If your memory serves you well ...

Schlagwort: Die Welt (Seite 2 von 7)

Alle doof, außer Dodo

Ohne jede Partei im Rücken muss die Dorothea ‘Dodo’ Siems jetzt, nach dem Ausscheiden der wackeren FDP, ganz allein ihren Kampf gegen einen ‘überbordenden Sozialstaat’ führen. Die CSU, die CDU gar – sie erscheinen der Wirtschafts-Chefin der ‘Welt’ auch nur noch wie ‘Sozialismus’. Wie bei allen, die das amerikanische Alamo-Virus derart infizierte, sieht sie schon Kriegswirren und mexikanische Banditenhorden am Horizont. Diesmal dräut sie uns mit dem Krieg der Alten gegen die Jungen, wobei ich rein physiologisch schon mal anmerken möchte, dass in einem solchen Fall wohl die Jungen und Gelenkigeren gewinnen dürften. Eine Rollstuhlarmee konnte noch nie eine Schlacht für sich entscheiden:

“Bei der Rente droht ein Krieg der Generationen.”

Oha, oha – düstere Aussichten! Unterfüttern wir ihr Geschreibsel ein wenig mit Fakten. Der Aufwendungen für die Sozialleistungen sind seit der Mitte der 90er Jahre in etwa konstant: Sie liegen bei ungefähr 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP)*, wobei der Anstieg kurz zuvor auf die Wiedervereinigung zurückzuführen ist. Natürlich sind auch diese Sozialleistungen in absoluten Zahlen jährlich gestiegen, das ist unbestritten, aber eben auch nicht um mehr, als der Zuwachs an Reichtum in dieser Gesellschaft (BIP) dies möglich machte. Dass nach Ansicht einiger Umverteiler ein größerer Anteil dieses BIP künftig bei unseren Großmächtigen landen sollte, ändert nichts an dieser im Grunde simplen Feststellung einer grundlegenden Konstanz gesellschaftlicher Aufwendungen für Soziales. Ein knappes Drittel der gesellschaftlichen Wirtschaftsleistungen wird immer und annähernd gleichbleibend für “Wohltaten” (Siems) benötigt. Und wenn die Marktradikalen an der einen Seite knappsen, dann fliegen ihnen prompt an anderer Stelle die Folgekosten um die Löffel.

Zweitens – die Bundesregierung verkündet es stolz – ist der Anteil sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplätze auf einem historischen Höchststand angelangt. So viele Menschen wie niemals zuvor zahlen in die Sozialversicherungssysteme ein. Und das wird absehbar auch so bleiben, notfalls muss eine intelligente Migrationspolitik der Wirtschaft diese dringend benötigten Arbeitskräfte künftig heranschaffen, die aber dann ebenfalls einzahlen werden.

Nichts ist es also mit der verbreiteten These, dass ein immer kleinerer Anteil von Jungen der wachsenden Armee von Alten ihre Kreuzfahrten durch die Antarktis finanzieren muss. Das Heer der Arbeitenden wächst rapide weiter. Im Gegenteil, als diese Alten noch malochten, stemmten sie in wesentlich kleinerer Zahl das Umlagesystem – und sie hielten es trotzdem aufrecht. Damals schlugen die Arbeitenden sich mit Kriegsfolgelasten herum: Eine halbe potentiell malochende junge Generation war an den Fronten des Weltkrieges verreckt, während nur die Alten halbwegs unbeschadet überlebt hatten, auch die Kriegerwitwenrenten und ähnliche Lasten mussten bezahlt werden. Dies alles schulterten die heutzutage Alten damals klaglos. Dodo rettet sich folgerichtig mit einem kühnen Sprung in die Verleugnung von Tatsachen:

“Es gibt so gut wie keine Altersarmut.”

Eine wahrhaft wilde Behauptung, die jeder Gang vor eine Suppenküche prompt widerlegt. Wofür unsere Dodo absehbar auch nicht einen einzigen Beleg anzuführen weiß. Schließlich resultieren jene Probleme, welche die Rentner faktisch haben, ja nicht aus dem ‘demographischen Faktor’. Sie sind die unausweichliche Folge von Lohndumping, von Zuzahlungen, von Rentenkürzungen und all dem anderen Allotria einer Politik, die auf ihren Vier-Jahres-Turnus fixiert ist, und systembedingt nie etwas Mittelfristiges, geschweige denn etwas Langfristiges ins Auge zu fassen geneigt ist. Und die – auf ihrer marktradikalen Seite – alle Probleme der sogenannten ‘Staatsschuldenkrise’ wie ein albanischer Hütchenspieler gern dem Sozialstaat in die Schuhe schieben möchte, obwohl doch die Bankenkrise ursächlich für die explodierenden Staatsschulden ist und bleibt.

