If your memory serves you well ...

Schlagwort: Dorothea Siems (Seite 1 von 2)

Ulf und die Sozialreligion

Was ich dreimal sage, ist wahr’, sagt der Snark in Lewis Carroll’s ‘Alice’. Ähnlich verfährt auch Ulf Poschardt in der ‘Welt’, wo er mal wieder die Grundlage dieses Staates frontal attackiert, unsere soziale Marktwirtschaft. Er nennt sie nur nicht so, er spricht lieber von einer ‘Sozialreligion’. Übrigens exakt dreimal in nur einem Artikel:

“… die sozialreligiösen Exerzitien …”
“… die sich an der bundesdeutschen Sozialreligion versündigen …”
” … Umfragen bestätigen die sozialreligiöse Ökumene aus Union und SPD …”

Was aber ist der Sinn solcher klerikalfixierten Umdeutungsversuche? Nun, wenn man die Verfassungsbasis eines Staates als bloße ‘Religion’ diffamiert, als bloßes (Aber-)Glaubenssystem, dann darf man sich auch wie einst Luther als Reformator fühlen, der die ‘große Hure’ zu Berlin herausfordert, indem er all den überbordenden ‘Sozialklimbim’ an den Pranger stellt, so wie einst der Wittenberger den Heiligenkult und den Ablasshandel zu Rom. Der Journalist dünkt sich folglich was: ‘Hier stehe ich, ich kann auch anders!’.

Ach, was vermisst unsere Posh doch ihre gute alte FDP … und die gute alte Zeit, als solche Positionen noch einigen relevant erschienen. Und gleich nebenan zerdrückt derweil die Dorothea ‘Dodo’ Siems wehmütig eine Zähre in ihrem Taschentüchlein …
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“Ihm war klar, alle Müh’ war vergebens gewandt
An die Aufgabe, die viel zu schwer.
Ach, er musste von vorne beginnen und fand,
das zermartre ihm das Gehirn noch viel mehr.”
(Lewis Carroll: Alice 3, Die Jagd nach dem Snark. Eine Agonie in acht Gesängen)

Medienohnmacht

Da mahnt man, da barmt man, da wirft man die ganz großen PR-Windmühlen an – und was nutzt es? Seit Anno Adenauer war keine Regierung mehr so beliebt wie ausgerechnet die große Koalition. Diesen Überschwang kann man – wie ich – ein wenig übertrieben finden, faktisch ist das wohl so. Da können unsere ‘Leitmedien’ auffahren, wen sie wollen:

“Wie die große Sozialromantik-Koalition unsere Zukunft ruiniert.”

“Die Rentenreform trifft die Falschen.”

“Wir brauchen die Älteren in den Betrieben.”

“Rentenpapst Rürup klagt an.”

“Schwarz-Rot wohnt kein Zauber inne.”

“Mindestlohn und Rentenpaket machen uns das Leben schwer.”

Tscha, liebe Butzemänner und Versicherungsvertreter – auf eure Rürup-Expertise und INSM-Apokalyptik beißen die Fischlein wohl nicht mehr so recht an? Äußerungen über die Grenzen der Wirksamkeit von Public Relations verkneife ich mir hier mal. Und der Untergang der FDP war eben kein Betriebsunfall, sondern ein Winterschlussverkauf. Wer war noch mal Dorothea Siems …?

“Come writers and critics
Who prophesize with your pen
And keep your eyes wide
The chance won’t come again
And don’t speak too soon
For the wheel’s still in spin
And there’s no tellin’ who
That it’s namin’
For the loser now
Will be later to win
For the times they are a-changin’.

Come senators, congressmen
Throughout the land
And don’t criticize
What you can’t understand
Your sons and your daughters
Are beyond your command
Your old road is
Rapidly agin’
Please get out of the new one
If you can’t lend your hand
For the times they are a-changin’.”

