Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Denglish (Seite 1 von 2)

No Understanding

Unsere Manager, ‘Masters of the Universe’ in dieser globalisierten Welt, reden zumeist so unverständlich daher, als kämen sie aus Belutschistan. Vermutlich ist dies ja auch besser so – aber ein Hauch von Brainsharing mit dem Customer könnte die Topics, Key Points und Top Issues der High-Level-Performer doch ein wenig easier targeten, um einen Standstill am Point of Sale zu evaden, was stattdessen das Product asapst wieder monetizen würde. Die Kenntnis des Deutschen ist ja schließlich keine Rocket Science, sie wäre – in didaktisch aufbereitete Lektionen gefasst – dem Gehirn selbst eines Managers durchaus vermittelbar …

Am unverständlichsten sabbelt übrigens Wolfgang Reitzle von der Linde AG daher, und das liege nicht am schwäbischen Akzent. Ihm dicht auf den Fersen sind u.a. Olaf Koch (Metro) oder Herbert Hainer (Adidas). Ergänzende Lektüre zum Pidgin der Eingeborenensprachen im Wirtschaftsleben findet sich hier

Übersetzungshilfen

Wieder mal einige Trouvaillen aus der wunderbaren Facebook-Gruppe ‘Beratersprech’, die stets gut gefüllt ist mit dem allerneuesten Gelfrisur-Pidgin:

“Daher müssen wir ASAP die Awareness auf unsere USPs raisen, damit wir keine Heavydrops in unseren KPIs haben.”

Übersetzt ins Normaldeutsche heißt das:

“Auf den leckeren Köder unserer angeblichen Alleinstellungsmerkmale beißt noch immer kein Kunde an. Deshalb müssen wir noch dreister herumhupen, sonst knüpft uns die Insolvenz mit ihren knochigen Fingern endgültig den Henkersknoten. Also zackzack!”

Gut auch das:

“Herr Schmidt ist der Single Point of Contact in Sinne unserer One Face to the Customer Philosophie.”

Was sagt uns das? Kurz gefasst, etwa Folgendes:

“Mit diesem schwierigen Kunden kommt nur unser Schmittie klar.”

Wie verwegen klingt das denn:

“Das Thema Budget ist das ‘Non-Issue of the Year’.”

Will sagen:

“Scheiß aufs Geld!”

Auch die simpelsten Weisheiten lassen sich immer noch ein wenig pompöser ausdrücken:

“Unsere Offerings müssen die Needs der Kunden matchen!”

Damit’s auch der Klippschüler versteht:

“Ein Angebot, das keiner haben will, können wir gleich in die Tonne treten.”

Und so weiter, und so fort – klipperdiklapp, papperlapapp …

Neulich im Meeting

Theobald Donnerschlag (Chief Executive Officer): Hallo, Teamster! Das To Do heute lautet, die Tasks durchzupriorisieren und auf den Time Course zu schicken. Die Deadline naht. Irgendwelche Statements?

Hilde Huschke (Client Service Managerin): Wichtig ist, dass unser Projekt auch Learnings generiert, vor allem der Service ist ein absolutes Retention Tool, wobei wir natürlich die Clients carefully spoonfeeden müssen, um sie nicht zu overwhelmen.

Kevin Kowalski (Chief Marketing Officer): Das ist doch Bullshit … dieser brachiale Brand-New-Sound ist doch die Key Note für unsere Market Penetration, ein absolutes Must.

Hilde Huschke (guckt beleidigt)

Willi Wuttke (Facility Manager): Wird noch Kaffee benötigt?

Dettmar Dünkel (Key Account Manager): Out, demons out! … Prioritär sollten wir doch erst einmal den Need generieren …

Sebastian Hochheimer (Art Director), unterbricht: … deshalb sollten wir auch die Slides für die Solutionssets gleich mal auf die neuen Templates layouten.

