If your memory serves you well ...

Schlagwort: Handelsblatt (Seite 1 von 3)

Schamlosigkeit?

Das Wörtchen ‘Schamlosigkeit’, das Gabor Steingart heute im Newsletter in den Mund nimmt, das möchte ich einmal in seinem ‘Handelsblatt’ lesen, sobald es um Gehaltssteigerungen auf den Teppichetagen geht:

“Die Lokführer lassen heute wieder die Züge stehen. Ab 14 Uhr wird gestreikt, für mehr Lohn bei weniger Arbeit. Offenbar eifert man bei der Deutschen Bahn in Sachen Schamlosigkeit den Piloten der Lufthansa nach.”

Natürlich kann man sich darüber streiten, ob Spartengewerkschaften sinnvoll sind. Seitdem aber der Marburger Bund ‘voller Schamlosigkeit’ sich höchstgerichtlich durchsetzte, kann man anderen kleinen Berufsverbänden nicht das Recht absprechen, sich ähnlich wie die Krankenhausärzte zu organisieren:

“Gute Gründe, aus denen heraus man der GdF die Rechte absprechen könnte, die der Marburger Bund offensichtlich in Anspruch genommen hat, sind schlechterdings nicht ersichtlich. Was dem Marburger Bund Recht war, ist somit auch der GdF billig.”

Rechtsgrundsätze sind eben für alle da … ob die Richter weise entschieden haben, ist eine andere Frage.

Ball paradox

Es ist kein Scheiß: Das ‘Handelsblatt’ mit Gabor Steingart – hinter ihm die deutsche Industrie – das ist heute und seit Wochen schon die Speerspitze der pazifistischen Bewegung in Deutschland:

“Das Nachkriegstabu – keine Waffenlieferungen in Krisengebiete – ist damit gefallen. Die Politiker sprechen von der größeren Verantwortung, die Deutschland übernehmen müsse. Gegenüber der “Verantwortung” ist das nicht ganz fair: Das Wort kann sich gegen seinen Missbrauch nicht wehren.”
(Handelsblatt-Newsletter, 21. 8. 2014, leider nicht online)

Tscha, ‘Missbrauch’. Dass sie dort dann nicht nur gegen Handelssanktionen, sondern zugleich auch gegen eine zunehmende Einschränkung von Rüstungsexporten in aller anderen Herren Länder sind, ist gewissermaßen nur der Gipfel dieser Hochkomik. Freihändler halt …

Die Hoffnung liegt im Kaffeesatz

Die FDP startet am Wochenende ihren Wiederaufstieg.”

Wer uns solches schrub? Nun, derartige Weisheiten frisch aus dem Lottotopf verkündet uns im Aufmacher “exklusiv” das ‘Handelsblatt’. Woran aber macht der Redakteur seine Gewissheiten fest? Nun, natürlich nicht an den Umfrageergebnissen, die doch für die FDP unbeirrt eher gen Orkus weisen. Vielmehr hätte die designierte Generalsekretärin, eine Frau Nicola ‘Ohne Land’ Beer, justamäng eine natürlich allemal ‘vielbeachtete Rede’ gehalten, worin sie reichlich “Ákzéntè setzté”, frontal den Herrn Schäuble wegen erwiesener Bankbeleidigung angriff und sich nibelungentreu an die Seite der ebenso gescholtenen wie trickreichen Monetaristen von Boni’s Ranch stellte, damit die sich auf dem Armesünderbänkchen nicht länger so alleine fühlen.