So ist es kein Wunder, dass am Ende ihrer Platt-Etüde auch der Dorothea Siems nur der übliche Rückgriff auf den Mann von der ‘Union Asset Management Holding’ bleibt, auf den Walter Riester also, der natürlich gern seine Publikumsfonds absetzen möchte. Am einfachsten, indem uns seine verbündeten Medientruppen mit Hingabe eine ‘Rentenlücke’ an die Wand malen. Wobei sie das zerbröselnde Geschäftsmodell der privaten Vorsorge notorisch vergessen: “Riester-Rente in der Krise”.

Wirklich Abhilfe könnten hingegen steigende Löhne schaffen, vor allem auch beim Mindestlohn. Weil einerseits die Rentenhöhe unmittelbar an die allgemeine Lohnentwicklung gekoppelt ist. Und weil andererseits dann auch mehr Beiträge ins System fließen würden. Ich weiß, ich weiß – das ist eine Milchmädchenrechnung, die auch nur einem wirren Kopf wie mir einfallen konnte: Dieser Verlust von Arbeitsplätzen! Diese mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ‘unserer’ Wirtschaft!

*Manchmal überkommt mich ja der Verdacht, dass das gute alte Bruttosozialprodukt nur deshalb durch das Bruttoinlandsprodukt ersetzt wurde, damit dieses schröckliche Wort ‘sozial’ aus der Begrifflichkeit verschwindet …

Irreführende Headline

Der Privatpatient verkäme zur ‘Melkkuh des Systems’, schreibt Frank Stocker in einem Beitrag für die ‘Welt’. Jeder Arglose glaubt daraufhin, dass da wohl unser Gesundheitssystem gemeint sei, und er spitzt sich auf einen der üblichen Springer’schen Lobby-Artikel für die renditefrohe Versicherungswirtschaft. Doch weit gefehlt.

Bei der weiteren Lektüre wird schnell klar, dass keineswegs das allgemeine ‘System’ unserer Krankheitsvorsorge gemeint ist. Der Verfasser möchte sogar nichts lieber, als in dieses ‘System’ für Krethi und Plethi zurück. Er meint einzig und allein die Sonderwirtschaftszone unserer Privatwirtschaft, die im Gesundheitssystem schlicht wie ein Fremdkörper wirkt – nämlich dysfunktional. So, wie der Krebs ja auch nicht zum funktionierenden ‘System’ unserer Körperfunktionen gehört. Wer also glaubt, dass irgendetwas billiger würde, wenn auf die Krankheits- und Verwaltungskosten auch noch satte Renditeerwartungen, überhöhte Arztrechnungen und feiste Vorstandsgehälter draufgeschlagen würden, der glaubt auch, dass der Mond aus Holländer Käse besteht, und er muss sich eben Milchmädchen schimpfen lassen. Bleibt nach der Lektüre der alte Schluss: Privat kann alles besser – aber am allerbesten ohne uns:

“Der privat Krankenversicherte ist hilflos den Beitragsexplosionen ausgesetzt, kämpft gegen dubiose Therapieangebote und horrende Rechnungen.”

Ja, man muss ja auch nicht alles glauben, was in den bunten Prospekten steht. Warum ist der Verfasser zu den Abzockern gewechselt? Wenn ich eine Diebstahlsversicherung will, wende ich mich ja auch nicht an die Mafia …

Ischa Wahlkampf!

In fünf Wochen wird in Deutschland gewählt. Wie auf einer türkischen Hochzeit beginnt prompt die Kavalkade einschlägig verdächtiger Medien – tätä! tätä! – laut zu hupen. Die guten Nachrichten schlagen in allen Headlines Purzelbaum:

“Deutsche Wirtschaft glänzt mit kräftigem Wachstum, Endlich wieder gute Zahlen: Das Bruttoinlandsprodukt hat im vergangenen Jahr so stark zugelegt wie seit Anfang 2012 nicht mehr.”

