Stilstand

If your memory serves you well ...

Schlagwort: Cicero (Seite 1 von 6)

Das Grauchen

Die Frauenquote kommt einer Enteignung gleich. Und das in einem Rechtsstaat. Der legitimiert sich nämlich nicht über Quötchen, Soziales und anderen Politik-Kitsch …”

Jetzt wissen wir’s, ‘Soziales’ ist bloß so’n ‘Polit-Kitsch’. Das meint jedenfalls Alexander Grau dort drüben im ‘Wachtturm’ des Neoliberalismus, dem ‘Cicero’.

Wild Man Alex

Unser Schwarzkittel vom ‘Cicero’ beklagt mal wieder den Schwund an ‘Froihoit’ in Deutschland. Interessant ist hierbei, was dieser Wiederholungstäter unter ‘Freiheit’ versteht. Da wäre zuvörderst und vor allem das entweihte Bankgeheimnis, welches dem wohlhabenden Bürger bekanntlich die Freiheit gab, dem Staat ungestraft die pflichtgemäßen Steuern zu entziehen. Dann soll es – ogottogott! – künftig tatsächlich Toaster mit nur noch mit einem Schlitz für die Brotscheibe geben. In Alex’ Weltsicht das Werk regulierungssüchtiger Bürokraten, die dem Bürger immer mehr ‘Froihoiten’ rauben. Umgekehrt würde schon eher ein Schuh daraus: Es sind eher regulierungssüchtige Großunternehmen, die sich hinter die EU-Kommissionen und hinter selbsterdachte Labels und Zertifikate klemmen, um unliebsame Konkurrenz mit ‘gestreamlineten’ Auflagen vom Markt zu fegen. Hinter jeder ‘Regulierung’ stehen in Brüssel zwanzig Lobbyisten – Minimum!

Kurzum: Letztlich läuft es bei unserem Knallkonservativen doch immer auf ‘Froihoit’ als Zustand erstrebenswerter Anarchie hinaus:

“Dass zur Freiheit der Person auch die Freiheit gehört, Krach zu machen, Strom zu verschwenden, vielleicht gar zu rauchen, hört in Brüssel niemand gerne. An nichts wird so entschlossen gearbeitet wie am Homo sapiens 2.0, dem neuen, dem durchsichtigen, dem rundum überwachten, überprüften, optimierten, dem staatsförmigen Menschen.”

Genau – und wenn mir danach ist, ein Kind zu schänden, dann liefe das vermutlich auch noch unter ‘Froihoit der Person’. Während ‘Facebook’ und ‘Google’, die doch bekanntlich die Motoren eines transparenten und werbekonformen Menschen sind, plötzlich zu den ‘staatsförmigen Organisationen’ zu zählen wären? Nur weil’s ins kleine Weltbild passt?

Nee, nee, Alexander Kissler, ständiges Britzeln an den immergleichen Synapsen macht aus keinem Gehirn einen Thinktank … vielleicht solltest du mal die gute, alte Stamokap-Theorie in die Hand nehmen: Zu viel willfährige Politiker am Gängelband industrieller Interessen. Ganz so ist es zwar noch nicht, aber du wärst doch erheblich ‘dichter dran’.

Selbstmörderische Headlines

Suizid ist bekanntlich gleichbedeutend mit Selbstmord. Es geht also nicht darum, anderen an den Kragen zu gehen. Wenn daher alle Atheisten sich jetzt selbst umbringen wollten, dann könnte dies unserem pius-gebenedeiten Sprachrohr der Ultraorthodoxie aus dem eher randständigen Katholikenmilieu doch nur recht sein. Oder kann dieser Alexander Kissler einfach nur keine Headlines verfassen?

“Atheisten rüsten zum Suizid.”

Hättest du geschwiegen …

Mein Lieblings-Intelligenzler im geradezu alpinen Feuilleton-Gebirge deutscher Hochkultur, der Wolfgang Bok also, schrieb uns im ‘Cicero’, diesem ebenso avantgardistischen wie frechen Magazin für gehobene Ansprüche, folgendes aufs Brötchen:

“In seinen „Moralischen Schriften“ listet Umberto Eco insgesamt 14 Merkmale des Faschismus auf, die weitgehend auf Putins Herrschaftsgebaren zutreffen … Der Faschismus lebe, so der italienische Literat („Momo“) und Philosoph, „von der Obsession, die anderen hätten sich gegen ihn verschworen“.