Wirres Zeug bei der Welt

In Springers Flaggschiff haben sie, wo ihnen schon der Kommunismus abhanden kam, immer noch den ersatzweisen Popanz der Alt-68er, also böse Dämonen, welche in Ewigkeit an allen Übeln der ‘Welt’ schuldig zu sein haben:

“Die Technologie der 68er-Generation zerstört die Kultur des bürgerlichen Lebens.”

Öhem – ein Rudi Dutschke mit Handy ist wirklich ein arg seltsames Bild. Das hindert zwei ideologisch gestählte Welt-Kommentatoren, Ulrich Machold und Andreas Rosenfelder, aber nicht daran, diese ‘Welt’ noch weiter zu verzeichnen. Bekiffte Landkommunarden hätten, glaubt man ihnen mal, das Silicon Valley aus dem Boden gestampft. Nun – bei solchen ökonomischen Erfolgen, warum denn dann nicht gleich Haschisch für alle fordern, um unsere Jugend und die deutsche Digitalwirtschaft unternehmerisch mal so richtig in Schwung zu bringen?

“Das Personal der ersten Computerfirmen wie Apple und Microsoft rekrutierte sich zu einem guten Teil aus den Überresten der amerikanischen Hippie- und Kommunardenbewegung: eine brodelnde Ursuppe aus haarigen Individualisten, befeuert von Beat-Gedichten, halluzinogenen Drogen und den Schriften Norbert Wieners, Buckminster Fullers und Marshall McLuhans.”

Soso, Marshall McLuhan als Blumenkind? Mümmelte der nicht schon an seiner Rente, als der ‘Summer of Love’ begann? Es wird noch drolliger – Jerry Rubin oder ersatzweise Fritz Teufel sollen unserem Duo Debitale zufolge seit jeher die Hofsänger eines unbeschränkten Unternehmertums gewesen sein, eine Entourage, die ich Blödmann bisher eher in der Reihen der ‘Welt’ vermutete:

“Sie sahen sich als Teil eines neuen Wilden Westens, in dem ein unbeschränktes Unternehmertum aller Einzelnen die Harmonie des Ganzen zeitigen würde.”

Alles nur FDP- und Hayek-Aktivisten mit Dorothea-Siems-Denke also? Mein Zwerchfell schmerzte an diesem Punkt übermäßig, und ich konnte nicht mehr weiterlesen …

Um mal ein wenig Klarheit in dieser brodelnden Ideologiesuppe zu schaffen: Die Gründergeneration des Internet warf sich keine bunten Pillen aus Timothy Learys Hexenküche ein, die Algorithmen wurden dort auch nicht zu bunten Mandalas verflochten. Diese Gründergeneration kam seit den 60er Jahren aus den Reihen der amerikanischen Halbleiter- und Rüstungsindustrie, wie auch des MIT, wo man gerade den Transistor und seine fortschreitende Miniaturisierung erfunden hatte. Es waren Ingenieure, ‘Nerds’ – und eben bestimmt keine ‘Hippies’. Eher schon bleiche, übernächtigte und bebrillte Bürohengste ohne Bizeps und ohne Schlag bei den Frauen, die damals schon die 24/7-Arbeitszeiten entdeckt hatten, statt auf Open-Air-Festivals zu rennen …

Würde man die Überschrift dort oben einigermaßen angemessen formulieren, käme also vielleicht so etwas dabei heraus: “Die heutige Industrie hat die ‘Kultur des bürgerlichen Lebens’ gar nicht mehr nötig.” Das wäre dann immer noch grassierender Kulturpessismus, aber zumindest diskussionswürdig … allerdings nicht von dieser ‘Welt’.

Mit dem Essen spielt man nicht!