Boah, sagenhaft! Wie schon ‘seit Anfang 2012 nicht mehr’! Das sind wahrhaft historische Dimensionen, da lebte Opa ja noch. ‘Endlich’! Und diese dynamische Wirtschaft wächst auch gleich um sagenhafte 0,7 Prozent. Alle Experten hatten uns nämlich nur klägliche 0,6 Prozent vorausgesagt. Prösterchen – das ist glatt ein Promille mehr! Die Spin-Doktoren bekommen vor Rührung feuchte Augen … und selbst noch das Sozialistenpack in Frankreich hat satte 0,5 Prozent geschafft (nein, das schreiben wir da besser doch nicht hinein).

Vom Tuten und Blasen …

Dass die ‘Welt’ Bord an Bord mit PI und anderen Giddelschiffen der Netzwelt durchs Leben segelt, ist längst bekannt. Ein solch recherchebefreiter Artikel aber, wie ihn der Alan Posener jetzt auf ‘Welt Online’ einstellte, ist mir noch selten begegnet. Deutsche Kinderlein würden irregeleitet, weil in einer Broschüre der Regierung gar nicht vom ‘muslimischen Antisemitismus’ die Rede sei:

“Ein Aufklärungsheft über Rassismus verschweigt den muslimischen Rassismus und Antisemitismus. Böse sind nur die Europäer. Gefördert wurde das Machwerk vom Ministerium für Arbeit und Soziales.”

Im Folgenden versteigt sich Posener tief in die Geschichte, besonders in die mittelalterliche – was er besser gelassen hätte. Zwar ist es richtig, dass es in der muslimischen Welt die ‘Dhimmis’ gab, tributpflichtige Bürger anderen Glaubens also. Das, was die aber zu bezahlen hatten, reichte nicht im entferntesten an das Zehntsystem abendländischer Herzoge, Kirchenfürsten und Ritter heran, mit dem die ihre Bauern auf ihren Lehen versklavten. Die Vertreibung der Juden aus dem zuvor muslimischen Spanien, der Zug der Sephardim also, der setzte nach der Reconquista ein, als nicht länger die toleranten Muslime dort regierten, sondern christliche Herrscher den Juden blutig nachstellten (nach dem sog. Alhambra-Edikt).

Besonders begehrt waren im Morgenland allerdings ‘weiße Sklaven’. Gejagt wurden diese vor allem im slawischen Raum, und zwar von den Sachsen und Franken, die daraus ein lukratives Monopol machten. Prag und Verdun waren die Zentren dieses Handels mit ‘weißer Ware’, wo die gefangenen Männer vor dem Export sogar zu besonders begehrten ‘Eunuchen’ verschnitten wurden, und zwar massenhaft. Historiker sagen, dass die abendländischen Sklavenjagden ganz wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung Europas seit dem elften Jahrhundert beigetragen hätten. Versklavte Bauern also, Sklavenjagden, Zubereitung der gefangenen Sklaven für den Export – das frühe Mittelalter war im Abendland eine Ökonomie, die ganz wesentlich auf dem Sklavenhandel beruhte. Und zwar gleichzeitig mit jener arabischen Ökonomie, über die der Posener dort so herzzerreißend barmt.

Zu ergänzen wäre, dass ‘Sklaven’ im muslimischen Raum keinesfalls völlig entrechtet waren, also keineswegs so, wie bspw. im Plantagensystem der amerikanischen Südstaaten später die Neger zu einer ‘Ware’ gemacht wurden. So wurde aus einer Sklavin samt ihren Kindern bspw. dann automatisch eine ‘Freie’, wenn ihr Herr gestorben war. Die Freilassung eines Sklaven galt auch als überaus gottgefälliges Werk, Übeltäter wurden vielfach zur Freilassung von Sklaven verdonnert. Die Mamelucken (mamlük = Sklave) errichteten in Ägypten, mitten in der muslimischen Welt, für viele Jahre sogar einen unabhängigen ‘Sklavenstaat’. Was wiederum nicht heißen soll, dass diese Sklaven nicht ihre Mitsklaven wiederum so versklavten, wie heute ein Hühnerbaron seine Osteuropäer.

Während die christlichen Ritter damals also ungeniert andere Christen versklavten, durfte ein Muslim niemals einen anderen Muslim versklaven. Die Furcht vor der Versklavung war deshalb sicherlich eines der wirksamsten Instrumente bei der Ausbreitung des Islam, das ist zweifellos richtig. Weil nur ein Übertritt vor der Gefahr dieser Sklaverei wirksam schützte. Aber es war eben kein ‘Rassismus’. Denn ein Muslim war immer ein Muslim, egal ob schwarz, weiß oder braun – also unabhängig von seiner ominösen ‘Rasse’.