Auch Johann Wolfgang von Goethe schrieb bereits in einem seiner Hauptwerke (“Durchs wilde Kurdistan”): “Wenn einer, der mit Mühe kaum gekrochen ist auf einen Baum, schon meint, dass er ein Vogel wär’, so irrt sich der”.

Mein Herr, Ihr Weltbild rutscht!

Und das mir: Ich muss an dieser Stelle einen Artikel über Max Weber uneingeschränkt loben, der ausgerechnet im ‘Cicero’ erschien. Verfasst wurde dieser Text auch noch von einem ehemaligen Geschäftsführer der ‘Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)’. O tempora, o mores!

Moderation im Sündenpfuhl

Ich frage mich, was der Alexander Kissler, das Stahlgewitter vom ‘Cicero’, bei so viel Einigkeit da überhaupt noch ‘moderieren’ musste?

“Die acht Teilnehmenden beziehen zumeist alle die gleichen Positionen, eine Debatte findet nicht statt. So werden eben jene Themen angesprochen, die die Rechte bewegen. Die angeblich drohende Auflösung der Familie durch das Recht auf Abtreibung. Homosexualität, Transgender, Gender-Mainstream, Selbstbefriedigung und selbstbestimmte Sexualität werden als Sünde deklariert, während eifrig dagegen gehetzt wird. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fabulieren dazu ein „Naturgesetz“ herbei, das die Familie (Mann, Frau und Kind) darstellen soll. Der „moderne Zeitgeist“ in Deutschland wolle hingegen die „natürliche“ Familie zerstören. Wie in neurechten Debatten üblich werden die 68er-Bewegung und der Feminismus an den Pranger gestellt.”

Hier kommt Alex …

Der Alexander Kissler, ein Mann, der uns Akif Pirinccis unfreiwillige Satire allen Ernstes schon mal als “Sachbuch” vorstellte, der holt jetzt im ‘Cicero’ zum großen Rundumschlag aus: Die deutschen Medien hätten ihr Publikum aus den Augen verloren, das könne man vor allem an den Kommentaren zur Russland-Berichterstattung und zu den Pirincci-Verrissen sehen, und daher, vom mangelnden Kontakt einer ‘Medienelite’ mit der Volksmeinung, kämen allemal und ganz allein die ständig sinkenden Auflagen:

“Immer mehr Menschen haben den Eindruck, da werde an ihrem Leben, ihren Eindrücken, ihren Haltungen vorbei geschrieben. Da bastle sich eine abgehobene Medienelite die Welt, wie sie ihr und nur ihr gefalle. Da herrsche der teils übellaunige, teils zwangsironische Nörgelton der Hyperkorrekten und Dauerbesorgten, der Schönredner und Weggucker und Besserwisser.”

Fakt daran ist bisher nur, dass die Auflagen tatsächlich sinken. Daraus aber den Schluss zu ziehen, die ganze junge Leserschaft hierzulande würde im Grunde wie ‘Russia Today’ denken und bei den Abonnements mördermäßig zuschlagen, wenn ein gedrucktes Medium nur deren Weisheiten endlich mal verkündete, das ist eine reichlich kühne These, die keineswegs durch Umfragen gedeckt ist. Zwischen dem, was unter rapide wechselnden Pseudos derzeit durch die Kanäle der Kommentarspalten stürmert, und der demoskopisch ermittelten ‘Volksmeinung’ herrscht nämlich eine geradezu erstaunliche Diskrepanz. Da spielen also höchstens einige Leute ‘das Volk’, indem sie sich zur beleidigten Katzenmusik einer konzertierten Aktion zusammenfinden. Was Alexander Kissler uns im Grunde hier als Vademecum für die Publizistik empfiehlt, das ist ihr Wandel vom Journalismus hin zu vermehrtem ‘Astroturfing’. Leitmedien wie der FAZ oder der Zeit sage ich schon mal einen noch größeren Auflagenschwund voraus, sollten sie sich jemals publizistisch auf die Ebene ihres Kommentariats zu diesen Themen begeben. Die Zeitungen haben kein ideologisches Problem, sondern ein mediales. Ideologisch sind – vom Freitag bis zur Welt – alle Bedürfnisse längst abgedeckt.

