If your memory serves you well ...

Schlagwort: FDP (Seite 1 von 6)

Liberale sind eigentlich Hippies

Das meint zumindest Alex, unser Grauchen vom ‘Cicero’:

“Liberalismus wird in Deutschland als Lobby-Veranstaltung gesehen, als Ausdruck ökonomischer Interessen und als eine Art Wirtschaftssystem. Doch Liberalismus ist erst in zweiter Linie eine Wirtschaftsordnung – wenn überhaupt. Liberalismus ist vor allem erst einmal ein Lebensgefühl, eine tiefe Begeisterung für Freiheit und für Individualismus, für ein Leben ohne Vorschriften, Regelungen und gut gemeinte Einschränkungen.”

Wer jetzt aber meint, dass es im Text nun losginge mit der Freigabe von Drogen, mit der Abschaffung aller Verkehrsregeln, mit der freien Liebe auf allen Bürgersteigen, und der freien Fahrt für freie Bürger, endlich auch im ÖPNV, kurzum, mit der empfohlenen ‘Anarchie’ aus der Headline auf allen Ebenen, der hat sich schwer getäuscht. Hinten raus kommt beim Alexander Grau stets wieder der gewohnte Lobbyismus für die einzig und allein freiheitsbedürftigen Investoren:

“Warum ist die Wasserversorgung in Deutschland nicht längst privatisiert? Weshalb werden Straßen durch die öffentliche Hand gebaut? Weshalb finanziert der Staat eigentlich Kulturveranstaltungen?”

Vielleicht, weil es allemal billiger und substanzerhaltener ist, als wenn man diese Bereiche auch noch den Hedgefonds ausliefern würde, bester Alexander Grau; vielleicht, weil in ‘privatisierten Staatstheatern’ nur noch Helene Fischer auf die Bühne käme? Kurzum – das, was der Mann vom ‘Cicero’ Anarchie nennt, ist bloß der feuchte Traum renditefroher Investoren. Und da liegt der Hund dann auch wieder brav im Körbchen begraben … und die FDP würde sich mit dem wilden Alex auch keineswegs berappeln. Wir alle sahen bloß mal wieder ‘Alexander Graus Health & Happiness Show’ …

Um mich zum Thema dieses Liberalismus à la ‘Grau’ mal selbst zu zitieren:

“Liberalismus wäre demnach das Recht jedes Einwohners, so doof, asozial und verantwortungslos zu sein, wie er will. Und mit dieser zutiefst antibürgerlichen Einstellung wundert sich Grau, dass die FDP abkackt?

Tempora mutantur …

Dass ich noch einmal einem FDP-Mann vollinhaltlich zustimmen würde, hätte ich gestern auch noch nicht gedacht:

„Unter dem Logo ,AfD‘ formiert sich ein tumbes Gemisch auf niedrigstem intellektuellen Niveau, das schwerlich mit demokratischer Kultur in Einklang zu bringen ist.“

Und was sagt die ‘Professorenpartei’ AfD dazu?

“Auf der Facebook-Seite des AfD Ostholstein übt man sich unterdessen weiter in Verschwörungsideologie. So glaubt „Rainer aus Oldenburg“, seine Partei sei Opfer einer Lügenkampagne des „linken Kampfblattes“ Lübecker Nachrichten.

Tscha – keiner wäscht Rainer: Die ‘Lübecker Nachrichten’ ein linkes Kampfblatt? Fast hätte ich mich vor Lachen eingestrullert …

Die frohe Botschaft:

NPD-Niederlage in Sachsen: …und raus ist sie!”

Da werden die armen Wahlhelfer sicherlich noch einige Male nachzählen dürfen … denn das kann ja nur ein übler Trick der ‘Systemparteien’ sein! Das Ausscheiden der Hayek-Indianer war hingegen vorher schon eingepreist, man nimmt es schlicht und ohne Bedauern zur Kenntnis … auf 62.000 Stimmen kamen sie in Sachsen noch, was ziemlich genau der Zahl der Zahnwaltotheker im Land entsprechen dürfte.

Der Fall zeigt Struktur

Unserem Dichter Niebel jetzt vorzuwerfen, dass er sich für Rheinmetall ‘engagiert’, das ist schon ein wenig blauäugig. Einerseits befolgt der Mann mit dem Käppi nur jene Karriereschritte, die – von Schröder bis Pofalla – Politikern nach ihrer Abwahl von jedem besseren Berater empfohlen werden. Zweitens war die Entwicklungspolitik seit schwarzgelben Zeiten nur ein Türöffner für den militärischen und paramilitärischen Exportwillen der deutschen Industrie, was Dankesschulden nicht ausschließt. Und drittens sind politische Laufbahnen zunehmend nur noch am persönlichen Wohlergehen orientiert, die ‘Ochsentour’ durch die Parteien produziert diesen Typus geradezu. Was wundert, ist also, dass es beim Niebel so lange dauerte, obwohl er doch solch ein dienstfertiger Liberaler ist. Wenn etwas ‘stinkt’, dann stinkt es hierzulande flächendeckend schon seit langem. Wir haben da ein strukturelles Problem, und keinen ‘Fall Niebel’: “Rüstungslobbyist Niebel: Das stinkt”