Ich hatte sie doch nur gefragt, in welcher alarmistischen Tonlage ‘Die Welt’ wohl erst jodeln würde, wenn tatsächlich mal Rotgrün oder Rotrotgrün regieren sollten – da prustete meine Frau auch schon ihr Mittagessen über den Tisch, und ich durfte die Schweinerei wieder wegwischen, während sie nach Atem rang. Kurz darauf erwähnte dann sie, dass der Sänger der unerwähnenswerten Drei-Akkord-Combo ‘Deep Purple’, ein gewisser Ian Gillan, mal gesagt hätte, enge Hosen hülfen ihm bei seinen Erstbesteigungen des hohen C. Schon musste ich an Dorothea Siems denken, dogmatisch geschnürt in strammes Latex. Jetzt durfte meine Frau den Tisch abwischen, während ich sehen durfte, wie ich die Königin der Nacht wieder aus dem Kopf bekam …

Mal was anderes …

Die relevanten Prog-Rock-Titel sind heute leider vergessen. Da spielen sie Pink Floyd und Velvet Underground – und schon dünken sie sich Experten:

Damals frickelten wir an diesem Melodiebass in den eher ruhigen Partien so lange herum, bis uns fast die Finger abfielen und die Plattenrillen keinerlei Profil mehr zeigten. Es gab eben noch kein ‘How to Play’. Der Sänger, Peter Rowan, hat später übrigens grandiose Country- und Bluegrass-Scheiben aufgenommen …

Metaphorisch gesehen, ist der Text auch nicht ganz neben der Spur, denken wir bei einigen Zeilen mal an unser famoses Finanzsystem: “The kingdom is crumbling … the peasants watch in dumb struck wonder as the gay procession passes by …” Mit Tschingderassa vorneweg natürlich mal wieder der Ulf Poschardt, der Gabor Steingart schlägt die Pauke dazu, während die Dorothea Siems als Cheerleaderin der großen Health-and-Happiness-Show beschwingt die Puschel schwingt.

Alle doof, außer Dodo

Ohne jede Partei im Rücken muss die Dorothea ‘Dodo’ Siems jetzt, nach dem Ausscheiden der wackeren FDP, ganz allein ihren Kampf gegen einen ‘überbordenden Sozialstaat’ führen. Die CSU, die CDU gar – sie erscheinen der Wirtschafts-Chefin der ‘Welt’ auch nur noch wie ‘Sozialismus’. Wie bei allen, die das amerikanische Alamo-Virus derart infizierte, sieht sie schon Kriegswirren und mexikanische Banditenhorden am Horizont. Diesmal dräut sie uns mit dem Krieg der Alten gegen die Jungen, wobei ich rein physiologisch schon mal anmerken möchte, dass in einem solchen Fall wohl die Jungen und Gelenkigeren gewinnen dürften. Eine Rollstuhlarmee konnte noch nie eine Schlacht für sich entscheiden:

“Bei der Rente droht ein Krieg der Generationen.”

Oha, oha – düstere Aussichten! Unterfüttern wir ihr Geschreibsel ein wenig mit Fakten. Der Aufwendungen für die Sozialleistungen sind seit der Mitte der 90er Jahre in etwa konstant: Sie liegen bei ungefähr 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP)*, wobei der Anstieg kurz zuvor auf die Wiedervereinigung zurückzuführen ist. Natürlich sind auch diese Sozialleistungen in absoluten Zahlen jährlich gestiegen, das ist unbestritten, aber eben auch nicht um mehr, als der Zuwachs an Reichtum in dieser Gesellschaft (BIP) dies möglich machte. Dass nach Ansicht einiger Umverteiler ein größerer Anteil dieses BIP künftig bei unseren Großmächtigen landen sollte, ändert nichts an dieser im Grunde simplen Feststellung einer grundlegenden Konstanz gesellschaftlicher Aufwendungen für Soziales. Ein knappes Drittel der gesellschaftlichen Wirtschaftsleistungen wird immer und annähernd gleichbleibend für “Wohltaten” (Siems) benötigt. Und wenn die Marktradikalen an der einen Seite knappsen, dann fliegen ihnen prompt an anderer Stelle die Folgekosten um die Löffel.

Zweitens – die Bundesregierung verkündet es stolz – ist der Anteil sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze auf einem historischen Höchststand angelangt. So viele Menschen wie niemals zuvor zahlen in die Sozialversicherungssysteme ein. Und das wird absehbar auch so bleiben, notfalls muss eine intelligente Migrationspolitik der Wirtschaft diese dringend benötigten Arbeitskräfte künftig heranschaffen, die aber dann ebenfalls einzahlen werden.