Weiterhin stünde es doch jedem renditebewussten Verleger in einer freien Marktwirtschaft absolut frei, auch hierzulande eine ‘Prawda’ auf den Markt zu bringen, wenn damit – laut Kissler – solch exorbitante Auflage zu erzielen wäre. Was sie davon bloß abhält? Vermutlich sind es die Beispiele, die schrecken. Wir haben doch hierzulande reichlich Medien, welche Kisslers empfohlene Linie eines ‘Bilderberger-Journalismus’ verfolgen – ich denke bspw. an das ‘Neue Deutschland’, an die ‘Junge Freiheit’ oder auch an die ‘Linkszeitung’. Steigen deren Auflagen etwa, weil sie die ‘einzig wahre Volksmeinung’ vertreten? Laut unserem Cicero-Orakel müssten sie ‘s doch eigentlich – und wie geht’s denn eigentlich dem ‘Cicero’?

“Die in Berlin vom Schweizer Ringier-Verlag herausgegebene Monatszeitschrift “Cicero” zählt zu den Titeln, die viele schätzen, aber nur wenige lesen.”

Viel geschätzt und wenig gelesen – wie geht das? Egal, das war vermutlich nur des Sängers Höflichkeit. Kurzum: Mal wieder völlig neben der Spur, der Alexander Kissler, diese These ist schlicht ein antielitärer Hoax, voll und ganz auf rechtspopulistischer Linie: ‘Wir sind eigentlich ganz viele und werden nur deshalb nicht erhört, weil ja die bösen Eliten’ usw. usf. – Lilliput im Größenwahn …

Schäfchen auf Kreuzzug

Dass beim ‘Cicero’ der politische Katholizismus grassiert, ist nicht erst seit Alexander Kissler bekannt. Jetzt also darf der Professor Heinz Theisen von der Katholischen Hochschule Köln dort seine Weltsicht unter dem schönen Titel “Wer Demokratie exportiert, sät Anarchie” ausbreiten. Und weil er Professor ist, wirkt das Elaborat auch nicht platterdings untauglich, sondern eher ‘halbschlau’ oder ‘jesuitisch’. Was er im Kern propagiert, ist ein ‘westlicher Isolationismus’, wie ihn auch die USA in den dreißiger Jahren praktizierten:

“Die Strategie des Westens, andere Länder zwangsdemokratisieren zu wollen, ist krachend gescheitert. Kluge Außenpolitik sollte lieber auf friedliche Koexistenz mit Autokratien setzen.”

Schön und gut, so etwas kann man ja mal behaupten. Aber bei dem, was der Herr zur Illustration heranzieht, liegt er dann doch oft ebenso krachend daneben:

“Die militärischen Interventionen des Westens rufen angesichts der mangelnden Übertragbarkeit unserer Ideale und Strukturen interkulturelle Tragödien hervor. Die erzwungenen freien Wahlen brachten Islamisten und illiberale Demokratien an die Macht. Das frei gewählte Parlament Afghanistans führte die Scharia einschließlich der Todesstrafe für Konvertiten ein. Im demokratisierten Irak wurden die Christen als „Freunde des Westens“ verfolgt, nicht vom irakischen Staat, sondern von Al Qaida, denen gegenüber dieser demokratische, in Ethnien und Konfessionen zerrissene Staat längst ohnmächtig ist.”

Die ‘mangelnde Übertragbarkeit unserer Ideale’ hätte all dies bewirkt? Und die Einführung der Scharia in Afghanistan wäre also erst eine Folge der westlichen Intervention samt ‘Freedom & Democracy’ gewesen? Herr, lass es Hirn regnen! Das Taliban-Regime 1.0 fand vor jeder westlichen Intervention schon statt – und es wurden nicht nur Buddha-Statuen gesprengt, sondern Menschen nach den Gesetzen der Scharia massenhaft gesteinigt und dahingemetzelt, bloß weil sie vielleicht ein wenig Musik hörten. Und mit so etwas soll ein auf kulturellen Ausgleich bedachter Isolationismus Händchen halten?

Auch im Irak unter Saddam wurden zwar nicht gerade Christen verfolgt, sondern ‘nur’ die Schiiten im Euphrat-Delta dahingemeuchelt und die Kurden nördlich von Mossul vergast. Ich bin gewiss kein Freund von Schorsch Dabbeljuh, dieser Leuchte des Abendlandes, aber Saddam Hussein war eben auch kein Menschenfreund, sondern lange Zeit eben nur ‘unser Schlächter’. Eher ein ‘Mangel an Idealen’ und ein Übermaß an ‘geopolitischen Interessen’ konnte ihn so lange tolerieren.

