If your memory serves you well ...

Schlagwort: Elite

Stromlinienform nicht rentabel

Es war ja klar: Wer gläubig immer nur das erfüllt, was die Altvorderen an genormter ‘Leistung’ erwarten, der trampelt nur längst ausgelatschte Pantoffeln noch ein wenig platter. Innovation ist von ihm nicht mehr zu erwarten. Selbst dann, wenn er sich mit seinem ‘Harvard-Abschluss’ schon vor dem Berufseinstieg unweigerlich als Elite zu fühlen gedenkt. Irgendwann merken eben auch Personalvorstände, dass sich flutschige Figuren auf Dauer nicht rechnen. Mein Tipp: Statt Hayek in Harvard lieber Keilschriftkunde in Sofia studieren – um dann irgendwann an der Wallstreet ganz groß rauszukommen:

“Eine neue Studie zeigt: Die Karrierechancen der Elitestudenten sind schlechter geworden.”

Diesen klandestinen Karriere-Tipp erteilte ich noch gratis und franko. Wer seine Zukunft noch rationaler gestalten will, der möge im Sommer-Sonderangebot meinen Newsletter ‘Der gewundene Weg’ für 3.299 USD im Jahr abonnieren.

Part of the Art

Jemand muss schon seltsam vernagelt sein, wenn er nicht zu begreifen vermag, dass das Computerspiel die traditionellen Formen der Artistik längst abgelöst hat – zumindest beim Publikum. Statt bequem im Theater- oder Kinosessel zu dösen, statt ‘ergriffen’ vor einem Gemälde zu stehen, statt bei einem Konzert ein wenig mit dem Fuß zu wippen, macht diese neue Kunstform das Publikum zum ‘part of the art’, der Spieler kann in einer ‘offenen Welt’ sich die Handlung so ausgestalten, wie es seinen individuellen Anlagen und Vorlieben entspricht. Die besten Künstler der neuen Generation haben längst diese Residuen für sich entdeckt: Gestalter, Musiker, Schriftsteller. Von einer Baselitz-Welt, wo es mal als ‘revolutionär’ galt, Bilder verkehrt herum an die Wand zu hängen, haben sie sich verabschiedet.

Das dominierende Setting der besseren Games ist dabei durchweg ‘post-apokalyptisch’, und hier wird es gesellschaftlich interessant. Der Feind – so man überhaupt ein verbindendes Muster festlegen kann – das ist immer der ‘Elitarismus’. Eine gewissen- und skrupellose Oberschicht, die sich selbst für ‘Entscheider’ und ‘Macher’ hielt, hat all diese Welten in die Grütze geritten, und der Rest der Menschheit darf im hinterlassenen Chaos versuchen, schlicht zu überleben. Es ist ein einziger und auch durchaus anarchistischer Aufstand gegen Führungsschichten, der dort im virtuellen Raum abläuft – und er trifft unbestreitbar auf ein weit verbreitetes ‘Lebensgefühl’. Wer will, der darf jetzt anstrengungslos eine Parallele bspw. zur EU-Müdigkeit ziehen, wo hinter verschlossenen Türen in ‘Kommissionen’ die Polit-Matadore und Industrie-Tycoons ja längst besser als das Volk wissen, was gut für das Volk ist. Der unübersehbare Boom der Computerspiele ist in meinen Augen eben auch eine massenhafte Reaktion auf die Blindheit der Eliten und auf das volksferne Versagen von Parteien, Politikern und Populisten.

Von ‘DayZ’ bis ‘Breaking Point’, von ‘Bioshock’ bis ‘Nether’, von ‘Fallout 3’ bis ‘Wasteland 2’, von ‘Miasmata’ bis ‘7 Days to Die’, von ‘Stalker’ bis zu ‘The Seed’ zieht sich die Kette solcher Survival-Games, zu denen man selbst das scheinbar putzige ‘Minecraft’ noch zählen darf, Spiele, deren Erfolg meist nicht mehr auf ausgeklügeltem Marketing beruht (die großen kapitalistischen Entwicklerstudios versagen beim Zuspruch meist jämmerlich), sondern auf Crowd-Funding oder auf der wachsenden Resonanz nach einem ‘Pre-Alpha-Release’, wo die Spieler selbst die weitere Entwicklung mitbestimmen.

Mit einem Wort – die Avantgarde hat die Welt der Vernissagen und Opernpremieren verlassen. Die Kunst der Eliten steht dumm in einer verstaubten und verlassenen Welt herum … während Millionen von Menschen sich am Überleben in einer Kunstwelt versuchen, wo sie es in der Realität schon zunehmend weniger vermögen.

Lieber die Tyrannei der Eliten!

Andere Alternativen sind nach diesem Satz für mich leider nicht denkbar – und mit 1,2 Prozent nähert sich die FDP dem Zustand einer elitären Partei ja auch rapide an: “Generalsekretär Döring [holt] zum Rundumschlag gegen die Polit-Aufsteiger aus. Deren Politikbild sei durch die “Tyrannei der Masse” geprägt.” Merke: Masse darf man niemals ‘sein’, man muss sie von den Vätern her ‘besitzen’, so wie gewisse demokratievergrellte Generalsekretäre um die Taille herum massig Masse vorweisen können.

Einschränkend sollte ich vielleicht erwähnen, dass andere Elitekonzepte, betrachtet man das prollartig tiefgelegte Niveau besitzstolzer ‘freiheitlicher’ Äußerungen (“Meine Frau, meine Yacht, meine Synapse!”), dass solche Konzepte innerhalb der restliberalen Partei auf intellektuellem Gebiet bspw. keinesfalls zu empfehlen wären. Mit kulturellem Elitarismus macht man sich im bourgeoisen Milieu und in der Zahnwaltschaft seit jeher verdächtig …

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