Unsere treudeutsche ‘Wirtschaftswoche’ mag so etwas von ihrer FDP gar nicht glauben und greift grammatisch zum Putativ: “Der Bericht soll frisiert worden sein.”

Der FAZ ‘offenbart’ sich auch kein Handlungsbedarf – schon gar kein Skandal, ‘bloß wegen so’n büschen Redigieren’: “Vor der Veröffentlichung sind offenbar einige Sätze geändert worden.”

Der ‘Spiegel’ sieht dagegen überall nur noch Löcher im Käse: “Kritische Sätze fehlen, Hinweise auf unbequeme Fakten sind verschwunden

Das ‘Handelsblatt’ zieht sich auf rhetorische Fragen und auf Fiepsi Rösler zurück, und konstatiert einen erwünschten Wandel vom ‘Armutsbericht’ zum ‘Wohlstandsreport’: “Wurde der Armutsbericht der Bundesregierung geschönt? Nein, sagt Philipp Rösler.

Der ‘Stern’ denkt an den Mann auf der Straße und verfällt ins Umgangssprachliche: “Gerechtigkeitslücke? Hamm wa nich. Jedenfalls entfiel ein entsprechender Satz im Armutsbericht der Bundesregierung.

Die ‘Süddeutsche’ zielt mit den echauffierten Sozialverbänden prompt auf die Falsche, denn die Schönfärber saßen bekanntlich im FDP-Wirtschaftsministerium, diesem Taka-Tuka-Land liberaler Utopisten: “Sozialverband warnt von der Leyen vor Zensur.”

Die ‘Welt’ hingegen weiß als einziges Qualitätsmedium von revolutionären Umtrieben zu berichten, die der weiße Ritter Fiepsi Rösler mit Fug bekämpft hätte: “Passagen, die den Eindruck von “sozialen Unruhen” erweckten, seien zu Recht gestrichen worden.

Die ‘Zeit’ ist eher etepetete und mag sich die Finger nicht schmutzig machen; sie zitiert vorwiegend Zitate anderer Leute: “Die Süddeutsche Zeitung zitiert den FDP-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, der Bericht habe nicht “der Meinung der Bundesregierung” entsprochen.”

Nur auf ‘Twitter’ geht unter dem Hashtag #armutsbericht so volksnah zu, wie es unsere Realitätsverleugner in den Ministerien verdient haben.

So gemein ist eben nur das Internet – so fies ist nur der Medienwandel – und ‘abgehoben’ ist für das, was unsere Medien größtenteils schreiben, gar kein passender Ausdruck mehr. Aber gut, sie fahren dahin …