Du weißt gar nicht, wat ich allet erlebt habe“, sagte die Frau meines Cousins oft zu mir, „wenn ich dat allet mal aufschreiben würde, woll, dann wär’ dat’n dicket, spannendes Buch“. Ähnlich wie sie überschätzen viele, die nie geschrieben haben, die Macht der realen Ereignisse und der ablaufenden Handlung. Das äußere Erlebnis oder das Geschehen ist noch längst keine Literatur, eine Erzählung ist keine Nacherzählung.

Im Kern lässt sich erzählende Literatur in zwei Kategorien teilen. 1. In solche, die vor allem oder allein Wert auf die Handlung legt: Von Jerry Cotton über Karl May und Tolkien bis hin zu Rosamunde Pilcher. 2. Und in solche, die vor allem die innere Entwicklung (oder die Nichtentwicklung) einer oder mehrerer Personen ins Zentrum stellt. Darauf aufbauend könnte man auch flapsig eine soziologische Theorie der Literatur formulieren – mit dem Kernsatz: “Handlung ist für Doofe“. Obwohl es natürlich Zwischenformen gibt wie bspw. Henning Mankell, der bei aller Handlung dem Innenleben seines Kommissars Wallander großen Raum gibt, was dann zusammen mit den blutigen Schnetzelarien den besonderen Reiz und Erfolg dieser Krimis ausmacht.

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