If your memory serves you well ...

Schlagwort: Hans-Peter Uhl

Marschall Vorwärts

Wenn der BND-Chef in der Sitzung das Gegenteil der Berichterstattung behaupten sollte, “dann glaube ich dem Beamten und nicht den Pseudo-Enthüllungen irgendeines Magazins”, sagte Uhl. Es habe auch schließlich schon mal die Hitler-Tagebücher gegeben.”

Genau – alles Journalistenpack! Während bekanntlich die CDU in Hessen bspw. vor Jahren schon ‘brutalstmögliche Aufklärung’ in Sachen Steuerhinterziehungäh, ‘jüdischer Vermächtnisse’ betrieb. ‘CDU: Heute 100 % ehrlich, vormals 98 % …’. Ach so, der Schindler wäre in der FDP? Nun, da sind sie ja noch ehrlicher …

Was ich an unserer Journalistenzunft nicht verstehe: Täglich gibt’s für sie kübelweise Verachtung von dieser Regierung – sie aber sind merkeltreu wie ein preußischer Ulan …

Der Endlosschleifer

In Boston ist eine Bombe explodiert.
Deshalb brauchen wir eine extremismusbezogene Vorratsdatenspeicherung, sagt Hans-Peter Uhl, CSU-Innenpolitiker.

Auf der Isar ist ein Kanu umgekippt.
Deshalb brauchen wir eine wassersportbezogene Vorratsdatenspeicherung, sagt Hans-Peter Uhl, CSU-Innenpolitiker.

In Augsburg sind zwei Autos zusammengestoßen.
Deshalb brauchen wir eine verkehrsbezogene Vorratsdatenspeicherung, sagt Hans-Peter Uhl, CSU-Innenpolitiker.

Beim Frühstück war mein Ei zu weich.
Deshalb brauchen wir eine gastronomiebezogene Vorratsdatenspeicherung, sagt Hans-Peter Uhl, CSU-Innenpolitiker.

Die CSU braucht jedenfalls mehr Leute wie mich.
Deshalb brauchen wir eine intelligenzunabhängige Vorratsdatenspeicherung, sagt Hans-Peter Uhl, CSU-Innenpolitiker.

Welches Stöckchen man diesem Bello auch wirft – er kehrt stets mit seinem geliebten Quietsche-Entchen zurück. Dass die USA längst ein FBI mit einer Vorratsdatenspeicherung ‘bis hinten gegen’ haben, dass sie dort trotzdem den Anschlag nicht verhindern konnten, das fällt unserem Pawlowschen Reflektor niemals auf: Sobald etwas durch die Luft fliegt, stratzt er los. Und generell – ob wir ausgerechnet unseren verblendeten Verfassungsschutzämtern mehr Befugnisse geben sollten, daran dürfen wir nach dem ‘NSU-Desaster’ doch begründete Zweifel hegen. Manchmal mag die Politik ja dem geduldigen Bohren dicker Bretter gleichkommen, nirgends aber steht, dass sie sich mit dem Hammer immer auf denselben Daumen hauen muss.

Auch Schweinderl haben Namen

Der deutsche Wähler hat ein Recht, zu erfahren, welche streng nach ‘Lobby Chanel’ duftenden Chicks, Tricks und Tracks er zur nächsten Legislatur auf gar keinen Fall erneut in den Bundestag schicken sollte:

“Beschlossen hat der Bundestag am 28. Juni etwas ganz anderes. Beinahe handstreichartig war die Gesetzesvorlage am Vortag noch einmal geändert worden. Nach Recherchen von abgeordnetenwatch.de stellten die Abgeordneten Hans-Peter Uhl (CSU) und Gisela Piltz (FDP) am 27. Juni, also einen Tag vor der Schlussabstimmung, im federführenden Innenausschuss einen Änderungsantrag zur Abstimmung.”