So merkbefreit rattert Poseners Text munter weiter – wobei ich mich frage, was diese Ausflüge ins tiefste Mittelalter uns eigentlich beweisen sollen. Der verschlagene Muslim wäre schon immer böse gewesen? Der ‘Antisemitismus’ nämlich ist, wie der ‘Rassismus’ auch, eine Ideologie der Moderne – und er wurde in Mitteleuropa erfunden (vgl. Hannah Arendt z.B.). Zuvor wurden Juden, Muslime, Christen oder generell die Heiden der jeweils einen oder anderen Religion ausschließlich deshalb verfolgt, weil sie an etwas anderes glaubten, oder aber, weil in ihren Häusern der Pöbel Beute zu machen hoffte. Später erst wurden sie deshalb massakriert, weil sie anderen ‘Blutes’ waren, was immer das heißen soll.

Kurzum: So ist Posener, so ist auch die PI. Geschichte ist denen nur das, was ihnen in den Kram passt … ihnen sei gesagt, dass muslimische Jugendliche zwar hie und da antisemitische Stereotype übernehmen mögen, vor allem in den beliebten ‘bildungsfernen Schichten’, zunehmend radikalisiert und politisch pseudo-legitimiert auch durch die israelische Landnahme, dass aber der Antisemitismus mitnichten eine unveränderliche muslimische Eigenart ist, deren Ursprung irgendwo im Koran zu suchen sei. Da hat unser Petrus den weitaus stärkeren Stoff zu bieten. Der zunehmende Antisemitismus im arabischen Raum ist ein abendländischer Exportschlager, beginnend im späten 19. Jahrhundert …

Klammheimliches Gemöhre

Gemein – ein “günstiges Angebot und gute Qualität” reichten einfach nicht mehr, um an öffentliche Aufträge zu kommen. Das jedenfalls erstaunt und betrübt unsere Dorothea ‘Dodo’ Siems, die Wirtschaftskoryphäe von der ‘Welt’. Hingebungsvoll hätte die Wirtschaft gegen dieses wuchernde Bürokratiemonstrum gekämpft – und wie? Natürlich “vergeblich”, weil die verblendeten Gewerkschaftsfreunde sich überall durchsetzen konnten. Vor allem aber hätten sie ihr Monster überall nur ganz stiekum und “heimlich” Gassi geführt, obwohl ich im Falle Niedersachsens und Bremens die Hand dafür ins Feuer lege, dass es an einer wochenlangen Berichterstattung in allen Blättern zumindest hierzulande nicht gefehlt hat:

“Länder führen heimlich den Mindestlohn ein.”

Jetzt aber, so Dorothea Siems weiter, erhebe sich endlich ein Sturm: Die ganz und gar unparteiische ‘Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft’ (vbw) habe in einem Gutachten sogar festgestellt, dass für einen genügsamen deutschen Arbeitnehmer auch Löhne weit unter dem Existenzminimum durchaus auskömmlich seien, und dass überdies diese gnadenlos überhöhten Löhne ab 8,50 Euro auch verfassungswidrig wären und gegen ‘europäisches Recht’ verstießen. Denn im Zuge der europäischen Gleichbehandlung ginge es ja wohl nicht an, dass der deutsche Malocher mehr erhalte als ein rumänischer Bauarbeiter. Trotzdem wollten selbst diese Verbandsfürsten aus der Wirtschaft nur barmen, aber nicht klagen. Schließlich stünde selbst ihr Bayern über kurz oder lang vor der Einführung eines solchen Mindestlohns, vermutlich ebenfalls “heimlich” – weshalb die kluge Dodo das ja auch schon weiß und ins hohle Horn stoßen kann. Schlimm ist das: Überall diese Gewerkschaftsfreunde, sogar in Bayern und der CSU …

Wider den bösen ‘Ökologismus’

Wenn der Jan Fleischhauer über Klimaskeptiker schreibt, dann erfahren wir zwar, dass er seine Buddies Dirk Maxeiner und Michael Miersch schon aus den seligen Tagen bei Broders ‘Achse des Guten’ kennt, dass er mit ihnen mal auf einem Flussdampfer die Spree hinabgeschippert ist, von den Qualifikationen solcher ‘Klimaskeptiker’ erfahren wir dagegen wenig. Dabei haben sich die beiden als bloße Journalisten inzwischen eine lukrative und industriefreundliche Nische in den Public Relations eingerichtet, wo sie als ‘neutrale Journalisten’ alltäglich den Klimawandel zu leugnen haben, und den ‘Ökologismus’, einen aus den USA importierten Popanz, auch im deutschen Sprachgebrauch nach Kräften zu verteufeln trachten. Motto: ‘Erst bau’ ich mir ‘ne Sockenpuppe, dann hau’ ich kräftig drauf’.

