmuff oder mit Ideologieschulungen zu tun hat. Eher schon ist der ‚Spiegelfechter‘ links, so wie ein Mafiajäger links ist, so wie Statistiker, Polizisten oder Steuerfahnder an Aufklärung interessiert sind.  Dass bei dieser Methode die Luftblasen der ‚Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft‘ reihenweise am Wegesrand zerplatzen, das auch das Märchen von der ‚Steuerlast‘ angefault zu duften beginnt, von jener Last, welche die Reichen unermüdlich schultern würden, dass die Repetitio von den ‚explodierenden Sozialkosten‘ durch Wiederholung nicht wahrer wird usw. – das alles ist dann zu erwarten. Aber anderswo ist es eben nicht zu lesen. Denn längst findet das, was zu erwarten wäre, im klassischen Journalismus keinen Platz mehr. Diesen Platz nahm längst das ein, was erwünscht ist.

Schrieb ich oben vom ‚einflussreichsten Polit-Blog‘, dann bedarf dies einer Erläuterung: Natürlich sind bspw. Blogs wie ‚Fefe‘[2], ‚Netzpolitik‘[3] oder ‚Rebellen ohne Markt‘[4] auch politisch. Fefe aber wirft nur Fragmente und Schnitzel seiner emsigen Netzexpeditionen unters Volk, darunter sind oft wahre Trouvaillen, deren Links nur dort zu finden sind, es entsteht aber keinerlei politischer Zusammenhang, außer einer verschwörungstheoretischen Atmosphäre ringsum. Markus Beckedahl beim ‚Netzpolitik-Blog‘ beschränkt sich streng auf medienpolitische Ereignisse, was in Zeiten einer ‚Medienrevolution‘ auch angebracht sein mag, Themen wie Sozialpolitik aber oder Europapolitik kommen nicht vor. Don Alphonso wiederum stellt sich bei seinen politischen Äußerungen stets auf einen eher ästhetischen Standpunkt, auf den des sorgenenthobenen Dandys, was zwar unterhaltsam ist, aber die Aufklärung nicht unbedingt fördert. Von ‘rechten Blogs’ wie der ‘Achse des Guten’ gar nicht zu reden, die alle Probleme dieser Welt von einem Punkt aus kurieren möchten.

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Zeitung und Wahrheit

Allseits beliebt ist er, der ‘kleine Riester-Sparer’, seit die erbarmungslose Politik den großen Geldmarktakteuren mit einer unerhörten Umsatzsteuer von 0,1 Prozent auf die Ware ‘Geld’ ein schröckliches Ende bewährter Geschäftsmodelle andräut. Das mediale Flaggschiff irdisch orientierter Portfolianten in Deutschland, die FAZ also, malt dem Michel jetzt 14.000 Euro Abschlag auf sein mühsam Erspartes an die Wand, alles nur wegen der Finanztransaktionssteuer, eines neuen etatistischen Ungeheuers, vor dessen gefräßigem Maul die tagträumende Bundesregierung ihn noch rechtzeitig bewahren müsse.

Mit spitzem Bleistift von einem Mathematiker durchgerechnet, statt von einem Journalisten eher nachgebetet, sieht das Ergebnis schon wesentlich minimalistischer aus – ja, eigentlich ist es so gar keiner Nachricht mehr wert: “Der „normale“ Riester-Sparer wird durch eine Finanztransaktionssteuer nicht um 14.000 Euro, sondern um jährlich 75 Cent ärmer.” – – – Nanu, auf wessen Leim mag die FAZ-Redaktion denn da wohl gegangen sein? Und wurde sie gelockt oder getrieben?

Publizistik aus böser Sicht

Deine ‘Journalistenhasserjournalisten’, das sei doch eine Chimäre, diese Leute hätte es nie in ernstzunehmender Anzahl gegeben, so etwas musste ich mir nach diesem Text am Telefon anhören. Allenfalls krähe mal ein Motzblogger wie Don Alphonso in seinen Blogs gegen die pöse ‘Johurnaille’ herum. Nach meinem eher historischen Hinweis auf Karl Kraus hieß es: “Ach, Karlchen Kraus, das war doch ein Solitär, ein absoluter Einzelfall”. Ist das so? In meinen Augen sieht die Geschichte doch etwas anders aus, nicht nur bei Karl Kraus, der den “Untergang der Welt durch schwarze Magie” beschwor, also durch die Druckerschwärze der Zeitungen.

Eigentlich ging es schon bei der Gründung des Berufsstandes los: Wer jemals H. H. Houbens Kompilationen der Spitzelberichte an Metternich las, der weiß, dass nahezu der gesamte Vormärz-Journalismus bereitwillig der Zensur des ‘Policeystaates’ als Zulieferer diente, Selbst ein Heinrich Heine entblödete sich nicht – initiiert von James Rothschild – eine Pension des französischen Staates für PR-Dienstleistungen “ganz famillionär” einzustreichen, auch wenn er damit nicht Preußen diente, sondern einer konstitutionellen Monarchie. Von Anfang an gab es Käuflichkeit in der Publizistik, wohin man auch blickt, vielleicht mit Ausnahme von Ludwig Börne oder Karl Gutzkow, die als geborene ‘Journalistenhasserjournalisten’ diese biegsamen Gestalten in ihren Briefen dann gehörig glossierten.

Von Schopenhauer, Johannes Scherr und auch Theodor Fontane, der selbst in einer solchen Charaktermühle lange fronte, bei der preußischen Kreuzzeitung nämlich, sind uns ergreifende Schilderungen dessen überliefert, was dem Feld-Wald-und-Wiesen-Journalisten an devoter Gelenkigkeit zu jeder Zeit abverlangt wurde. Anderswo war es übrigens nicht anders, ziehen wir die einschlägigen Texte von Balzac oder Zola heran, oder später auch die Berichte eines Mencken, eines Hunter S. Thompson oder eines David Foster Wallace aus den USA. Selbst im Film, z. B. in Billy Wilder’s ‘Extrablatt’, ist doch nicht der berufsflüchtige Jack Lemmon die entscheidende Figur, sondern die journalistische Entourage aus seelisch gescheiterten Dutzendschreibern, die ihn dort qualmend und saufend umgibt. Kurzum – Journalismus war nie ein schöner Beruf, der Redlichkeit oder Charakterstärke im Übermaß verlangt hätte. Eher im Gegenteil.

Ausreißer gab es allerdings auch immer – nehmen wir nur Kurt Tucholsky. Wer in der Gesamtausgabe das Register im Band XXII mit einschlägigen Begriffen befragt, der findet eine Fülle von Sottisen und Interna über das korrupte Zeitungswesen. Der Weltbühnen-Star kannte das Geschäft, von Ullstein bis zur AIZ hatte er das gesamte Terrain beackert. Auch dort, wo es besonders schmutzig wurde, nämlich in der Provinz, kannte er sich aus. Unser größter Journalist war damit zugleich der größte Journalistenhasserjournalist deutscher Zunge. In gewisser Weise lässt sich auch sagen, dass die ‘Weltbühne’ ein Blog war, bevor es solche gab: wenig Leser, kaum Inserate, manchmal große Wirkung.

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