Theobald Donnerschlag: Ach was, solche Peanuts sollten wir nicht allzu sehr ventilieren. Take a look ahead! Wir sollten sehen, wie wir den Set vor dem Rollout noch kräftig aufbeefen können. Da haben wir doch seit drei Tagen diesen Praktikanten … wie heißt er noch? Der soll helfen, die Kollegen chargeable zu halten, bevor wir ein Problem mit dem Business Development Spend mitigieren. Wie wäre es mit einem Re-Shaping der Staffing-Pyramide, um kein Client Controlable Income Problem zu bekommen?

Dieter Nöling (Human Ressources Manager): Eins ist klar, wenn das hier nicht gleich eine Full-Take-Off-Sache wird, können wir sowieso Pink Enveloppes verschicken. Wir müssen dem Kunden unser Re-Engineering als Win-Win-Issue verkaufen und den First Draft Level high halten, bis wir endgültig das Go erhalten.

Theobald Donnerschlag: Okay, wir machen dann also erst einmal einen ersten Try. Im zweiten Cycle bauen wir dann die Fully-Fledged-Solution. Die Top Down Communication soll die Workforce mal kräftigst committen, nix mehr Disco und lenghty weekends. Die Art Factory soll derweil schon mal die Needs createn, um den Case dann asapst finishen zu können, wenn das Update kommt. Notfalls geht’s auch off the record.

Kevin Kowalsky: Noch ein kleines Maybe – könnten wir die Slides vom Look and Feel her noch improven, beim Content bringt das Sales Kit dann die Message schon rüber. Dann noch einen Cold Run und ab in den Beauty Contest.

Theobald Donnerschlag: Alright, let’s go!

Willi Wuttke: Noch Getränke?

Alle: Raus!

(dieser Text dankt den Anregungen der wunderbaren Facebook-Gruppe ‘Beratersprech’)

“Gott strafe Engeland!” …

ob ich diesen Slogan Merkspruch dem Verein für deutsche Sprache zur Zweitverwertung empfehlen sollte?

Bei den Deutschländer-Würstchen

Jenes harte Hirnholz, das unter dem Namen ‘Aktion Lebendiges Deutsch‘ unhaltbare Sachverhalte in die Welt hinaus zu posaunen pflegt, hat sich im Kampf gegen die Windmühlen des Denglischen ein neues Husarenstück geleistet: Erstmals wollen sie toitscher als deutsch sein – und deshalb deutschen sie ein kerndeutsches Wort noch toitschtümelnder ein, wohl deshalb, weil sie es irrtümlich für einen Anglizismus ohne jeden Ariernachweis gehalten haben. Das Wörtchen ‘Dumpinglohn’ sollen wir nach ihrem Willen künftig durch ‘Hohnlohn’ ersetzen – das jedenfalls ist ihr sprachmusikalisch ebenso wie sprachwissenschaftlich unhaltbares Begehren.

Mit ein wenig schlichtem Gegurgel hat ihnen der Anatol Stefanowitsch jetzt vorgerechnet, dass es sich um ein Wort handelt, das nahezu ausschließlich im Deutschen seine Nische gefunden hat (okay, ein paar Dänen kennen es auch). Der Ausdruck ‘dumm gelaufen’ aber, der entwickelt sich allmählich zu meinem Standard bei der Beurteilung sprachnörglerischer Aktivitäten, dort in jener semantischen Todeszone, wo das ‘lebendige Deutsch’ allmonatlich von einigen älteren Herren exekutiert wird …

‘Es gibt Eintopf’ heißt das:

“DuMont Schauberg will das Syndication-Modell seiner Zeitungen ausweiten”.

‘Syndication’ — tssss! Das ist das marketingübliche Gesabbel von ‘Vorteilspackungen’, nur weil der Produktmanager den Inhalt mal wieder geschrumpft hat. In solchen Fällen allerdings bin auch ich gegen’s Denglische – besser gesagt: gegen die Tünche einer faktenenthobenen Unternehmenssprecherei …

Bei Willi Wichtig unterm Sofa …

Ich weiß auch nicht, woher ich’s weiß, dass es sich wohl um ein Willi-Wichtig-Treffen handeln muss, wenn der beworbene Rummel ‘Future of Communication‘ heißt. Es könnte an diesem hölzernen Englisch liegen, das immer mehr nach der Bizziniss-School klingt als nach dem Normalnull des gewöhnlichen Erdenbewohners, oder es ist die Zierpetersilie dieser exquisiten Wortgarnitur … jedenfalls ist der innere Kommentar dann, wenn’s zu unbarmherzig an den Nerven des Lesers zerrt, eine gute Einübung für jede Kritik. Auch dann, wenn dieser Kommentar eigentlich noch nicht druckreif ist. Sei’s drum.