Nichts ist es also mit der verbreiteten These, dass ein immer kleinerer Anteil von Jungen der wachsenden Armee von Alten ihre Kreuzfahrten durch die Antarktis finanzieren muss. Das Heer der Arbeitenden wächst rapide weiter. Im Gegenteil, als diese Alten noch malochten, stemmten sie in wesentlich kleinerer Zahl das Umlagesystem – und sie hielten es trotzdem aufrecht. Damals schlugen die Arbeitenden sich mit Kriegsfolgelasten herum: Eine halbe potentiell malochende junge Generation war an den Fronten des Weltkrieges verreckt, während nur die Alten halbwegs unbeschadet überlebt hatten, auch die Kriegerwitwenrenten und ähnliche Lasten mussten bezahlt werden. Dies alles schulterten die heutzutage Alten damals klaglos. Dodo rettet sich folgerichtig mit einem kühnen Sprung in die Verleugnung von Tatsachen:

“Es gibt so gut wie keine Altersarmut.”

Eine wahrhaft wilde Behauptung, die jeder Gang vor eine Suppenküche prompt widerlegt. Wofür unsere Dodo absehbar auch nicht einen einzigen Beleg anzuführen weiß. Schließlich resultieren jene Probleme, welche die Rentner faktisch haben, ja nicht aus dem ‘demographischen Faktor’. Sie sind die unausweichliche Folge von Lohndumping, von Zuzahlungen, von Rentenkürzungen und all dem anderen Allotria einer Politik, die auf ihren Vier-Jahres-Turnus fixiert ist, und systembedingt nie etwas Mittelfristiges, geschweige denn etwas Langfristiges ins Auge zu fassen geneigt ist. Und die – auf ihrer marktradikalen Seite – alle Probleme der sogenannten ‘Staatsschuldenkrise’ wie ein albanischer Hütchenspieler gern dem Sozialstaat in die Schuhe schieben möchte, obwohl doch die Bankenkrise ursächlich für die explodierenden Staatsschulden ist und bleibt.

So ist es kein Wunder, dass am Ende ihrer Platt-Etüde auch der Dorothea Siems nur der übliche Rückgriff auf den Mann von der ‘Union Asset Management Holding’ bleibt, auf den Walter Riester also, der natürlich gern seine Publikumsfonds absetzen möchte. Am einfachsten, indem uns seine verbündeten Medientruppen mit Hingabe eine ‘Rentenlücke’ an die Wand malen. Wobei sie das zerbröselnde Geschäftsmodell der privaten Vorsorge notorisch vergessen: “Riester-Rente in der Krise”.

Wirklich Abhilfe könnten hingegen steigende Löhne schaffen, vor allem auch beim Mindestlohn. Weil einerseits die Rentenhöhe unmittelbar an die allgemeine Lohnentwicklung gekoppelt ist. Und weil andererseits dann auch mehr Beiträge ins System fließen würden. Ich weiß, ich weiß – das ist eine Milchmädchenrechnung, die auch nur einem wirren Kopf wie mir einfallen konnte: Dieser Verlust von Arbeitsplätzen! Diese mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ‘unserer’ Wirtschaft!

*Manchmal überkommt mich ja der Verdacht, dass das gute alte Bruttosozialprodukt nur deshalb durch das Bruttoinlandsprodukt ersetzt wurde, damit dieses schröckliche Wort ‘sozial’ aus der Begrifflichkeit verschwindet …

