If your memory serves you well ...

Schlagwort: Henryk M. Broder (Seite 1 von 3)

Ich lass andere kommentieren:

Wie versenkt man ein Dresdner U-Boot?
… das geht ganz einfach:
1. Runtertauchen
2. An die Luke klopfen
3. Brüllen: “Aufmachen! Dä Föhrer ist da!”
Nordseezauberer

Tscha – aus dem Völkchen werden jetzt wieder Völkerchen … und das große Bröckeln beginnt:

“Die stellvertretende Vorsitzende der AfD Rheinland-Pfalz, Beatrix Klingel, ist von ihrem Amt zurück- und aus der Partei ausgetreten. … Was aus der Basis hochkomme, mache ihr Angst. Wie die Partei mit dem Thema Zuwanderung umgehe, sei abstoßend. Dass die AfD sich nicht klar von der Pegida-Bewegung distanziere, sei in ihren Augen ein Fehler.”

Rechtspopulismus ist doch immer höchst vorhersehbar … selbst aus Henryk M. Broders Pegida-Schmiede, der ‘Achse des Guten’, rennen jetzt die Getreuen davon:

“Einer der Betreiber des Blogs, die Posener wegen fehlender Islamophobie gefeuert haben, der Publizist Michael Miersch, hat nun mitgeteilt, den Blog wegen unerträglicher Islamophobie zu verlassen.

Das hat er aber früh gemerkt …

Für den Zettelkasten (19)

Henryk M. Broder, der außer dem konjunkturgerechten Antikommunismus auch nicht viel auf die Waage bringt. Trat zu APO-Zeiten als Nudist und mit Beiträgen zu einer antiautoritären Körperkultur hervor und hält sich seitdem für den großen Enthüllungsschriftsteller. Selbstverwirklichung si – soziale Gerechtigkeit no, ich kenn diese Typen.”
(Peter Rühmkorf, Tabu I, 161)

Eine ebenso vergnügliche wie verdienstvolle Beschäftigung wäre es, Broders Texte aus den ‘St.-Pauli-Nachrichten’ der wissbegierigen Öffentlichkeit endlich wieder zugänglich zu machen.

Hallo, Herr Döpfner!

Laut Hausmitteilung ist der Matthias Matussek – selbstverfreilich ‘auf eigenen Wunsch’ – aus der Spiegel-Redaktion ausgeschieden. Wäre das nicht ein echtes Schnäppchen, um den Stall bewährter Kräfte bei der ‘Welt’ zu komplettieren? Ich meine: Matthias Matussek (jüngstkatholisch), Alan Posener (vormals KPD-AO), Thomas Schmid (vormals SDS), Andrea Seibel (vormals taz), Henryk M. Broder (vormals Sankt-Pauli-Nachrichten), wie übrigens auch Ihre jüngste Akquisition, der Stefan Aust – das passt doch. Das gäbe auch eine tolle Mannschaft, die ihre Geschmeidigkeit am eigenen Leibe schon zweifelsfrei bewiesen hat. Die würden in meinen Augen die anspruchsvollsten Wünsche einer exklusiven Kundschaft gedankenschwer bedienen …

Nachtrag: Inzwischen hat mit jemand gesteckt, dass der Matthes doch längst in Springers Hayek-Chor angekomen sei … tscha, man kann ja nicht alles wissen.

Broder, der Vergessliche

Wer glaubt, der Henryk M. Broder betreibe unermüdlich einen ehrenwerten Kampf gegen den allgegenwärtigen Antisemitismus, der irrt. Ihm geht es vor allem darum, politisch nicht genehmen Figuren einen höchst eigenwilligen Antisemitismus ans Bein zu tüddeln, so wie jetzt dem Volker Beck. Wo also hierzulande der David Irving ins Land zu reisen trachtet, da interessiert folglich nicht dessen völlig irrelevante Person, auch nicht seine Holocaust-Leugnung, das meint jedenfalls unser Broder, sondern es ginge allemal um den “deutschen antifaschistischen Widerstand, die so genannte Antifa.”

