Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Fake-News

Same Old Story

CCL / Bundesarchiv, Bild 102-08300 / CC-BY-SA 3.0

Die Aufregung um die Fake-News kann ich nur teilweise nachvollziehen. Ganze Staaten zogen Potemkin’sche Wände aus gefälschten Weltbildern um sich herum hoch – und ich denke dabei keineswegs nur an die Hitler’sche Paranoia, die hinter jeder umgekippten Milchkanne ‘den Juden’ am Werke sah. Ähnliche Muster gab es auch in Stalins Reich, wo chimärische ‘Trotzkisten’ für alles Böse in der Welt verantwortlich gemacht wurden. Von Nordkorea oder Kasachstan heute ganz zu schweigen …

Alle Medien – ob Zeitung oder Rundfunk – verbreiteten das Gift dann im ganzen Land. ‘Wir gegen die’, so hieß und heißt das Muster – auch aus der AfD gibt es in dieser Hinsicht nichts Neues zu vermelden. Nur dass heutzutage jeder Hans und Franz seine verqueren Ansichten über ‘die Ausländer’ in die Welt tröten darf – statt einer Schar linientreuer Journalisten dunnemals.

Die Ähnlichkeiten sind oft verblüffend. So trieb Mussolini, um seine Virilität zu demonstrieren, seinen Zossen mit nacktem Oberkörper über die Hindernisse im Park. Und er sandte diese Nackedei-Bildchen via Presseverteiler bis den letzten Winkel der Nation hinein. Erinnert das an irgendwas aus heutiger Zeit? – Ja, mich auch!

Ferner war Mussolini der größte Apostel des eigenen Personenkults. Überall an den Wänden hingen im Regierungssitz tapetengleich die Bilder und Titelseiten, auf denen er in heroischer Pose zu sehen war. Vermutlich guckte dieser Mann sich an sich selbst besoffen. In seiner Operettenhaftigkeit erinnert mich das aktuell an einen Mann mit Goldhamsterfrisur. Bloß an wen, an wen …?

Fake-News?

A. Paul Weber: Das Gerücht

Der Journalismus war seit Olims Zeiten stets ‘biased’ – und er wird dies auch immer sein. Hierzu erinnere ich nur an die endlosen Tiraden in allen selbsternannten Leitmedien, dass ‘privat’ immer besser sei als ‘gesetzlich’, bis dann die Riester-Rente, die private Krankenversicherung, wie auch die Lebensversicherungen erbärmlich Schiffbruch erlitten. Mit wenigen Ausnahmen standen die großen Medien immer auf der Seite ihrer Herrn, also der werten Anzeigenkunden – und letztlich bestimmte die Verlegerfamilie, was in den Redaktionen täglich Ambach zu sein hatte. Die Tagebücher des Fritz J. Raddatz bieten hierzu einiges an Anschauungsmaterial.

Die Geschichte des Journalismus liest sich also allenfalls bei Preisverleihungen als ein Ruhmesblättchen, faktisch wäre es eher eine Anklageschrift, vom ‘Fleet-Street-War’ des ersten Krim-Krieges bis hin zum Goebbels’schen Unisono in allen Printerzeugnissen und Volksempfängern, woran schließlich auch Heerscharen von Journalisten dienstfertig mitwirkten, die dann ungebrochen auch in der jungen Bundesrepublik weiter ‘Meinung’ produzieren durften. Ein Tucholsky, ein Constantin Seibt oder ein H.L. Mencken, das waren und sind immer nur Solitäre in einem ideologisch höchst korrupten Umfeld. Was allerdings ausblieb, war lange Zeit der ‘Untergang der Welt durch schwarze Magie’, wie Karl Kraus das uneingestandene Bestreben des real existierenden Journalismus nannte.

Insofern hat das Gequake der AfD- und Pegida-Jünger über die ‘Lügenpresse’ durchaus historische Wurzeln, die aber sehr viel weiter zurückreichen als deren Horizont reicht. Das Problem ist, dass diese Bräunlinge exakt das gleiche Spiel betreiben – nur mit moderneren Mitteln.

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