Klammheimliches Gemöhre

Gemein – ein “günstiges Angebot und gute Qualität” reichten einfach nicht mehr, um an öffentliche Aufträge zu kommen. Das jedenfalls erstaunt und betrübt unsere Dorothea ‘Dodo’ Siems, die Wirtschaftskoryphäe von der ‘Welt’. Hingebungsvoll hätte die Wirtschaft gegen dieses wuchernde Bürokratiemonstrum gekämpft – und wie? Natürlich “vergeblich”, weil die verblendeten Gewerkschaftsfreunde sich überall durchsetzen konnten. Vor allem aber hätten sie ihr Monster überall nur ganz stiekum und “heimlich” Gassi geführt, obwohl ich im Falle Niedersachsens und Bremens die Hand dafür ins Feuer lege, dass es an einer wochenlangen Berichterstattung in allen Blättern zumindest hierzulande nicht gefehlt hat:

“Länder führen heimlich den Mindestlohn ein.”

Jetzt aber, so Dorothea Siems weiter, erhebe sich endlich ein Sturm: Die ganz und gar unparteiische ‘Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft’ (vbw) habe in einem Gutachten sogar festgestellt, dass für einen genügsamen deutschen Arbeitnehmer auch Löhne weit unter dem Existenzminimum durchaus auskömmlich seien, und dass überdies diese gnadenlos überhöhten Löhne ab 8,50 Euro auch verfassungswidrig wären und gegen ‘europäisches Recht’ verstießen. Denn im Zuge der europäischen Gleichbehandlung ginge es ja wohl nicht an, dass der deutsche Malocher mehr erhalte als ein rumänischer Bauarbeiter. Trotzdem wollten selbst diese Verbandsfürsten aus der Wirtschaft nur barmen, aber nicht klagen. Schließlich stünde selbst ihr Bayern über kurz oder lang vor der Einführung eines solchen Mindestlohns, vermutlich ebenfalls “heimlich” – weshalb die kluge Dodo das ja auch schon weiß und ins hohle Horn stoßen kann. Schlimm ist das: Überall diese Gewerkschaftsfreunde, sogar in Bayern und der CSU …

Jennifer, die Retro-Maid

Zu einem Artikel der Holzschnitt-Lady Jennifer Nathalie Pyka haben ich beim ‘European’ einem gewissen ‘Markus’ geantwortet. Da der Text zu schade ist, um in einer Foren-Ecke Patina anzusetzen, weil er auch Grundsätzliches verhandelt, stelle ich ihn auch hier nochmals ein:

“Eine Zeitlang konnte man im Journalismus tatsächlich etwas werden, wenn man aus der rechtspopulistischen Ecke kam. Siehe bspw. Dorothea Siems, Andrea Seibel, Ulf Poschardt, Henryk M. Broder usw. Das war so Anno 1990. Diese Leute sind allesamt längst im publizistischen Museum bei der ‘Welt’ gestrandet.

In den Blogs beim ‘European’ spielt die JNP heute die Rolle der Provokateuse aus diesem leicht modrig duftenden, hayek-infizierten Bereich, mit einem dicken Klacks Netanjahu-Anhimmeln obendrauf – so wie’s in der ‘Achse des Guten’ eben auch geschah. Sie darf – soweit ich das überblicken kann – ja nur ‘Blog-Texte’ schreiben, um so (mittels ihrer angestrengten Effekthascherei) verlegerisch erwünschte Klicks zu generieren. Weil selbst eher schlichte Leute sich über diese schlichte Thesenbastelei schlicht aufregen.

Mir dient JNP eher zur Bestätigung dessen, was ich über solche Egomanen eh schon denke, die da glauben, ihre unermessliche Weisheit wäre mindestens schon seit Anno Aristoteles unerhört (s. auch Schirrmachers Buch). Auf eine wirklich exponierte Ebene aber hat sie’s meines Wissens nie geschafft.