Das Blut floss also nicht erst nach dem angeblichen ‘Demokratieexport’ des Westens, wie gescheitert solche Interventionen auch immer verlaufen sein mögen. Und es waren nicht ‘erzwungene freie Wahlen’, welche die ‘Illiberalität’ erst bewirkten. Auch ohne freie Wahlen gelangten weltweit schon die ekligsten Figuren an die Macht. Ursache und Wirkung werden in bester jesuitischer Tradition hier konsequent vertauscht. Ganz abgesehen davon, dass ‘der Westen’ Theisens Rezepte doch schon oft genug befolgt, zum Beispiel gegenüber Saudi-Arabien, faktisch eine der übelsten religiösen Diktaturen der Welt. Man könnte sogar mit guten Gründen behaupten, dass der saudische ‘Freund des Westens’ hinter dem Djihadismus bspw. in Syrien oder im Irak steckt.

In der Folge läuft bei Heinz Theisen alles auf einen Quietismus hinaus, die Welt sei im Grunde unveränderlich und ein Jammertal, das Hohelied der Tradition wird gesungen:

“Russland wurde immer autoritär regiert und sein Nachfolger würde nicht anders regieren können.”

So ist das nun mal – und das russische Volk mit seinen Ambitionen soll gefälligst die Fresse halten, in den Straflagern Ringelreihen tanzen, und sich in sein unveränderliches kulturelles Schicksal ergeben.

Eine bemerkenswerte Kehrtwendung vollzieht unser Professor dann allerdings doch. Sein ‘kulturelles Laissez-Faire’ gilt in Bezug auf eine der konkurrierenden ‘Kulturen’ dann eben nicht – in Bezug auf den Islam. Vermutlich rebellierte sein Christenherz doch allzu heftig gegen die Folgerichtigkeit seines eigenen Denkens. Und was für Nordkorea billig sein mag, das gilt noch lange nicht für Dschihadisten. Plötzlich werden wir unversehens mit Huntingdons ‘Clash of Civilizations’ konfrontiert, aus dem Isolationisten wird schlussendlich wieder ein kultureller Kreuzzügler:

“Der Islamismus ist der Totalitarismus des 21. Jahrhunderts. … Wir können dem Kampf der Kulturen nicht länger ausweichen, indem wir ihn verleugnen oder mit schönen Begriffen wie „interkultureller Dialog“ und „Integration“ verniedlichen.”

Aha – erst eine dolle isolationistische These aufgestellt, und mit dem Mors der Conclusio gleich wieder interventionistisch umgerissen. Jesuitismus live!

Wo er recht hat, hat er recht

Der Kampf gegen Rechts ist keine Kunst.”

So blöd, wie die Rechten sind. Okay, okay, er meinte das wohl anders. Der wirre Herr im Namen des Herrn ist mal wieder auf dem Kreuzzug gegen eine halluzinierte grünlinke Kunstszene. Sollte er aber dann nicht erst einmal lernen, eine akzeptable und auch orthographisch korrekte Headline zu basteln? Die nehmen diesen Ernst auf Seiten der Kultur doch sonst gar nicht ernst.

Schlimm ist das!

Wer am (vom Menschen gemachten) Klimawandel zweifelt, ist ein „Klimaleugner“. Wer die Zuwanderung in die Sozialsysteme begrenzen will, ist ein „Rechtspopulist“. Wer das Euro-System für eine Fehlkonstruktion hält, ist ein „Europagegner“. Und wer Schwule und Lesben nicht bis in den letzten gesellschaftlichen Winkel mit Heterosexuellen gleichstellen will, wird als „homophob“ in die Ecke des Antiliberalen gestellt.”

Und wer die ‘rosa Winkel’ im KZ damals leugnet, würde wohl immer gleich als ein “Nazi” diskriminiert? Nee, nee, nee – wo soll dieser Meinungsterror die Liberalität bloß noch hinführen? Näheres zu Wolfgang Bok hat übrigens dieser Text zu bieten. Wuschwuschwusch, und schon ist alles, was dem Herrn nicht ins Weltbild passt – und das ist so einiges -, nur noch blanker ‘Sozialismus’.

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