Einige Menschen, die sich übrigens selbst wohl kaum unter dem Begriff ‘Antifa’ sammeln dürften, hätten zwar erfolgreich einen Auftritt dieses Kronzeugen der Rechten verhindert, eines Mannes also, dessen Zusammenhang mit dem Wort ‘Historiker’ am besten durch Tüddelchen zu kennzeichnen ist. Das eigentliche Problem aber sei es, sagt Broder, dass ‘sie’ (wer bitte ist denn ‘sie’?) nicht stattdessen den Auftritt eines iranischen Mullah-Dienstleisters an der evangelischen Akademie Loccum kritisiert hätten. So geht’s bei Broder zu – man glaubt in Berlin zu sein, schon steht man in der niedersächsischen Pampa. Dort täuscht der Text dann vor, noch immerfort am Antisemitismus das Bein zu heben, pinkelt aber längst anderen Leuten ans Hosenbein, und wirft ihnen doppelte Standards vor, sobald sie sich über den Uringeruch beklagen …

Prompt aber fällt unser selbst ernannter Hendrix der schrillen Polemik über die eigenen Füße. Denn als gefährlichen Antisemiten und als Leuchtfeuer der Naziszene hat dieser schließlich den David Irving selbst noch jüngst bezeichnet:

“Die Ikone aller Holocaustleugner ist wieder da.”

Aber von solchen ‘Ikonen’ will er heute natürlich nichts mehr wissen. Da käme nur – Broder zufolge – ein ebenso harmloses wie ausgebranntes ideologisches Wrack, für das dieser gewissenlose Volker Beck sich auch noch als PR-Mann hergibt. Was nämlich der eigentliche Skandal sei. Viel gefährlicher als die Nazis wäre folglich diese ominöse ‘Antifa’, die doch mit ihrem Gekreisch nur den Boden bereitet, auf dem alles Braune erst wächst. Über die eigentlichen ideologischen Hoflieferanten dieser Szene aber müsse man am besten dezent schweigen:

“Beck profiliert sich mal wieder als der kleine grüne Stauffenberg und Irving bekommt die PR für seinen Auftritt als Phantom der Geschichte frei Haus geliefert. Zu sagen, beide würden am selben Seil ziehen, wäre ein wenig gemein, dennoch: sie helfen und ergänzen sich gegenseitig.”

Tscha – was interessiert schon mein Geschwätz von gestern, obwohl ich den Irving einst selbst noch zum XXL-Format aufplusterte: Das Leben ist lang, und kurz das Gedächtnis …

Ach, es fällt schon schwer, ein wenig Ordnung in die wimmeligen Hirnhaufen dieser logisch vernagelten Anti-Antifa zu bringen! Zur ergänzenden Lektüre empfehle ich diesen Text, der das Broder’sche Prinzip der ungebremsten Invektive als Stilform illustriert:

“Blöder Schwätzer, Psychopath, Flachmann, Kretin, Spatzenhirn, Parasit, Astloch des Monats, Jung-Stürmer, Schweinsfuß, Kinder-Stürmer, Anal-Phabet, Irrer, Heuchler, Antisemit, autistischer Schmierant, Lump, Depp vom Dienst, Lump vom Dienst, parasitäres Pack, Gutmenschenpack, präpotenter Schmock… – wer den Sinn der Deutschen für gusseisernen Humor und für Fäkalsprache kennt, den überrascht nicht, dass der Urheber dieser im Blog „Die Achse des Guten“ veröffentlichten Beleidigungen vor ein paar Jahren mit dem Ludwig-Börne-Preis für seine Verdienste um Polemik ausgezeichnet worden ist (in anderen Ländern würde ihm jeder Arzt ein schweres Tourette-Syndrom attestieren).”

Seither hält sich jeder, der ein wenig pöbeln kann, gleich für einen Broder …

Tschüß, Jenny!

Wie ich den Kommentaren dort entnehmen durfte, hört Jennifer Nathalie Pyka beim ‘European’ auf. Das ist einerseits vielleicht verständlich, sofern ein Medium sich zukünftig ein wenig seriöser positionieren möchte. Andererseits ist es aber auch ein wenig schade, denn an ihrer Kolumne ‘Neues aus Meschuggistan’ ließ sich das Prinzip der ‘ideologischen Blendung’ hervorragend illustrieren.

