Vor zwei Tagen swatchte ich, nichts Böses ahnend, an der letzten Folge von ‘Hart aber fair’ vorbei – und blieb unerwarterweise bis zum Schluss beim Thema. Denn das, was dort abging, das erschien mir zutiefst surreal, fast schon wie ein gesellschaftskritischer Spielfilm.

Es ging um die vorschulische Erziehung und um die Situation in den Kindergärten – und neben so gestandenen Figuren wie Petra Roth und Bärbel Schäfer inszenierte sich dort auch eine ‘Eislaufmutti’ namens Jelena Wahler, eine Unternehmensberaterin mit leuchtendem Blick, die für ihre Kinder immer ‘nur das Beste’ will. Weshalb sie eine eigene Kindertagesstätte gegründet hat, wo ihre Kinderchen und diejenigen Gleichgesinnter von Anfang an auf Leistungselite gepolt werden sollen. Wovon wiederum sie derart ungebremst schwärmte, dass selbst ein zunehmend genervter Frank Plasberg ihr nicht mehr dazwischen funken konnte. Das Bild zur Sendung gibt es hier …

Zum Thema: Ich wette darauf, dass auf diese Weise aus den dort verwahrten Kindern NIEMALS Genies oder auch nur überdurchschnittlich erfolgreiche und glückliche Menschen erwachsen werden, NIEMAND von ihnen wird je einen Roman verfassen oder einen guten Song schreiben. Systematisch werden sie von allen unproduktiven Dingen – wie Schmökern, Dösen oder dem Lügenerfinden – fern gehalten. Das, was diese Mutti dort betreibt, das ist die Abschaffung der Kindheit. Alles muss einen Nutzen haben, wobei Maman über diesen Nutzen entscheidet, die einfach alles besser weiß. Sogar die Pausen für freies Spielen sind rein utilitaristisch, sie haben den Nutzen, die verbrauchte Leistungsfähigkeit wiederherzustellen. Denn immer steht die spätere berufliche Karriere im Fokus. Anders ausgedrückt: Wo bleibt eigentlich das Jugendamt?

Weiterlesen