Am Anfang einer solch gewagten Verteidigung sollte trotzdem redlicherweise immer die Frage nach der ‘Qualifikation’ der beiden stehen:

“Zuerst standen Dirk Maxeiner & Michael Miersch beim Chemiekonzern Hoechst ‘in Lohn und Brot’. Sie machten für den Chemie-Multi ‘phantasievolle Pressearbeit’ (Handelsblatt) als Textchefs der umstrittenen Hoechst-Zeitschrift „Change“. Doch dann kamen die Werbeabteilungen der Konzerne auf die Idee, dass ‘neutrale Journalisten’ viel besser für Chemie-, Atom-, Gen- und Kohlekonzerne werben können als teure PR-Abteilungen der Konzerne.

Gut – wir wissen jetzt, es geht wohl um eine eher faktenarme, dafür aber höchst ‘phantasievolle’ Pressearbeit: Nach dem Studium der Germanistik und Sozialpädagogik (Miersch) oder nach einigen Brrmm-Brrmm-Texten als Autojournalist (Maxeiner) wird man so in Deutschland prompt zum kritischen Klimawissenschaftler befördert, zumindest in der ‘Welt’. Vielleicht sollte ich es dort auch mal als “kritischer Atomphysiker” versuchen.

Fleischhauer regt sich jedenfalls darüber auf, dass eine wissenschaftlich hochkarätig besetzte Institution in Deutschland, nämlich das ‘Umweltbundesamt’ (UBA) in Berlin, welches nach diversen Umbesetzungen seit des seligen Röttgen Zeiten keineswegs mehr eine Hochburg des ‘Ökologismus’ ist, sondern eine schwarzgelb gelenkte Wissenschaftsinstitution, dass also diese Institution vor derart ‘kritischen Geistern’ wie Miersch und Maxeiner ausdrücklich zu warnen wagt: ‘Was erlauben sich Strunz!‘. Im Kern lief die Kritik dieses Umweltbundesamtes sogar auf den Vorwurf blanker Scharlatanerie hinaus. Das empört den Jan Fleischhauer maßlos, schon aus Gründen alter Verbundenheit:

“Es ist jedenfalls ziemlich lange her, dass eine staatliche Institution in Deutschland erklärte, welche Meinungen in diesem Land haltbar sind und welche nicht.”

An diesem Satz ist so ziemlich alles falsch. Bestenfalls ist er geeignet, die Meute der Klimaskeptiker begeistert aufheulen zu lassen. Wissenschaftlich ‘haltbar’ sind Meinungen nun mal nur, wenn sie ‘verifizierbar’ sind. Wenn wir mal davon ausgehen – ich hoffe, der Fleischhauer widerspricht mir jetzt nicht – dass es sich auch bei den deutschen Universitäten zumeist noch um ‘staatliche Institutionen’ handelt, dann ist es eher die Regel, dass von dorther jene Hinweise kommen, welche Ansichten als wissenschaftlich seriös zu betrachten wären. Daran ist auch nichts ‘lange her’. Nun ja, bekanntlich produziert die Industrie – auch die Meinungsindustrie – alle möglichen Waren, nur selten aber seriöse Ansichten.

Nach Ansicht universitärer Wissenschaft reden in manchen Zeitungen plötzlich allzu viele Blinde von der Farbe, dort, wo sich Sozialpädagogen und Motorjournalisten plötzlich über den Klimawandel verbreiten dürfen, zudem noch aus dem Dunstkreis interessierter Berichterstattung heraus. Im Grunde wehrt sich hier die Wissenschaft gegen den publizistischen Siegeszug der Public Relations – die manchmal eben auch ‘moderner Qualitätsjournalismus’ genannt werden wollen.