Wissenschaftler sprechen in solchen Fällen von ‘Induktion’ – alle eintreffenden Informationen werden nicht länger neutral und unvoreingenommen befragt, um daraus danach erst tragfähige Thesen abzuleiten, sondern sie werden gemäß einem vorgefertigten Raster schon industriell ‘vorverarbeitet’ oder aber gleich passend zurechtgedengelt. So erfährt man nur noch das, was man eh schon wusste. Von Hume über Popper bis Goodman reicht das Spektrum der Philosophen, welche die Induktion als unwissenschaftlich aus dem Kanon der zulässigen Argumentationsweisen ausschließen wollten. Diese Hydra aber hat mehr Leben als jede gemeine Hauskatze …

Hier das Schema: Die Empörung über den amerikanischen Drohnenkrieg? – Aha, das kann doch nur der typisch antiamerikanische Reflex unserer Gutmenschen sein. Ulli Hoeneß ein Steuersünder? – Warum redet denn niemand von den Empörten über den gleichfalls steuervermeidenden Migranten Bushido? Witzeleien übers Pinkypinky des neuen Barbie-Hauses? – Alles nur Gemoser irregeleiteter Gender-Aktivisten. Kritik an der großisraelischen Siedlungspolitik? – Das ist doch nur der latente Antisemitismus linkssozialistischer Weltveränderer. Nörgeln an einer unzureichenden Integrationspolitik? – Da kann mal sehen, wie unsere arglosen Islamversteher die Welt und die Pläne der muslimischen Internationale verkennen. Usw., usf.

Das induktive Muster ist klar: Erst gibt es immer die zementierte Denkblockade, als Schutz vor einer vorgefertigten, zumeist feindlich gedachten Außenwelt, die dicht besiedelt ist von Gutmenschen, sozialistischen Träumern und linken Antisemiten, eine Welt, die kein besonnener Mensch je sah. Dann werden alle Ereignisse, die diese Barrikade noch überwinden konnten, aufs journalistische Hackbrett gelegt und zu ideologischem Fingerfood zerstückelt. Zum Schluss kommt alles in die Wurst.

Schade also, dass sie offenbar aufhört. An ihr ließ sich so vieles illustrieren, gerade weil es so offen zu Tage lag. Vielleicht ist bei der ‘Welt’ ja noch ein Plätzchen frei. Der Broder ist ja auch nicht mehr der Jüngste … und wir wollen doch weiterhin unseren Spaß haben.

Vor Sonnenuntergang

Einen starkdeutschen Mann wie Henryk M. Broder muss eine kontinuierlich abnehmende Relevanz weit mehr als andere schmerzen. Vor allem, wenn einem Intimfeind wie Peter Sloterdijk dann auch noch ‘sein’ Börne-Preis verliehen wird. Schon hebt er im Abendglanz mahnend sein Märtyrerhaupt und äußert Missmut über diese Welt, die sich ständig so ganz anders entwickelt, als er es ihr predigt. Die Folge ist ein ungewollter Slapstick mit gleich zwei Pokalen:

“Zum running gag der Veranstaltung wurde Henryk M. Broder. Dieser Publizist hatte erklärt, seinen Börne-Preis (2007) aus Protest gegen die Verleihung an Sloterdijk zurückzugeben. Michael A. Gotthelf, Vorsitzender der Ludwig-Börne-Stiftung, teilte dem überraschten Publikum mit, Broder habe seinen Preis schon einmal zurückgegeben, nämlich im Herbst 2010, aus Protest gegen die Rede Alfred Grossers bei der Paulskirchen-Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht. Man erwäge, so Gotthelf, eine Satzungsänderung dergestalt, dass der Börne-Preis nicht mehr als zweimal zurückgegeben werden kann.”

Dass sein Buddy bei der ‘Welt’, dortzulande Feuilleton-Chef, dass also der Richard Kämmerlings dem Henryk M. Broder gleich zur Seite sprang, zeigt nur, welche schreibenden Kronjuwelen es im Hause Springer zu verteidigen gilt. Alles, was Sloterdijk bei der Verleihung des Preises sagte, muss prompt schlecht gewesen sein. Obwohl dieser Begriffsrastelli den geschändeten Namen nicht einmal erwähnte. Auch ohne das hat unser Riesenslalom-Fahrer durch die europäische Philosophiegeschichte dort in der Paulskirche tatsächlich recht Bedenkenswertes gesagt:

“Denn ich sah sie ja kommen, die Vergeltungstruppen und ihre eingebetteten Journalisten, mit ihrer großspurigen Imperium-Versteherei, ihrem Applaus für den Krieg unter gefälschten Vorwänden und ihrer antiislamischen Verbissenheit. Und wir haben Grund festzustellen: Diese September-Krieger, diese besinnungsfeindlichen Maulhelden von damals, diese Drohnen, die als unbemannte Hohlschädel ihre Überwachungsflüge über dem freien Denkraum ausführen, sie sind noch immer im Einsatz und lassen von ihrer wutgetriebenen Vergiftungsarbeit nicht ab.”