ZP

Richtig gut fände ich den Namen ‘ZP’ für ‘Zahnwaltotheker-Partei’. Neuer Slogan vielleicht: ‘Alles meins!’. Jeder wählende ‘Kunde’ wüsste gleich, ob da für ihn noch etwas dabei wäre:

“Die FDP steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte, jetzt wird sogar über eine Umbenennung der Partei gestritten.”

Gut gefiele mir auch ‘PP’ für ‘Privilegien-Partei’. Oder ‘HdZ’ für ‘Hort des Zünftigen’, was lautlich dicht am ‘Zukünftigen’ liegt, ohne es allerdings so zu meinen. Wenn nämlich irgendwer das freie Wirken des Marktes und die Gewerbefreiheit behindert – siehe ständische Arztverfassung, anwaltliche Gebührenordnung oder Apotheker-Monopole – dann doch wohl die FDP …

Medienohnmacht

Da mahnt man, da barmt man, da wirft man die ganz großen PR-Windmühlen an – und was nutzt es? Seit Anno Adenauer war keine Regierung mehr so beliebt wie ausgerechnet die große Koalition. Diesen Überschwang kann man – wie ich – ein wenig übertrieben finden, faktisch ist das wohl so. Da können unsere ‘Leitmedien’ auffahren, wen sie wollen:

“Wie die große Sozialromantik-Koalition unsere Zukunft ruiniert.”

“Die Rentenreform trifft die Falschen.”

“Wir brauchen die Älteren in den Betrieben.”

“Rentenpapst Rürup klagt an.”

“Schwarz-Rot wohnt kein Zauber inne.”

“Mindestlohn und Rentenpaket machen uns das Leben schwer.”

Tscha, liebe Butzemänner und Versicherungsvertreter – auf eure Rürup-Expertise und INSM-Apokalyptik beißen die Fischlein wohl nicht mehr so recht an? Äußerungen über die Grenzen der Wirksamkeit von Public Relations verkneife ich mir hier mal. Und der Untergang der FDP war eben kein Betriebsunfall, sondern ein Winterschlussverkauf. Wer war noch mal Dorothea Siems …?

“Come writers and critics
Who prophesize with your pen
And keep your eyes wide
The chance won’t come again
And don’t speak too soon
For the wheel’s still in spin
And there’s no tellin’ who
That it’s namin’
For the loser now
Will be later to win
For the times they are a-changin’.

Come senators, congressmen
Throughout the land
And don’t criticize
What you can’t understand
Your sons and your daughters
Are beyond your command
Your old road is
Rapidly agin’
Please get out of the new one
If you can’t lend your hand
For the times they are a-changin’.”

Linkereien

Alexander Grau schreibt uns, ‘die Deutschen’ – also ich und du und Müllers Kuh – wir alle würden die Demokratie doch aus den ganz falschen Gründen lieben. Dabei sei lange Zeit die Demokratie in Deutschland keine heilige Kuh, sondern ‘eher unpopulär‘ gewesen – mit dieser Behauptung fährt er dann ziemlich unvermittelt und bruchlogisch fort:

“Insbesondere in Deutschland waren Demokratie und alles Demokratische lange Zeit eher unpopulär. Dabei war das antidemokratische Ressentiment in Deutschland stets eng in ein weltanschauliches Netz aus Antikapitalismus und Zivilisationskritik eingewoben.”

Immerhin – dieses ‘eher unpopulär’ hinterlegt er freundlicherweise – weil unter Journalistens noch unüblich – mit einem veritablen Link. Folglich dachte ich, dort etwas Bedenkenswertes zum Thema ‘Führerstaat’, zum ‘autoritären Charakter’ oder auch zu den bösen ’68ern’ zu finden.

Weit gefehlt! Der angeführte Link führt uns zu einem Besinnungsartikel, der da titelt: ‘Brauchen wir die FDP noch?‘. Als ich sah, wie der Alexander Grau die demokratische Abwahl unserer Lobbyisten von der Zahnwaltothekerpartei so einfach mit einem Indiz für die Unpopularität der Demokratie in Deutschland gleichsetzt, fiel ich vor Lachen fast vom Hocker … und zeitlich gesehen müsste seit dem November 2013 in Deutschland eine geistige Wende von der ‘Unpopularität’ hin zur ‘Vergötterung’ der Demokratie stattgefunden haben. Das ging dann wohl an mir vorbei.

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