Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Hanns Joachim Friedrichs

Hajo Friedrichs mal wieder

Denn [der engagierte Journalismus] überschreite jene Grenze, die Hanns Joachim Friedrichs mit seinem berühmten Lehrsatz allen Journalisten nahegelegt hat: „Mache dich nie mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten!“

Nochmals – dieser Satz ist falsch, falsch, er ist einfach nur grundfalsch. Größere Kaliber reden nämlich manchmal auch besonders großen Stuss. Erstens waren Journalisten schon immer ‘engagiert’, das aber meist auf Seiten der Macht, selbst den Faschismus haben sie zu Tausenden mit Hingabe gen Walhalla geklampft, zumindest solange der die Macht hatte. Die Tucholskys sind nur singuläre Erscheinungen, und nicht die Regel. Wer’s nicht glaubt, der vergleiche einfach die Geschichte des Journalismus nach Zahl und Namen und ‘Engagement’. Auch heute sind Journalisten überwiegend für eine falsche Sache engagiert – aber sie merken es noch nicht einmal.

Letzteres gilt allerdings nur mit Einschränkungen, denn ich glaube schon, dass solche Biedermänner und -frauen wie Ulf Poschardt, Andrea Seibel, Henryk M. Broder, Dorothea Siems, Roger Köppel usw. wissen, was sie dort täglich tun.

In ihrer Mehrheit also sind Journalisten nur sinnhubernde Dienstleister, Verbrauchsschriftsteller und vor allem die ‘Stimme ihrer Herrn’. Hajo Friedrichs Satz wäre also folgendermaßen umzuschreiben: “Mache dich nie mit einer gemeinen Sache gemein, auch nicht für Geld.”

Nebenbei: Die Kommentare in der ‘Zeit’ zeigen doch überdeutlich, wie’s um das Ansehen unserer Dutzendjournalisten tatsächlich bestellt ist.

Dumme Sätze im Journalismus

Selbst große Männer reden manchmal blödes Zeug daher. Das gilt auch für den Satz von Hans-Joachim Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.” Dieser Satz wird auf jeder besseren Journalistenschule den Eleven am ersten Tag schon eingebimst. Wer sich also über den unengagierten ‘Industrieton’ im ansteigenden Grauwert unserer Zeitungen ärgert, der suche zunächst bei dieser Heiligsprechung der Empathiebefreiten und bei diesem Objektivitätsdogma die Schuld.

Ich kenne buchstäblich keinen großen Journalisten, ob nun Egon Erwin Kisch, ob Carl von Ossietzky, ob Emile Zola, Erich Kästner, Heinrich Heine, Joseph Roth, auch Cristoph Lütgert oder selbst den frühen Hans Habe, wo sich der Schreiber nicht ‘mit einer guten Sache’ gemein gemacht hätte. Das zählt in historischer Betrachtungsweise geradezu zu den Entstehungsbedingungen späterer Größe im Journalismus.

Nahezu jeder Text von Kurt Tucholsky ist von seinem engagierten Kampf für eine gute Sache, nämlich für den ‘Erhalt der Weimarer Republik’ geprägt. Und das gegen eine stets übermächtige Heerschar von schlechten Journalisten, die zum Beispiel damals im Dienste des flächendeckenden Hugenberg-Oligopols den Judenhass und den Untergang des demokratischen Staatswesens täglich herbeischrieben. Denn eines wird allzuoft vergessen: Jeder gute Journalist steht regelhaft knietief im Mist seiner Berufskollegen aus Journalismus und Public Relations. Richtig lautet Friedrichs’ Satz daher so:

“Einen schlechten Journalisten erkennt man daran, dass er sich mit jeder Sache gemein macht, außer mit einer guten.”

Schon fielen mir so allerhand Namen ein …

© 2019 Stilstand

Theme von Anders NorénHoch ↑