Mal ehrlich, Herr Kämmerlings – damit kann der Peter Sloterdijk Ihren Henryk M. Broder doch wohl kaum gemeint haben, oder?

Ach so, weil ich darauf angesprochen wurde – die Headline weist auf ein naturalistisches Stück von Gerhard Hauptmann hin: ““Der Philosophieprofessor Wolfgang sieht seine Rechtfertigung in der Vernunft, doch wie die anderen kann er die scheinbar sich verselbstständigende Entwicklung nicht mehr verstehen.”

Wider den bösen ‘Ökologismus’

Wenn der Jan Fleischhauer über Klimaskeptiker schreibt, dann erfahren wir zwar, dass er seine Buddies Dirk Maxeiner und Michael Miersch schon aus den seligen Tagen bei Broders ‘Achse des Guten’ kennt, dass er mit ihnen mal auf einem Flussdampfer die Spree hinabgeschippert ist, von den Qualifikationen solcher ‘Klimaskeptiker’ erfahren wir dagegen wenig. Dabei haben sich die beiden als bloße Journalisten inzwischen eine lukrative und industriefreundliche Nische in den Public Relations eingerichtet, wo sie als ‘neutrale Journalisten’ alltäglich den Klimawandel zu leugnen haben, und den ‘Ökologismus’, einen aus den USA importierten Popanz, auch im deutschen Sprachgebrauch nach Kräften zu verteufeln trachten. Motto: ‘Erst bau’ ich mir ‘ne Sockenpuppe, dann hau’ ich kräftig drauf’.

Am Anfang einer solch gewagten Verteidigung sollte trotzdem redlicherweise immer die Frage nach der ‘Qualifikation’ der beiden stehen:

“Zuerst standen Dirk Maxeiner & Michael Miersch beim Chemiekonzern Hoechst ‘in Lohn und Brot’. Sie machten für den Chemie-Multi ‘phantasievolle Pressearbeit’ (Handelsblatt) als Textchefs der umstrittenen Hoechst-Zeitschrift „Change“. Doch dann kamen die Werbeabteilungen der Konzerne auf die Idee, dass ‘neutrale Journalisten’ viel besser für Chemie-, Atom-, Gen- und Kohlekonzerne werben können als teure PR-Abteilungen der Konzerne.

Gut – wir wissen jetzt, es geht wohl um eine eher faktenarme, dafür aber höchst ‘phantasievolle’ Pressearbeit: Nach dem Studium der Germanistik und Sozialpädagogik (Miersch) oder nach einigen Brrmm-Brrmm-Texten als Autojournalist (Maxeiner) wird man so in Deutschland prompt zum kritischen Klimawissenschaftler befördert, zumindest in der ‘Welt’. Vielleicht sollte ich es dort auch mal als “kritischer Atomphysiker” versuchen.

Fleischhauer regt sich jedenfalls darüber auf, dass eine wissenschaftlich hochkarätig besetzte Institution in Deutschland, nämlich das ‘Umweltbundesamt’ (UBA) in Berlin, welches nach diversen Umbesetzungen seit des seligen Röttgen Zeiten keineswegs mehr eine Hochburg des ‘Ökologismus’ ist, sondern eine schwarzgelb gelenkte Wissenschaftsinstitution, dass also diese Institution vor derart ‘kritischen Geistern’ wie Miersch und Maxeiner ausdrücklich zu warnen wagt: ‘Was erlauben sich Strunz!‘. Im Kern lief die Kritik dieses Umweltbundesamtes sogar auf den Vorwurf blanker Scharlatanerie hinaus. Das empört den Jan Fleischhauer maßlos, schon aus Gründen alter Verbundenheit:

“Es ist jedenfalls ziemlich lange her, dass eine staatliche Institution in Deutschland erklärte, welche Meinungen in diesem Land haltbar sind und welche nicht.”