Denn mit gehaltvollem Stoff umzugehen, so, wie er uns allzu oft aus Marketing-Abteilungen, aus Unternehmensberatungen und Trendbüros entgegenschwappt, dazu gehört ein starker Magen. Hier eine mögliche Kombination aus einem solchen Intro-Text und der daraus folgenden abwehrstimulierenden Mentalsekretion, die ich in eckigen Klammern einfügte. Zur Illustration des Vorgangs der ‘allmählichen Gedankenverfertigung’ habe ich diesen verborgenen Vorgang als Paralleltext einfach hier mal offen gelegt, denn beim Lesen treffen immer zwei Personen aufeinander. Daher gibt es auch unausweichlich diesen Dialog, nur meistens achten wir nicht darauf:

Weiterlesen

Totdeutsch

“Das schlechteste und albernste Deutsch kommt … von oben. Von sprachlich unterentwickelten TV-Moderatoren, die in die Sender geschwemmt werden. Von Wichtigsprechern aus der Wirtschaft. Von Mimen, die nur Vorgekochtes reden können. Von Promis, die vor keine Schulklasse treten dürften. Und von eben jenen, die genau das Deutsch, das sie nicht beherrschen, ins Grundgesetz packen möchten”.

Dieser Text sollte von mir sein – er ist es leider nicht. Reinhard Siemes zog heute in der taz so kongenial vom Leder. Dass der Verfasser beim Wolf Schneider tief im sprachlichen Kaiserreich landen musste, das ist allerdings ein wenig schade. Ansonsten aber hat er in nahezu jedem Punkt völlig recht – vor allem in einem: Das schlechteste Deutsch sprechen selbsternannte Deutschwärter, nämlich Totdeutsch …

Diese Figuren …

die einfach nicht reden können, aber berufsbedingt trotzdem notdürftig dahersabbeln müssen, die sind für mich das Problem, nicht aber das Denglishe. Das hängt ihnen nur an, wie dem Pavian der rote Mors. Trotzdem ist der rote Mors nicht der Pavian:

Marketing-Geschöpfe quasseln sich um Kopf und Kragen

Stiebitzt beim ‘Spiegelfechter’.

Das Brabbeln der Nörgler

In dichten Schwärmen kämen die bösen Anglizismen auf uns zugebraust, sie würden unsere toitsche Sprache mit ihrem Gift kontaminieren und uns in ein denglish daherstammelndes Kolonialvolk der Amerikaner verwandeln. Das – auf den Kern reduziert – ist in etwa die Botschaft der Sprachnörgler aus dem Verein für deutsche Sprache.

Wäre es so, müsste sich die These ja leicht überprüfen lassen – zum Beispiel mit Hilfe von Lothar Lemnitzers ‘Wortwarte’, die alle neuen Wörter (Neologismen) getreulich sammelt, so wie sie in Deutschlands Medien zu finden sind. Zuletzt fand der Herr Professor Lemnitzer dort – am 2. Oktober 2008 – 45 Neubürger unserer Sprache, unter ihnen ganze fünf Denglish-Vokabeln und vier Zwitter, also Neukombinationen aus englischen und deutschen Wortbestandteilen.

36 der neuen Vokabeln aber sind gute, sesshafte Germanen, keine dahergelaufenen Angelsachsen oder lassoschwingende Präriebarbaren: vom ‘Apfelgehör’ über das ‘Flüsterauto’ bis zum ‘Zockoholiker’. Der VDS möge sich also zurücklehnen und beruhigen, seine Befürchtungen sind völlig gegenstandslos, sie entspringen blanker Paranoia …

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