Aus solch politisch gewendetem Todestrieb erfahre ich allerdings nur, mit welch wirtschaftselitären Rosinen diese Restpartei noch immer meint, Wähler ködern zu können. Mit möglichst volksfernen Positionierungen sollte der ‘Wiederaufstieg’ dann auch gaaanz bestimmt gelingen: Hinten haut der ideologiegestählte Catenaccio alle Kritik aus dem Strafraum – und vorne hilft der liebe Gott. Meint jedenfalls das hochweise ‘Handelsblatt’. Ich halte mich dagegen lieber an bewährte Wiederaufstiegsmaximen. So sagte schon Sepp Herberger: “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel” – und deshalb verabschiede ich mich heute auch mit der alten Bergmannsweisheit: ‘Vor der Hacke ist’s immer duster’. Diesen Weg wird die FDP jetzt gehen müssen.

Öchspertentum

Wie schrieb der Gabor Steingart nach der Bayernwahl noch vor einer Woche in seinem Newsletter so richtig schön falsch:

“In Berlin rieb sich FDP-Chef Philipp Rösler die Hände, weil der Machtverlust der Liberalen in Bayern der größte denkbare Treibsatz für seine Zweitstimmenkampagne ist.”

Jaja, die Halbwertszeit öchspertischer Prognosen wird für den Leser zum Problem … oder: Nichts ist so alt wie das ‘Handelsblatt’ von gestern. Anders ausgedrückt: Niemand kann das Gelaber von der ‘Stömme der Froihoit’ mehr hören, auch nicht in jenem zartesten Brüderle-Schmelz, seit es Denkblockade gibt – und wenn die Schrumpfpartei es in Hessen noch mal haarscharf geschafft haben sollte, dann liegt das einzig und allein am Rhein-Main-Taunus-Kreis. Kevin Erbheimer ist aber dort längst allein zu Haus …

So kann man das auch sehen …

In Berlin rieb sich FDP-Chef Philipp Rösler die Hände, weil der Machtverlust der Liberalen in Bayern der größte denkbare Treibsatz für seine Zweitstimmenkampagne ist.”

Jenen doppelten Rittberger schrub uns der Gabor Steingart im heutigen Newsletter des ‘Handelsblatts’, ein Mann, dessen akrobatische Fähigkeiten bei der Argumentation mir schon häufiger ins Auge stachen. Mächtig schade, denkt sich vermutlich dieser Rösler jetzt, dass meine FDP nicht noch öfter was auf die Fresse kriegt …

Im Steingarten

Wirtschaftsjournalisten leben in ihren Lego-Welten. So wird aus einer CDU-geführten Bundesregierung flugs ‘unser Staat’, der sich wie ein arglistiger Räuber in der Nacht von hinten an uns anschleicht, vermutlich in zweideutiger Absicht:

“Vorsicht: Unser Staat pirscht sich von hinten an. Er führt Sondersteuern wie den Soli ein, die er dann verewigt.”

Tscha, dieser Soli, den Helmut der Dicke einst Hand in Hand mit der FDP uns ‘von hinten’ einführte, der hat es diesem Schreiber mächtig angetan. Erinnern wir uns daher kurz daran, dass dieser Soli entstand, damit vor allem westdeutsche Unternehmen im Neu-Ossie-Land überhaupt erste Aufträge zum Beglücken der Bewohner mit ‘blühenden Landschaften’ vorfanden. Und es ist wiederum vor allem Merkels CDU, die jetzt den Soli keinesfalls wieder abschaffen will. Das Possessivpronomen ‘unser’ wiederum wäre für dieses schwarzgelbe Staatsverständnis einer konsequenten Füllhorn-Politik sicherlich etwas zu kollektiv gegriffen, zumindest so weit es meine Person betrifft. Unser Wirtschafts-Elegiker in seinem anti-etatistischem Wahn aber barmt schon weiter:

“[Unser Staat] profitiert – dank der kalten Progression – von jedem zusätzlich verdienten Euro. Die Zentralbank entwertet mit ihrer Niedrigzinspolitik Ihr Erspartes.”