An diesem Satz ist so ziemlich alles falsch. Bestenfalls ist er geeignet, die Meute der Klimaskeptiker begeistert aufheulen zu lassen. Wissenschaftlich ‘haltbar’ sind Meinungen nun mal nur, wenn sie ‘verifizierbar’ sind. Wenn wir mal davon ausgehen – ich hoffe, der Fleischhauer widerspricht mir jetzt nicht – dass es sich auch bei den deutschen Universitäten zumeist noch um ‘staatliche Institutionen’ handelt, dann ist es eher die Regel, dass von dorther jene Hinweise kommen, welche Ansichten als wissenschaftlich seriös zu betrachten wären. Daran ist auch nichts ‘lange her’. Nun ja, bekanntlich produziert die Industrie – auch die Meinungsindustrie – alle möglichen Waren, nur selten aber seriöse Ansichten.

Nach Ansicht universitärer Wissenschaft reden in manchen Zeitungen plötzlich allzu viele Blinde von der Farbe, dort, wo sich Sozialpädagogen und Motorjournalisten plötzlich über den Klimawandel verbreiten dürfen, zudem noch aus dem Dunstkreis interessierter Berichterstattung heraus. Im Grunde wehrt sich hier die Wissenschaft gegen den publizistischen Siegeszug der Public Relations – die manchmal eben auch ‘moderner Qualitätsjournalismus’ genannt werden wollen.

Noch bräsiger – und wie gewohnt höchst lauthälsig – wirft sich prompt der Henryk M. Broder für seine Kumpels bei der ‘Achse des Guten’ in die Bresche, um diesen ‘Shitstorm’ weiter anzufachen. Er scheut erwartungsgemäß nicht vor einer gewagten ‘braunen Parallelführung’ zurück, gekonnt verknüpft mit einem Seitenhieb auf Erich des Roten Zeiten. So etwas ist schließlich sein publizistisches Markenzeichen:

“Das Umweltbundesamt beansprucht die Deutungshoheit beim Klimawandel für sich und stellt Journalisten in der Debatte an den Pranger. Ein solches Vorgehen erinnert an Reichskulturkammer und DDR-Regime.”

Naja, der Satz erinnert doch eher an Henryk M. Broder. Kurzum – für mich stellt sich der Sachverhalt inzwischen so dar: Arm in Arm inszenieren der Jan Fleischhauer und der Henryk M. Broder eine ‘Weißwäscherkampagne’ für ihre publizistischen Mitstreiter und damit auch für die verbündete Industrie. Mit dem hanebüchenen Argument, dass das Bundesumweltamt gefälligst die Schnauze zu halten hätte, wenn ein Germanist und ein Autojournalist andere Leute mangelhaft qualifiziert und industriegesponsert verblöden. Eingefleischte PR-Vertreter sehen das natürlich komplett anders, mit den gewohnten Folgen beim Publikum – der böse, böse Ökologismus will uns doch alle nur versklaven:

“Die sektiererischen Ökologisten wollen Europa in die Steinzeit zurückführen, um ihre ureigenen idiotischen Ideale zu verwirklichen. Daher reiten sie auf der Welle des “Klimawandels” – nur ein Mittel zum Zweck. Der neue Hitler sind die Ökologisten – im Deckmantel eines Gutmenschen verkleidet.”

Tscha – lieber Steinzeit, als diese ‘schöne neue Welt’

Es passt übrigens zum Bild, dass die beiden Gutächsler den Text des Umweltbundesamtes nirgends verlinken. Wo sollte das auch hinführen, wenn sich jeder selbst ein Bild macht? Sie würden halt so gern weiterhin unter der Flagge ‘kritischer Journalisten’ segeln, weshalb sich auch ihr Leib-und-Magen-Blatt auf höchster Ebene empört über “das ungewöhnliche Vorgehen des Uba, kritische Journalisten an den Pranger zu stellen.” Immerhin, wir wissen jetzt, dass es Teile der deutschen Publizistik als ‘ungewöhnlich’ erachten, wenn ihre Textfabriken von Wissenschaftlern überhaupt noch als kritikwürdig betrachtet werden. Zumeist scheint unter Wissenschaftlern wohl das unkluge Motto zu gelten: ‘Was schert es die Eiche …’. Das große Publikum erfährt das, was es von der Wissenschaft weiß, nämlich dann aus einer kontaminierten Presse. Ich würde mir mehr mitdebattierende Wissenschaftler wünschen.