Noch bräsiger – und wie gewohnt höchst lauthälsig – wirft sich prompt der Henryk M. Broder für seine Kumpels bei der ‘Achse des Guten’ in die Bresche, um diesen ‘Shitstorm’ weiter anzufachen. Er scheut erwartungsgemäß nicht vor einer gewagten ‘braunen Parallelführung’ zurück, gekonnt verknüpft mit einem Seitenhieb auf Erich des Roten Zeiten. So etwas ist schließlich sein publizistisches Markenzeichen:

“Das Umweltbundesamt beansprucht die Deutungshoheit beim Klimawandel für sich und stellt Journalisten in der Debatte an den Pranger. Ein solches Vorgehen erinnert an Reichskulturkammer und DDR-Regime.”

Naja, der Satz erinnert doch eher an Henryk M. Broder. Kurzum – für mich stellt sich der Sachverhalt inzwischen so dar: Arm in Arm inszenieren der Jan Fleischhauer und der Henryk M. Broder eine ‘Weißwäscherkampagne’ für ihre publizistischen Mitstreiter und damit auch für die verbündete Industrie. Mit dem hanebüchenen Argument, dass das Bundesumweltamt gefälligst die Schnauze zu halten hätte, wenn ein Germanist und ein Autojournalist andere Leute mangelhaft qualifiziert und industriegesponsert verblöden. Eingefleischte PR-Vertreter sehen das natürlich komplett anders, mit den gewohnten Folgen beim Publikum – der böse, böse Ökologismus will uns doch alle nur versklaven:

“Die sektiererischen Ökologisten wollen Europa in die Steinzeit zurückführen, um ihre ureigenen idiotischen Ideale zu verwirklichen. Daher reiten sie auf der Welle des “Klimawandels” – nur ein Mittel zum Zweck. Der neue Hitler sind die Ökologisten – im Deckmantel eines Gutmenschen verkleidet.”

Tscha – lieber Steinzeit, als diese ‘schöne neue Welt’

Es passt übrigens zum Bild, dass die beiden Gutächsler den Text des Umweltbundesamtes nirgends verlinken. Wo sollte das auch hinführen, wenn sich jeder selbst ein Bild macht? Sie würden halt so gern weiterhin unter der Flagge ‘kritischer Journalisten’ segeln, weshalb sich auch ihr Leib-und-Magen-Blatt auf höchster Ebene empört über “das ungewöhnliche Vorgehen des Uba, kritische Journalisten an den Pranger zu stellen.” Immerhin, wir wissen jetzt, dass es Teile der deutschen Publizistik als ‘ungewöhnlich’ erachten, wenn ihre Textfabriken von Wissenschaftlern überhaupt noch als kritikwürdig betrachtet werden. Zumeist scheint unter Wissenschaftlern wohl das unkluge Motto zu gelten: ‘Was schert es die Eiche …’. Das große Publikum erfährt das, was es von der Wissenschaft weiß, nämlich dann aus einer kontaminierten Presse. Ich würde mir mehr mitdebattierende Wissenschaftler wünschen.

Der inkriminierte Passus in der Broschüre lautet übrigens so – und ist deshalb in seiner Unangemessenheit gaaanz schröcklich, fuurchebaar und unverzoihlich: “Auch in Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen tauchen mitunter Beiträge auf, die nicht mit dem Kenntnisstand der Klimawissenschaft übereinstimmen. Bekannt für derartige Beiträge sind die Journalisten und Publizisten Dirk Maxeiner und Michael Miersch. Die Autoren verfassten gemeinsam Bücher und schrieben für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Gegenwärtig veröffentlichen sie wöchentlich eine Kolumne in der Zeitung „Die Welt“.” Nicht auf dem ‘Stand der Wissenschaft’ wären die beiden? Das geht doch schon mal gar nicht, das ist doch wahrlich ehrabschneidend …

Unzulässige Schlüsse

Die ‘Welt nun wieder! Das Blättchen zitiert aus einer politischen SPD-Analyse, in der es heißt: “Ein internes SPD-Papier sieht in der Alternative für Deutschland eine ernste Bedrohung der etablierten Parteien.” So weit, so gut – und das auch nur, wenn die Euro-Krise (die eigentlich eine ‘Bankenkrise’ ist) sich weiter verschärfen sollte. Mit einer solchen Aussage wären also bestenfalls alle Bundestagsparteien gemeint – und bei den nichtetablierten Parteien muss man dann wohl auch noch die Schmuddels von der NPD dazurechnen, die ebenfalls massiv an diese Nationalwährungshüter verlieren dürften.