Und so kam es prompt zu so was – zum Wohlgefallen von ‘Big Spender’. Ich meine, welcher Abgeordnete liest und versteht schon noch, was er beschließt, vor allem solch knochentrockene Gesetzestexte …? Und wer ist auf das unglaubliche Thema gestoßen? Richtig geraten: Es war mal wieder nicht der deutsche Qualitätsjournalismus …

Jesuit der Woche

Angesichts der Mordserie der rechtsextremen Zwickauer Zelle hat der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl (CSU) die Bedeutung der Ausländerpolitik betont. «Eine gute und vernünftige Einwanderungspolitik muss zum Ziel haben, dass keine Kampfgruppen am rechten Rand entstehen», sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in der Münchner Jesuiten-Hochschule. Der soziale Frieden dürfe nicht gefährdet werden, warnte Uhl. Es nütze nichts, wenn man die ganze Welt umarme, dabei aber die eigenen Bürger aus den Augen verliere.

Jaja – die Jesuitenhochschule, da gehören solche Auslassungen natürlicherweise hin! Man muss die Logik dieses Uhl, aus dem sicherlich keine politische Nachtigall und kein Einstein mehr wird, nur mal anders wenden: Würden wir gar keine Ausländer und kein Asylantengesocks mehr in unsere schöne und saubere Republik hineinlassen, dann hätten wir auch kein Problem mit den metzelnden Neonazis, die bekanntlich als ‘überforderte Bürger’ direktemang aus dieser Ausländerschwemme heraus ihre Schusswaffen zu erheben pflegen.

Wo die Frau Merkel immer wieder diese schlicht gestrickten Geistesriesen hernimmt, bleibt mir ein Rätsel … auch, wie es uns ein Uhl beispielsweise erklären wollte, dass es nachweislich immer dort die meisten Neonazis gibt, wo die Migranten am dünnsten gesät sind. Dass er also mit einer ‘Begrenzung der Ausländerzahlen’ am effektivsten den ‘sozialen Frieden’ stört, um so besonders viele meuchelnde Neonazis zu zeugen. Was wiederum, das kann auch ein Jesuit nicht bestreiten, fundamental gegen das fünfte Gebot verstoßen würde … es sei denn, man wollte augenzwinkernd folgendermaßen argumentieren: “Wären die von den Neonazi-Terroristen ermordeten Opfer nicht nach Deutschland gekommen, wären sie heute am Leben.” Dann wären sie nämlich selber schuld … das gliche einer erfolgreichen Schuldumkehr auf katholischem Terrain. Oder blankem Jesuitismus: “Uhl dreht die Kausalität herum und signalisiert so indirekt Verständnis für rechtsradikale Straftäter, die sich nicht anders zu helfen wissen, als Menschen, die nicht ihrem Bild vom guten Deutschen entsprechen, einfach totzuschlagen.

Anmerkung: Fefe äußert noch gewisse Zweifel an der Seriosität der Quelle, wobei mir nicht recht klar wird, ob er damit eines der genannten Blogs oder die Katholische Nachrichtenagentur meint. Bei dem Basso ostinato von Uhls kommunikativer Vorgeschichte – (u.a. “Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl hatte sich bis zuletzt gegen einen Bundestagsausschuss zur Aufklärung der Morde gestellt”) – bin ich jedoch geneigt, diese Zitate als ‘authentisch’ einzuordnen, selbst dann, wenn sie natürlich ‘unmöglich’ sind. Warten wir’s ab, der innenpolitische Sprecher einer Regierungsfraktion kommt mit so etwas nicht klammheimlich davon …

Nachtrag: Mit seinem Dementi bestätigt Dr. Uhl jetzt die gefallenen Äußerungen. Er bestreitet nur, dass man aus ihnen ein Schlimmdösbaddeltum herauslesen könne. Andererseits – das sei ihm gesagt – ist der Teufel nun mal ein Logiker, “mutwillige Fehlinterpretationen” unterlaufen ihm nur selten. Auch das sollte er als Jesuit doch wissen …

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