Der inkriminierte Passus in der Broschüre lautet übrigens so – und ist deshalb in seiner Unangemessenheit gaaanz schröcklich, fuurchebaar und unverzoihlich: “Auch in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen tauchen mitunter Beiträge auf, die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen. Bekannt für derartige Beiträge sind die Journalisten und Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Die Autoren verfassten gemeinsam Bücher und schrieben für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Gegenwärtig veröffentlichen sie wöchentlich eine Kolumne in der Zeitung „Die Welt“.” Nicht auf dem ‘Stand der Wissenschaft’ wären die beiden? Das geht doch schon mal gar nicht, das ist doch wahrlich ehrabschneidend …

Jennifer, die Retro-Maid

Zu einem Artikel der Holzschnitt-Lady Jennifer Nathalie Pyka haben ich beim ‘European’ einem gewissen ‘Markus’ geantwortet. Da der Text zu schade ist, um in einer Foren-Ecke Patina anzusetzen, weil er auch Grundsätzliches verhandelt, stelle ich ihn auch hier nochmals ein:

“Eine Zeitlang konnte man im Journalismus tatsächlich etwas werden, wenn man aus der rechtspopulistischen Ecke kam. Siehe bspw. Dorothea Siems, Andrea Seibel, Ulf Poschardt, Henryk M. Broder usw. Das war so Anno 1990. Diese Leute sind allesamt längst im publizistischen Museum bei der ‘Welt’ gestrandet.

In den Blogs beim ‘European’ spielt die JNP heute die Rolle der Provokateuse aus diesem leicht modrig duftenden, hayek-infizierten Bereich, mit einem dicken Klacks Netanjahu-Anhimmeln obendrauf – so wie’s in der ‘Achse des Guten’ eben auch geschah. Sie darf – soweit ich das überblicken kann – ja nur ‘Blog-Texte’ schreiben, um so (mittels ihrer angestrengten Effekthascherei) verlegerisch erwünschte Klicks zu generieren. Weil selbst eher schlichte Leute sich über diese schlichte Thesenbastelei schlicht aufregen.

Mir dient JNP eher zur Bestätigung dessen, was ich über solche Egomanen eh schon denke, die da glauben, ihre unermessliche Weisheit wäre mindestens schon seit Anno Aristoteles unerhört (s. auch Schirrmachers Buch). Auf eine wirklich exponierte Ebene aber hat sie’s meines Wissens nie geschafft.

Derartige Texte klingen um so dissonanter, je mehr deren Zeit vorbei scheint … s. z.B. Zustand der FPÖ in Österreich, die Wilders-Bewegung in NL usw. Diese ganze akklamatorische, im Kern aber unpolitische Ebene ist auf breiter Front heute wieder nach links geschwenkt, selbst die Angela Merkel schwenkt zusehends mit – derzeit liegt die Zukunft jedes Populismus eher auf der Beppe-Grillo-Linie – er muss also direktdemokratisch gegen ‘das System’ und damit gegen ‘die Eliten’ gerichtet sein, will er Erfolg haben. Weil unsere Führungsschichten erheblich abgewirtschaftet haben.  Von diesem gesellschaftlichen Grundbeben spürt JNP nicht einen Hauch, sie sitzt auf ihrem Maulwurfshügel und verklugfidelt uns die Schönheit einer alten Welt, die gerade hinter dem Horizont verschwindet.

Der von Ihnen erwähnte ‘Cicero’ trat einst an, um sozusagen die ‘Transatlantic’ des dritten Jahrtausends zu werden. Zusehends aber hat er sich unter Michael Naumann in die Langweiler-Ecke des Mainstreams manövriert und der politische wie der Kulturbegriff richten sich in etwa am Horizont der Zahnwaltsgattin aus (Feministinnen, verzeiht mir!), die sich deshalb schon ‘elitär’ dünkt, weil ihr Mann ihr eine teure Perlenkette schenkte. Dahin passt JNP wiederum ganz gut. Das neoliberale Töchterchen erklärt der Eislaufmutti das Weltgeschehen. Intellektuell gesehen bleibt’s aber ein Ponyhof – oder Kaffeeklatsch …

Generell haben manche Schreiber noch immer nicht kapiert, dass ‘liberal’ und ‘neoliberal’ heute eher Gegensätze sind. Freiheit im liberalen Sinn heißt ja eben nicht ‘Egoismus’ und ‘pfeif auf die Gesetze’ und auf jedwede ‘Regulierung’ und hinterziehe weiter brav deine Steuern – der Liberalismus sprach vom ‘größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl’. Lesen Sie mal Friedrich Naumann! Davon weiß der Neoliberalismus nichts – er setzt seine Ideologie mit dem Egoismus – oder ‘dem Markt’ – schlicht gleich. Sollte allerdings jemand das Konto solch egomaner Leute plündern, wären die allemal die ersten, die nach mehr ‘Regulierung’ schreien. Auf ein solches retardiertes Publikum sind diese Holzschnitt-Texte berechnet. Der Rest zielt mit einem abgelatschten Stiefel auf die Hühneraugen anderer Leute …