Derartige Texte klingen um so dissonanter, je mehr deren Zeit vorbei scheint … s. z.B. Zustand der FPÖ in Österreich, die Wilders-Bewegung in NL usw. Diese ganze akklamatorische, im Kern aber unpolitische Ebene ist auf breiter Front heute wieder nach links geschwenkt, selbst die Angela Merkel schwenkt zusehends mit – derzeit liegt die Zukunft jedes Populismus eher auf der Beppe-Grillo-Linie – er muss also direktdemokratisch gegen ‘das System’ und damit gegen ‘die Eliten’ gerichtet sein, will er Erfolg haben. Weil unsere Führungsschichten erheblich abgewirtschaftet haben.  Von diesem gesellschaftlichen Grundbeben spürt JNP nicht einen Hauch, sie sitzt auf ihrem Maulwurfshügel und verklugfidelt uns die Schönheit einer alten Welt, die gerade hinter dem Horizont verschwindet.

Der von Ihnen erwähnte ‘Cicero’ trat einst an, um sozusagen die ‘Transatlantic’ des dritten Jahrtausends zu werden. Zusehends aber hat er sich unter Michael Naumann in die Langweiler-Ecke des Mainstreams manövriert und der politische wie der Kulturbegriff richten sich in etwa am Horizont der Zahnwaltsgattin aus (Feministinnen, verzeiht mir!), die sich deshalb schon ‘elitär’ dünkt, weil ihr Mann ihr eine teure Perlenkette schenkte. Dahin passt JNP wiederum ganz gut. Das neoliberale Töchterchen erklärt der Eislaufmutti das Weltgeschehen. Intellektuell gesehen bleibt’s aber ein Ponyhof – oder Kaffeeklatsch …

Generell haben manche Schreiber noch immer nicht kapiert, dass ‘liberal’ und ‘neoliberal’ heute eher Gegensätze sind. Freiheit im liberalen Sinn heißt ja eben nicht ‘Egoismus’ und ‘pfeif auf die Gesetze’ und auf jedwede ‘Regulierung’ und hinterziehe weiter brav deine Steuern – der Liberalismus sprach vom ‘größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl’. Lesen Sie mal Friedrich Naumann! Davon weiß der Neoliberalismus nichts – er setzt seine Ideologie mit dem Egoismus – oder ‘dem Markt’ – schlicht gleich. Sollte allerdings jemand das Konto solch egomaner Leute plündern, wären die allemal die ersten, die nach mehr ‘Regulierung’ schreien. Auf ein solches retardiertes Publikum sind diese Holzschnitt-Texte berechnet. Der Rest zielt mit einem abgelatschten Stiefel auf die Hühneraugen anderer Leute …

Wenn Sie JNP gern lesen – ja, Herrgott, was sollte ich denn da machen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Der Hobbyphilosoph

Es gibt nichts Humaneres als Egoismus.”

Glauben wir dieser flinkjournalistischen Denkbemühung, dann sind Nächstenliebe, soziales Engagement und Altruismus natürlich total inhuman – und die Dorothea Siems hat soeben ein kleines Brüderchen im Geiste bekommen.

Aber warum eigentlich stoßen wir immer in diesen Magazinen ‘mit Anspruch’ – wie hier beim Cicero – auf ein extra tiefgelegtes Abstraktionsniveau? Vermutlich ja deshalb: Wer sich auf kontraintuitive Ansichten als journalistische Masche kapriziert, der benötigt schon ein überdurchschnittliches Geistesvermögen, um dabei als großer Tabubrecher zu gelten – und eben nicht als kleiner Depp. Bloß zu behaupten, die Steinzeit sei die fortgeschrittenere Zivilisation gewesen, genügt dann einfach nicht …

Blogkrise?

Es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Wer Alexa anwirft und Google Analytics bemüht, der mag zu diesem Schluss kommen. So wie dieser SEO-Mann hier:

“Schaut man sich die Traffic-Zahlen der, äh, “guten, alten” Blogs an, steht es gar nicht gut um das Medium “Blog”.

Und tatsächlich, die Klickraten sinken, auf die alle Marketing-Menschen starren wie die Feldmaus auf die Schlange. Anders sieht es aus, wenn ein Blog etwas betreibt, was sich vage als ‘Mission’ oder ‘Aufgabe’ beschreiben lässt. Ich will es an meinem Beispiel illustrieren. Mir bspw. liegen – Leser dieses Blogs wissen es – die aktuelle Schwundstufe des deutschen Journalismus und dessen dafür verantwortliche Protagonisten am Herzen. Damit ich mit meiner Kritik vielleicht zu einem besseren Journalismus beitragen kann. Zu diesem Zweck argumentiert dieses Blog durchaus auch mal ‘ad hominem’, wie es sich wiederum bei Google zeigt.