Schließlich – und bekanntlich – sitzen in der AfD in den Sälen wie an der Parteispitze vor allem graumelierte, männliche Rentner, die ihren alten Kaiser Willem wiederhaben wollen, also die harte D-Mark, für die man beim Bäcker noch fünf Brötchen bekam. Fürs ‘jugendliche Image’ haben sie dann noch den Lucke, der ist nämlich erst knapp über 50 Jahre alt. Diese renitenten ‘Best-Ager’ mit ihren nostalgischen Reflexen und dem korrekt gebundenen Schlips wirken wiederum vor allem auf die klassische Unions- und FDP-Klientel attraktiv, da dürften die größten Einbrüche erfolgen. Schließlich ist die FDP nicht ohne Grund wieder unter die fünf Prozent geschliddert, die Union rangiert auch wieder unter der 40-Prozent-Marke. Wie aber lautet die Headline über diesem Text bei der ‘Welt’?

“SPD zittert vor der Alternative für Deutschland.”

Toctoctoc … ischa Wahlkampf!

Jennifer, die Retro-Maid

Zu einem Artikel der Holzschnitt-Lady Jennifer Nathalie Pyka haben ich beim ‘European’ einem gewissen ‘Markus’ geantwortet. Da der Text zu schade ist, um in einer Foren-Ecke Patina anzusetzen, weil er auch Grundsätzliches verhandelt, stelle ich ihn auch hier nochmals ein:

“Eine Zeitlang konnte man im Journalismus tatsächlich etwas werden, wenn man aus der rechtspopulistischen Ecke kam. Siehe bspw. Dorothea Siems, Andrea Seibel, Ulf Poschardt, Henryk M. Broder usw. Das war so Anno 1990. Diese Leute sind allesamt längst im publizistischen Museum bei der ‘Welt’ gestrandet.

In den Blogs beim ‘European’ spielt die JNP heute die Rolle der Provokateuse aus diesem leicht modrig duftenden, hayek-infizierten Bereich, mit einem dicken Klacks Netanjahu-Anhimmeln obendrauf – so wie’s in der ‘Achse des Guten’ eben auch geschah. Sie darf – soweit ich das überblicken kann – ja nur ‘Blog-Texte’ schreiben, um so (mittels ihrer angestrengten Effekthascherei) verlegerisch erwünschte Klicks zu generieren. Weil selbst eher schlichte Leute sich über diese schlichte Thesenbastelei schlicht aufregen.

Mir dient JNP eher zur Bestätigung dessen, was ich über solche Egomanen eh schon denke, die da glauben, ihre unermessliche Weisheit wäre mindestens schon seit Anno Aristoteles unerhört (s. auch Schirrmachers Buch). Auf eine wirklich exponierte Ebene aber hat sie’s meines Wissens nie geschafft.

Derartige Texte klingen um so dissonanter, je mehr deren Zeit vorbei scheint … s. z.B. Zustand der FPÖ in Österreich, die Wilders-Bewegung in NL usw. Diese ganze akklamatorische, im Kern aber unpolitische Ebene ist auf breiter Front heute wieder nach links geschwenkt, selbst die Angela Merkel schwenkt zusehends mit – derzeit liegt die Zukunft jedes Populismus eher auf der Beppe-Grillo-Linie – er muss also direktdemokratisch gegen ‘das System’ und damit gegen ‘die Eliten’ gerichtet sein, will er Erfolg haben. Weil unsere Führungsschichten erheblich abgewirtschaftet haben.  Von diesem gesellschaftlichen Grundbeben spürt JNP nicht einen Hauch, sie sitzt auf ihrem Maulwurfshügel und verklugfidelt uns die Schönheit einer alten Welt, die gerade hinter dem Horizont verschwindet.

Der von Ihnen erwähnte ‘Cicero’ trat einst an, um sozusagen die ‘Transatlantic’ des dritten Jahrtausends zu werden. Zusehends aber hat er sich unter Michael Naumann in die Langweiler-Ecke des Mainstreams manövriert und der politische wie der Kulturbegriff richten sich in etwa am Horizont der Zahnwaltsgattin aus (Feministinnen, verzeiht mir!), die sich deshalb schon ‘elitär’ dünkt, weil ihr Mann ihr eine teure Perlenkette schenkte. Dahin passt JNP wiederum ganz gut. Das neoliberale Töchterchen erklärt der Eislaufmutti das Weltgeschehen. Intellektuell gesehen bleibt’s aber ein Ponyhof – oder Kaffeeklatsch …