Wenn Sie JNP gern lesen – ja, Herrgott, was sollte ich denn da machen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Mal ‘ne Frage, Herr Broder

Sie behaupten ja unentwegt, der größte Antisemitenriecher aller Zeiten zu sein. Daher wende ich mich an Sie mit einem intellektuellen Problem, auf das ich bei meinen Lektürebemühungen stieß. Der Carl von Ossietzky schrieb in einem Artikel über die erste ‘Säuberung’ in der NSDAP (Weltbühne, I, 1931, 520):

“Gemeinsam ist diesen exemplarischen Germanen nur die punische Tücke. Die Nazis haben keine Ideen, keine politischen Vorstellungen, aber wo es um Krippe und nationales Renomée geht, entfalten sie die phantasievolle Gerissenheit levantinischer Teppichjuden.”

So weit also der Ossietzky, der hier eindeutig das Nazitum mit diversen antisemitischen Stereotypen ausstattet, die Antisemiten werden von ihm gewissermaßen ‘semitisch’ gefärbt. Damit leugnet Ossietzky also keineswegs die Existenz einer negativen jüdischen Charakteristik, er wendet diese nur auf die völkischen Dumpfhirne der anderen Seite an – es ist rhetorisch eine Ihr-Doch-Auch-Figur. Die NSDAP selbst wird ‘verjüdelt’, um auch mal den Jargon jener Zeit zu gebrauchen.

Schlimmer noch, da jede ‘Israelkritik’ – wie Sie wiederholt und zuletzt dann hier ausführten – ja nur eine besonders moderne Form des Antisemitismus ist, verortet Ossietzky seine Vorurteile auch noch ziemlich exakt dort, wo in Ihren Augen die uralte Judenfeindschaft ins Moderne umzuschlagen pflegt: Es ist nämlich die Levante, jener topographische Ort, wo heute ihr Heros, der Bibi Netanjahu regiert. Ossietzky nennt diese Gegend auch noch eine Heimstatt ‘punischer Tücke’ – wobei er sich in Bezug auf die geographische Lage Karthagos aber etwas desorientiert zeigt. Das Klischee des Weltbühnen-Chefs vom ‘Teppichjuden’ wiederum, das zielt in meinen Augen dann erneut eindeutig auf jene wehrunwilligen Gebetsmantelträger mit den Schläfenfransen, wie sie heute die Schas-Partei und den Raum rings um die Klagemauer bevölkern.

Nun meine Frage: Wäre dieser Ossietzky wegen dieser und ähnlicher Formulierungen, die ja alles bei weitem übertreffen, was der Jakob Augstein je von sich gab, wäre dieser Ossietzky deshalb nicht auch als Antisemit zu betrachten? Und falls ja – weshalb haben diese tumben Nazis dann ausgerechnet einen Wesensverwandten wie den Carl von Ossietzky in ein KZ gesteckt?

Erwartungsfroh auf eine klärende Antwort ohne ‘Arschlochgeschrei’ hoffend,

Ihr Klaus Jarchow

Zur Klarstellung

Nicht Henryk M. Broder hat dem rbb die Brocken vor die Füße geschmissen, so wie er uns jetzt die Trennung darstellen möchte. Ich zumindest sehe das so – und lese meine Version auch aus Broders eigenem Text heraus: Der Sender hat den Broder solange ‘gecornert’, bis dieser sein cholerisches Temperament nicht mehr zügeln konnte und vor allen Ohren eine absolut abfindungsbefreite Show aufs Parkett legte – weshalb ihm jetzt nur Springers ‘Welt’ noch als Sancho Pansa dient:

“Wir lassen den Kommentar mit Ihnen ausfallen und reden stattdessen mit einem Antisemitismusexperten. Und nächste Woche unterhalten wir uns dann in aller Ruhe, wie es weitergeht.”

“In aller Ruhe” – Humor haben sie dort schon, und als ‘Anti-semitismusexperten’ scheinen sie den guten Mann auch nicht gerade wahrzunehmen …

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