Zu ‘Dorothea Siems’, der neoliberalen Sozialexpertin der ‘Welt’, weist Google jedem arglosen Besucher – möchte er sich über die Dame informieren – bspw. mit einem ersten Platz den Weg zu einer kommentierten Werkausgabe im ‘Stilstand’:

Auch Andrea Seibel, die stellvertretende Chefredakteurin der ‘Welt’, habe ich mit meinem unverantwortlichen Geschreibsel auf einen beachtlichen zweiten Platz im Suchmaschinen-Index gehievt:

Der Malte Lehming hingegen, Meinungschef vom ‘Tagesspiegel’, schaffte es leider nur auf einen dritten Platz bei Google – aber er übt noch, heißt es:

Mit dem Ulf Poschardt unterm Arm stehe ich derzeit auf dem sechsten Platz, der Jan Fleischhauer wird auf Platz Zwei derangiert – und für Uli Dönch dann, Wirtschaftschef beim ‘Focus’, reichte schon ein einziger Treffer aus den Rohren der HMS Stilstand, um ihn auf dem fünften Platz prominent zu platzieren:

So könnte ich mit meiner Sammlung von meinungsstarken Hobbyphilosophen noch einige Zeit fortfahren. Worauf ich hinaus will: Irrelevant mögen Blogs ja sein, sofern jemand gebannt und bloß ‘quantitativ gepolt’ auf ominöse Klickzahlen starrt. Zieht man das Ranking der ‘Treffer’, ihre Verlinkungen und ihr Gesuchtwerden, bei der Google-Recherche heran (die mir sehr viel wichtiger scheinen, weil sie erste Antworten auf konkrete Suchvorgänge geben) dann sind Blogs alles, nur eben nicht zunehmend irrelevant. Man sollte es allerdings können, ein fruchtbarer Acker muss auch gepflügt werden. Google ist eine Maschine zum Suchen und Finden, die prominente Platzierung entscheidet letzlich, nicht das Hypahypahypa, die Buzz- und Keywords von SEO-Strategen und ihr Herumschrauben am ‘Backend’. Vorne spielt die Musik..

Lustig ist übrigens die Metapher, die der von mir ansonsten hochgeschätzte Heribert Prantl zur Illustration der Krise bemühte:

“Kenner des Internets sagen, auch Blogs und Blogger hätten ihre beste Zeit schon hinter sich, weil sie sich in einer “Sandwich-Position” zwischen Facebook und Google plus einerseits und Twitter andererseits befänden.”

Was er übersieht – in jedem Sandwich findet sich das Beste tatsächlich ZWISCHEN den beiden trockenen Weißbrotschreiben. Nun ja – bei ‘Carta’ trug ihm das prompt einiges an Spott ein

Nachtrag – Vielleicht hilft es ja einigen, die sich von dieser gemeinen Blogwelt jetzt zu Unrecht auf vordere Plätze emporgeadelt fühlen: Je mehr man selbst bloggt, desto unangreifbarer beim Google-Ranking wird man auch. Das Eröffnen eines eigenen Blogs wäre damit die beste Gegenstrategie gegen unverschämte Blogger, und unversehens ist man dann selber einer – also ein vormaliger Kritiker der Elche. Den Henryk M. Broder bspw. – für mich einer der schlimmsten Auswüchse deutscher Publizistik – den fingerzeige ich mit meinen Mitteln einfach nicht. Dazu bloggt der Herr selbst zu viel … und trotz meiner ‘Schandschnauze’ findet sich auch zu meiner Person der erste aversive Beitrag erst ganz weit hinten, tief im ‘Daten-Nirvana’.

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