Nun ja, diese ‘Niedrigzinspolitik’ wiederum war doch eine direkte Folge jener ‘Bankenrettung’, die damals veranstaltet wurde, um eine schiffbrüchige Finanzwirtschaft zu retten, die nach der großen Explosion in ihrem Kesselraum hilflos auf einem Meer wertloser Derivate trieb. Jene Politik des ‘quantitative easings’ forderte vor allem eine monetaristisch gepolte Wirtschaft, damit überhaupt noch Kredite in ihr schrumpfendes Investitions-Portefeuille fließen konnten. Wir erinnern uns: Nach jeder Zinssenkung schossen damals die Aktienkurse steil in die Höhe, während die ‘kleinen Sparer’ in die leere Röhre ihrer ‘kalten Enteignung’ schauten. Aus polemischen Gründen aber wird dieser Zusammenhang gern vergessen oder verdrängt, die verwendete Zeitleiste dieses Schreibers ist allenfalls drei Tage lang. Das Schlimmste aber: Auch die SPD wolle nach der Wahl diese wirtschaftsorientierte CDU-Politik ‘verschärft’ fortsetzen – also keine Rettung, nirgends:

“Und wenn es nach der SPD geht, wird es nach der Wahl im verschärften Tempo weitergehen.”

Wie bitte ‘verschärft’? Noch mehr Soli? Noch tiefere Zinsen als eh schon nahe Null? – Wer uns solches Gebarme schrub? Nun, es ist der Gabor Steingart vom ‘Handelsblatt’ in seinem morgendlichen Newsletter. Es ist ja schließlich Wahlkampf, da darf man schon ein wenig bosseln und drechseln, um das verwurkelte Resultat bewährt und objektiv auf den Namen Qualitätsjournalismus zu taufen. Eigentlich hätte er auch schreiben können: “Die Wirtschaft, Hand in Hand mit ihrer CDU und FDP, hat mit dem Soli und mit einer forcierten Niedrigzinspolitik großen Mist gebaut. Es wird Zeit, dass wir damit aufhören, uns nach den Wünschen der Wirtschaft zu richten.” Tut er aber nicht, weil er mit jeder objektiven Analyse und faktischen Chronologie fremdelt …


Petitessen

Die Geschichten, die Handelsblatt-Redakteur Sönke Iwersen recherchiert, entfalten immer wieder politische Sprengkraft. Im jüngsten Fall, der millionenschweren Sonderförderung des Firmenimperiums von SPD-Mann Klaas Hübner, hat jetzt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Aufklärung versprochen. Als damaliger Wirtschaftsminister war Haseloff Aufsichtsratschef der landeseigenen Fördergesellschaft IBG. Wenn man einen solchen Job ernst nimmt, hätte man über die Ungereimtheiten informiert sein können – besser gesagt: müssen.”

Das schreibt uns, allenfalls ganz leicht nach Eigenlob duftend, der Gabor Steingart in seinen Newsletter vom ‘Handelsblatt’ (leider nicht online) – und Übertreibungen bei der ‘Sprengkraft’ sind auch ‘ne Methode. Seltsam nur, dass er ‘SPD’ fett setzt – und ‘CDU’ eben nicht …

Gute und böse Bürokratie

Endlich mal eine Nachricht aus Brüssel, die nicht nach Bürokratie riecht”. schreibt mir der Gabor Steingart heute in den Handelsblatt-Newsletter. Da stürze ich mich als Leser natürlich in froher Erwartung drauf: Müssen Förderanträge jetzt nur noch mit zwei Durchschlägen gestellt werden, müssen nicht mehr die beglaubigten Geburtsurkunden von Opa und Oma beigelegt werden? Weit gefehlt: Wenig Bürokratie ist, wo’s viel Geld gibt:

“Daimler, Siemens und andere Firmen investieren zehn Milliarden Euro in Forschungsprojekte – die EU schießt zwölf Milliarden dazu.”

Ach so – da habe ich beim ‘Kampf gegen die wuchernde Bürokratie’, wie ihn FDP und andere Wirtschafts-Lobbyisten so hingebungsvoll betreiben, dann wohl etwas missverstanden …

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