Generell haben manche Schreiber noch immer nicht kapiert, dass ‘liberal’ und ‘neoliberal’ heute eher Gegensätze sind. Freiheit im liberalen Sinn heißt ja eben nicht ‘Egoismus’ und ‘pfeif auf die Gesetze’ und auf jedwede ‘Regulierung’ und hinterziehe weiter brav deine Steuern – der Liberalismus sprach vom ‘größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl’. Lesen Sie mal Friedrich Naumann! Davon weiß der Neoliberalismus nichts – er setzt seine Ideologie mit dem Egoismus – oder ‘dem Markt’ – schlicht gleich. Sollte allerdings jemand das Konto solch egomaner Leute plündern, wären die allemal die ersten, die nach mehr ‘Regulierung’ schreien. Auf ein solches retardiertes Publikum sind diese Holzschnitt-Texte berechnet. Der Rest zielt mit einem abgelatschten Stiefel auf die Hühneraugen anderer Leute …

Wenn Sie JNP gern lesen – ja, Herrgott, was sollte ich denn da machen? Jedem Tierchen sein Pläsierchen.

Die Schnitzer der Weltschnitzer

In Friede Springers Beritt wird die ‘Alternative Für Deutschland’ seit Tagen ausgiebig und andauernd als “der Aufstand der zornigen Euro-Skeptiker” behupt und behypt – als eine machtvolle Bewegung, die zugleich “erfolgreich und angreifbar” sei, wobei sich dieses ‘Angreifbar’ allein jenem Hauch nach kritischem Journalismus verdankt, dessen Duft man als Trüffelaroma über sein Soufflé versprühen möchte. Unter diesen Festvorträgen findet sich dann das übliche aufgeregte Gestammel der Forentrolle, die ihre gute alte D-Mark wiederhaben wollen – “mit’m Bart, mit’m Bart …“.

Wäre es so, wie die ‘Welt’ es uns ex cathedra suggeriert, dann müssten derzeit Union und FDP im Gleichschritt massiv an Zustimmung verlieren, weil Euro-Skepsis, Marktradikalismus und Rechtsliberalismus ihre Weisheiten bekanntlich aus denselben PR-Tanks zu schöpfen pflegen, wo es gewissen Spin-Winzern gelang, eine “Banken-Krise” (die es gibt) erfolgreich in eine “Euro-Krise” oder “Staatsschuldenkrise” (die es beide nicht gibt) umzukredenzen. Statt des Weins der Wahrheit wird uns dort jetzt Gänsewein ausgeschenkt – und verkorkt sei der Euro, und nicht das Finanzsystem.

Neue Stimmen für die ‘Alternative’ müssten damit allemal aus dem Lager von Union und FDP kommen, denn SPD und Grüne sind gegen solche Wundertinkturen weitgehend immun. Dort glaubt man einfach nicht, dass man auf seinen Entwicklungswegen voluntaristisch zurückkrabbeln kann, obwohl doch jeder gern wieder jünger wäre.

In ihrem Kampf für eine neue rechtsliberale Partei scheint die ‘Welt’ immer noch an die Wirkungsmacht des ‘Modells Volksempfänger’ zu glauben: “Befiehlt’s dein Massenmedium, dann dreht sich deine Meinung um.” Gäbe es bloß diesen Teufels-Euro nicht – dies die Predigt der Leutpriester dort – dann wäre wieder alles perfekt, dann würde selbstverständlich auch das überaus vernünftige Finanzsystem wieder funktionieren – mit allem Chichi, vom Steuerparadies bis zum Credit Default Swap, und auch der Wohlstand flösse wieder wie aus Wundertüten.

Faktisch ist es nun aber so, dass der Normalbürger für diese ‘Welt’ zu schlau zu sein scheint. Flächendeckend verlieren bei allen Demoskopen derzeit vornehmlich die ‘Anderen’, worunter ja auch eine weithin erfolglose ‘Alternative’ bis auf weiteres noch firmieren muss. Zuletzt, bei der Niedersachsenwahl, kamen diese Riesenzwerge Arm in Arm mit den ‘Freien Wählern’ auf gerade mal 1,1 %. Dem Konrad Adam geht es derzeit auch nicht anders als der ‘Partei Bibeltreuer Christen’, obwohl doch das mediale Ballyhoo, das Springers Ex-Chefkorrespondent erzeugen lässt, sehr viel größer ist. Die Zeiten, in denen man sich seine Wählerschaft massenmedial zubereiten ließ, die sind nun mal vorbei …

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