Plattdeutsch und Humor seien Synonyme, sagt Tucholsky. Trotzdem betrachten es viele immer noch als Fehler, in ihrer Berichterstattung, selbst in der lokal gebundenen, mit ‘Regionalismen’ zu arbeiten. Immer noch wird eine imaginäre ‘Hochsprache’ gepflegt, die nur auf dem Papier zu finden ist – aber nicht unter Menschen.

Gestern stand ich mit einem Nachbarn am Zaun – und natürlich kam das Gespräch auch auf die Griechenland-Krise. “Westerwelle sagt aber, die Steuern würden trotzdem gesenkt“, sagte ich. “Seggt hei!“, antwortete mir der Nachbar. In großartiger Lapidarität kam in dieser kleinen, abwertenden Sentenz alles zum Ausdruck, wofür sonst ganze Absätze verschwendet werden müssten: “Wer ist schon Westerwelle?“, fand ich darin, “Dascha ok blot so’n fixen Dschung” und vor allem: “De snackt to veel“.

Die regionale Einfärbung eines Textes – speziell im Plattdeutschen – bringt also nicht nur oftmals die witzigeren Formulierungen hervor, sie hält auch die treffenderen Kommentare zum Weltgeschehen bereit. Sollte also unser Raffelmäuschen von der Privatversicherungsfront mal wieder über den ‘demographischen Faktor’ zetern und uns die drohende ‘Vergreisung’ der Gesellschaft als Teufel an die Wand malen, dann ließe man seinem interessierten Alarmismus – statt mit ellenlangen auf Statistik gestützten Gegenargumentationen – mit einem plattdeutschen Satz viel sicherer die Luft aus den Reifen: “Nu schiet di man nüch ins Hemd!“.

Auch die Wortbildungen sind im Plattdeutschen schlichtweg umwerfend und zudem meist sehr viel anschaulicher. Hier eine kleine Blütenlese zum Abschluss: ‘Verkloogfideln‘ für ‘Überwindung von Vermittlungsproblemen‘, ‘Suupuut‘ für ‘Aufgaben eines Wirtschaftsministers‘, ‘Gebabbel‘ für ‘Public Relations‘, ‘Swinepreester‘ für ‘Werbefachmann‘, ‘Tüünkraam‘ für ‘Politik‘ usw. usf.